Morgen ist ITB-Besuchertag – Young Press hat heute schon die besten Tipps, was man unbedingt gesehen haben sollte.

Tausende Reiseziele aus der ganzen Welt präsentieren sich in über 20 Hallen – da kann man schnell den Überblick verlieren. Hier unsere Highlights.

Didgeridoo Spielen in Australien

Einmal im Great Barrier Reef schnorcheln, auf Kängurus im australischen Outback treffen oder Wale auf Frazer Island beobachten. Australien ist ein vielseitiges Land. Am Stand von „Tourism Australia“ können die Besucher am Wochenende die Kunst des Didgeridoo Spielens erleben und sogar selber erlernen. Didgeridoospieler Mark Miethe ist dort am Samstag und Sonntag jeweils um 12 und 15 Uhr zu Gast und demonstriert seine Künste auf dem Instrument. Dabei spielt er es nicht auf klassische Weise, wie es die Ureinwohner Australiens zu pflegen tun, sondern wird ihm moderne, urbane Töne entlocken. Im Anschluss daran können die Besucher im Rahmen eines 20-minütigen Workshops selbst das Instrument in die Hand nehmen und erlernen, wie man es zum Klingen bringt.

Halle 5.2a, Stand 119

Massage auf den Malediven

Für Menschen, die es gerne etwas komfortabler und luxuriöser haben, empfehlen wir den Stand der Malediven. „Hier haben die Besucher die Möglichkeit, sich verwöhnen zu lassen und zu entspannen“, verrät Ibrahim Solih, Reservations Manager im „Paradise Island Resort“. Innerhalb des Messestands haben sie ein Mini-Spa in einer sandgesäumten Strandhütte errichtet, vor der sich bereits die ganze Woche eine lange Schlange mit Fachbesuchern bildete. Der Bedarf, die Nackenmuskeln zu lockern und für einige Minuten vom Messealltag abzuschalten, scheint groß zu sein. Dieses Wohlfühlerlebnis bietet das Mini-Spa auch am Wochenende für die privaten Besucher.

Halle 5.2a, Stand 107

Camper-Feeling in Europa

Einfach frei Reisen. Auf dieses „back-to-basics“ Konzept setzt das Unternehmen „Indie Campers“. Bei ihnen können Urlauber aus derzeit über 60 Orten in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Belgien und der Schweiz ihre ganz individuelle Reiseroute zusammenstellen. Mit dem gemieteten Campervan haben sie ihre Unterkunft samt Küche, Dusche und Gepäck immer dabei. Die Studentinnen Isabell, Amelie und Steffi haben es sich auf der Messe gleich in den Betten im hinteren Teil des Vans bequem gemacht. Sie planen gerade die Studien-Abschlussfahrt und sind begeistert von Indie Campers. „Es ist echt praktisch, sich einfach in den Van zu setzten, fahren zu können wohin man will und immer alles bei sich zu haben“, findet Amelie. Für Besucher, die am Wochenende kommen, gibt es noch eine besondere Überraschung: Samstag und Sonntag werden 100 siebentägige Reisen von Indie Campers verlost.

Halle 4.1, Stand 244

Land-Kostprobe in Deutschland

Manchmal muss es gar nicht die große weite Welt sein. Wenn man den Blick dafür öffnet, finden sich auch vor der eigenen Haustür häufig wunderbare Urlaubsorte. Ein großes Segment auf der ITB widmet sich dem lokalen Tourismus. Aus allen Bundesländern sind Unternehmen vertreten, die die touristischen Besonderheiten ihrer Regionen vorstellen. Mit dabei ist auch die Ziegenalm aus Sophienhof im Harz, an deren Stand Ziegenkäse aus eigener Produktion verkostet werden kann. Auf dem Bauernhof sind von der Familie bis zur Reisegruppe alle Gäste herzlich eingeladen, das Landleben in all seinen Facetten kennenzulernen.

