Wellness ist nicht gleich Wellness – Wie man ein gutes Angebot erkennt

Foto: beauty24.de

Aryuveda, Entgiftungskuren, Rosenbad oder Meditation: Wellness kann viel bedeuten und ist ein nicht geschuetzter Begriff. Bis heute muessen sich Kunden selbst ueber die Qualitaet und Produktpalette der Anbieter umfangreich informieren, wenn die Auszeit in der Wellnessoase ein Erfolg werden soll. „Die wichtigsten Tipps geben dabei Freunde, Hotelbewertungen und Empfehlungen in Internetforen“, sagt Michael Altewischer, Geschaeftsfuehrer Wellness Hotels & Resorts. Denn Unternehmen mit Wellnessangeboten sind nicht verpflichtet, sich zertifizieren zu lassen.

„Das Verständnis des Wellnessbegriffs hat im deutschsprachigen Raum sehr unter seiner unqualifizierten Verbreitung und Umsetzung gelitten. Wellness wird hierzulande häufig nur mit passivem Verwöhntwerden, Sauna und Whirlpool, Sinnesrausch und luxuriösem Ambiente in Verbindung gebracht. Dies wird dem eigentlichen Inhalt dieses Gesundheitskonzeptes in keiner Weise gerecht.“, schreibt auf seiner Webseite der Deutsche Wellnessverband. Denn der Grundgedanke des Wellness ist, Krankheiten erst gar nicht entstehen lassen. Durch eine bewusste Lebensweise soll der Mensch gesund bleiben. Der Qualitaetsanspruch im Wellnessbereich ist demnach gross.

Deswegen vergeben neuerdings veschiedene Reiseveranstalter hauseigene Zertifikate. Kunden werden befragt, Stichproben vorgenommen und regelmaessige Besuche von Produktmanagern sollen die Qualitaet bei Wellnessanbietern sicher stellen. Glaubwuerdigkeit beim Kunden hilft den Unternehmen bei ihren Marketingstrategien. So bietet auch der Deutsche Wellnessverband eigene Qualitaetssiegel an. Unabhängige Sachverständige pruefen den Standard an Qualität und persönlichem Service in anonymen Tests. Hier werden die Gesamtleistungen bewertet, sowohl Einrichtung als auch Mitarbeiter. Das ist zumindest eine erste Orientierungshilfe.

Trotz zahlreicher Bewertungenskanaele heutzutage hat der Kunde bei dem grossen Angebot keine absolute Garantie auf Qualitaet. Dem Reisenden bleibt nach wie vor nur die Eigeninitiative sich vorab gruendlich zu informieren und zu vergleichen. Nicht alles mag Wellness sein, was sich Wellness nennt. (dia)

ITB 2014 Tag 1 | 5. März 2014

Irgendwann war ich geerdet – Auf der Suche nach Erholung im Messetrubel

Im Salzburgerland gibt es kuschelige Kissen und Musik auf die Ohren. So konnte ich den Trubel mal kurz vergessen. Foto: Minou Wallesch

 

Alles ist schnell und laut. Stimmen, Schritte, Geschirr klirrt. Es rauscht und summt um mich herum, wenn ich durch die Hallen streife. Alles verschwimmt zu einer Suppe. Schwappt auf und ab, in mein Ohr und an mir vorbei. Auf der ITB plappert und klappert es an jeder Ecke. Doch auch hier gibt es Ruhe und Raum für Erholung. Ich muss sie nur finden.

Zielstrebig steuere ich die Wellnesshalle an.  In der kleinen Halle stehen ein paar Messestände im Kreis herum. Mein Weg zum Wellnessbereich war bunt. Die Messestände hatten Säulen und Bilder, es standen verkleidete Menschen herum und es gab viel zu entdecken. Hier dominiert die Farbe Weiß und die Stände sehen irgendwie ungeliebt aus. Nur „Panorama Morska“ bietet Wellness. Eine kostenlose Nackenmassage. Der Stuhl für die Massage steht allerdings zwischen einem Stehtisch und vielen Menschen. Als ich auf den Stuhl steige fühle ich mich beobachtet.  Während das Foto gemacht wird massiert mich Alexander Posmyk nicht. Er platziert nur seine Hände in meinem Nacken. Sanft liegen sie auf meinen Schultern. Ich bin immer noch verspannt.

