Gorillas allein im Wald

Kamerun ist ein mit Kultur und Naturschätzen gesegnetes Land. Doch der Tourismus leidet unter den Krisen in den Nachbarländern.

Waldelefanten, Gorillas, Bongo-Antilopen: Kamerun verfügt über einige der artenreichsten Nationalparks Afrikas. Darüber hinaus ist es kulturell so reich wie kaum ein anderes Land auf dem schwarzen Kontinent. Doch seit der Krise in der Zentralafrikanischen Republik und dem Konflikt in Nigeria bleiben die Touristen fern. 2011 besuchten noch 670.000 Reisende das Land, drei Jahre später schrumpfte die Zahl um fast ein Drittel.

Agnès Kah, Vertreterin des kamerunischen Fremdenverkehrsamts in Deutschland und Geschäftsführerin des Reiseveranstalters Loewen Touristik, bekommt den massiven Buchungsrückgang deutlich zu spüren. 2012 organisierte sie noch Reisen für 17 deutsche Reisegruppen, 2014 waren es nur noch vier. Besuchten damals noch 6.000 Deutsche das Land, sind es jetzt nur noch wenige hundert. „In Europa festigt sich der Eindruck, das ganze Land sei gefährdet. Dabei ist Kamerun fast zweimal so groß wie Deutschland und die Stadt Ngaoundéré ist ungefähr 2.000 Kilometer vom friedlichen Süden entfernt.“

Deshalb hat Kah alle ihre Touren, die sie unter anderem für Reiseveranstalter wie Dertour, Ikarus Tours und Hauser Exkursionen organisiert, in den Süden verlegt. Regenwälder, eine bunte Tierwelt und der Kamerunberg, der höchste Berg Westafrikas mit 4095 Metern, sind nur einige Beispiele für die Vielfalt des Landes. Des Weiteren bekommt man im Süden Kameruns direkten Einblick in die Kultur der Pygmäen. „Außerdem“, sagt Kah, „ist Kamerun wegen der Relikte der 30-jährigen deutschen Kolonialzeit auch für Deutsche interessant. Bis zu 80 Prozent unserer architektonischen Sehenswürdigkeiten stammen aus dieser Zeit.“

Loewen Touristik arbeitet bei seiner Einschätzung der Sicherheitslage eng mit dem Auswärtigen Amt zusammen. Auch wenn sie es gerne täte, die Situation beschönigen kann Kah nicht. Aber sie ist zuversichtlich. „Kamerun ist politisch seit Jahren stabil. Die Regierung tut enorm viel dafür, um Boko Haram aus dem Land zu bekommen. Bis Mitte des Jahres wird Boko Haram Geschichte sein“, ist sich Kah sicher. Wenn ihre Aussagen zutreffen, könnten Kameruns Gorillas bald wieder in die Kameras von Touristen blicken. (haw)

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015

Hier ist seit 25 Jahren der Weg das Ziel

SilverLeaf_RM_ClaudetteCarracedo-022Im Zug quer durch den Westen Kanadas

Die Zugreise Rocky Mountaineer feiert dieses Jahr ihren 25. Geburtstag. Seit nunmehr einem Vierteljahrhundert führt die Route durch den Westen Kanadas und seinen Rocky Mountains. Die Passagiere können dabei aus drei verschiedenen Service-Angeboten ihre Traumroute wählen: RedLeaf, SilverLeaf und der exklusiven GoldLeaf-Kategorie. Während der atemberaubenden Fahrt mit dem Panorama-Zug, werden den Gästen regionale Spezialitäten, wie leicht angerösteter Wildlachs aus British Columbia mit Räuchersalz und Senfvinaigrette, von Köchen mit Michelin-Status serviert. „Diese Menüs werden direkt live und ganz frisch auf die Teller zubereitet“, erklärt Lilly Wolf, PR-Frau die den Rocky Mountaineer in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertritt, das kulinarische Erlebnis auf der in der Regel zwischen zwei bis viertägigen Reise durch die einsame wie gleichsam faszinierende Landschaft Kanadas.