Halle 11.2, Stand 103

Große Shows und viele Infos

Ein großes Entertainment-Programm gibt es auf der Adventure Bühne in Halle 4.1. Vom Reisefotografie-Workshop über eine Infoveranstaltung zum Reisen mit Haustieren, bis hin zu einem Janosch-Puppenspiel für Kinder wird für jeden Tag ein vielseitiges Programm sowohl für junges als auch älteres Publikum geboten. Alle Highlights der ITB gibt es hier.

ach

ITB 2017 Tag 3 | 10. März 2017 young press 2017

Staatliche Uniklinik bietet Medizintourismus

Die Vitebsk State Medical University ist ein Beispiel dafür, wie heutiger medizinischer Tourismus aussehen könnte. Die staatliche Universität aus Weißrussland, Vitebsk State Medical University (VSMU), bietet ärztliche Behandlungen und Eingriffe im Rahmen des Medizintourismus an und ist zum ersten Mal auf der ITB vertreten und informiert Interessenten über ihr Konzept und mögliche Behandlungen. Anders als andere Kliniken, die Patienten aus dem Ausland kostengünstigere ärztliche Eingriffe und Behandlungen anbieten, hat die Universität „eine eigene Klinik“ und „bildet mehr als 7 000 Studenten aus“, erklärt Olga Matsiushchanka. Das Ausbildungskonzept der angehenden Ärzte und Pharmazeuten orientiert sich hierbei an dem europäischen Ausbildungsprogramm: Vorlesungen, Seminare und auch praktische Seminare, erklärt Matsiushchanka. „Oft sind die Behandlungen in den Heimatländern teurer“, stellt Matsiushchanka fest, sodass die Patienten Alternativen suchen und darauf zurückgreifen würden. Von Schönheitsoperationen bishin zu Behandlungen krebskranker Patienten werde alles angeboten. Viele der Patienten kämen beispielsweise aus Estland, Polen und Deutschland. Gerade die unmittelbare geografische Nähe sei vielen Patienten wichtig. Neben der Möglichkeit sich über das Internet über mögliche Behandlungsformen etc. zu informieren, könne man auch per Telefon oder per Skype mit den zuständigen Ansprechpartnern der Klinik in Kontakt treten. Auf die Frage, wie damit umgegangen werde, wenn eine Behandlung bzw. Operation nicht wie erwünscht verlaufe, antwortete Matsiushchanka, dass es keine absolute Garantie geben könne: „Erst einmal gehen wir von solch einem Fall nicht aus. Wir gehen zu 80 Prozent davon aus, dass die Behandlung gelingt. Die restlichen 20 % liegen bei dem Patienten.“ tbs

ITB 2017 Tag 3 | 10. März 2017 young press 2017

Reiseblogger packen aus: Wie verdienen sie eigentlich ihr Geld?

Young Press Journalistin Freya hat es beim Blogger Speed Dating herausgefunden

Ein dumpfer Gong unterbricht das konstante Murmeln im Saal. Etwa 60 runde Hochtische stehen in City Cube Berlin in der riesigen Halle auf Level B. Es ist hektisch, laut und große Erwartungen liegen in der Luft. Hier, beim Blogger Speed Dating, treffen etwa 120 Blogger und Aussteller der ITB Berlin auseinander. Der Grund: Sie möchten sich kennenlernen und gemeinsame Kooperationen eingehen. Auch ich mische mich darunter und führe mit den Bloggern siebenminütige Speed Interviews. Die Bloggerin Laura-Lee von „The Travellette“ ist eine der Teilnehmer. Sie bloggt seit 2013, letztes Jahr entschied sie sich, ihren Job zu kündigen. Jetzt ist ihre Arbeitsbezeichnung offiziell „Reisebloggerin“. Nur durchs Bloggen alleine kann sie jedoch noch nicht überleben. Wie viele andere Blogger auch ist sie ebenfalls als Social Media Beraterin tätig. Ganz anders sieht es bei Marianna Hilmer von „Weltenbummlermag“ aus. Sie hat das geschafft, was sich viele Reiseblogger erträumen: Marianna lebt von ihrem Blog. Aber wie genau geht das, Geld verdienen mit dem eigenen Reiseblog?