Im „Raum der Stille“ rieselt die Musik leise aus einem Lautsprecher in der Ecke. Von draußen dringen vorbei eilende Schritte und ein monotones Brummen herein. Wahrscheinlich sind es die Autos auf dem Parkplatz. Die zwei Männer auf der anderen Seite des Raumes klappern dezent mit Plastikstäbchen in ihren Teebechern. Ihre Lippen bewegen sie fast lautlos. In der Ecke kniet ein Mann auf einem Gebetsteppich. Er blickt in Richtung Mekka und murmelt leise seine Gebete vor sich hin. Ich sitze ein bisschen auf meinem Holzstuhl und starre im Raum umher. Abwechselnd auf die Männer und den Teppich an der Wand. Stille finde ich hier nicht. Auch keine innere.

[nggallery id=28]

In Polen stehe ich plötzlich vor einem wahren Wellnesstempel. Zu meiner Linken glänzt ein Fuß in Öl. Die dazugehörige Frau blickt zufrieden von ihrer Liege auf den Messetrubel. Ein leichter Duft nach Aromaölen hängt in der Luft. Es gibt Massagen aller Art: Egal ob Hand-, Rücken- oder Nackenverspannungen, an diesen Ständen wird alles gelöst.  Nur ein bisschen anstehen muss man dafür. Ein paar Vorhänge trennen die Liegen voneinander. Es gibt an jeder Ecke Tischchen mit Ölen und Blütenblättern darauf. Die Masseure kneten fleißig eine Hand nach der anderen.

Am Messestand von salzburgerland.com stehen Holzbänke mit dicken Kissen. Bequem gebettet gönne ich mir eine kleine Pause. Es gibt Brot, Käse, Trauben und Kopfhörer. Mit klassischer Musik auf den Ohren kann man sich auf einem Flachbildschirm hübsche Bilder von Salzburg anschauen. Durch die Musik hindurch höre ich nichts mehr dröhnen, plappern oder klirren. Mit den Augen auf dem Bildschirm sind auch die umherströmenden Messebesucher schnell vergessen. Ich versinke ein bisschen. Geige und Bläser wechseln sich ab. „Du willst was erleben“, sagen mir die Töne. Ich lege meine Ohren wieder frei.

Eigentlich ist Entspannung ganz einfach. Ich stehe im Fahrstuhl zwischen Medienzentrum und Presseraum und schließe die Augen. Es ist ein erhebendes Gefühl oder ein erdendes. Je nachdem was ich gerade brauche und in welche vertikale Richtung sich der Aufzug gerade bewegt. Stille. Ruhe. Auch innere.

ITB 2013 Kurztrips Topstories

Der Trend zum Nichttrend

Jugendreiseveranstalter setzen in diesem Jahr auf Altbewährtes, die Kids auf Mitbestimmung

Die Jugendreiseveranstalter sind sich einig: Abenteuerurlaub ist bei Teenagern sehr beliebt und läuft gut. Eltern und Lehrer wünschen sich, dass der Nachwuchs kulturell und sprachlich im Urlaub etwas dazulernt. Die Teenager wollen vor allem eins: Spaß! Wenig überraschend, kaum was Neues auf der Messe für die jungen Kunden.

Generator Hostel zum Beispiel ist auf diese Zielgruppe spezialisiert: Die Kundenansprache ist modern,  das Design ist hip. Über soziale Medien wie Facebook und Twitter sind sie im ständigen Kontakt mit den jungen Erwachsenen. Das war aber auch schon im letzten Jahr so. Trotz des direkten Drahts bleibt die Antwort nach Trends vage. „Die Gäste machen meistens das gleiche: Hauptattraktionen und ein paar Insidertipps reichen“, berichtet ein Mitarbeiter Schulter zuckend. Nur eins fällt ihm auf: Dass die Jugendlichen sich unabhängig in das Abenteuer stürzen wollen. Das Geschäft mit den Freiheitsliebenden wächst für die Hostels seit Jahren.

