Snapchat weltweit – Die Snapchat-Trends in der Reisebranche

Facebook, Twitter und Instagram sind längst bekannt. Doch was ist dieses Snapchat, wovon auf einmal alle reden? Mit Snapchat lassen sich Fotos und Videos machen, bearbeiten und an andere Snapchatter schicken. Einmal angeschaut, verschwinden sie im Abfalleimer des Internets. Teilt man Bilder in seiner Geschichte, können sie von Freunden und anderen Leuten weltweit 24 Stunden lang angesehen werden, dann werden sie gelöscht. Snapchat ist kurzlebig und hat eine „Jetzt oder nie“-Mentalität. 

Mit 7 Billionen Videoaufrufen pro Tag ist Snapchat längst nicht mehr nur eine App für Teenies mit einem Faible für Emojis. Besonders bei den unter 30-jährigen wird die App immer beliebter. Jeder Zweite in dieser Altersgruppe benutzt bereits den Instant-Messenger. Täglich nutzen über 100 Millionen Snapchatter die App. Auch Unternehmen springen auf diesen Zug mit auf. Wir haben Tipps, wie Snapchat in der Unternehmenskommunikation der Reisebranche funktioniert.

Geofilter – snap mir, wo du bist

Snapchat erfasst durch GPS den aktuellen Standort. Steht man unter dem Brandenburger Tor, macht einen Snap und wischt durch die Filter, erscheint „BERLIN“ in bunten Buchstaben auf dem Bildschirm. Die Geofilter können auch in der Unternehmenskommunikation eingesetzt werden. Die Hotelkette W-Hotels hat zum Beispiel eine Aktion gestartet, dass sobald man sich in der Nähe eines dieser Hotels befindet und einen Snap macht, der Geofilter von W-Hotel auftaucht. „Wish you were here“ und das Firmenlogo erscheinen dann groß auf dem Bildschirm. 

Produktplatzierungen – snap mir, was du magst

Alicia Drewnicki, Videobloggerin aus London, hat pro Snap bis zu 2.000 Aufrufe. „Wenn ich in fünf 10-Sekunden-Snaps einen Ort oder ein Hotel vorstelle, das mir gut gefallen hat, dann erreiche ich damit auch eine große Anzahl von potentiellen Kunden“, sagt Drewnicki. Sie bietet Unternehmen an, Gewinnspiele auf ihrem Snapchat-Account stattfinden zu lassen. „Ich habe einmal einen Pulli einer englischen Marke verlost. Es haben Leute von überall auf der Welt mitgemacht, obwohl die Marke dort gar nicht bekannt ist“, sagt Drewnicki.

Eigene Unternehmens-Snapchatter – snap mir, wer du bist

Neben Social Media Experten und Bloggern, setzten Unternehmen auch vermehrt auf eigene Snapchatter. Petra Vorackova snappt regelmäßig für das Reisenetzwerk Travel Massive. „Wenn ich etwas Witziges erlebt habe oder von bevorstehenden Events berichten möchte, snappe ich es“, sagt Vorackova.

Bevor ein Unternehmen sich einen Snapchat-Account zulegen möchte, sollte erst einmal privat geübt werden. Nur Selfies und schöne Landschaftsbilder reichen meist nicht aus, um erfolgreich zu werden. Auf der diesjährigen ITB Berlin wurden Workshops für Snapchatter und die, die es werden wollen, angeboten. ane