Wenn Marianna ihr Model der Teilfinanzierung erklärt, hört sich das ganz einfach an. Seit etwa drei Jahren können Sponsoren auf ihrem Blog werben. „Der Sponsor bekommt eine monatliche Präsenz auf meinem Blog, um sich dort in einem Blogpost zu präsentieren“ erörtert Marianna. Dazu kommt ihr indirekter Verdienst durch den Blog; Unternehmen kommen auf sie zu und engagieren sie für Reiseberichte, Fotos oder Videos. Der Blog ist ihr Portfolio, ihre Visitenkarte. Das ist natürlich nicht der einzige Weg, um mit seinem Blog Geld zu verdienen. Eine weit verbreitete Methode ist das sogenannte Affiliate-Marketing. Das bedeutet, ein Blogger empfiehlt ein Produkt auf seinem Blog und verdient eine Provision, wenn der Leser auf den beigefügten Link klickt und das Produkt kauft. Juliet und Janice von „Cruise Sisters“ halten davon jedoch wenig. Sie möchten mit ihrer Meinung unabhängig bleiben und keine Werbung betreiben. Deswegen raten sie jedem Neueinsteiger „nicht direkt mit Werbung einzusteigen. Das kann vieles gleich am Anfang verbauen und es kann passieren, dass andere Firmen dann nicht mehr mit einem zusammenarbeiten möchten.“

Zum Glück ist Affiliate-Marketing nicht die einzige Lösung. Johannes Klaus von den Reisedepeschen sagt, dass Publizieren in eigener Produktion eine weitere gute Geldquelle ist. Ebooks lassen sich einfach erstellen und über Amazon und den eigenen Blog verkaufen. Genau das macht Elke vom „Meerblog“. Abgesehen von gesponserten Beiträgen, finanziert sie ihr Leben auch als Buchautorin im Selbstverlag. Und neuerdings arbeitetet sie sogar mit bekannten Verlagen zusammen; „Ich bin noch zum Stillschweigen verdonnert, aber im Herbst diesen Jahres kommt mein erstes gemeinsames Buch mit weiteren Reisebloggern raus“, berichtet sie ganz aufgeregt. Elke muss also nicht mehr zum Blogger Speed Dating auf der ITB Berlin und um die Gunst der Aussteller werben. Elke ist schon einen Schritt weiter: Ihr „Meerblog“ gehört zu den besten deutschen Reiseblogs. Auf der diesjährigen ITB Berlin gewann sie den ersten Platz in der Kategorie Reiseblog des Jahres 2017.

 

Preisverleihung für den besten Blog des Jahres 2017: erster Platz „Meerblog“ von Elke Weiler

Für viele andere Reiseblogger ist es bis dahin jedoch noch ein weiter Weg. Und die Konkurrenz ist groß. Über 1.200 aktive, deutschsprachige Reiseblogs listet die „Reiseblog Top 50 Lesercharts“ vom „Flocblog“ in 2017. Das sollte einen jedoch nicht entmutigen und nicht zum Aufhören veranlassen. Auch wenn es nicht sofort mit dem Geldverdienen klappt, findet „Travelette“ Laura-Lee. „Die Motivation sollte immer der Spaß an der Sache sein“, ergänzt sie. So sehen es auch Marianna und Johannes: Ein Blog muss immer die große Leidenschaft sein. So banal fing es auch bei Elke an. „Ich schreibe einfach gerne“ sagt sie strahlend. Am Anfang fuhr sie noch zweigleisig und schrieb ihren Blog neben dem Beruf als Journalistin. Sie erzählt, dass sich ihr Reiseblog erst in den letzten Jahren so rasant entwickelt hat und sie mittlerweile nur noch von und für ihren Blog lebt. „Ohne zu große Ansprüche zu haben, lässt es sich gut vom Bloggen leben“ sagt Elke. „Allerdings“, fügt sie hinzu, „ist es nicht wie bei Instagramern und Youtubern – die verdienen wesentlich mehr mit nur einem einzigen Post.“

Die Reisebloggerin Laura-Lee von „The Travellette“ (rechts)

