Henna statt Kugelschreiber

Foto: Hennabemalungen. Quelle: Imke Schroeder

Anstatt den Besucher mit herkömmlichen Give-Aways wie Kugelschreibern und Blöcken zu langweilen, haben sich Indien, Jemen und die Vereinigten Emirate etwas Besonderes einfallen lassen: Mit Hennapaste werden die Handrücken von Besucherinnen verziert. Traditionell wird die Hennabemalung vor Festen, vor allem bei Hochzeiten getragen. „Und je dunkler das Henna wird, umso mehr liebt dich dein Mann“, verraten die Henna Girls.

Eine originelle Idee, die auf große Nachfrage stößt. An drei Ständen bilden sich lange Schlangen mit interessierten Frauen aus aller Welt. Dennoch meint das indische Henn Girls, das dies kein anstrengender Job sein. Und obwohl alle drei Henn Girls den ganzen Tag lang die winzigen Verzierungen auf den Handrücken zahlreicher Besucherinnen auftragen, sind sie sich einig: Es macht immer noch Spaß, denn es ist ihr Hobby. So übt Rukaya aus den Vereinigten Emiraten Henna schon seit ihrer Kindheit. Denn keine der dreien macht Hennamalerei in ihrem Heimatland beruflich. Alle sind berufstätig, so wie Rabia aus dem Jemen, die als Biologielehrerin arbeitet. Bei ihr kann man sich sogar schwarzes Henna machen lassen, eine seltenere Form des Naturstoffs.

So unterschiedlich die Hennabemalungen von Land zu Land sind, eines gilt jedoch für alle: Geduld. Denn die Hennapaste muss mindestens eine halbe Stunde trocknen. Genug Zeit, um sich nach einem passenden Mann umzuschauen

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Mit allen Sinnen durch Indien

Foto: Indische Tänzerinnen. Quelle: Marcel Weyrich

Die Flamme der Öllampe leuchtet hell, Indiens Tourismusministerin Kumari Selja wirkt zufrieden.  Niemand denkt mehr an die Panne bei der Eröffnung des Indien-Standes. Um Viertel nach neun ist noch alles nach Plan gelaufen. Die Tänzerinnengruppe erreicht den Stand auf der ITB Berlin und begibt sich in die Umkleide. Snacks werden auf einem Silbertablett kredenzt, Blüten kunstvoll auf dem Boden der Bühne drapiert. Um Viertel nach zehn ist alles fertig. Nur der Star, die Tourismusministerin, ist noch nicht da. Die Eröffnung des Indienstandes soll in einer Viertelstunde beginnen. Doch nebenan verkürzt der südindische Bundesstaat Kerala die Wartezeit. Er präsentiert eine kleine Auswahl an getrockneten Gewürzen für die Besucher zum Anfassen und Riechen. Welches Gewürz ist Sternanis, welches Koriander, Kreuzkümmel, Pfeffer?

Elf Uhr. Die Ministerin ist immer noch nicht da. Allerdings ist jetzt das Mehndi einer Tänzerin fertig, eine Henna-Bemalung, gräuliche Paste, die auf die Hand aufgetragen wird. Nach dem Trocknen blättert die Paste ab und gibt den Blick auf eine kunstvoll verzierte Hand frei. Frauen tragen Mehndi gerne auf Hochzeiten. Die Tänzerinnen wirken ruhig, doch das Klingeln ihrer Showglocken am Fuß verrät eine kleine Anspannung.

Viertel nach elf, Fotoblitze flackern auf, plötzlich fängt die Eröffnung an. Die traditionelle Öllampe für Zeremonien wird entzündet. Am Fuße der Öllampe liegen Blüten. Einfach nur schön, wie das Mehndi oder der spontan auf die Stirn gemalte Kayal der Mehndi-Malerin.

Dann sind alle Fotos geschossen, jetzt werden die süßen gelben Reisbällchen verteilt, sie zergehen auf der Zunge. Aus den Lautsprechern tönt indische Musik. Mit hinduistischem Kathak – ein nordindischer klassischer Tanz – ziehen die Tänzerinnen die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich. Mit verführerischem Blick wirbeln sie ihre Kleider umher. Die Tänzerin mit dem Mehndi denkt die ganze Zeit an ihre Hochzeitsbemalung, sie ist noch nicht getrocknet, die Tänzerin möchte ihr Kleid nicht beschmutzen. Doch kein Zuschauer bemerkt das. Nicht nur geladene Geschäftsmänner schauen gebannt zu, auch Passanten wie Franziska, eine Chemie-Studentin, bleiben stehen. „Es ist mal eine Abwechslung, weil es einfach so exotisch ist“, sagt sie.

Viertel vor zwölf, die Eröffnung ist zu Ende. Die Anspannung fällt sichtlich von den Tänzerinnen ab. Während einige sich noch die Glocken vom Fuß binden, lobt der Kulturverantwortliche der indischen Botschaft die Leiterin der Academay of Kathak Dance, Ionna Srinivasan. Es lägen einige Anfragen für Auftritte vor. Srinivasan nickt freundlich und dankt für die Vermittlung. Trotz des Lobes schaut eine Tänzerin aber traurig, ihr Mehndi ist verlaufen. „Ich musste es zu früh abknibbeln“, erklärt sie. Sie schaut sich jetzt noch etwas die Messe an, am Sonntag kommt sie wieder. Dann wird sie im Taiko-Stil am japanischen Pavillon trommeln. Sie plant gemeinsam mit Srinivasan eine Show, in der Taiko und Kathak verbunden werden. Aber zunächst bessert sie ihr Mehndi mit etwas Zitronensaft und Öl auf. Ein Geheimtipp, damit das Henna dunkler wird. Der Tag habe sich aber gelohnt, sagt die Tänzerin. Allein für das professionelle Mehndi – und trotz der Verspätungspanne.


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