Mail Attachment

Airbnb: Eine Bedrohung für Berliner Tourismusbranche?

Das Privatvermittlungsportal Airbnb boomt – auch in Berlin. Dennoch gibt es wegen rechtlicher Ungereimtheiten immer mehr Kritik an dem Onlinedienst. Ein genaues Reglement und faire Wettbewerbsbedingungen fordert deshalb die Tourismus-Service-Agentur Visit Berlin. Doch auch Airbnb selbst wünscht sich klarere Gesetze.

Eine Nacht in Berlin für 28 Euro, Doppelbett, modernes Altbauzimmer mit Parkett. Mit solchen Angeboten locken private Onlinevermittlungsplattformen wie Airbnb, Wimbdu oder 9flats. Sie bieten Privatzimmer und Ferienwohnungen zu günstigen Preisen und machen damit der klassischen Hotelbranche zunehmend Konkurrenz. Laut einer Umfrage auf stern.de, die im Februar in Zusammenarbeit mit der Hochschule Worms durchgeführt wurde, haben fast Dreiviertel der Befragten schon einmal einen Aufenthalt über eine Vermittlungsplattform gebucht. Am bekanntesten ist laut Studie Airbnb. Vor sieben Jahren haben Joe Gebbia und Brian Chesky das Start-up im kalifornischen Silicon Valley gegründet. Ursprung ihrer Idee: Eine Messe in San Francisco führte dazu, dass die Hotelzimmer in der Stadt knapp wurden. Kurzerhand stellten die beiden ihre Wohnung als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung und stellten fest, dass es dafür einen großen Markt gibt.

245.000 Airbnb-Übernachtungen in Berlin

Das Sharing Economy Konzept scheint zu funktionieren: In Deutschland hat sich die Zahl der Übernachtungsgäste bei Airbnb laut Sprecher Julian Trautwein im Vergleich zu 2013 verdoppelt. Rund eine Million Gäste haben das Airbnb-Angebot 2014 genutzt. Allein in Berlin haben im Vorjahr 245.000 Übernachtungsgäste eine Unterkunft bei Airbnb gewählt. Gerade einmal rund ein Prozent macht das im Vergleich zu der Gesamtanzahl an Übernachtungen in der Bundeshauptstadt aus, die 2014 mit knapp 29 Millionen auf einen neuen Rekordwert angestiegen ist. Dennoch bezeichnet es Christian Tänzler, Pressesprecher von visit Berlin, als „vollen Wettbewerb“, der zwischen den klassischen Hotels, Jugendherbergen und Airbnb herrscht. Dieser werde mit „ungleichen Mitteln“ geführt, kritisiert er. Tänzlers Wunsch: „Dass Rahmenbedingungen eingeführt werden, die einen fairen Wettbewerb ermöglichen.“ Unfair sei zum Beispiel, dass Privatpersonen, die ihre Wohnung über Airbnb vermieten, im Gegensatz zu gewerblichen Hotelbetrieben keine Steuern zahlen würden. Diese Kritik lässt Trautwein nicht gelten: „In Berlin zahlen unsere Gastgeber lokale Steuern.“ Im Gegensatz zu Tänzler bezieht er sich dabei aber nicht auf die gewerbliche Umsatzsteuer, die die Hotelbetriebe im Gegensatz zu Airbnb-Gastgebern abführen müssen. Trautwein gibt allerdings zu, dass es schwierig sei, eine pauschale Regelung in Punkto Steuern für die mittlerweile mehr als eine Million Airbnb-Unterkünfte weltweit festzulegen.

Ein weiterer Punkt, den Visit Berlin an den Airbnb-Unterkünften kritisiert: Im Gegensatz zu Hotelbetrieben müssen diese keine Fluchtwege aufweisen. „Es gibt keine einheitlichen Standards punkto Sicherheit, Brandschutz und Lärm“, erläutert Tänzler. „Wir haben nichts gegen Regulierungen“, stellt Trautwein klar. Das Problem sei allerdings, dass sich Airbnb-Kunden eben Freiheiten in Punkto Fluchtwege und Co. wünschen würden und gerade deshalb auch kein klassisches Hotel buchen würden. Die Kritik, dass sich Anrainer oft über Airbnb-Gäste beschweren würden, weil diese zum Beispiel zu laut seien, lässt Trautwein nicht gelten: „Typische Airbnb-Gäste sind Mitte 30 und nicht nur auf Party aus.“ Meist handle es sich um ein bis zwei Personen oder sogar Familien, die diese Unterkunftsform bevorzugen.

Authentisches Wohnen nicht gefährdet

Insgesamt werden laut Trautwein knapp 15.000 Unterkünfte in Berlin über Airbnb vermietet. Bei etwa 9.000 davon seien die Gastgeber tendenziell nicht vor Ort – die Wohnung stehe den Gästen also allein zur Verfügung. Dass die Airbnb-Gäste dadurch keinen Kontakt mit ihren Gastgebern haben und der ursprüngliche Zweck von Airbnb – eine authentische Wohnatmosphäre in einer fremden Umgebung zu garantieren, damit verloren gehe, kann Trautwein nicht bestätigen. Tänzler nennt als Negativbeispiel die Wilhelmstraße in Berlin Mitte, wo „fast keine festen Mieter“ mehr wohnen würden. „Dort sind keine Wohnungen von Airbnb“, stellt Trautwein klar. Es handle sich um Ferienwohnungen von anderen Anbietern. Gleichzeitig räumt er aber ein: „Natürlich gibt es auch Ferienwohnnungen, die bei Airbnb inserieren.“