Nicht ans Geldverdienen denken“, das ist Elkes Rat für jeden Blogger, der noch am Anfang seiner Karriere steht. Sie ist der Meinung, dass die Persönlichkeit des Bloggers im Vordergrund stehen sollte. Daraus entwickelt sich dann eine Leserschaft. So ähnlich sehen es auch die „Cruise Sisters“ Juliet und Janice: „Wer anfängt zu bloggen, muss sich überlegen, was er darstellen möchte. Also zum Beispiel Backpacking, Luxus oder Reisen in Südeuropa“, erklären die beiden. Die Leserschaft braucht eine klare Linie, mit der sie sich identifizieren kann. Eine eigene – vielleicht auch ungewöhnliche – Nische finden, das ist also das Eingangstor in die Reisebloggerwelt. Nicht zu unterschätzen ist jedoch der Zeitaufwand, der mit dem Bloggen verbunden ist. Um ein erfolgreicher Reiseblogger zu sein, gehört nämlich nicht nur das Schreiben. „Es ist die Social Media Aktivität, die viel Zeit in Anspruch nimmt“, verrät Elke. Sie erklärt, wer eine große Leserschaft für seinen Blog aufbauen möchte, braucht für jeden Social Media Kanal ein eigenes Konzept.

Die Blogger-Schwestern Janice und Juliet vom Blog „Cruise Sisters“ (von links)

Leserschaft, unter Bloggern auch gerne Follower genannt, das ist das große Zauberwort, um überhaupt von Sponsoren wahrgenommen zu werden. Oder nicht? Marianna und Johannes finden, dass eine gewisse Leserschaft und Bekanntheit des Blogs natürlich von Vorteil ist. Oft machen Firmen eine Ausschreibung, bei der Blogger ihre Follower dazu bringen müssen ihnen den Job zu verschaffen. Viel wichtiger ist jedoch die eigene Persönlichkeit und die Ausrichtung des Blogs. „Das persönliche Profil muss in das Markenprofil der Firma passen“, konkretisieren Marianna und Johannes. Für Laura-Lee sind Follower und die Reichweite des Blogs wichtig, um von den Unternehmen und Sponsoren wahrgenommen zu werden. Sie spricht jetzt immer schneller. „Jedoch ist auch immer Qualität wichtiger als Quantität“, ergänzt sie noch zu ihrer Aussage. Und dann ertönt wieder der Gong. Laura-Lee flitzt zu ihrem nächsten Speed Dating Treffen.

Folgende Blogger habe ich befragt:

Laura-Lee von http://www.thetravellette.com /facebook.com/TheTraveLLette

Marianna von  http://www.weltenbummlermag.de / facebook.com/weltenbummlermag

Johannes von http://www.reisedepeschen.de /facebook.com/reisedepeschen

Juliet und Janice von http://cruise-sisters.de / facebook.com/cruisesisters.de

Elke von http://www.meerblog.de / facebook.com/meerblog

ITB 2017 Tag 3 | 10. März 2017 young press 2017

Der Verlust der Nacht: Wie der Astro-Tourismus den Blick gen Himmel lenkt

„Die Menschen aus der Stadt wissen gar nicht mehr, wie der Sternenhimmel eigentlich aussieht“, sagt Harald Bardenhagen. Er ist Astronom und Leiter der Astronomie- Werkstatt: „Sterne ohne Grenzen“ in der Eifel. “ 60 Prozent der Europäer können die Milchstraße schon jetzt nicht mehr sehen“, konstatiert er auf der ITB Berlin. Grund dafür ist die Lichtverschmutzung. Was ist denn  an Licht problematisch? Tatsächlich eine ganze Menge, denn die unsichtbare Gefahr hat größere Auswirkungen auf die Ökosysteme als man denkt.

Harald Bardenhagen, Astronom und Leiter der Astronomie- Werkstatt: „Sterne ohne Grenzen“ in der Eifel