Sind also Individualreisen der neue Trend? Das Bundesforum Kinder- und Jugendreisen sieht das anders. Alleine elf Millionen Kinder und Jugendliche nahmen im vergangenen Jahr an organisierte Gruppenreisen teil. Vielleicht wurde für die Jugendlichen schon das passende Urlaubsrezept gefunden. Manfred Fuss vom Bundesforum Kinder und Jugendreisen kann sich das vorstellen. Er ist überzeugt, dass die Jugendlichen heute genauso begeisterungsfähig seien wie vor einigen Jahren. Er unterstreicht aber auch noch einmal, wie wichtig die Unabhängigkeit für die Jugendlichen sei. Sie wollen ihre Reise selbst mit planen, ihren Leidenschaften nachgehen. Manfred Fuss hat das Gefühl, dass die Teenager heute selbstbewusster sind. Daher können sie mehr fordern.

Ganz neue Entwicklungen haben die Jugendreiseveranstalter in den vergangenen Jahren nicht gefunden. Bei den Erwachsenen wird das Wohlergehen immer wichtiger. Hier gibt es einen ganz klaren Trend in Richtung Gesundheitstourismus. Es gibt durchaus auch Eltern, die Jugendreisen mit Sport und Stressregulierung für ihren Nachwuchs suchen. Der klassische Gesundheitstourismus spielt in dieser Altersgruppe allerdings immer noch keine Rolle.

Allgemein ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Kurztrips Trends

Im Siegel-Dschungel

Foto: Olaf Seiche vom TÜV Rheinland. Quelle: Jennifer Schwanenberg

Mobil E-Mails empfangen, ständig erreichbar sein, überall arbeiten können – die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahre ist immer mehr gestiegen. Parallel dazu hat es sich durchgesetzt in „Wellness-Urlaub“ zu fahren. Die Menschen möchten entspannen, abschalten vom stressigen Alltag, sich „Me-Time“ gönnen, wie Michael Altewischer, Geschäftsführer der Wellness-Hotels-Deutschland (W-H-D) auf der ITB Berlin 2011 erklärt. Für den Gast ist es schwierig sich zu entscheiden, in welchem Hotel er sich diese „Me-Time“ holen kann, denn es existieren eine Vielzahl von Wellness-Siegeln auf dem Markt. Ein europaweites Siegen gibt es hingegen noch nicht. Alle Siegel werden in Kooperationen vergeben, denen die Hotels freiwillig angehören. In welchen Verband oder in welche Kooperation das Hotel Mitglied wird ist der Geschäftsleitung überlassen.

Im Gegensatz zu anderen Siegeln übernimmt nicht die W-H-D selbst die Prüfung, sondern der TÜV Rheinland. Verantwortlich dafür ist Olaf Seiche vom TÜV Rheinland. Der Ingenieur leitet das Prüferteam, das neben Qualitäts- und Sicherheitsleistungen im Tourismus, auch Wellness-Angebote bewertet.

Die Prüfer checken als normale Gäste in das Hotel ein, das Mitglied beim W-H-D werden möchte. Sie buchen Behandlungen, gehen Essen und nutzen das SPA. Seiche erklärt, dass sie dabei besonders auf die Wahrung der Privatsphäre achten, „ist der Schambereich vor der Massage bedeckt worden, gibt es Hygienewäsche, gibt es einen intimen Bereich um sich auszuziehen.“ Darüber hinaus wird erwartet, dass Allergien und andere Unverträglichkeiten vom Personal abgefragt werden. „Außerdem gibt es noch etwas, dass ich ‚Unterlassene Hilfeleistung‘ nenne.“ Seiche meint damit, wenn dem Gast nicht erklärt wird, was er für eine Behandlung bekommt und auch nicht nach bestimmten Problemen oder Vorlieben gefragt wird. Erst nach der Behandlung gibt der Prüfer sich zu erkennen, fragt nach Ausbildung des Personals, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und technischen Voraussetzungen

Die Prüfung durch den TÜV ist unabhängig. „Mir ist es völlig egal, ob das Hotel Mitglied wird und ein Siegel erhält.“ Das ist der Hauptunterschied zu anderen Siegeln, bei denen keine unabhängige Stelle, sondern der Verband oder die Gesellschaft selbst das Siegel vergibt. Der Deutsche Wellness Verband schickt anonyme Tester in die Hotels, der Hotelverband Deutschland bewertet lediglich nach der Selbstauskunft der Hotels.

