Jugendlichen den Sommer ihres Lebens ermöglichen

v.l. Alexis Quantel, Patricia Slunjski

Berlin, 5. März. Wenn es für Jugendliche zum ersten Mal ohne ihre Eltern in den Urlaub geht, dann meistens über eine Jugendreise. Es ist der erste Urlaub mit Freunden, fremde Menschen und um sich in einer unbekannten Stadt zu Recht zu finden. Interessante Erfahrungen, aber auch neue Herausforderungen warten dort auf sie. Häufig geht der erste Urlaub in einen Partyort wie Calella oder Lloret de Mar in Spanien. Die Jugendlichen werden auf diesen Touren von so genannten Teamern betreut, die oft nur wenige Jahre älter sind und zum Beispiel Partyexzesse begrenzen müssen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Alexis Quantel ist 25 Jahre alt und einer dieser Teamer bei  Ruf Reisen. Seit sieben Jahren arbeitet er für die Organisation, die Jugendreisen für unterschiedliche Altersklassen veranstaltet. Vor Ort unterstützen ihn zusätzlich so genannte Langzeit- Teamer. Sie sind älter, haben jahrelange Erfahrung und sind den gesamten Sommer über in den Reisezielen vor Ort.

Voraussetzungen für eine Anstellung als Betreuer
Vor seinem ersten Einsatz für Ruf Reisen hat Alexis Jugendgruppen auf Kirchenfahrten betreut. Diese Vorkenntnisse haben ihm bei der Einladung zum Seminar geholfen. Auch Sprachkenntnisse sind Auswahlkriterien für die Einladung als Teamer. Es gibt entweder ein fünftägiges Seminar oder ein dreitägiges Intensivseminar. Dort werden Konflikte simuliert und das Sprechen vor Gruppen trainiert. Der Veranstalter Ruf Reisen empfiehlt zwar, das längere Seminar zu besuchen, viele Bewerber haben aber keine fünf Tage Zeit und besuchen den Intensivkurs, erklärt Inga Hörttrich von Ruf Reisen. Alle Mitarbeiter der Organisation, sogar das Küchenpersonal, müssen das pädagogische Seminar besuchen, aber nicht jeder werde danach eingestellt.

Schwierige Gratwanderung
Viele Studenten wie Alexis arbeiten in ihrer vorlesungsfreien Zeit für Veranstalter von Jugendreisen.  Die Arbeit für Ruf Reisen sei für ihn auch Urlaub und überfordert hat er sich trotz der geringen Altersunterschiede zu den Mitreisenden bisher nie gefühlt. „Es ist schwierig streng und gleichzeitig nicht zu streng mit den Jugendlichen zu sein, ich versuche ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen aufzubauen“, beschreibt Alexis seine Beziehung zu seinen Teilnehmern. Seit Jahren stehen seine Pläne für den Sommer fest: „Den Jugendlichen den Sommer ihres Lebens ermöglichen.“ (ani)

ITB 2014 Kinder- und Jugendreisen Tag 1 | 5. März 2014

Mit Jugendreisen zu höherem Umsatz für Reiseunternehmen

Jugendreisen werden für die globale Tourismusbranche immer wichtiger. Mit einem Anteil von 20 Prozent wächst der Anteil der Reisen für Kinder und Jugendliche konstant.

Das berichtet Samuel Vetrak, der Gründer von studentmarketing. Er sieht mit Hilfe von  Jugendreisen eine Chance, besseren Umsatz zu generieren. So könnten sich die Einnahmen von Jugendreisen bis ins Jahr 2020 fast verdoppeln, denn Reisen allgemein wird immer beliebter. Als Ursachen sieht Vetrak unter anderem das steigende Einkommen der Mittelschicht. Zudem werden die Reisebarrieren geringer. Heute sprechen viele Reisende mehrere Sprachen, unter anderem Englisch. Das vereinfacht die Kommunikation vor Ort. Zudem sorgen moderne Zahlungsformen wie Visa und das Internet dafür, dass Bezahlen vor Ort einfacher wird. Aber vor allem Billigfluglinien und Last Minute Angebote ermöglichen kostengünstiges und damit häufigeres Reisen.

