Vereinsreisen in Konkurrenz zu kommerziellen Reiseanbietern

Vereine müssen sich um Ferienkinder bemühen. Alexandra Ehlers vom Landesjugendring Schleswig-Holstein berichtet, die Anmeldezahlen für Verbandsreisen seien in den letzten Jahren immer mehr zurückgegangen. Als einen Grund dafür sieht der Verband die Ganztagsschulen. „Kinder haben einfach immer weniger Zeit für die Mitgliedschaft in Sportvereinen“, erklärt Ehlers. Früher waren die Ferienlager von Sport- und Musikvereinen Selbstläufer. Heute bemühen sich die Verbände um Mitreisende. Für die Suche nach dem passenden Ferienprogramm hat der Landesjugendring Schleswig-Holstein deshalb das Internetportal www.ferienbörse-sh.de für Verbandsreisen gegründet. Über das Portal sollen die Eltern die gemeinnützigen Vereine wiederentdecken.

Eltern suchen ein passendes Ferienprogramm für ihre Kinder häufig online. Große kommerzielle Reiseanbieter haben dadurch Vorteile. Sie stehen bei Google weit oben. Entweder wegen bezahlter Anzeigen oder auf Grund von professionellem Online-Marketing. Sportvereine sind oft weniger  professionell im Internet unterwegs. Deshalb werden ihre Reiseangebote nicht so einfach gefunden. Das Internetportal www.ferienbörse-sh.de ist ein Beispiel dafür, wie  die Vereinsreisen im Internet präsenter gemacht werden.

Auch den demografischen Wandel spüren die Vereine. Es gibt bis zu fünfzehn Prozent weniger Kinder und Jugendliche im Reisealter als noch vor zehn Jahren. Alexandra Ehlers vom Landesjugendring Schleswig Holstein erinnert sich: „Zu meiner Zeit waren wir 100 auf einer Freizeit, heute fahren nur noch zwischen 60 und 80 Kinder mit.“ Neben diesem Punkt gibt es auch viele Eltern, die ihre Kinder mit kommerziellen Reiseanbietern wie RUF in die Ferien schicken, anstatt mit Sportvereinen. „Bei Kinder- und Jugendverbänden steckt immer eine Idee dahinter. Sie setzen auf Gemeinschaft, auf den Sport oder sind politisch engagiert. Bei RUF ist die Freizeit irgendwann vorbei und die Kinder sind wieder weg.“ Das könnten Eltern auch als Vorteil sehen, vermutet Ehlers. Es ist kein weiteres Engagement gefragt, wie es bei einem Verein der Fall wäre. Für Eltern zählen der Preis, der passende Zeitpunkt während der Ferien und die Qualität. Das erfüllen auch kommerzielle Reiseveranstalter. Wenn die drei Punkte erfüllt sind, suchen Eltern oft nicht weiter. Obwohl die Vereine  auch darüber hinaus etwas zu bieten haben: Soziales Engagement, feste Bezugspersonen über die Reise hinaus und regionale Verbundenheit.

Die Preise von Vereinsreisen und Reiseanbietern haben sich angeglichen. Was bei den Reiseanbietern fehlt ist allerdings die Förderung bedürftiger Kinder und Jugendlicher. Diese ist nur bei den gemeinnützigen Vereinen gegeben. Generell sehen Ehlers und Jensen Anbieter wie RUF nicht als tatsächliche Konkurrenz. Schließlich sei die Bindung an regionale Verbände viel größer. „Hier geht es um das Wir-Gefühl. Für viele Mitglieder ist die Freizeit das Highlight des Jahres. Und das besteht auch über die Reise hinaus weiter.“  Ein Viertel bis ein Drittel der Kinder und Jugendlichen werden nach einer Freizeit auch im Verein aktiv, schätzt Jensen. Er erklärt, dass die meisten Vereine aber nicht darauf aus seien, viel mehr Kinder als ihre eigenen Mitglieder mit in die Ferien zu nehmen. „Dieses finanzielle Potential sehen die meisten Verbände gar nicht.“