Der Ingenieur Seiche vom TÜV hat aber auch einige Tipps, wie der Gast schon vor der Buchung gute Qualität erkennen kann. „Man sollte beim Hotel anrufen und sich beraten lassen. Besonders gut ist es, wenn das Hotel Spezialisierungen hat und nicht einfach alles anbietet.“ Außerdem empfiehlt er nach der Ausbildung der Mitarbeiter zu fragen. Ein gutes Hotel gibt da gerne Auskunft – ganz ohne Siegel.

Allgemein ITB 2011

Von Suppenhühnchen, elektronischen Freunden und Engeln in Weiß: Die ITB Berlin lässt sich auch für einen Wellness-Trip nutzen

Foto: Wellness-Oase auf der ITB Berlin. Quelle: Kristin Schrader

Die Angebote für Wellness-Trips häufen sich. Kaum ein Stadtbummel vergeht, ohne dass man idyllisch gelegene Hotelanlagen mit ihrem Entspannungsangebot locken. Luxuriöse Spas laden zu Wochenenden mit der besten Freundin ein. Irgendwie vergessen die Gastgeber nur leider anscheinend gerne, dass eine der beliebtesten Dinge an Einladungen deren Kostenfreiheit ist. Das Minuszeichen beim Blick auf die Kontoauszüge verdirbt auch die schönste Entspannung. Als wesentlich günstiger erweist sich da ein Besuch der ITB Berlin. Für 14 Euro lässt sich nicht nur die Welt des Tourismus entdecken. Auch zahlreiche Massagemöglichkeiten bieten Tiefenentspannung. Zumindest, wenn man kein Problem hat, sich öffentlich zu entkleiden. Wer außerdem gewillt ist, Schlangestehen eher als Fitnessaktivität zu betrachten denn als Zeitverschwendung, sollte sich schleunigst zum Messegelände aufmachen.

Als erster Anlaufpunkt für Entspannungssuchende bietet sich die Halle 16 an. Und das nicht nur, weil sie logistisch praktisch am Osteingang der Messe platziert ist. Verschiedene Anbieter locken in der Wellnessoase mit den unterschiedlichsten Formen der Entspannung. Problematisch ist nur, dass man auf ein allzu ausgiebiges Frühstück eher verzichten sollte. Für viele der Massagen muss sich nämlich in Terminlisten eintragen werden. Diese Prozedur erinnert an einen Ausverkauf bei H&M. „Heute morgen war es echt schlimm. Innerhalb von ein paar Minuten waren alle Zeiträume belegt“, berichtet Benjamin Krauss. Der Marketing-Manager der Firma beauty24 moderiert das Geschehen auf der liebevoll mit Holzboden ausgelegten Bühne in der Mitte der Halle. Leider hat das zur Folge, dass die aufgestellten Massageliegen sich in Präsentierteller verwandeln. Für manch einen dürfte es das Genusserlebnis etwas schmälern, vor sämtlichen Passanten seinen Oberkörper zu entblößen. Schließlich verdeckt das Handtuch über den Hüften nicht jedes Speckröllchen.

Fachbesucher, die schon am Freitag die Messe besuchen durften, konnten sich in dieser Hinsicht glücklich schätzen. An diesem Tag wurde unter Anderem eine Klangschalentherapie angeboten. Für diese müssen vorerst nur die Schuhe ausgezogen werden. Zugegebenermaßen fühlt es sich dafür am Anfang etwas merkwürdig an, barfuß in einer großen Metallschüssel auf der Bühne zu stehen. Wohl das erste Mal im Leben stellt sich Mitleid mit den Suppenhühnchen bei Tim Mälzer ein. Sobald Marian Chruscz jedoch mit dem großen Hammer die Schüssel in Schwingungen versetzt, breitet sich ein wohliges Gefühl im Körper aus. Zumindest im unteren Teil. Das sei vollkommen verständlich, erzählt Chruscz, der Mann mit dem Hammer. Gürtel und Büstenhalter schränken den Fluss der positiven Schwingungen im Körper ein. Also doch wieder ausziehen. Was tut man nicht alles, um Leib und Seele etwas Gutes zu tun. Und es lohnt sich: die Vibrationen steigen bis ganz nach oben. Mit dem Suppenhühnchen fühlt man sich jetzt nur noch durch die einsetzende Gänsehaut verbunden.

