Links und rechts von Bethlehem – der vergessene Reichtum Palästinas

Wer an Palästina denkt, dem fallen an erster Stelle die Pilgerstätten Jerusalem und Bethlehem ein, die einen wichtigen Stellenwert im christlichen Glauben einnehmen. Nur wenige Reisende werden Jericho kennen: Die „älteste Stadt der Welt“, enstanden vor 12.000 Jahren. Ein Ort, an dem der Blinde Bartimäus durch die Kräfte Jesu geheilt wurde. Von mehr als 22.000 Menschen bewohnt, liegt die Stadt mitten im Westjordanland. Jericho ist eine der vielen Attraktionen, für die die Organisation „Holy Land Incoming Tour Operator Association Palästina“ (HLITOA) mit dem Slogan „Mehr als Bethlehem“ auf der diesjährigen ITB Berlin wirbt.

Im letzten Jahr hat Palästina über zwei Millionen Besucher beherbergt. Allein bei den Übernachtungen wurde ein Anstieg von 5% festgestellt. Palästina ist  also weiterhin ein wichtiges Ziel für Pilger aus der ganzen Welt, die sich die heiligen Stätten anschauen möchten. Sebastian Plötzgen, Strategic Advisor des „Tourism Development & Marketing Palestine“, betont, dass die Hauptbesuchszeiten in Palästina besonders Ostern und Herbst sind. Überraschenderweise nicht die Weihnachtszeit, trotz der Bedeutung des Ortes Bethlehem für das Christentum. Plötzgen vermutet dazu, dass diese Entwicklung mit dem Wunsch vieler Reisende zusammenhängt, die Feiertage im Kreis der Familie zu verbringen. Andererseits steigt die Anzahl gebuchter Wanderungen besonders im Winter. Die Wärme des Landes zieht europäische Wanderlustige in den kalten Monaten in die Wüsten des Westjordanlandes.

Aber die Instabilität in der Region stellt für die Reiseveranstalter eine Herausforderung dar. Trotz der weitgehend positiven Rückmeldungen der Besucher behindern besonders die Grenzkonflikte mit Israel eine unkomplizierte Reise. Die Reisenden, die sich für Touren durch das ganze „Heilige Land“ interessieren, können schon beim Überqueren der Grenzen zwischen Palästina und Israel den ersten Problemen begegnen. Einigen Reiseunternehmen aus Palästina werden Arbeitserlaubnisse für ihre Tourguides verwehrt, was die Durchführung größerer Touren über die Grenzen hinweg schwierig macht. Zusätzlich dazu haben nicht alle palästinensischen Busse die Erlaubnis auf israelischen Straßen zu fahren. Nur die Wagen mit gelben Kennzeichen dürfen sich frei über die Grenze hinweg bewegen.

Solche Gründe führen dazu, dass viele Touristen eine Reise in das „Heilige Land“ scheuen. Die Organisation „Brot für die Welt“ setzt sich mit ihrem Informationsdienst „Tourism Watch“ ein, Reisen in touristisch wenig erschlossenen Ländern zu stärken. Laut Antje Monshausen,  Leiterin der Arbeitsstelle „Tourism Watch“, sollten sich die verunsicherten Besucher beruhigen, denn die Sicherheitslage für Touristen in Palästina und Israel sei besser, als für die Menschen vor Ort.  Die Sorgen vieler Reisenden verstehe sie, jedoch handele es sich dabei oft um ein subjektives Empfinden, das durch mediale Berichterstattung gestärkt würde. „Lokale Guides legen einen hohen Wert auf die Sicherheit der Besucher. Durch die gründliche Vorbereitung der Touren werden Schwierigkeiten vermieden“, beteuert Monshausen. Sie empfiehlt, dass sich Reisende bei lokalen Reiseveranstaltern informieren. Zudem sollten bei der Planung einer Reise auch hilfreiche Informationen einer Hilfsorganisation eingeholt werden. Auch empfiehlt sie, dass die Reisenden vermehrt den Kontakt zu palästinensischen Touristenguides suchen sollen, die sich am besten in der Region auskennen. „Gut vorbereitet ist eine interessante Reise durch die palästinensischen Gebiete ohne größere Risikos möglich“, meint Monshausen. So wird in Zukunft vielleicht auch eine Attraktion wie Jericho an Bekanntheit hinzugewinnen. amr

ITB 2017 Tag 1 | 8. März 2017 young press 2017

Türkischer Außenminister auf der ITB Berlin – große Aufregung in der Türkei-Halle

Die politische Lage zwischen Deutschland und der Türkei ist angespannt. Die Reise des türkischen Außenministers sorgt dementsprechend für Aufruhr. Konfliktgeladene, internationale Politik und buntes Messetreiben – wie passt das zusammen? Unsere Young-Press Journalistin Freya Mohr hat sich auf den Weg gemacht, den Besuch des türkischen Außenministerns auf der ITB Berlin zu begleiten.