ITB 2016 Tag 4 | 12. März 2016 young press 2016

Kambodscha mal anders: Wie der Tourismus-Boom auch bei den Einheimischen ankommt

image1-1

„Intercultural Innovation Camps“. So heißt die Initiative, die seit etwa fünf Jahren junge Menschen aus Europa und den USA mit jungen Kambodschanern zusammen bringt. Gegründet hat sie der Rentner Wilfried Ifland, der „eine neue Herausforderung sowie Aufgabe für den Ruhestand“ suchte. Mit seinem Projekt will er vor Ort helfen und gleichzeitig jungen Leuten aus Europa interkulturelle Kompetenzen näherbringen „statt Partyurlaub oder klassischen Freiwilligen Jahr“. In zwei- bis vierwöchigen Workshops arbeiten die 18-26-Jährigen vor Ort an Projekten, die die Einheimischen unterstützen sollen. In den letzten Jahren sind so beispielsweise Faltkarten zur Sehenswürdigkeit Ankor Wat oder auch eine App mit den wichtigsten Floskeln in Khmer, Kambodschas Landessprache entstanden. Von den Einnahmen profitieren die Kambodschaner, die zudem eine geringe Aufwandentsschädigung für ihre Teilnahme am Camp enthalten. So versucht Ifland zu erreichen, dass der boomende Tourismus in Kambodscha auch den jungen Leuten vor Ort nützt. Denn bisher lebt immer noch etwa jeder fünfte der 15 Millionen Einwohner Kambodschas unterhalb der Armutsgrenze.

Auch ein anderes Projekt versucht, dass die Kambodschaner noch mehr von den jährlich mehr als vier Millionen Touristen profitieren können. Es nennt sich „Artisans Angkor“ und fördert traditionelle Handwerkskunst in Kambodschas Region Siem Riep. Jungen Kambodschanern wird eine kostenlose Ausbildung in einem traditionellen Handwerksberuf sowie eine garantierte Anstellung danach geboten. Den etwa 1.100 Angestellten wird zudem eine kostenfreie Gesundheitsversorgung ermöglicht. Einige der Ausbildungsworkshops sind für Touristen geöffnet, dadurch und durch den Verkauf der Handwerkskunst finanziert sich die Initiative.

 mlp

ITB 2016 Tag 4 | 12. März 2016 young press 2016

Bunt, laut und prallgefüllt – Impressionen des Privatbesuchertages auf der ITB

Künstliches Vogelgezwitscher, rhytmisches Trommeln, Kindergeschrei. Das Rattern der Rollkoffer von gestern ist abgelöst worden von begeisterten „Ahs“ und „Ohs“ aus allen Richtungen. Heute ist der erste Tag für Privatbesucher auf der Reisemesse ITB und das hört man nicht nur, sondern sieht man auch. Beinahe jeder Aussteller trägt jetzt ein Kostüm und die Stände wirken noch bunter als an den vergangenen Tagen. Es fühlt sich ein bisschen an wie Karneval im Urwald. Nur ohne Tageslicht.

Die ITB ist heute eine ganz andere. Keine Geschäftsleute mehr, die „Big Business“ machen und Visitenkarten austauschen. Dafür aber viele, etwas hilflos durch die Gegend laufende Privatpersonen. Wie viele genau, wird erst morgen bekanntgegeben. „Nach dem Bild, das wir von den Hallen der letzten Tage haben, gehen wir aber von einem leichten Zuwachs aus.“ sagt Astrid Zand, die Pressereferentin der Messe Berlin. Letztes Jahr kamen über 50 000 Privatbesucher zur ITB.

In der völlig überfüllten Halle direkt neben dem Haupteingang tummeln sich die Menschen, denn sie haben scheinbar noch nicht herausgefunden, dass es hier mehr, als nur eine Halle gibt.

Aber was sind das für Leute, die an einem Wochenende in Berlin auf eine Messe gehen? Der Altersdurchschnitt der Besucher liegt heute auf den ersten Blick bei ungefähr 30 Jahren. Grund dafür ist allerdings nicht, dass tatsächlich die meisten Leute um die 30 sind, sondern daran., dass gefühlt die Hälfte der Besucher sehr alt und die andere Hälfte sehr jung ist. Etwas dazwischen sieht man eher seltener.