Insgesamt kann man sich zwischen fünf verschiedene Touren entscheiden, die jeweils von April bis September angeboten werden. Dabei ist die bekannteste und älteste Tour die „The First Passage to the West“. Sie führt von Vancouver über Kamloops zum Lake Louise und endet schließlich in Banff. Allerdings sollte beachtet werden, dass „man nicht im Zug übernachtet, sondern das der Weg das Ziel ist“, so Wolf, die damit auf die nächtlichen Aufhalte, meist in Vier-Sterne-Hotels, auf den jeweiligen Reisestops, anspielt. Am nächsten Morgen jedoch wird dann teilweise bereits das Frühstück wieder im Zug serviert, so dass das „Naturkino“, wie Wolf die Reise bildlich beschreibt, bewundert werden kann. Zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten, an denen man mit herrlichem Ausblick entlangfährt, werden die Reisenden von so genannten „Hosts“ mit unterhaltsamen Anekdoten und Informationen gefüttert.

Die Kernzielgruppe liegt aktuell bei über 55-Jährigen, doch auch immer mehr Familien mit Kindern ab zwölf Jahren buchen den selbst ernannten „Panorama- und Genusszug“. Dazu Wolf: „Ein bisschen kann der Rocky Mountaineer mit einer Kreuzfahrt verglichen werden, weil es tolles Essen an Board, aber nicht viel Action und Abenteuer gibt. Es ist eine unglaublich entspannte Möglichkeit komfortabel die Rocky Mountains zu erleben.“

Viele Urlauber starten oder runden ihre große Kanada-Reise mit dem Rocky Mountaineer ab, um ganz entspannt und ohne dabei selbst fahren zu müssen, das kanadische Naturspektakel im wahrsten Sinne in vollsten Zügen genießen zu können… (mos)

 

  • Mehr Informationen unter www.rockymountaineer.com
  • Jeweils von Mitte April bis Ende September jedes Jahr
  • von deutschsprachigen Hosts geführte Touren werden ebenfalls zu ausgewählten Terminen angeboten
  • ab 932 Euro bis 6.659 Euro
Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015

Bildung ist wieder IN – Bei Jugendreisen setzen die jungen Kunden auf Erlebnisse mit „Mehrwert“

Wenn Jugendliche ohne ihre Eltern auf Reisen gehen, dann geht es ihnen nicht immer nur um Sommer, Sonne, Strand und Meer. Der Trend im Jugendreisetourismus zeigt, dass immer mehr Jugendliche Wert auf kulturelle und unvergessliche Erfahrungen legen.

„Kinder- und Jugendreisen gab es schon immer. Aber die Intention hat sich gewandelt“, sagt Ralf Olk vom Vorstand des Fachverbandes „Reisenetz“. Wollten die Jugendlichen in der Vergangenheit vorrangig einfach ohne ihre Eltern verreisen und neue Leute kennenlernen, so ist es jetzt Trend, auch einen Mehrwert von ihrer Reise mitzunehmen. Diese Reisen mit Mehrwert können dann beispielsweise Sprach- oder Gesundheitsreisen sein. Oft geht es aber auch darum, fremde Kulturen kennenzulernen und Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Nicht um sonst gehört „eine fremde Kultur erleben“ mit 35 Prozent zu den beliebtesten Aktivitäten der Reisenden zwischen drei und 26 Jahren – an gleicher Stelle mit Schwimmen, Baden und Tauchen. Das belegt auch eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie aus dem Jahr 2014. Sie zeigt außerdem, dass durch Kinder- und Jugendreisen in Deutschland brutto jährlich 28,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht werden.