Journalistenmassen beim Besuch des türkischen Außenminister auf der ITB Berlin

„Test, Test, Test“, der Tontechniker nimmt noch die letzten Einstellungen für den perfekten Klang vor. Kurze Film-Clips im Hintergrund der Bühne zeigen die Schönheit der Türkei. Ein Dutzend deutsche und türkische Kamerateams stehen schon Spalier vor dem Rednerpult. Etwas Abseits beobachten zwei Polizisten das Geschehen. Aufregung und Spannung liegen in der Luft der Halle 3.2. „Ist er denn schon da“, raunt es durch die Reihen. Ungewissheit mischt sich zu der anfänglichen Nervosität. Wird er denn wirklich kommen? Alle warten auf die Ankunft des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu.

Journalisten rangeln um das beste Foto vom türkischen Außenminister

Für 10:00 Uhr hat er seinen Besuch angekündigt. Es ist schon viertel nach. Die Anspannung in der Halle wächst. Und dann plötzlich – wie hungrige Haie stürzen die Fotografen und Kamerateams in eine Richtung. Umringen einen ältere Herren mit weißen Haaren. Aber der Außenminister ist das nicht, nur der Tourismusminister Nabi Avci. Und während die einen noch den Tourismusminister ablichten, sprinten die anderen schon voraus. 10:30 Uhr, der Außenminister ist da. Gefolgt von seinen Sicherheitsmännern betritt er die Halle. Fotografen drängen sich aneinander, Ellbogen werden ausgefahren, Smartphone-Kameras in die Höhe gereckt – jeder will das beste Foto.

Zusammen bahnen sich der Tourismusminister und der Außenminister den Weg in Richtung Bühne. Als die beiden Minister ihre kurze Ansprache auf Türkisch halten, rangeln die Kameramänner um die beste Position, schubsen herum, verdecken sich gegenseitig die Sicht. „Es ist chaotisch und unkoordiniert, ich bin froh wenn ich hier wieder weg bin“, flucht Oliver Baecker, Kameramann von N24. Sicherheitsmänner versuchen in dem Gewirr den Überblick zu behalten. Zwei Leibwächter weichen dem Außenminister nicht von der Seite, etwa weitere zehn Sicherheitsmänner verteilen sich mit einigen Abstand in der Menschenmasse. Immer zu erkennen an den spiralförmige Headsets, über die sie miteinander in Kontakt bleiben. Einer der Wachmänner flüstert von der Seite: „In der Menge ist die Bewachung echt schwierig.“ Dann zeigt er Richtung Halle 3.1 und 4.2 gleich nebenan: „Dazu kommt, dass die Länder USA und Israel auch ganz nah vor Ort vertreten sind. Das macht es besonders brisant.“

Die Eröffnungsrede: die Journalisten stehen bis in die fünfte Reihe

Nur 15 Minuten dauern die beiden Reden. Direkt im Anschluss starten sie ihre Besuchsrunde zu den einzelnen türkischen Messeständen. Der riesige Pulk aus Kammermännern, Fotografen und Journalisten drängt dem türkischen Außenminister hinterher. Männer im Business-Anzug jagen nach dem besten Selfie mit dem Außenminister im Hintergrund. Einzig eine Frau mit Kopftuch sticht aus dieser reinen Männerrunde heraus. Rund 40 Minuten Zeit nehmen sich die beiden Minister für ihre Tour durch die Halle. Ein kurzer Austausch von handgeschnitzten Schmuck aus Meerschaum am Stand für traditionelles Kunsthandwerk. Ein schneller Händedruck. Als nächstes posiert Mevlüt Cavusoglu vor typisch türkischen Süßigkeiten. Nascht ein bisschen von ihnen, während die Standbetreiber immer mehr Tabletts mit süßen Naschereien auffahren: Baklava, türkischer Honig, klebrige Walnüsse. Mit tropfenden Eis in der Hand, versucht er weiterhin seine professionelle Haltung zu bewahren. „Es ist ein gutes Gefühl, dass er hier ist“, strahlt der Standmitarbeiter Ömercan. Am Stand der Turkish Airlines stehen die Hostessen während seines Besuches besonders gerade; „und schön lächeln sollen wir heute, aber lächeln tun wir eh immer“, erklärt eine der Hostessen.