Wenig Konkurrenzdenken von RUF

Im Gegensatz zu den Vereinen haben die kommerziellen Jugendreiseveranstalter keine Probleme. Seit Jahren steigen die Zahlen der Reisenden. Beim Marktführer für Jugendreisen RUF waren es 2010 noch rund 70.000, zwei Jahre später schon 80.000 Kinder und Jugendliche. Inga Krusch, Pressesprecherin bei RUF, sieht eher ein Miteinander mit den Vereinen als eine starke Konkurrenz. „Wenn die klassischen Sportverbände eine Konkurrenz für uns sind, dann weil sie so Viele sind. Außerdem haben sie einfach eine jahrzehntelange Tradition.“ Die Vorteile der großen Reiseveranstalter sind ihre flächendeckenden Angebote. Die Zielgruppe ist größer, weil sie nicht auf eine Region beschränkt ist. Überraschenderweise gibt es auch bei RUF eine langjährige Bindung. Alleine bei den unter 20 Jährigen gibt es einige, die schon zehn Mal und mehr mitgefahren sind. Auch hier haben sich also die kommerziellen Reiseveranstalter an die Vereine angeglichen.

ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen

Der Trend zum Nichttrend

Jugendreiseveranstalter setzen in diesem Jahr auf Altbewährtes, die Kids auf Mitbestimmung

Die Jugendreiseveranstalter sind sich einig: Abenteuerurlaub ist bei Teenagern sehr beliebt und läuft gut. Eltern und Lehrer wünschen sich, dass der Nachwuchs kulturell und sprachlich im Urlaub etwas dazulernt. Die Teenager wollen vor allem eins: Spaß! Wenig überraschend, kaum was Neues auf der Messe für die jungen Kunden.

Generator Hostel zum Beispiel ist auf diese Zielgruppe spezialisiert: Die Kundenansprache ist modern,  das Design ist hip. Über soziale Medien wie Facebook und Twitter sind sie im ständigen Kontakt mit den jungen Erwachsenen. Das war aber auch schon im letzten Jahr so. Trotz des direkten Drahts bleibt die Antwort nach Trends vage. „Die Gäste machen meistens das gleiche: Hauptattraktionen und ein paar Insidertipps reichen“, berichtet ein Mitarbeiter Schulter zuckend. Nur eins fällt ihm auf: Dass die Jugendlichen sich unabhängig in das Abenteuer stürzen wollen. Das Geschäft mit den Freiheitsliebenden wächst für die Hostels seit Jahren.

Sind also Individualreisen der neue Trend? Das Bundesforum Kinder- und Jugendreisen sieht das anders. Alleine elf Millionen Kinder und Jugendliche nahmen im vergangenen Jahr an organisierte Gruppenreisen teil. Vielleicht wurde für die Jugendlichen schon das passende Urlaubsrezept gefunden. Manfred Fuss vom Bundesforum Kinder und Jugendreisen kann sich das vorstellen. Er ist überzeugt, dass die Jugendlichen heute genauso begeisterungsfähig seien wie vor einigen Jahren. Er unterstreicht aber auch noch einmal, wie wichtig die Unabhängigkeit für die Jugendlichen sei. Sie wollen ihre Reise selbst mit planen, ihren Leidenschaften nachgehen. Manfred Fuss hat das Gefühl, dass die Teenager heute selbstbewusster sind. Daher können sie mehr fordern.

Ganz neue Entwicklungen haben die Jugendreiseveranstalter in den vergangenen Jahren nicht gefunden. Bei den Erwachsenen wird das Wohlergehen immer wichtiger. Hier gibt es einen ganz klaren Trend in Richtung Gesundheitstourismus. Es gibt durchaus auch Eltern, die Jugendreisen mit Sport und Stressregulierung für ihren Nachwuchs suchen. Der klassische Gesundheitstourismus spielt in dieser Altersgruppe allerdings immer noch keine Rolle.

Allgemein ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Kurztrips Trends

SO-LO-MO – oder wohin die Reise der Reise geht

Foto: Dipl. Math. Heike Helmers. Quelle: Jana Rentmeister

Alle Referenten beim Panel sprechen von den diesjährigen Trends im eTourismus: Social Media. Ob alle Unternehmer und auch kleine Betriebe mithalten können, ist noch die Frage. Denn wie so oft geht es bei Trends um Erwartungen, nicht um Versprechungen.