Marianne ist 79 Jahre alt und jedes Jahr auf der ITB. Doch diesmal ist sie etwas enttäuscht, denn sie hat das Gefühl, die guten Angebote werden immer weniger. Der sechsjährige Jonas dagegen findet alles total super. Überall gibt es Neues zu entdecken und er bekommt ständig etwas geschenkt. Und wenn er mal nichts bekommt, dann nimmt er es sich einfach. „Darf ich?“ ruft er am Stand von Sachsen-Anhalt der Hostess entgegen und nimmt sich im gleichen Moment auch schon ein rotes Bonbon aus der Glasschüssel.

Die Erwartungen der Besucher des heutigen Tages sind vollkommen verschieden. Ein junges Paar möchte sich über einen Schnorchelurlaub in Asien informieren, eine ältere Dame interessiert sich für Transportmöglichkeiten und andere suchen einfach nur nach Inspiration für den nächsten Urlaub. Doch eines haben alle gemeinsam: Ein Faible für Goodiebags. Fast niemand geht mit weniger als zwei prallgefüllten Papptaschen nach Hause. Umsonst ist schließlich umsonst. Auch wenn es ein Plüschteddy mit pinkem Irokesen zum Aufhängen ist. caw

ITB 2016 Tag 4 | 12. März 2016 young press 2016

Offen für alle(s)

Von Mittwoch bis Freitag konnten sich ausschließlich Fachbesucher auf der Tourismusmesse ITB austauschen. Jetzt sind die Türen auch für private Besucher geöffnet und wir wollten herausfinden, was sich die über 50.000 Besucher am Wochenende von der ITB versprechen. Die Antworten, die man uns gab, waren sehr unterschiedlich.

Ein junges Paar freut sich schon auf die Asiahalle – beide möchten im Sommerurlaub in exotischen Ländern schnorcheln. Eine ältere Dame will im Laufe des Tages die Fernbusse aufsuchen, da sie selbst nicht mehr Auto fahren kann, aber mobil bleiben möchte. „Früher, als ich jünger war, bin ich auch viel international gereist“, schwärmt sie und hofft, durch die bunt gestalteten Hallen ein wenig in Erinnerung schwelgen zu können. Drei Generationen einer Familie, die wir treffen, fahren schon seit Jahren zusammen auf die ITB und suchen nach Inspiration für den nächsten gemeinsamen Urlaub. „Neuseeland vielleicht.“, überlegt der Familienvater. Einige junge Studenten kamen extra aus den Niederlanden, Frankreich und Polen. „Wir sind offen für alles“, sind sie sich einig und hoffen „Vielleicht können wir ja regionale Gerichte probieren.“

Die ITB und ihre Besucher – offen für alle und offen für alles. Und die ITB bleibt dies noch heute am 12. März, bis 18 Uhr und morgen am 13. März von 10 bis 18 Uhr. alb

ITB 2016 Tag 4 | 12. März 2016 young press 2016

Klanggewitter im ITB Pressezentrum

Geschirrklimpern. Stimmendurcheinander. Handyklingeln. Eine Kellnerin bahnt sich ihren Weg durch die Menschentrauben, die sich um die Stehtische herum gebildet haben. Der Duft von Würstchen liegt in der Luft. Es ist Mittagszeit auf der ITB Berlin. An Pause ist am zweiten Tag der größten Reisemesse der Welt im Pressezentrum in Halle 6.3. aber nicht zu denken. Rund um die Bar, die den Mittelpunkt der Halle bildet, herrscht hektisches Treiben. Viele sind gerade angekommen und ziehen ihre Trolleys über den grauen Teppichboden, andere machen sich schnellen Schrittes auf den Weg zur nächsten Pressekonferenz. 6.000 Journalisten und Blogger aus aller Welt kommen dieses Jahr zur Messe, um darüber zu berichten.

Der Media Work Room ist am 2. Messe-Tag voll besetzt.

Der Media Work Room ist am 2. Messe-Tag voll besetzt.

Virginia Geizman schreibt im Media Work Room an einem Artikel für eine spanische Tageszeitung.

Virginia Geizman schreibt im Media Work Room an einem Artikel für eine spanische Tageszeitung.