Der türkische Außenminister probiert typische Süßigkeiten aus seinem Land

Am Ende des Rundgangs steht nochmal eine Rede des türkischen Außenministers. Wieder betritt er die kleine Bühne vor der Leinwand mit den Türkei-Logos. Wieder auf spricht er auf türkisch. „Das Treffen mit Sigmar Gabriel verlief gut“, übersetzt Herr Özgültekin vom Türkeistand. „Gabriel hat versichert, er werde seinen Sommerurlaub in der Türkei verbringen.“ Die ganze Aufruhr zum diesjährigen Besuch des türkischen Außenministers versteht Özgültekin nicht, „eigentlich kommen die beiden fast jedes Jahr an die Messe. Nur dieses Mal ist es ein bisschen besonders, wegen der politischen Situation.“ Plötzlich gibt es doch laute Rufe auf türkisch aus dem Publikum. Auch ein deutscher Journalist stellt jetzt eine Frage über die Sicherheit deutscher Urlauber in der Türkei. Der Außenminister reagiert, als habe er die Frage nicht verstanden. Hartnäckig wiederholt der Journalist seine Frage zur Reisesicherheit und der Angst vor türkischen Gefängnissen. Knapp entgegnet der Außenminister: „Die Reisesicherheit ist gewährt“ und verlässt kurze Zeit später die Bühne und verschwindet nach 90 Minuten Besuch genauso plötzlich, wie er gekommen ist. fmo

ITB 2017 Tag 1 | 8. März 2017 young press 2017

Virtual Reality-Reisen: Die ganze Welt durch die 3D-Brille

„Der Hype ist riesengroß“, sagt der Geschäftsführer von Diginetmedia, Andreas Weigel, der seit 17 Jahren in der Branche mit Virtual Reality arbeitet. Egal, wo man auf der diesjährigen ITB Berlin auch hinsieht, die modernen 3D-Brillen sind überall zu finden. High Technology zwischen australischem Outback und dem indischen Ozean.  Selbst vor bayerischer Bergkulisse hält eine Frau im Dirndl interessierten ITB-Besuchern eine 3D-Brille hin, damit diese ihr potentielles Reiseziel erkunden können.
Wie sieht mein Hotelzimmer aus? Wie meine Schiffskabine? Was erwartet mich in der Antarktis? Messebesucher können die Brille aufsetzen, und plötzlich steht ein Eisbär vor ihnen, ein Robbenbaby zu ihrer linken. Stalaktiten und Stalagmiten sind in der Höhle von allen Perspektiven aus zu betrachten. Bildwechsel und der Gast sieht sein Iglu schon beim Buchen vor sich.
Virtual Reality ist das Reisen, viel mehr aber der Reiz von Morgen. So können Kunden in Reisebüros bereits den ersten Eindruck eines möglichen Reiseortes über ein 360-Grad-Bild in der 3D-Brille erleben, die entweder das eigene Smartphone oder den Anschluss eines PCs  zur Übertragung des Bildes nutzt.
Wo früher die Reisebroschüre oder der Reiseführer lag, ist heute die Virtual Reality-Brille.
Kritiker zweifeln nach wie vor, ob VR nicht irgendwann auch eine komplette Reise ersetzen könnte, was der Tourismusbranche nicht zu Gute käme. Viele Veranstalter sehen diesen Konflikt nicht. Chris Ball, Geschäftsführer von Glh Hotels und Christophe Roose, Geschäftsführer des historischen Museums „Historium“ in Brügge nutzen VR in ihren Branchen schon seit geraumer Zeit und stoßen dabei ausschließlich auf positive Rückmeldungen. Virtual Reality diene zu allererst weiterhin dem Einblick und dem ersten Kontakt mit einer Reise. Nick Greenfield, von der European Tour Operators Association, scherzt und formuliert den Nutzen von Virtual Reality nicht anders, als dass Gäste sich bequem im Reisebüro ansehen können, ob ihnen nicht zwei Kissen in ihrem Hotelbett lieber wären als eins. lms

