Du bist Phaenomenal!

Foto: Der Roboter Robo aus dem Phaeno. Quelle: Kristine Arndt

Sein Augenblick ist phänomenal: Wie ein Raumschiff auf Kegelfüßen thront es hoch über der Straße. Das phaeno, ein Museum, entworfen von Stararchitektin Zaha Hadid mit dem Wolfsburg versucht, dem bloßen Image der Autostadt zu begegnen. „Unsere Stadt wollte sich so auf die touristische Landkarte setzen“, erklärt Kulturdezernent Wolfgang Guthardt, Vater des phaeno-Konzeptes, „deswegen haben wir dieses verwegene Projekt gestartet.“ Fünf Jahre nach der Eröffnung und zehn Sonderausstellungen später, laden über 300 Experimente auf der 9.000 qm großen Aktionsfläche zum Besuch ein. Neustes Highlight: Ein menschengroßer Roboter, „der keinen praktischen Nutzen hat“ wie der Veranstalter offen zu gibt, aber als Entertainer die Besucher unterhält, in dem er von Einsamkeit spricht, Einstein zitiert, die Augen verdreht und rot anläuft. Robo ist der Star auf der ITB Berlin und hat es schon ins Morgenmagzin des ZDF geschafft, und garantiert seinem Arbeitgeber die gewünschte mediale Aufmerksamkeit. „Spannende Versuche für jedermann sind unser Kerngeschäft“, erklärt Guthardt das Konzept. In seinem Mitmachmuseum lässt sich die Welt entdecken, anfassen, ausprobieren und erkunden. Es läd Groß und Klein ein, den oft rätselhaften naturwissenschaftlichen Phänomen des Alltags auf die Spur zu kommen: Eine Drehscheibe veranschaulicht die Kräfte, die bei einer Rotation wirken können, anhand des unterschiedlichen Verhaltens verschieden großer Kugeln beim Rollen über das Spinning Table. Es kann passieren, dass sie genau auf einer Stelle verbleiben, oder in unerwartete Richtungen geschleudert werden. Auch im Jubiläumsjahr gibt es Angebote für alle Zielgruppen: Spezielle Programme für Familien, Schulkassen oder Senioren rufen den Besucher auf, eine Kugel durch Entspannung in Bewegung zu setzten, DNA zu analysieren oder wie ein Fakir au einem Nagelbrett zu liegen. Das schafft man sicher nicht alles beim ersten Mal, aber Wiederkommen lohnt sich: Mit jedem Besuch, verringert sich der Eintritt und Robo kann vielleicht ein paar Sätze mehr.

Allgemein ITB 2010

Auf der Achse der Architektur

Häuser in Bewegung, das klingt im ersten Moment unrealistisch. Im zweiten handelt es sich um sechs avantgardistische Museumsgebäude, die sowohl mit fließender Architektur, als auch mit faszinierenden Ausstellungen beeindrucken.

Auf einer Route zwischen Berlin und Osnabrück mit Zwischenstopp in Wolfsburg, Bielefeld und Herford befinden sich sechs Museen, zwei davon in Berlin, mit ganz unterschiedlicher thematischer Ausrichtung. Auf den ersten Blick hat das Deutsche Historische Museum in Berlin nicht viel gemein mit dem Wolfsburger Phaeno, wo grundlegende Themen aus der Naturwissenschaft für jedermann erklärt werden. Auf den zweiten Blick verbindet sie aber die außergewöhnliche Architektur, die im Falle von MARTa Herford beispielsweise an einen Termitenbau erinnert.

„Es geht darum, die aktuelle Zeit zum Ausdruck zu bringen“, erklärt der Architekturkritiker Falk Jaeger. Schnelllebig und immer in Bewegung.

Stararchitekten wie Daniel Libeskind, der das Deutsche Jüdische Museum in Berlin entwarf, oder der renommierte US-Architekt Frank Gehry setzten diese Idee um.

„Dynamische Architektur kann Bewegung ausdrücken, muss aber nicht in Bewegung sein, erläutert Jaeger und sieht Besucher und Ausstellung im Zugzwang.

Der Besucher muss sich bewegen, wenn er der Achse folgen will und die unterschiedlichen Museen besuchen möchte. Auch viele Ausstellungen vor Ort befassen sich mit dem Komplex der Bewegung. Das Phaeno in Wolfsburg zeigt Experimente, die Bewegung zum Thema haben. Eine wunderbare Verknüpfung, findet Jaeger.

Häuser werden so zu außergewöhnlichen Orten für Kunst, Geschichte und Wissenschaften – nicht zuletzt für die Architektur der Gegenwart.

Allgemein ITB 2010