Eine gelbe Wand trennt den Media Work Room neben der Bar vom Rest der Halle. Hier ist es etwas ruhiger, mehr als 70 Arbeitsplätze, Laptops und Drucker stehen bereit. An diesem Tag sind nur mehr wenige Plätze frei. Die Redaktionsschlüsse nahen, die Journalisten sitzen sich gegenüber und tippen in ihre Laptops. Eine davon ist Virginia Geizman, die von hier aus ihre Artikel für „La Opinión de Málaga“, eine Tageszeitung in Andalusien, schreibt. Neben ihr telefoniert ein älterer Mann mit leiser Stimme, von draußen sind Stimmen und das Geschirrklimpern zu hören. Trotzdem kann die Spanierin, die schon zum 7. Mal auf der ITB ist, hier gut arbeiten: „Manchmal ist es laut, aber hier habe ich Wifi und alles, was ich brauche“, erklärt sie.

Der freie Journalist Paul Streuff schreibt lieber von zu Hause aus.

Der freie Journalist Paul Streuff schreibt lieber von zu Hause aus.

Anders sieht das Paul Streuff, ein freier Journalisten aus Berlin. „Ich schreibe alles von zu Hause aus, hier ist es zu voll heute“, sagt er und deutet auf die Stehtische vor dem Media Work Room, wo an diesem Tag kein Platz mehr frei ist. Am meisten los im Pressezentrum ist an den Tagen der Fachmesse, viele Journalisten reisen danach schon ab, weiß Astrid Zand, Pressesprecherin der ITB Berlin: „Für die Journalisten sind die ersten beiden Tage der Messe am interessantesten, weil dann die meisten Pressekonferenzen und Termine stattfinden.“

Das Presse Service Desk-Team steht für Fragen zur Verfügung.

Das Presse Service Desk-Team steht für Fragen zur Verfügung.

Bloggerin Jana Zieseniß will vom Blogger-Zentrum aus arbeiten.

Bloggerin Jana Zieseniß will vom Blogger-Zentrum aus arbeiten.

Wann diese Events stattfinden und was das W-Lan Passwort ist? Das sind die häufigsten Fragen, die die ITB-Mitarbeiter am Presseservice-Desk gegenüber des Media Work Rooms zu hören bekommen. Reisebloggerin Jana Zieseniß erkundigt sich, wo sich das Blogger-Zentrum befindet. Sie will sich in dem eigenen Blogger-Bereich einmal umschauen, ansonsten kann sie sich aber auch vorstellen, vom Pressezentrum aus zu arbeiten. „Ich blogge von überall aus. Und hier ist es leiser als auf dem Rest der Messe.“

Die ITB Berlin News-Redaktion von außen.

Die ITB Berlin News-Redaktion von außen.

ITB Berlin News-Chefredakteur Richard Barnes in der Redaktion.

ITB Berlin News-Chefredakteur Richard Barnes in der Redaktion.

Im Gegensatz zum vorderen Teil des Pressezentrums ist der hintere Teil fast leer – zumindest nach außen hin. Hinter den einzelnen, mit hellgrauen Plastikwänden abgetrennten Räumen, haben Medien und Verlage ihre Redaktionen eingerichtet – wie zum Beispiel das Team der ITB Berlin News, das von hier aus Jahr für Jahr eine eigene, englischsprachige Zeitung zur Messe produziert. An zwei Tischreihen sitzen die Journalisten, die vorwiegend aus Frankreich, aber auch aus Großbritannien und Deutschland kommen. Sie tippen in ihre Laptops. Der Lärm in der Halle scheint sie nicht zu stören. „Wir können uns hier gut konzentrieren. Ich glaube, wir Journalisten sind es gewohnt, in einer lauten Umgebung zu arbeiten“, sagt ITB Berlin News-Chefredakteur Richard Barnes.

Das travelcam.tv-Studio im Pressezentrum.

Das travelcam.tv-Studio im Pressezentrum.