Eigentlich möchte man sein liebgewonnenes Schüsselchen nach dieser Erfahrung gar nicht mehr verlassen. Zu lange zu verweilen wäre allerdings Verschwendung. Es gilt, möglichst schnell wieder in die Schuhe zu schlüpfen und Gürtel und BH zuzuzurren, um rasch einen Platz auf Magdalena Moravkovas Massagestuhl zu ergattern. Nachdem die Mitarbeiterin des Spa Resorts Sanssouci ausführlich Rücken, Schultern und Armen ihrer Besucher gestreichelt, geknetet und wieder gestreichelt hat, befreit sie auch dessen Gesicht aus dem klobrillenähnlichen Kopfteil des Massagestuhls. Sind die Erinnerungen an krankheits- oder alkoholbedingten Körperkontakt zur Badezimmereinrichtung einmal aus dem Kopf verdrängt, lässt die Kopfmassage den Magen sich nur noch vor Genuss zusammenziehen. „Eigentlich wäre das noch viel entspannender“, beendet Magdalena die traumhaften fünf Minuten mit einer Entschuldigung, „aber hier haben wir natürlich nicht so viel Zeit für jeden Besucher.“ Vor lauter Dankbarkeit möchte man sie am liebsten zum Abschied in die genussspendenden Arme nehmen. Die sind nur leider schon wieder damit beschäftigt, den nächsten gestressten Messetouristen zu verwöhnen.

Zum Glück warten auch außerhalb der Wellnesshalle noch dem Wellnesshungrigen gutgesinnte Menschen. Auf der ITB Berlin bekommt die Vorstellung von Engeln in Weiß eine leicht modifizierte Bedeutung. Und auch eine andere Form. Blonde Locken sucht man beispielsweise an Heinz-G. Joeken vergebens. Nur die Haarlänge stimmt in etwa. Der leicht an einen Latino erinnernde Mitarbeiter der Firma beauty connection versucht in Halle 25, die Messebesucher mit seiner Massage von einer Kreuzfahrt zu überzeugen. Wer es eher traditionell mag, kann sich auch in die Hände zweier freundlich lächelnder Thailänderinnen begeben. Der Tourismusrat des südostasiatischen Staates setzt in Halle 26 auf den Charme und geschickten Hände seiner Einwohnerinnen, um die Touristen zu begeistern.

Für diejenigen, die nach dem vielen Körperkontakt keine Lust mehr auf menschliche Nähe haben, bietet Halle 7.1c eine echte Alternative. Dort präsentieren gleich mehrere Anbieter elektrischer Massagegeräte ihre Produkte. „Natürlich hoffen wir vor allem, durch die ITB Berlin Großkunden gewinnen zu können“, gibt Eva Bauer von invitalis zu. Der Gedanke an Kapitalismus und Geldmacherei droht sofort, das neugewonnene Gefühl von Tiefenentspannung zu zerstören. Gottseidank scheint sich die gute Frau dessen bewusst und relativiert ihre Aussage schnellstmöglich: „Vor allem wollen wir aber dem Touristen für einen Moment das Gefühl des Sich-Wohl-Fühlens weitergeben.“

Da fühlt man sich doch gleich besser. Und wider Erwarten stellt sich das versprochene Wohlfühl-Gefühl tatsächlich auch bei den elektronischen Masseuren ein. Ob kleines Massagekissen oder kompletter Massagestuhl – plötzlich ist man der vorher noch verteufelten kapitalistischen Marktwirtschaft unglaublich dankbar. Schnell sind die Plastikgartenstühle vergessen, in die man sich erschöpft hat sacken lassen. Menschliche Wärme lässt sich durch die eingebauten Heizstufen ganz gut ersetzen und auch die Knetwirkung der elektronischen Freunde steht den Händen der Engel in weiß kaum noch nach. Zudem bieten die an Wartesäle der deutschen Bahn erinnernden Stuhlreihen einen nicht unerheblichen Vorteil: das Genusserlebnis lässt sich hier mit den Freundinnen teilen. Geteilte Freude gilt ja nicht umsonst als doppelte Freude. Außerdem sind die Stühle den Gängen der Halle zugewendet, sodass auch einem ordentlichen Tratsch keine Sichtbarrieren im Wege stehen.