Jugendreisen müssen aber nicht nur vermehrt einen gewissen Lernzuwachs bieten. Ralf Olk: „Erlebnisse müssen immer authentischer, spannender und aufregender werden, gleichzeitig aber auch hohen Sicherheitsstandards entsprechen – Ein Spagat, der kaum zu schaffen ist.“ Olk ist sich sicher, dass es nie Perfektion geben wird. Reiseveranstalter können sich lediglich an ihre Sicherheitsstandards halten und dann entscheiden, welche Erlebnisse anhand dieser realisierbar sind. So wäre eine Bergwanderung an Steilklippen ohne jede Sicherung für die Jugendlichen zum Beispiel ein riesen Nervenkitzel, aber in den Augen der Eltern unverantwortlich. Seifenkisten bauen und ein anschließendes Rennen oder in einem selbstgebauten Steinofen Brot zu backen, sind dagegen Erlebnisse, die authentisch sind und dabei alle Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Aber nicht nur der Inhalt der Reisen ist für die Jugendlichen und ihre Eltern wichtig. Auch wie die Reisen durchgeführt werden, wird immer stärker nachgefragt. Der Geschäftsführer von „young austria“ und ebenfalls Mitglied des Reisenetzes Bernd Seidl würde sich aber sogar noch mehr Fragen von Eltern wünschen. „Wir als Fachverband wollen uns von ,schwarzen Schafen‘ in der Branche abgrenzen und deshalb das Nachfragen propagieren“, sagt Seidl. Wer sich, bevor er sein Kind auf Reisen schickt, informieren will, kann unter anderem auf Qualitätssiegel zurückgreifen. Da es davon aber unendlich viele gibt, und die Eltern nicht genau wissen, nach welchen Kriterien diese Siegel vergeben werden, versucht das Reisenetz in seinem Heft „Qualität im Kinder- und Jugendreisen“ im Bezug auf einige Qualitätssiegel eine Transparenz herzustellen, indem sie die einzelnen Siegel genau erklären.

Der wichtigste Wandel bei Jugendreisen hat sich aber im Kopf der Reiseveranstalter vollzogen. „Die Jugendlichen sind nicht nur die Gäste von morgen, wie es gern gesagt wird. Sie sind vielmehr die Gäste von heute“, fasst Bernd Seidl zusammen. Die Reiseveranstalter nehmen die Jugendlichen heute als Kunden ernst. Zumal sie feststellen, dass die Jugendlichen zuhause heute auch mitbestimmen dürfen und nicht mehr die Eltern alleine für ihre Kinder buchen. Das Angebot wird auf Kinder- und Jugendliche abgestimmt und optimiert. „Die Kunden sind die Kids“, sagt Ralf Olk, „sie entscheiden, wo es langgeht und bewerten das Angebot.“ (dik)

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015

Ein Ort der Ruhe

Entlang der Halle 6 eilen Menschen hin und her, telefonieren im Laufen oder aktualisieren ihren Tagesplan. Gabelstapler und Pkw brausen vorbei. Von überall her sind Geräusche zu hören, Gespräche, Telefonate, zurücksetzende Lkw. Noch hektischer geht es in den Hallen selber zu. Die Menschen schieben und drängen sich durch die Gänge, reden, rufen, diskutieren, der Geräuschpegel ist enorm. Rundherum blinkt und funkelt es, Werbebanner locken, Teller und Geschirr klappern, Fotografen hetzen von einem Stand zum nächsten.

Um diesem rasanten Wahnsinn Einhalt zu gebieten, hat die Evangelische Kirche an Halle 6 einen „Raum der Stille“ eingerichtet. Grüne Schilder weisen auf eine mit Jalousien verhängte Glastür. Messeseelsorge/Pastoral Care steht über dem Eingang. Fällt die Tür hinter einem ins Schloss, scheinen der Lärm und die Hektik weit entfernt. Robuste Holzstühle stehen im Kreis, in der Mitte sind auf einem ein niedrigen Tisch eine Kaffeekanne und ein Teller mit Keksen angerichtet. An einem Ende des Raumes ist ein kleiner Altar errichtet, hinter dem ein buntes Gemälde eines Kreuzes die Wand dominiert. Kerzen und gedämpftes Licht beleuchten den Raum. In einer Ecke liegt ausgebreitet ein Gebetsteppich. Die Atmosphäre wirkt äußerst beruhigend. Vielleicht liegt es daran, dass der kleine Raum so gänzlich anders ist als alle anderen auf der Messe.

„Der Raum ist für alle, die für einen Moment inne halten wollen. Viele Leute muslimischen Glaubens nutzen ihn auch als Gebetsraum“, erzählt Rainer Hennekes. Der 61-jährige Diakon ist Teil eines kleinen Teams, das die Einrichtung betreut. Er selbst ist seit etwa sieben Jahren dabei. Meistens hat Hennekes eine eher passive Aufgabe und wacht nur im Nebenraum über den „Raum der Stille“. Es ist aber schon häufiger passiert, dass Leute das persönliche Gespräch suchen. Laut Hennekes wollen diese Menschen oft nicht den Dialog, sondern jemanden, der ihnen zuhört. Die Dauerbelastung durch die permanente Geräuschkulisse und den ständigen Kontakt zu Menschen bringt manche Leute an einen Punkt, ab dem sie nicht mehr können. Und genau um dem entgegenzuwirken, gibt es diesen Raum.