 

Einen Gang weiter hat travelcam.tv in einer der Kojen sogar ein eigenes TV-Studio aufgebaut. Dort werden Tourismusexperten zu den verschiedensten Themen interviewt. Auch hier ist die Lautstärke kein Problem. „Wir zeichnen alles mit Ansteckmikro auf“, erklärt Benjamin Oettel, travelcam.tv-Projektleiter. „Eine gewisse Messeatmosphäre wirkt außerdem authentisch.“

Die Not macht erfinderisch – Wiebke Sander arbeitet vom Boden aus.

Die Not macht erfinderisch – Wiebke Sander arbeitet vom Boden aus.

 

Ihren Arbeitsplatz auf den Boden verlagert hat kurzzeitig Wiebke Sander, PR-Consultant aus Zürich. Sie muss ein wichtiges Mail schreiben, hat aber keinen Sitzplatz mehr gefunden. „Das Pressezentrum ist okay, aber dafür, dass es so stark frequentiert ist, gibt es zu wenig Sitzplätze“, kritisiert sie. Auch an den Stehtischen vor der Bar schräg gegenüber ist alles voll. Es wird diskutiert, es wird gelacht. Gläser klirren. Ruhe wir hier erst einkehren, wenn die ITB am Sonntag für dieses Jahr ihre Pforten schließt. Die Medienberichte enden damit aber nicht. Denn über die ITB berichtet wird das ganze Jahr.

fri

 

 

ITB 2016 Tag 4 | 12. März 2016 young press 2016

„Ganz Afrika in einem Land“ – Kamerun kämpft darum, als Reiseziel wahrgenommen zu werden

Kaum jemand hat das Land im Herzen Afrikas für die nächste Reise im Blick. Samuel Mbe, Tourismusbeauftragter aus Kamerun, hat mit Journalisten der young press gesprochen. Das Gespräch wurde in Englisch geführt, wobei uns Herr Mbe erklärte, dass in Kamerun zwei Sprachen gesprochen würden. Im Westen Englisch, im Osten Französisch. Er selbst spricht eigentlich Französisch, wollte sich aber für das Interview große Mühe geben.Und für das nächste Jahr wollte er auch Deutsch lernen, hat er uns versprochen.

Young Press: Was sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Kamerun? Warum sollten Afrika-Touristen gerade dieses Reiseziel wählen?

Samuel Mbe: Kamerun hat den Vorteil im Zentrum Afrikas zu liegen. Es gibt Dschungel, Savannen, Wüsten im hohen Norden und einige National Parks. Dort leben viele Tiere wie Elefanten, Löwen und Giraffen. Kamerun ist sozusagen ein Miniatur-Afrika, ganz Afrika in einem Land.

Young Press: Wie beeinflusst die deutsche Kolonialzeit Kameruns Tourismusindustrie und das Alltagsleben der Kameruner?

Samuel Mbe: Wir haben kulturelles Erbe, das von den Deutschen erhalten ist. So zum Beispiel Eisenbahnstrecken, viele Gebäude und Brücken wie Edea auf der Straße von Jaunde nach Douala. Manche Touristen aus Deutschland kommen gerne nach Kamerun und schauen sich diese alten Gebäude an. Das hat aber nur einen kleinen Einfluss auf unseren Tourismus.

Young Press: Und wie genau reagieren Kameruner auf deutsche Touristen?

Samuel Mbe: Die Deutschen blieben nicht lange. Aber sie haben in dieser Zeit viele Dinge im Land verändert. Vor allem die Infrastruktur. Manchmal vergleichen die Menschen die deutsche und die französische Kolonialzeit und sie finden, dass die deutsche eine der wichtigsten Phasen war, denn sie brachte viel Fortschritt.
Das einzige, was sie nicht verstehen, ist, warum die Deutschen sich zum Gehen entschieden und nie wieder zurück kamen.

Young Press: Wie viel des kamerunischen Tourismus lässt sich auf wilde Tiere und unberührte Natur zurückführen?