Passend zum „Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“ ist das Segment „Astro-Tourismus“ dieses Jahr zum ersten Mal am Stand auf der ITB Berlin vertreten. Bardenhagen erhofft sich  andere Anbieter dazu anzuregen, diesen Bereich zu ihrem bestehenden Touristenangebot hinzu zufügen. Nicht nur, um mit der Faszination des Sternenhimmels zu werben, sondern auch um auf die Schattenseiten des künstlichen Lichts zu verweisen. Heute gibt es immer weniger Orte in Europa, an denen man einen sternenreichen Nachthimmel beobachten kann. Luftmoleküle streuen das Licht der Städte so, dass sie den Himmel in ein gräuliches Mischmasch tauchen. In dem Verlust der Dunkelheit sieht Bardenhagen Risiken für den Menschen. „Der Körper braucht nachts Dunkelheit für die Regeneration der Zellen“, erklärt er. Die innere Uhr, die den menschlichen Stoffwechsel regelt, gerät durcheinander wenn kein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus eingehalten wird. Zu helle Schlafzimmer oder der Blick aufs Smartphone vor dem Einschlafen verstärken diesen Effekt. Am Meisten betroffen vom Wegfall der natürlichen Nacht sind die Tiere. Zugvögel verlieren auf der Reise gen Süden ihre Orientierung. Manche Fledermausarten meiden jegliche Lichtquellen und schränken sich in ihrem Jagdraum selbst ein. „Es gibt viele Beispiele dafür, dass der Mensch in Bezug auf Lichtverschmutzung stark in die ökologischen Systeme eingreift“. Er kann aber auch etwas dafür tun, um dies zu vermeiden. Verantwortliche Beleuchtung ist hier das Schlüssewort. Einfache Gesten wie kein Licht nach oben richten, Licht nur bei Bedarf einschalten oder auf Leuchtkörper mit geringem Blauanteil umzusteigen, können schon etwas Bewirken. Astro-Tourismus ist so ein wichtiger Aspekt, um nachhaltig Natur und Mensch zu schützen. National, wie auch international.

Mariana McGill, Gründerin von „Latin America World“

Mariana McGill ist Gründerin von „Latin America World“. Sie kommt ursprünglich aus Panama. Sternenwanderungen gehören mittlerweile fest zu ihrem Konzept.  Sie bezeichnet den Astro-Tourismus als „special interest tourism“, der auf den Osterinseln genauso gut funktioniere wie in der heimischen Eifel. „Ich traute meinen Augen kaum, als ich so einen klaren Sternenhimmel auch hier in Deutschland sah“, erzählte sie. In Südamerika sei der Himmel fast immer klar und die Galaxien deutlich zu erkennen. Besonders in Chile und Peru können Touristen einen wunderschönen Nachthimmel beobachten. Eine spezielle Ausrüstung brauchen sie dafür nicht. Das bloße Auge genüge.

Ein Blick nach oben, der sich lohnt: Vor allem wenn man etwas sieht, was sonst im Verborgenen bleibt. jfy

ITB 2017 Tag 3 | 10. März 2017 young press 2017

Startups am Start für Berlin Travel Festival 2018

Schrill, bunt und innovativ: So präsentiert sich das Berlin Travel Festival auf der ITB mit einer Vorschau. 2018 soll die Veranstaltung erstmals in einem weitläufigen Industrie-Eventareal in Berlin-Kreuzberg stattfinden. Doch warum wird parallel zur weltweit größten Reisemesse ein separates Festival gestartet? Der Wunsch nach Besonderheit ist in der Generation Y, den sogenannten „Millenials“, weit verbreitet. Diese Altersgruppe wurde rund um das Millenium, also im Zeitraum zwischen 1980 – 1999 geboren. Technologieaffinität und eine große Erwartungshaltung gegenüber dem Leben charakterisiert diese Generation: revolutionäre Zeiten, auch für die Reiseindustrie.

Geschäftsführer Bernd Neff erkannte das große Interesse an dieser unbesetzten Nische. Modern aufgemacht und mit Coolness-Faktor möchte das Berlin Travel Festival den Ansprüchen der Globetrotters gerecht werden. Im Gegensatz zu dem „Business to Business“ Prinzip der ITB setzt das Festival auf „Business to Customer“. Unter dem Leitmotto „Offline is the new online“ will das Unternehmen eine analoge Plattform schaffen und dadurch die Reiseplanung vom digitalen ins reale Leben zurückrufen. „Mit der Onlinerecherche für die perfekte Reise verbringt man meist mehr Zeit, als der Urlaub im Endeffekt dauert“, sagte Marketing Director Jörg Sürmann. Gefälschte Bewertungen auf Reiseportalen könnten in einen unangenehmen Urlaub führen. Aus diesem Grund wendet sich das Festival direkt an Reisende. Destinationen präsentieren nicht ihre jeweiligen Regionen, sondern mit 300 Ständen Bereiche der Reisebranche: von urban bis beach nach mountain bis jungle. Die Anbieter stellen unterschiedliche Gadgets, Unterkünfte, Trends und Hotspots vor, die direkt gebucht werden können. Reisetechnologien, wie die Food-Tour App „BiteMojo“ sowie Verlage, die Reiseführer anbieten. Bei den Unternehmen handelt es sich überwiegend um Startups, die kein Geld für einen Stand auf der ITB haben. Auf der Bühne erzeugen Musiker, Influencer, Autoren und Unternehmer Festival-Flair.