Das Besondere an Jugendlichen als Kunden für die Reisebranche ist, dass diese offen für neue Erlebnisse sind und gerne unterschiedliche Erfahrungen sammeln. Ebenso suchen sie nicht ausschließlich typische Touristenorte auf und bleiben länger an einem Ort. Das ist ein Grund, warum Jugendliche für Unternehmen attraktiv sind, denn aus dem Jugendlichen könnten auch  langfristige Kunden werden. Einige Länder und Kontinente machen sich dieses bereits gut zunutze. Australien zum Beispiel bietet im weltweiten Vergleich sehr erfolgreich mehr Jugendreiseangebote an. Inzwischen wird ein Viertel des Umsatzes im Land durch Jugendreisen erwirtschaftet.

ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Trends

Heute mal Salat statt Burger: gesunde Ernährung ist hip

Die „Vitaminbar“ : So sieht gesunde Ernährung am ITB-Stand von ruf Jugendreisen aus

 

Schon seit längerer Zeit liegt gesunde Ernährung in Deutschland im Trend. In den vergangenen Jahren beschäftigen sich auch immer stärker Eltern von Kindern und Jugendlichen mit dem Thema, bestätigt auch Maike Rummich, Online Marketing Managerin und Presseprecherin für „A und O Hostels und Hotels“ in Deutschland. Bei der Entscheidung „Wo schicke ich meine Schützlinge eigentlich hin?“ spielt die Frage, ob dort gesund gegessen wird eine wichtige Rolle – sei es auf Klassenfahrt, Vereinsausflug oder im Sommerurlaub.

Dass gesundes Essen ein brisantes und „großes Thema“ ist, meint auch Prof. Dr. Heike Bähre, Geschäftsführerin des Institus für Tourismus und Kommunikation. Spätestens seit der rot-grünen Regierung von 1998 bis 2005 sei das Interesse an bewusster, gesunder Ernährung gewachsen. „Heutzutage muss in Deutschland das Essen gesund sein“, sagt Bähre. Touristen, die nach Deutschland kommen, seien hingegen oft überrascht und sogar abgeneigt gegenüber der gesunden deutschen Kost. Seitdem Hotels durch die Vergabe von Sternen zertifiziert werden, erwarten Kunden auch gewisse Standards – gesunde Ernährung, aber auch die Garantie, dass auf Lebensmittelunverträglichkeiten Rücksicht genommen wird.

Aber nicht nur Eltern, auch Lehrer und Kinder sowie die Jugendlichen selbst achten vermehrt darauf, was sie auf den Teller bekommen. Klassenfahrten und –ausflüge werden immer häufiger an bewusster Ernährung „ausgerichtet“. In Schullandheimen wie dem ADS Schullandheim Ulsnis an der Schlei lernen junge, aber auch ältere Menschen Lebensmittel kennen, erfahren, wo diese herkommen und wie man sie verarbeiten kann. „Wir betreiben damit sozusagen eine Aufklärungskampagne“, erläutert Andreas Heiler, Leiter des Schullandheims.

Auch Jugendreiseveranstalter wie ruf Jugendreisen haben den Trend längst erkannt. Neben gluten- und laktosefreien Speisen und Getränken, so verspricht die ruf-Broschüre, werden auch zu jeder Mahlzeit vegetarische Gerichte angeboten. „Bei 250 Teilnehmern sind im Durchschnitt 10 Prozent Vegetarier“, sagt ein Koch bei ruf. Um die gesunde Ernährung zu unterstützen, bietet ruf bei Reisen unter anderem eine Vitaminbar an, an der jeder seinen eigenen Joghurt mit Obst mischen kann – frei nach dem Motto „Pimp My Joghurt“. Bei der Veranstaltung „Das ruf Verpflegungskonzept – Verköstigung“ auf der ITB konnte man sogar selber mal seinen eigenen Joghurt „pimpen“, allerdings keinen laktosefreien.

Aber kommt das gesunde Essen denn bei den Kindern und Jugendlichen überhaupt an? „Sicherlich achten ältere Kinder mehr auf gesunde Ernährung und essen bewusster als jüngere“, meint der ruf-Koch. Insgesamt werde das Essen jedoch gut angenommen, das bestätigen auch die Fragebögen, bei denen die Jugendlichen die Reisen im Nachhinein bewerten.

Doch obwohl die Nachfrage nach gesundem Essen immer mehr steigt, ist der Bedarf doch noch nicht so hoch, dass es sich schon im Preis niederschlägt. Somit ist gesundes Essen derzeit weder für Verbraucher noch für Unternehmen teurer.