Samuel Mbe: Safari ist vermutlich der attraktivste Tourismus in Kamerun. Doch wir haben auch noch anderen Öko-Tourismus: Für alle, die Wandertouren machen möchten, gibt es die vielen Dschungel und die Berge. Für Touristen, die lieber am Meer liegen, gibt es unsere Strände am Atlantischen Ozean.

Young Press: Und welche Anstrengungen unternimmt die Regierung, um die Natur zu schützen?

Samuel Mbe: Wir haben ein Umweltministerium und ein Ministerium verantwortlich für Tiere und Wälder. Die Regierung unternimmt große Anstrengungen, um die Umwelt, die Flora und Fauna, zu schützen. Gerade aus diesem Grunde verfügt Kamerun über 30 moderne Nationalparks. Diese Parks sind das Hauptprojekt um die Natur zu schützen. Dort sind sehr viele Tiere. Im Norden mehr Löwen Elefanten oder Giraffen, im Süden sogar Gorillas.

Young Press: Kamerun ist gerade in den letzten Jahren von schweren Krisen getroffen worden. Wie hat zum Beispiel die Ebola-Epidemie den Tourismus beeinflusst? Und hat sich diese Situation wieder gebessert?

Samuel Mbe: Die Ebola-Epidemie war irgendwo in West Afrika und es waren nur zwei oder drei Länder betroffen, die zudem vollkommen abriegelt wurden. Kamerun liegt aber nicht im Westen sondern im Zentrum Afrikas. Ich habe damals gelacht wenn mich jemand fragte „Wie steht es in deinem Land mit Ebola?“ und ich fragte „ Wie? Ebola in meinem Land? Ich wohne im Zentrum Afrikas in Kamerun da gibt es kein Ebola.“
Das gleiche Problem gibt es beim Terrorismus. Nur die Grenze zu Nigeria ist überhaupt davon betroffen. Im ganzen restlichen Land gibt es keinen Terrorismus. Wir müssen die Menschen besser informieren, dass Probleme wie Boko Haram und Ebola nur manche Teilen Afrikas betreffen.

Young Press: Inwiefern haben diese Krisen die Tourismusbranche beeinflusst?

Samuel Mbe: Die Zahlen gingen zurück. Jetzt haben wir ungefähr 700.000 im Jahr. 2012 waren es noch über 900.000 pro Jahr.

Young Press: Friede, Arbeit und Vaterland ist der Wahlspruch von Kamerun. Wie genau realisieren sie den im Wahlspruch genannten Punkt der Arbeit? Wie ist die Beschäftigungsrate?

Samuel Mbe: Die Herausforderung mit der Beschäftigung in Kamerun ist momentan, dass es viele Universitäten gibt, zehn insgesamt. Und an den Universitäten junge Leute mit gutem Abschluss, für die es nicht genug qualifizierte Jobs gibt. Es gibt Arbeit in der Industrie, aber viele suchen nach besseren Jobs.

Young Press: Gibt es ein Sozialsystem, das die Einwohner vor Armut schützt, falls sie in Arbeitslosigkeit geraten?

Samuel Mbe: Nein, gibt es nicht. Wenn man ein sehr gutes Diplom hat, muss man schon ein bis zwei Jahre warten bis man einen Job hat. Doch man muss selbst sehen, wie man Arbeit findet.

Young Press: Sehen Sie Chancen darin, dass die Entwicklung des Tourismus die Arbeitssituation verbessern kann?

Samuel Mbe: Absolut. Tourismus ist einer der stärkstenWirtschaftssektoren, die Arbeit bieten.
In Hotels, Parks, Tourismusagenturen und vielen mehr. Also versucht unsere Regierung den Tourismus zu puschen. Um die Arbeitslage gerade für junge Leute zu verbessern.