Die Messe Berlin ist Partner und Unterstützer des Berlin Travel Festivals, einer Komplementär-Veranstaltung der Messe Berlin“, verkündete Dr. Martin Buck, Direktor der ITB. Da stellt sich die Frage: Warum unterstützt die Messe Berlin eine Komplementär-Veranstaltung zur ITB?

Julia Wegener, PR Managerin der ITB, teilte mit, dass die ITB komplett ausgebucht und die Kapazitäten des Messegeländes völlig erschöpft seien. Der Trend entwickelt sich jedoch seit Jahren durch Social Media immer mehr zu „Lifestyle-Festivals“. Auf diesen Wettbewerb reagierte laut Wegener auch die Messe Berlin. Statt Zusehen einfach Mitmachen: Als Kopf des Ganzen unterstützt die Messe das Berlin Travel Festival auch finanziell. Der auswärtige Standort wurde zum einen aufgrund des Platzmangels, zum anderen im Hinblick auf die Zielgruppe Millenials bewusst gewählt. „Kreuzberg ist derzeit ein Trendbezirk. Eine Industriehalle erfüllt zudem auch eher den Coolness-Faktor des Festivals als das abgelegene, schwer erreichbare Messegelände“, sagte Wegener. Den Besuchern wird 2018 ein Kombiticket angeboten, welches die Teilnahme an beiden Veranstaltungen ermöglicht. Es werden Shuttles eingesetzt. Die Sales & Account Managerin des Berlin Travel Festivals, Pia Partenheimer, hegt kein Konkurrenzdenken zwischen der ITB und dem Festival: „Beide Events können sich gegenseitig stärken.“

Die Besucherzahl der ITB sei laut Wegener auch 2017 stabil bei 100.000 Fachbesuchern geblieben. Für die Publikumstage rechnen die Veranstalter mit mehreren zehntausenden Schaulustigen. Aufgrund des Berlin Travel Festivals blickt PR-Managerin Wegener positiv in das Jahr 2018: „Wir sind zuversichtlich, dadurch mehr Besucher aus der Altersgruppe der Millenials zu gewinnen.“ mhe

ITB 2017 Tag 3 | 10. März 2017 young press 2017

Umfrage: Reisetrends im Jahr 2017

Digitalisierung, Visualisierung, Nachhaltigkeit – Bei der Eröffnungspressekonferenz der ITB Berlin regierten wieder die Schlagworte. Doch was für Trends stecken wirklich dahinter. Und decken sich die Vorstellungen der Trends mit denen, der Messeleitung? Wir vom „Young press-Team“ haben im Pressezentrum nachgefragt:

Maria Paravantes ist Journalistin, Bloggerin und Autorin aus Athen. Dort arbeitet sie für die Reiseagentur Greek Travel Pages:

„Die Menschen suchen nach Erlebnissen und Emotionen. Und sie möchten vor allem immer Teil des Erlebten sein.“

Daniel Nutz arbeitet für den „Chef vom Dienst“, einer österreichischen Gastronomie- und Hotelzeitung.

„Schwierig – ich glaube, dass der Trend zur Natur und zu nachhaltigen Tourismus geht. Der Trend entwickelt sich auch zu mehr europäischen Destinationen hin.“

Sabine Biedermann kommt aus der Schweiz und arbeitet für die Schweizer Presseagentur Primus Communication in Zürich:

„Ich glaube, dass Kolumbien in Deutschland total gefragt ist. Und auch der Trend „virtual reality“ ist immer noch aktuell. Für mich ist das aber nichts – auch wenn es weitergehen muss.“

Johnny Normark Friskilä kommt eigentlich aus Norwegen, lebt aber in Stockholm. Dort arbeitet  er als Reiseblogger, Fotograf und Reiseleiter:

„Ich kann ehrlich gesagt keinen bestimmten Ort nennen. Für mich sind es immer noch die Trends wie im letzten und auch im vorletzten Jahr: Strand und die typischen Klischeeorte.“

tbs

ITB 2017 Tag 3 | 10. März 2017 young press 2017