Wie frequentiert der Raum ist, hängt generell von der Art und der Länge der Messe ab. „Allerdings kann man nie vorhersagen, wie viele Menschen an einem Tag diesen Hort der Ruhe aufsuchen“, sagt Hennekes. Im Gästebuch stehen aber zahllose Einträge, mit denen sich Gäste für die Einkehr bedanken. Heute ist der Raum einigermaßen gut besucht. Drei Frauen knien auf dem Gebetsteppich, ein Mann und eine Frau sitzen schweigend auf zwei Stühlen, den Blick in Gedanken versunken auf den Altar gerichtet.

Wirkliche Extremfälle hat Hennekes persönlich noch nicht erlebt. Er weiß aber zu berichten, dass es einmal einen Todesfall während einer Messe gegeben hat und in solchen Momenten viele Leute Beistand suchen.

Rainer Hennekes hält sich aber nicht ununterbrochen im Refugium auf, sondern schaut sich auch auf der Messe um. Auf dem Tisch vor ihm liegt ein Katalog über Segelschiffe. „Ich habe festgestellt, dass ich lange nicht mehr Segeln war“, lacht er. (pzi)

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015

Ukraine – Krisenherd und Urlaubsziel?

IMG_7030Auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB) repräsentiert ein kleiner Stand das eigentlich große Land, eingekesselt zwischen verschiedenen Religionen und Weltmächten. Dabei wird klar, dass der politische Konflikt im Osten der Ukraine seinen Schatten auf den Tourismus des Landes wirft.

Die Halbinsel Krim, welche das Lieblingsziel der Bevölkerung in der früheren Sowjetunion war, erfreute sich bis vor kurzem immer größerer Beliebtheit. Nun ist sie russisches Gebiet. Auch die ukrainische Fluggesellschaft Ukraine International Airlines (UIA) meidet seit 2014 den Flugraum über dem Krisengebiet und konzentriert sich auf Flüge nach Europa. Nachdem 60% der Einnahmen aus dem Tourismus nun mit dem Osten weggefallen sind, stehen die Anbieter vor einer völlig neuen Situation.

Ein junger Ukrainer der Reisewelt Ukraine auf der ITB trägt ein weißes Hemd, welches mit traditionellem Stickmustern verziert ist und trotz Krisenlage wirbt er voller Elan fürs eigene Land. Er erklärt ohne großes Tamtam was Sache ist: Neuerdings „flüchten“ Ukrainer aus dem Osten in den Westen, doch nicht um unter spartanischen Umständen in Flüchtlingslagern zu hausen, sondern sie nutzen die Gelegenheit für Urlaub und ihr eigenes Land im Westen besser kennenzulernen.

Dabei stehen Städte, die europäisch geprägt und kulturell interessant sind, als Ziele ganz oben auf der Rangliste. Natürlich sind die Zahlen der ausländischen Einreisen zurückgegangen, aber die Ukrainer sparen in ihren Prospekten galant den brenzligen Osten aus und versuchen mit dem Rest Geschäfte zu machen. In klassischem Layout, welches beinahe altmodisch wirkt, werben die freundlichen Vertreter für möglichst viele neue Gäste. Vor allem Jugendliche könnten den westlichen Teil der Ukraine billig genießen, da die Preise eine Talfahrt hinter sich haben.

Es gelingt ihnen den Besuchern neue Facetten dieses Staates zu zeigen, der momentan in den Medien mit problematischen Schlagzeilen so oft präsent ist. Da leuchten satte Kornfelder und Berglandschaften, Bauernkinder sitzen auf Pferderücken. Wilde Bäche laden zu Abenteuern ein und vergangene Städte der k.u.k. Monarchie strahlen mit ihren alten Bauten in neuem Glanz Platz von den Prospektseiten.