ITB 2017 Tag 1 | 8. März 2017 young press 2017

Nachhaltig in die Zukunft – Botswana setzt sich als Partnerland der ITB für ökologischen Tourismus ein

Gemächlich schreiten Elefanten durch die Savanne. Büffel äsen in den wasserüberfluteten Ausläufern des Okavango-Deltas, während im Schatten eines Busches Löwen dösen: In Botswana kann man dieser afrikanischen Idylle ganz nahe kommen. Das liegt vor allem daran, dass sich das Land dem Schutz seiner Wildnis mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna verschrieben hat. Besonders Elefanten und Nashörner sind auf den Schutz des Menschen angewiesen, denn Wilderer haben es seit einigen Jahren verstärkt auf ihr wertvolles Elfenbein abgesehen.

Botswana ist das Partnerland der diesjährigen ITB und nutzt die Messe als Plattform, um über Umweltschutz und nachhaltigen Tourismus zu informieren. „Unsere Nachricht an die Welt ist: Wir nehmen Naturschutz ernst“, sagte Botswanas Umweltminister Tshekedi Khama bei der gestrigen Eröffnungspressekonferenz. Botswana hat bereits im Jahr 2014 ein striktes Jagdverbot verhängt, um seine einzigartige Flora und Fauna, die auch viele bedrohte Tierarten wie das Weiße Nashorn umfasst, zu schützen. Dass sich hier bereits erste Erfolge abzeichnen, schilderte Khama am Beispiel der Elefantenpopulation. In Botswana leben derzeit zwischen 170000 und 220000 dieser Tiere – es ist die größte Elefantenpopulation Afrikas. Der Tourismusminister zeigte sich stolz, dass im vergangenen Jahr nur ein Verlust von 32 Tieren verzeichnet werden konnte. Das sei ein sehr guter Wert, wenn man den Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern zieht: Dort seien es zum Teil 90 Elefanten täglich, die ihr Leben verlieren – meistens aufgrund von Wilderei.

Auf der ITB präsentiert sich Botswana als Vorreiter für nachhaltigen Tourismus. „Immer mehr Lodges sind öko-zertifiziert, es gibt elektrische Autos, elektrische Boote und sogar ganze Farmen, die mit Solarenergie betrieben werden“, sagte Cynthia Mothelesi von Botswana Tourism nur einige Maßnahmen, die den Tourismus in Botswana umweltfreundlich machen.

Botswanas Nachhaltigkeitsgeschichte ist lang. Es ist ein stetiger Prozess, der aber auch nicht immer reibungslos ablief. Viele San, die Ureinwohner Botswanas, mussten im Rahmen von Umweltschutzprojekten umgesiedelt werden. Durch das 2014 verhängte Jagdgesetz fühlten sie sich in ihrer traditionellen Lebensweise eingeschränkt, lebten sie doch vielerorts noch von der Jagd. Das Ziel ist es eine gemeinsame Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sind, zum Beispiel durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in den neu entstandenen Parks. ach

ITB 2017 Tag 1 | 8. März 2017 young press 2017

Selbst ist die Frau

Am Weltfrauentag erzählen starke Frauen aus der Reisebranche ihre Geschichte

Auf der ITB Berlin kommen Touristiker aus der ganzen Welt zusammen, darunter mehr als ein Drittel Frauen. Jede mit einem anderen kulturellen Hintergrund und einer anderen Geschichte. Alle haben eines gemeinsam: Sie sind in der Reisebranche tätig. Ob als Business-Frau in Afrika, als Tanzlehrerin in Indonesien oder Flugbegleiterin in der Welt unterwegs. Am Weltfrauentag rücken aber auch Themen wie die berufliche Gleichberechtigung von Mann und Frau in den Vordergrund. Offizielle Zahlen, wie viele Frauen in der Reisebranche tätig sind, gibt es laut dem Deutschen Reiseverband (DRV) nicht. Einen Grund mehr, um selbst den Rundgang durch das Messegelände zu starten und Frauen mit außergewöhnlichen Berufskarrieren zu finden.

