Strand, Meer, all-inclusive-Urlaub – die Türkei ist viel mehr als das: eine Rundreise auf der ITB Berlin

Foto: Lokum eine türkische Süßigkeit. Quelle: Christina Heuschen

„ …tatil…Türkiye … Çay içiyorum … “ Türkische Gesprächsfetzen. Irgendwo ertönt orientalische Musik. Hoş geldiniz – Willkommen in der Türkei. Das Partnerland der ITB Berlin 2010 präsentiert sich auf einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern von allen Seiten. İstanbul. Bursa. İzmir. Antalya. Zypern. Erzurum. Städte aus verschiedenen Regionen der Türkei zeigen sich. Ein Land auf zwei Kontinenten: Europa und Asien. Auf der Messe passt die Türkei in eine einzige Halle.

Goldene Kuppeln. Groß und überragend. So zeigt sich der Kapalıçarsı. Eine Reproduktion des ältesten Bazars der Welt mit sechs verschiedenen Geschäften: Teppiche, Lederwaren, Souvenirs, Keramik, Stoffe und Wasserpfeifen und vieles mehr. Der echte Bazar steht in İstanbul. Der Eroberer Fatih Sultan Mehmet erbaute diesen nach der Eroberung Konstantinopels. Fast wie in İstanbul: Eine Frau verhandelt mit dem Teppichhändler auf der ITB Berlin über den Preis eines Teppichs. Gegenüber unterhalten sich zwei Männer auf türkisch über die Messe und was sie bereits gesehen haben.

Direkt daneben steht das Portal der Divrii Ulu Camii Moschee. Angestrahlt. Umgeben von Pflanzen und einem künstlichen Rasen. Verziert mit Ornamenten. Direkt darüber die Flagge der Türkei. Inszenierung pur und ein beliebtes Fotomotiv. Menschen stehen davor und lassen sich im Bogen des Portals fotografieren. Das Original wurde 1229 in der Provinz Sivas erbaut und 1985 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen.

Rund um diese historischen Nachbauten herum haben verschiedene Künstler ihre Stände aufgebaut. Sie kalligrafieren, machen Sandbilder.

Überall in der Halle verteilt sind kleine Stände, an denen man Getränke bekommt. Becher dampfen. Es riecht nach Çay, dem türkischen Tee. Die Frauen, die hinter der Theke stehen schütten ein wenig Tee in Becher und gießen dann heißes Wasser darauf. Wer möchte, kann auch noch etwas Zucker hinzugeben. So wird Tee in der Türkei getrunken. Naschwerk gibt es auch. Lokum – eine Honigspezialität. Klein, weich und klebrig. Süß und mit Kokosstreuseln bedeckt. Lecker!

Was interessiert die Besucher besonders? In der letzten Zeit interessiert die Besucher vor allem die Kultur der Türkei, erzählt eine Mitarbeiterin. Ein Urlaub nur mit Strand und Sonne scheint nicht mehr attraktiv. İstanbul und Bursa rücken in den Vordergrund. Kein Wunder. İstanbul ist dieses Jahr europäische Kulturhauptstadt. Sie präsentiert sich als Metropole. Auf den Prospekten stehen Worte wie: inspirierend, Neues entdecken oder faszinierend. Dafür sprechen: Kunst, Architektur, Festivals und internationale Gipfeltreffen. Mehmet Inceoğlu, Mitarbeiter der Information, drückt es so aus: „Interessant, dass ich weniger nach politischen Sachen gefragt werde. Nur ein Mann hat mich bis jetzt danach gefragt.“ Ob beispielsweise die Türkei in die EU aufgenommen wird, interessiere die Besucher nicht.

Vollkommen ist der Nachbau der Türkei auf der ITB Berlin nicht, weil ein paar Regionen fehlen. Aber einen Einblick bekommt man.

Allgemein ITB 2010

Von der Masse zum Individuum – Tourismus als Herausforderung

Vural Öger berichtet über die Herausforderung im Tourismus. Quelle: Messe Berlin

Vural Öger, Inhaber von Öger Tours, hielt auf dem ITB Destination Day des ITB Berlin Kongresses seine Keynote Herausforderungen bei der zukunftsfähigen Gestaltung touristischer Destinationen. Die Zukunft im Tourismusgewerbe „kann auch einem erfahrenen Touristiker die Schweißperlen ins Gesicht treiben“, erklärte er direkt zu Beginn seines Vortrages. Schwierig sei das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Öger ist davon überzeugt, dass dieses Problem nicht zu Lasten Dritter gehen darf. Nur Balance sei zukunftssicher.

Für den Touristiker Öger ist Tourismus ein Abenteuer. Fremde Bräuche kennenlernen. Aber auch Sand und Meer. Schmecken. Riechen. Hören. Sehen. Fühlen. Urlaub heißt mit allen Sinnen erleben. Doch meist bedeutet Tourismus „organisierte Ödnis statt Individualität“. Für Öger liegt die Zukunft des Tourismus nicht im Massentourismus. Denn der Massentourismus habe bereits viel zerstört. Strände voller Müll. Abgeholzte Wälder. Schmelzen von Gletschern. Dagegen fordert Öger Nachhaltigkeit und Ressourcenmanagement. Destinationen sollen ihre Individualität wiederentdecken und gleichzeitig internationale Angebote in den Vordergrund rücken. Vural Öger hat in Sachen Zukunft bereits Erfahrung. Als Erster bot er Charterflüge von Deutschland in die Türkei an, 1982 gründete er dann Öger Tours. Öger zufolge sollen Reiseangebote für alle preisgünstig sein. Er kritisierte All-inklusive-Angebote. „In schwierigen Zeiten brauchen die Menschen Nähe, Vertrauen und Sicherheit. Das müssen wir ihnen bieten und keinen Cocktail extra.“ Aber welche Lösungen gibt es? Er möchte keine Hotelklötze mehr, dagegen hält der Unternehmer Investitionen in moderne Architektur für sinnvoll. An- und Abreisen zum Urlaubsort sollten möglichst klimaneutral sein. Weiterhin setzt Öger auf interkulturelle Begegnungen: „Brücken des Friedens. Brücken des Wohlstandes. Brücken der Verständigung zwischen Kulturen und Generationen. Brücken der Freundschaft.“ Mit diesen Maßnahmen könnten die touristischen Destinationen geschützt werden.


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