Nicht nur Unterhaltung wird angeboten, sondern auch Möglichkeit zu Auseinandersetzung gegeben: Mitten in den Reisetouren steht eine mehrtägige Expedition in die Sperrzone des Atomkraftwerks in Tschernobyl zur Auswahl, wo sich 1986 eine nukleare Katastrophe ereignete. Wer sich für Landwirtschaft interessiert, hat die Möglichkeit ehemalige sowjetische Kolchosen und Agrarholdings zu besuchen und umfassend über die Agrarsituation informiert zu werden. Als Reiseziele der aktuellen Touristen werden vor allem Städte gewählt, wie das vielseitige Lemberg, die Hauptstadt Kiew, gerade Kiew sei eine sicherer Ort so die Vertreter der UIA. Auch das am schwarzen Meer gelegene Odessa und das Donaudelta werden gerne besucht.

Die Vertreter werden in diesem Jahr auf der ITB nicht nur zu Reiseangeboten befragt, sondern oft auch zur politischen und wirtschaftlichen Situation. Das Auswertige Amt in Deutschland rät dringend sich im gesamten Land umsichtig zu verhalten, ratet aber vor einem Besuch grundsätzlich nicht ab. Allein die Regionen Oblaste Donezk und Luhansk im Osten gelten weiterhin für „gefährlich“. Der Vertreter der Reisewelt Ukraine hält die Diagnose des Auswertigen Amtes in Deutschland für schlichtweg übertrieben, außer den genannten Regionen sei die Ukraine ein Land wie jedes andere. Es sei sogar weniger kriminell als Deutschland, so der lächelnde Vertreter. Über genaue Zahlen bezüglich Rückgang der Touristik will er nichts sagen.

Die Krim aber liegt dieses Jahr auf der ITB im Niemandsland, außer Russen verschlägt es nämlich momentan keine Touristen dorthin. (ana)

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015

Do you have a business card?

IMG_4363Am ersten Tag der ITB heißt es Sehen und Gesehen werden. Visitenkarten wechseln ihre Besitzer, Aussteller verteilen Goodiebags und tausende Hände werden geschüttelt. Die Internationale Tourismus Börse in Berlin geht in die 49. Runde.

Es wurde noch bis zur letzten Minuten gearbeitet. Gestern Abend war noch alles im Aufbau voller Staub und Kisten und selbst heute um 9 Uhr als die Türen öffneten, wurden noch die letzten Handgriffe gemacht. „Der letzte Schraubenzieher wurde erst um 10 Uhr während des Rundgangs niedergelegt“, so eine Mitarbeiterin der Pressestelle der ITB. Die ersten Besucher stört das nicht. Bereits ab dem Öffnen der Türe strömen sie in großen Gruppen in die Hallen – an den manchen Rolltreppen staut es sich.

Im 10 Minutentakt bringt die S-Bahn 5 Besucher- und Aussteller zur Station Messe Süd. Männer und Frauen meist mittleren Alters in mehr oder weniger sitzenden Anzügen und billigen Schuhen drängen aus den Wagonen. In zügigen Schritten bewegt die Masse wie ferngesteuert Richtung Messehalle. Ausweise baumeln auf blauen und roten Bändern um ihre Hälse. Die Hostessen sind gut koordiniert und am ersten Tag noch motiviert. „ Das lässt natürlich nach“, sagt eine 25-jährige Studentin, die nicht genannt werden will und schon zum fünften Mal die tägliche Messezeitung an die Vorbeieilenden verteilt.

IMG_4352Der Geruch von Holz, billigem Plastik und neuen Teppichen liegt in der Luft. Die Besucher in Anzügen in gedeckten Farben werden kontrastiert von zahlreichen bunt schillernden Gestalten in traditionellen Gewändern aus nahezu jedem Land der Welt. Besucher und Aussteller tauschen im Sekundentakt Visitenkarten und Broschüren aus. Die ITB Berlin ist eine Pflichtveranstaltung in der Tourismusbranche, scheinbar kennen sich die meisten schon seit Jahren. „Es ist fast wie ein Klassentreffen“, sagt einer der deutschen Aussteller und schlägt dabei lachend einem der Standbesucher auf die Schulter. Dieser kommt von einem namhaften Reiseunternehmen und ist auch jedes Jahr hier.

Alles was Rang und Namen in der Tourismusbranche hat, scheint in der ersten Märzwoche hier am Messedamm 22 zu sein. So auch die Reisebloggerin Christine Neder von „Lilies Diary“. „Der erste Fan!“ lacht sie. Sie sitzt gemütliche und entspannt in einem Strandsessel und schaut sich das Gedränge von der Ferne an. Erstaunlich wenig Menschen drängen sich um eine der berühmtesten Reisebloggerinnen. Was daran wohl daran liegt, dass sie selbst als Besucher hier ist.