Sharon Stead: Power-Frau aus Simbabwe

„Ich habe keine Angst aufzustehen und meine Meinung zu sagen – auch Männern gegenüber nicht.“ Sharon Stead kommt aus dem afrikanischen Simbabwe und verkörpert das, was man sich unter einen starken Geschäftsfrau vorstellt. Ehrgeizig und selbstbewusst. Früher ist sie oft für ihren strengen Umgangston kritisiert worden, heute ist sie stolz drauf, weil er sie zum Erfolg geführt hat. Seit fast 30 Jahren ist sie Inhaberin von vier Lodges, die sie mit ihrem Vater selbst aufgebaut hat und an Touristen vermietet. Aufgewachsen auf einer privaten Farm in der Wildnis in Matabeleland, ist sie eine der wenigen Frauen im von Männern dominierten Safari-Business. Schon als Kind hat Stead gelernt, sich im Leben durchzusetzen. „Ich bin zu Zeiten des Guerillakrieges groß geworden, so dass ich mit elf Jahren schon mit einem Gewehr umzugehen wusste.“ Themen wie die Frauenquote und geschlechtsbezogene Ungerechtigkeiten spielen auch in Simbabwe eine Rolle. Eine einfache Verabredung zum Mittagessen mit einem Mann könne in vielen afrikanischen Ländern für Gerede sorgen. Stead ist in ihrem Land derzeit noch eine Ausnahme, doch vielleicht folgen ihr bald viele ihrer Landsfrauen nach. Vergangenes Jahr erhielt sie für ihre Arbeit sogar die Auszeichnung „Business Person of the year“ von der Handelskammer Simbabwes.

Agnès Kah: Geballte Frauenkraft aus Kamerun

Breites Grinsen, bauschige Locken und eine ansteckende Freundlichkeit: Agnès Kah ist Leiterin des Fremdenverkehrsamtes für Kamerun und Sierra Leone. Geboren in Tiko in Kamerun, zog es sie zum Studieren nach Deutschland. In Dortmund lernte sie neben BWL und Tourismus auch die deutsche Kultur kennen. Ihre geballte Frauenkraft hat ihr beruflich großen Erfolg in beiden Ländern eingebracht. Wenn Kah nicht gerade Hotels in Afrika begutachtet oder auf Pressereise mit Journalisten unterwegs ist, lebt sie mit ihrem Mann und den Drillingen in Düsseldorf. Allerdings, auch das sagt Kah: Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen ist in Deutschland genauso schwer wie in Kamerun.

Siti Fatima: Indonesischer Wirbelwind

Roter Tüllrock, glitzernde Pailletten und Bommelhut: Siti Fatima ist in ein prächtiges, farbenfrohes Kleid gehüllt. Auf ihrem Kopf trägt die 28-Jährige einen traditionell, indonesischen Kopfschmuck mit beweglichen Goldscheiben, die bei jedem Schritt anfangen zu tanzen. Sie ist professionelle Tänzerin in der Hauptstadt Jakarta und gibt dort Tanzunterricht. „In Indonesien ist es kein Problem als Frau beruflichen Erfolg zu haben, zumindest in den großen Städten“, sagt Fatima zum Weltfrauentag befragt. Etwas anders sehe es auf den mehr als 10000 indonesischen Inseln aus. Dort herrsche noch das traditionellere Rollenverständnis zwischen Mann und Frau.

Rosie Housam: Offener Schleier in Dubai

Man vergisst schnell, dass man sich in einem Flugzeug und in keinem Luxushotel befindet, wenn man die ausgestellten Kabinen der Fluggesellschaft Emirates betritt. Rousie Housam arbeitet als Stewardess und sorgt für die perfekte Flugzeugillusion. Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht präsentiert sie die luxuriöse Barausstattung an Bord. Rosie ist nur eine von Tausenden Frauen, die in der Flugbranche beruflich Fuß gefasst haben. Die Struktur auch der arabischen Fluggesellschaften verändert sich zunehmend entgegen des klischeebehafteten Rollenverständnisses. Mit 44 Prozent ist fast die Hälfte der Belegschaft von Frauen besetzt, darunter 11000 Frauen, die in technischen und fachmännischen Bereichen arbeiten. Immer mehr Frauen wagen auch den Schritt ins Cockpit und setzen sich gegen ihre männlichen Mitstreiter durch. Insgesamt ist der Anteil von Frauen in der Airline um sechs Prozent gestiegen ist.

jfy

ITB 2017 Tag 1 | 8. März 2017 young press 2017

„Von Berlin nach Shanghai – Die ITB wächst weiter“

Die Digitalisierung ist weiterhin ein Schwerpunktthema der ITB Berlin. „Geschäftsprozesse müssen an die Digitalisierung angepasst und verändert werden“, erläuterte Geschäftsführer Christian Göke auf der Eröffnungspressekonferenz. Technik und Tourismus wachsen immer weiter zusammen – das merkt man auch an der Nachfrage der Aussteller im Bereich der „Travel Technology“, der Reisetechnologie. Die ITB hat in diesem Jahr extra eine neue Hallenstruktur für diese Branche eingeführt. Denn die Nachfrage der Aussteller hat sich um 30 Prozent erhöht, sodass die Kapazitäten deutlich erweitert werden mussten.