In ganzen Hallen der ITB Berlin, der weltweit größten Messe für Tourismus, geht es nur um das Thema „Wohin geht die Reise der Reise?“, sprich: welche Entwicklungen können wir im Tourismus erwarten? Und es gibt viele Antworten. Die Trends im eTourismusmarketing auf sind nach einem Tag schnell auf den Punkt gebracht: SO-LO-MO, die Kurzform für social, local und mobile.

Im eTravel World Lab der Halle 7.1c dreht sich jeder Vortrag darum. Auf „Konsumentenmarkting im Social Web“ folgt „Social Media 2012 – 10 Thesen vom Hype zum Kommunikationsalltag“ über „Social Media along the travel chain“ bis hin zu „Kollaboratives Reisen – Ideen und Konzepte für ein neue Zeitalter im Tourismus“.

„Dabei ist das Bewusstsein für Social Media bei Klein(st)unternehmen noch längst nicht da“, weiß Dipl. Math. Heike Helmers aus eigener Erfahrung. Die Marketingberaterin von Tourismuskontor sitzt mit im Publikum und hört gespannt den Vorträgen zu. Sie entwickelt für Kleinst- und Kleinunternehmen aus der Tourismusbranche Strategien zur Marktbeschreitung und ist seit zehn Jahren selbstständig. „Wie Social Media funktioniert, welche Chancen und Tücken es mit sich bringt, wissen viele noch nicht. Mit Seminaren machen wir vorwiegend Aufklärungsarbeit.“

Im Kern geht es bei Social Media um folgendes: Mit „Web 2.0“ oder „Mitmach-Web“, zwei Synonyme für „Social Media“, hat sich nicht etwa eine neue Version des Internets entwickelt, sondern es ist vielmehr ein neues Verständnis darüber in unserer Gesellschaft entstanden. Es hat eine Machtverschiebung gegeben, denn es sind nicht mehr nur große Konzerne, die Inhalte im Netz publizieren können sondern jeder einzelne Reisende. Das geschieht vorrangig über Dialogfunktionen und vereinfachte Kommunikationswege, über Bewertungsfunktionen und eine erhöhte Zugänglichkeit von Informationen.

Der Reisende entscheidet, was er wahrnehmen möchte und was nicht. Für die Masse an Werbebotschaften, die täglich auf ihn einprasseln, hat er Filter entwickelt, die Informationen selektieren, bevor ihnen große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Björn Zimmer, CEO von Yourfans, empfiehlt Unternehmen daher, auf kontinuierliche und kanalübergreifende Berichterstattung mit konstanten Botschaften zu setzen. Erfolgsfaktoren bei Facebook-Marketing seien Markenbildung, Botschaften, Frequenz, Reichweite und Vertrauen: „Ein Wanderreise-Anbieter wird erst dann mit seiner Social Media-Strategie erfolgreich sein, wenn der Internetnutzer bei seiner Recherche im Internet ihn immer wieder entdeckt.“

Markenbildnerin Heike Helmers sieht die Problematik vor allem darin, dass in Kleinunternehmen zu wenige Kapazitäten für Social Media vorhanden sind. „Für das Verfolgen einer Social Media Strategie müssen Mitarbeiter erst einmal geschult werden, bevor sie kontinuierlich Inhalte veröffentlichen, denn jede Veröffentlichung bringt im besten Fall Kommunikation und erfordert Zeit für Dialog.“ Die Beraterin wünscht sich mehr Mut, damit die unternehmerische Schere zwischen kleinen und großen Unternehmen aus der Tourismusbranche nicht zu stark auseinander geht. Kleinunternehmer sollen mit offenen Augen durch das Web gehen und sich nicht von alltäglichen Sachzwängen leiten lassen. Besonders für den Regionaltourismus erkennt sie hohes Potential und viele Chancen.

In einem Punkt sind sich alle Referenten einig: Die Urlaubsentscheidung liegt nicht mehr in der Kontrolle des Vermarkters, denn sie haben dank des Internets eigene Möglichkeiten zum Vergleich. Der Vermartker stattdessen kann nur mit Mehrwert und Kompetenz punkten.

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