Falls die beste Freundin sich für das Wochenende Besseres vorgenommen hat als einen Wellness-Trip auf die ITB Berlin, lässt sich notgedrungen auch ganz gut auf den Partner als Begleitung ausweichen. Während wir uns in Heinz-G’s Lationohände begeben, kann unser Schatz sich am nahe gelegenen Golfsimulator austoben. Geschickt platziert ist auch die Rudermaschine, die die Stadt Lodz in der Nachbarhalle der Wellness-Oase aufgebaut hat. Schließlich lässt man sich nur ungerne vom Blick auf ungeduldig wippende Turnschuhe aus der Ruhe bringen, während man in Magdalenas Klobrille hängend den Alltagsstress langsam vergisst.

Allgemein ITB 2010

Wellness, Gesundheit und was noch? – Die Zukunft des Spas

„Das Spa der Zukunft – Welchen Weg nimmt der Markt?“ Das ist eine Frage, die auf der ITB Berlin für viel Gesprächsstoff sorgt. Zumindest auf dem Podium des Fachforums Wellness. Dabei ging es vor allem um medizinischen Tourismus, Gäste, Ökologie und Nachhaltigkeit, Ernährung, Mitarbeiterteams und Design. Im Fokus standen dabei jeweils die potentielle Eröffnung von Spas.

Ein wichtiges Thema für die Spa-Branche ist der medizinische Tourismus. Dr. Harald Stössier von VIVA – Das Zentrum für Moderne Mayr-Medizin erzählte von Gästen, die ihre Gesundheit erhalten wollen: Sich mit alternativen Therapien behandeln lassen, wenn die Schulmedizin nicht geholfen hat. Im Vordergrund steht aber immer die Gesundheit. Dabei betonte er, dass diese Art des Tourismus im wesentlichen auf Vertrauen beruht. Karl-Arnold Schüle, Inhaber von Schüle‘s Gesundheitsressort und Spa, stellte fest, dass die medizinischen Touristen deutlich länger als Wellnessgäste bleiben.

Natürlich. Ökologisch. Nachhaltig. Diese drei Schlagworte waren ebenfalls nicht zu überhören. Dabei machte vor allem Samantha Foster von Spa Source Asia Limited den Unterschied zwischen natürlich und ökologisch deutlich. Sie betonte, dass nicht alles, was natürlich sei, auch gleichzeitig ökologisch ist. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, ob ein grünes Siegel sinnvoll sei. Andrew Gibson von Spa Mandarin Oriental Group hält dies für notwendig. Notwendiger als Produkte. Für Foster heißt das „Nachhaltigkeit für Gäste. Nachhaltigkeit für die Firma. Nachhaltigkeit für den Planeten.“

Auch die Ernährung ist wichtig. Alle waren sich einig, dass Spas in diesem Fall ihre Patienten beraten müssen. Nur wenn diese langfristig ihre Ernährung umstellen und sich gesund ernähren, dann hat die Gesundheit eine Chance.

Ein anderer wesentlicher Faktor für die Zukunft der Spas sind die Menschen, die dort arbeiten. „Was nützt das beste Spa, wenn Sie keine gute Software haben. Die Software sind die Mitarbeiter“, sagte Schüle. Aber was bedeutet dies für die Betriebe konkret? Schulungen. Haustraining. Qualitätsmanagement. Das scheinen die wesentlichen Bestandteile zu sein. Denn Schüle kritisiert „Es ist kolossal. Jeder Mitarbeiter hat zwar seine eigene Handschrift, aber die Leistungen sollten einheitlich sein.“

Neben diesen Faktoren führt schließlich auch das Design eines Spas in die Zukunft. Zu Beginn steht jedoch die Entwicklung eines Konzeptes. Erst wenn die Behandlungsmethoden feststehen, sollte das Design eine Rolle spielen. „Am meisten hat mich die Anzahl der Spas gewundert, die bevor sie überhaupt ein Konzept für Anwendungen hatten, designt wurden“, berichtete Jean Paul Blisset.

Welchen Weg sie auch nehmen – am Ende steht immer ein Spa. Auch in der Zukunft.

Allgemein ITB 2010