Nicht nur hier wächst die ITB: 2016 besuchten allein 110.000 Fachbesucher die Messe. Mit mindestens so vielen Besuchern rechnen die Veranstalter auch in diesem Jahr. An solch eine Entwicklung war im Jahr 1966, als die erste ITB mit neun Ausstellern aus fünf Ländern stattfand, noch nicht zu denken. In den seitdem über 50 vergangenen Jahren errang die ITB den Ruf der weltweit größten Reisemesse und wurde zum umfassendsten Marktplatz der Branche. Die 1970er Jahre standen daher im Zeichen des Wachstums. Die ITB wurde zu einem Medienereignis.

In den 1980er Jahren präsentierte die ITB neue Technologien und galt damit als Vorreiter. 1981 wurde der erste Bildschirmtext als Messeinformationssystem eingesetzt. Zwei Jahre später griff die ITB das damals breit diskutierte Thema „Neue Medien“ auf. Eine neue Wertebesinnung.

Die 1990er Jahre standen im Fokus des Gesundheitstourismus und des Umweltschutzes. Neue Zielgruppen sollten angesprochen werden: von Geschäftsreisenden über Jugendliche bis hin zu den gesundheitsbewussten Reisenden. Menschenrechte in Urlaubsländern und der Umweltschutz wurden erstmals thematisiert. Die ITB setzte sich ökologische und soziale Verantwortung als substanzielles Element für die Zukunft und Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Erfolg.

Im Jahre 2000 setzte eine „Revolution“ ein. Die voranschreitende Digitalisierung verändert bis heute die Reisebranche wie kaum ein anderes Geschäftsfeld. Das Segment der Travel Technology wurde als eigener Ausstellungsbereich geschaffen, welcher sich bis heute als eines der größten, dynamischsten und internationalen Ausstellerbestandteile erweist. Die Travel Technology beinhaltet verschiedene Formen: Das Suchen einer Reise über eine Reise-App oder die Buchung eines Hotelzimmers über ein Reservierungs-System im Reisebüro. Mit der „eTravel World“ hat die ITB nochmals auf Innovation gesetzt. Im Rahmen der Travel Technology informieren Aussteller über digitales Marketing, Social Media, und Mobile Travel Services, das Buchen von Leistungen über Apps. Unter die Travel Technology fällt in diesem Jahr auch eines der Schwerpunktthemen: „Disruptive Travel: Das Ende aller Gewissheiten“. Geopolitische Krisen, Sicherheitsrisiken auf Reisen und der Einsatz von künstlicher Intelligenz, das alles muss auch die Touristikbranche heutzutage meistern. International renommierte Experten geben Einblicke, wie dies möglich sein kann.

Die Erfolgsgeschichte der ITB Berlin führt auch über Kontinente hinweg: Als internationaler Exportschlager hat sich die weltweit größte Reisemesse ebenfalls einen Namen gemacht. Bereits zum 10. Mal findet in diesem Jahr die ITB Asia Singapur statt. Der asiatische Ableger etablierte sich innerhalb kürzester Zeit zur führenden B2B-Messe für den asiatischen Reisemarkt. Allein durch diese Veranstaltung konnte die ITB Berlin im vergangenen Jahr ebenfalls ein Plus von 20 Prozent im Bereich Besucher sowie acht Prozent mehr vermietete Flächen aus Asien verzeichnen. Aufgrund des großen Erfolgs bietet die ITB dieses Format in diesem Jahr erstmals auch in Shanghai an. Die Messe sei laut Göke bereits ausgebucht.

Auch für nächstes Jahr wird es auf der ITB wieder Neuerungen geben. Zum ersten Mal wird 2018 das „Berlin Travel Festival“ in Kreuzberg stattfinden, welches die ITB Berlin unterstützt. Das Festival ist auf Nomaden, Eskapisten, Entdecker und Kosmopoliten ausgerichtet. Erste Eindrücke gibt es bereits jetzt auf der ITB im Marshall Haus. mhe

ITB 2017 Tag 1 | 8. März 2017 young press 2017