Allgemein Ernährung ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Nachhaltigkeit Trends

Der Trend zum Nichttrend

Jugendreiseveranstalter setzen in diesem Jahr auf Altbewährtes, die Kids auf Mitbestimmung

Die Jugendreiseveranstalter sind sich einig: Abenteuerurlaub ist bei Teenagern sehr beliebt und läuft gut. Eltern und Lehrer wünschen sich, dass der Nachwuchs kulturell und sprachlich im Urlaub etwas dazulernt. Die Teenager wollen vor allem eins: Spaß! Wenig überraschend, kaum was Neues auf der Messe für die jungen Kunden.

Generator Hostel zum Beispiel ist auf diese Zielgruppe spezialisiert: Die Kundenansprache ist modern,  das Design ist hip. Über soziale Medien wie Facebook und Twitter sind sie im ständigen Kontakt mit den jungen Erwachsenen. Das war aber auch schon im letzten Jahr so. Trotz des direkten Drahts bleibt die Antwort nach Trends vage. „Die Gäste machen meistens das gleiche: Hauptattraktionen und ein paar Insidertipps reichen“, berichtet ein Mitarbeiter Schulter zuckend. Nur eins fällt ihm auf: Dass die Jugendlichen sich unabhängig in das Abenteuer stürzen wollen. Das Geschäft mit den Freiheitsliebenden wächst für die Hostels seit Jahren.

Sind also Individualreisen der neue Trend? Das Bundesforum Kinder- und Jugendreisen sieht das anders. Alleine elf Millionen Kinder und Jugendliche nahmen im vergangenen Jahr an organisierte Gruppenreisen teil. Vielleicht wurde für die Jugendlichen schon das passende Urlaubsrezept gefunden. Manfred Fuss vom Bundesforum Kinder und Jugendreisen kann sich das vorstellen. Er ist überzeugt, dass die Jugendlichen heute genauso begeisterungsfähig seien wie vor einigen Jahren. Er unterstreicht aber auch noch einmal, wie wichtig die Unabhängigkeit für die Jugendlichen sei. Sie wollen ihre Reise selbst mit planen, ihren Leidenschaften nachgehen. Manfred Fuss hat das Gefühl, dass die Teenager heute selbstbewusster sind. Daher können sie mehr fordern.

Ganz neue Entwicklungen haben die Jugendreiseveranstalter in den vergangenen Jahren nicht gefunden. Bei den Erwachsenen wird das Wohlergehen immer wichtiger. Hier gibt es einen ganz klaren Trend in Richtung Gesundheitstourismus. Es gibt durchaus auch Eltern, die Jugendreisen mit Sport und Stressregulierung für ihren Nachwuchs suchen. Der klassische Gesundheitstourismus spielt in dieser Altersgruppe allerdings immer noch keine Rolle.

Allgemein ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Kurztrips Trends

Camping deluxe – auch Jugendliche haben Ansprüche

Wer „zelten“ hört, denkt zuerst an einen Campingplatz. Man baut sein Zelt auf, bringt eigene Schlafsachen mit und schläft zwischen Taschen auf einer unbequemen Iso-Matte. Aber offenbar ist das selbst für Jugendliche nicht mehr genug. Auf der ITB finden sich neue Trends zum Thema Camping, die nur noch wenig mit Zeltlagern zu tun haben.

ruf-Reisen bietet den Jugendlichen „Deluxezelte“ mit einem Standard wie Zuhause im Kinderzimmer. Ein richtiges Bett, ein Schrank, sogar auf Licht und Strom müssen die Jugendlichen nicht mehr verzichten. Selbst aufrecht stehen ist möglich. Zudem hat jeder seinen eigenen Schlafbereich mit Vorhängen. „Nur noch der Schlafsack erinnert ans Zelten“, darauf legt Nico Kroll, Reiseleiter bei ruf-Reisen wert. Der Trend zum Zeltreisen mit Komfort, sogenanntes „Glamping“ (con glamour und camping) ist nicht nur ein Kindertrend, das bestätigt auch ein Mitarbeiter des Reisebüros berliner klub Tourist, die Reisen in allen Bereichen anbieten.

Andere Anbieter, wie Camp Adventure setzen auf spezielle Outdoor-Programme, wie „Adventure Camp“, „Beach Camp“ oder „Sport Camp“. Auch hier ist der Trend: Es muss außergewöhnlich sein. Und sei es außergewöhnlich spartanisch oder abenteuerlich. Das „Adventure Camp“ bietet Wanderungen mit Zelten in der Wildnis, eben mit Iso-Matte, wo die Jugendlichen so weit wie möglich auf sich selbst gestellt sind. Es gibt aber auch Angebote zum altbewährten Zeltlager, wie in Marburg, wo in weißen Zeltlagerzelten geschlafen wird.

ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Kurztrips Trends