IMG_4378Auffallen im Trubel ist hier Devise: Bunte Farben und grelle Lichter von verschiedenen Lichtinstallationen setzen viele Stände in Szene. Trommelmusik ertönt zum Beispiel vom Sri Lanka Stand, wenn man die Halle 25 betritt. Der beruhigende Rhythmus der Trommeln, der aus einem IPod abgespielt wird, lässt die Messebesucher ein wenig langsamer laufen. „Trotzdem nervt die Musik auf die Dauer“ sagt der Mitarbeiter am Nachbarstand. „Fünf Tage lang – da braucht man schon Nerven wie Stahl“. Der Stand mitten im Raum fällt auch aus anderen Gründen sofort ins Auge. Jeder schaut neugierig auf die Masseure und Schnitzer. Vor ihnen ist eine Lichtinstallation, die türkisfarbenes Wasser imitiert und damit einen Pool darstellen soll. Dahinter das gleiche mit einer beeindruckenden Unterwasserwelt. Fische in pink, blau und gelb schwimmen herum.

Der Geruch von asiatischen Essen aus den Essensständen zwischen Halle 25 und 26 steigt in die Nase und macht hungrig. Die heiße und trockene Luft bereitet dem einen oder anderen aber auch ein wenig Kopfschmerzen. „Mein Gott – ich bekomme Migräne“, murmelt eine Frau Mitte 40 verärgert zu ihrem Begleiter.

Aus jeder Ecke hört man Menschen in einer anderen Sprache diskutieren und sprechen. Viele Leute ziehen Koffer durch die Gegend und Kellner schlängeln sich auf den Gängen zwischen den Hallen und bei Restaurants an den Messebesuchern vorbei.

Als offizielles Partnerland steht die Mongolei im Fokus der diesjährigen Messe. In der Halle Nummer 26 ist hier deswegen der Trubel besonders groß. Hunderte Journalisten drängen sich schon um 10 Uhr vormittags mit Kameras und Mikrophonen um den Stand.

IMG_4369So voll es auf der einen Seite der Halle 26 bei der Mongolei ist, desto leerer ist es auf der anderen. Freie Flächen auf denen nur zwei einsame Tische stehen. Offensichtlich ist doch noch nicht alles fertig aufgebaut. Aber schließlich ist erst Tag eins und wer weiß, was dort noch in der restlichen Woche passiert.

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015

Kultur und asiatischer Rhythmus auf der ITB – der weltweit größten Reisemesse

DSCF0039 DSCF0047Sanft und fließend bewegen sie sich zu den Trommeln – zierliche junge Frauen in weißen langen Röcken verziert mit goldenen Stickereien. Ihre Gesichter gewinnen durch den großen, prunkvollen Kopfschmuck, die Ohrringe, Ketten und Blumen im Haar noch mehr an Ausdruck. Die Tänzerinnen stammen aus Sri Lanka und gehören zur Channa-Upuli Dance Company. Zwei Folk-Musiker in rot-weißem Kostüm und Turban auf dem Kopf begleiten die Frauen beim Tanz mit ihren großen Holztrommeln. Aufwendiger, prächtiger Schmuck ziert auch ihren dunklen Teint. Farbenpracht, Vielfalt, Exotik und Kultur – das ist das, was die ITB in Berlin auch in diesem Jahr wieder auszeichnet. Die Channa-Upuli Dance Company aus der Stadt Kurunegala ist schon viel rumgekommen und sind dieses Jahr zum zehnten Mal auf der ITB . 1987 wurde die Gruppe gegründet. Mittlerweile zählen rund 2000 Tänzer zur Company, wovon jedoch nur die mit der besten Performance auf Reisen gehen dürfen. Zu traditioneller Sri Lanka-Folk-Musik tanzen sie sich durch die ganze Welt. Von Australien, Südamerika, Europa bis hin zu den USA und letztendlich zur ITB in Berlin verzaubern sie das internationale Publikum mit ihrer Leichtigkeit und Eleganz. Ganz nach dem Motto: Die ganze Welt in einem Land.

Wer die Channa-Upuli Dance Company live sehen möchte kann sie in Halle 5.2 besuchen – dort treten sie stündlich auf. (pib)

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015