Das Interview wurde geführt von Till und Alessa

Tag 3 | 11. März 2016 young press 2016

Jeder will ihn, kaum einer praktiziert ihn

Copyright TourCert Mag

Copyright TourCert Mag

Nachhaltiger Tourismus: Ein Gespräch mit Marco Giraldo, Geschäftsführer von TourCert

Der Ruf nach nachhaltigem Tourismus wird immer lauter. Fast jedem dritten Deutschen ist die ökologische Verträglichkeit seiner Urlaubsreisen wichtig, wie eine Studie für das Bundesumweltministerium kürzlich herausfand. Knapp die Hälfte der Deutschen hält es für wichtig, dass sich Reiseveranstalter für Nachhaltigkeit engagieren. Doch zwischen dem Wunsch nach nachhaltigen Reisen und ihrer Umsetzung gibt es eine große Diskrepanz. Dies ist unter anderen mit dem Fehlen von Informationen und klaren Zertifizerungen begründet, weiß auch Marco Giraldo, Geschäftsführer der Tourismus-Beratungsgesellschaft TourCert. Seit rund sieben Jahren berät und zertifiziert er Reiseveranstalter, Reisebüros, Unterkünfte und Urlaubsregionen im Bereich Coporate Social Responsibility und nachhaltiger Tourismus.  

Ein weiteres Problem sei zudem die fehlende Klarheit, was genau Nachhaltigkeit bedeutet. Die meisten Deutschen brächten Nachhaltigkeit in Verbindung mit Umweltschutz, doch Nachhaltigkeit bedeutet der Einklang von Ökologie, Sozialem und Ökonomie. Neben dem Umweltschutz zählen also soziale Aspekte wie die Einhaltung der Menschenrechte und auch ökonomische Faktoren dazu. Tourismus muss sich bei allen guten Vorgaben auch rentieren.

Doch obwohl viele Touristen nachhaltiges Reisen für wichtig empfänden, treten sie in den Augen von Giraldo zu wenig dafür ein. „Die Reisenden selbst müssen es verstärkt einfordern.“ Denn je öfter Reiseveranstalter oder Hotels von ihren Kunden auf Nachhaltigkeit angesprochen würden, desto höher wäre die Chance, dass sie beginnen sich zu engagieren. Zudem sei es ein großes Problem, dass viele Unternehmen nur kurzfristig dächten und schnelle Erfolge erzielen wollten. Daher werden viele Initiativen nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Doch Nachhaltigkeit funktioniere nur langfristig und viele Erfolge von nachhaltigem Wirtschaften zeigten sich erst auf lange Sicht und nicht schon nach wenigen Jahren.

Zudem sei der Gesetzgeber gefragt, denn bisher müssen Reiseveranstalter und Hotels nachhaltige Standards nur freiwillig einhalten. „Der Gesetzgeber muss klare Vorgaben machen“, fordert Giraldo. Die Zahlen geben ihm recht. Nur etwa fünf Prozent der Anbieter im Beherbungsbereich sind als nachhaltig zertifiziert, bei Reiseveranstaltern und Reisebüros liegt der Wert noch deutlich darunter.  

Dabei kann Nachhhaltigkeit schon im Kleinen anfangen. Der Kellner im Restaurant in Baden-Württemberg beispielsweise könnte statt einem kalifornischen Wein, einen Wein aus der lokalen Umgebung empfehlen. Auf den Shampooflaschen im Hotel könnte freundlich bemerkt sein, dass das Wasser beim Einseifen ausgeschaltet werden sollte. „Das ist wie mit einem tollen Schuh. Der braucht auch hin und wieder Pflege, damit man lange was von ihm hat“, erklärt Giraldo. So benötigt auch der Tourismus ein nachhaltiges Konzept und Pflege, damit Strände auf der ganzen Welt schön und müllfrei bleiben, damit die Menschen in den Urlaubsdestinationen auch vom Tourismus in ihrer Region profitieren und damit die Tier- und Naturwelt erhalten bleibt.

mlp

ITB 2016 Tag 3 | 11. März 2016 young press 2016