Klarere Regeln zum Zweckentfremdungsverbot

Insofern könnte auch das seit Mai 2014 geltende Zweckentfremdungsverbot, das das Vermieten privater Ferienwohnungen für illegal erklärt, ein Problem für Airbnb darstellen. Das ursprüngliche Airbnb-Geschäftsmodell, das darauf abzielt, einzelne Zimmer und nicht ganze Unterkünfte zu vermieten, dürfte davon aber weitgehend unberührt bleiben. VisitBerlin bezeichnet das neue Gesetz dennoch als „ersten Schritt in die richtige Richtung.“ Trautwein hingegen übt Kritik daran: „Es gibt keine klare Aussage von der Stadt, ob unsere Gastgeber unter diese Regelung fallen oder nicht.“ Außerdem gestalte sich die Kontrolle des Gesetzes in den einzelnen Bezirken unterschiedlich. Airbnb wünscht sich daher, dass Berlins Bezirksämter das Gesetz entsprechend nachbessern. Ein klares Reglement für Shared Economy-Modelle wie Airbnb fehlt also noch. Darüber sind sich Trautwein und Tänzler ausnahmsweise einig. (fri)

Mehr zum Thema Airbnb bei young press

 

Termintipp zum Thema:
Shared Economy – Die neue Masche?

6. März 2015 , 12:45 – 13:30 Uhr
Halle 7.1a, Saal New York 2

Zur Veranstaltung

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015
IMG_7444

Aboriginal Australia – Nicht mehr als nur Werbung für Australien

Kängurus, Taucher, Traumstrände und Aborigines – Lebensgroße Bilder mit genau diesen Motiven zieren dieses Jahr wie jedes Jahr den Stand für Australien auf der ITB in Berlin. Dem Werbeslogan entsprechend ,,There’s nothing like Australia” – was in etwa so viel wie ,,Australien ist einzigartig” bedeutet – zeigen diese Plakate alles das, was sich Touristen von dem roten Kontinent versprechen.

Auch die Kultur der Ureinwohner, der sogenannten Aborigines und Torres-Strait-Insulaner, lockt die Touristen nach Down Under. Sie gehört für die Reisenden zu dem Klischee Australiens genauso dazu wie Koalas und Kängurus.

Das weit hin sichtbare Werbeplakat im Australiencenter der ITB Berlin suggeriert, dass die ursprüngliche Kultur noch immer ein fester Bestandteil Australiens ist. Doch auf der ITB Berlin wird zwar mit den Ureinwohnern geworben, allerdings ist nicht ein einziger selbst vor Ort und auch niemand kann zu ihnen Auskunft geben. Lediglich auf dem Internetauftritt australia.com könne man etwas über sie erfahren, sagt eine der Standmitarbeiterinnen.

Bei einem Klick auf die Seite stellt sich dann heraus, dass hier Aborigines selbst unzählige geführte Exkursionen und Erkundungen in ihr Traumland über den gesamten Kontinent anbieten:

Vom Boomerang bauen bis über Reisen an geschichtsträchtige Orte, die die Geheimnisse ihrer Vorfahren behüten und deren Geschichten sie mit den Touristen gerne teilen. Zahlreiche Vorurteile wollen sie so aus der Welt schaffen, wie etwa, dass sie nur verarmt auf der Straße leben würden und dem Alkoholismus verfallen seien. Doch die ausschließliche Präsenz auf Plakaten der ITB Berlin zeigt, dass die Aborigines bisher von der Tourismusbranche offenbar hauptsächlich für Werbezwecke benutzt werden, um Touristen anzulocken, aber selbst noch keine große Lobby innerhalb des Verbandes haben.

Deshalb sieht ein Plan der australischen Regierung und Tourism Australia vor, dass schon bis in fünf Jahren die Beteiligung der Ureinwohner am Tourismus zunehmen soll. Was das genau bedeutet, dazu kann auf der ITB in Berlin niemand Auskunft geben. (may)

Aboriginal Tours zu finden auf:

http://www.tourism.australia.com/aboriginal.aspx

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015

Sport, Sprache und Erholung – Italien bleibt Reiseziel für deutsche Jugendliche

Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche fahren gerne in den Urlaub nach Italien. Eine Studie des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) ergibt, dass Italien nach Spanien im Jahr 2013 das beliebteste Reiseziel für Jugendliche war. Auch die ENIT, die italienische Tourismusagentur, sieht eine steigende Nachfrage seitens der deutschen Touristen für Italien. Dabei bezieht sie sich allerdings auf Touristen im allgemeinen und nicht speziell auf Jugendliche.

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie England und USA wählen Jugendliche Italien selten, um die Landessprache zu erlernen. Vielmehr ist Italien für sie Urlaubs-, Erholungs- und Kulturort. Beim Jugendreisenanbieter ruf reisen zählt der Campingplatz Riva di Tarquinia in Latien inzwischen zum Bestseller. Sonne, Strand, ein vielfältiges Freizeitprogramm wirken für junge Reisende besonders attraktiv. Laut Untersuchung des BMWI interessiert jugendliche Touristen besonders:

  • Neue Kontakte zu knüpfen und neue Menschen kennenzulernen

  • Sich vom Alltagsstress zu erholen

  • Neue Erfahrungen zu machen

  • Sich frei und unabhängig zu fühlen

Kaum ein Ziel ist für junge Reisende also geeigneter als ein Campingplatz in einem sonnigen Land des Südens. Die relativ niedrigen Kosten von rund 300 Euro pro Woche sind dabei auch für die Eltern attraktiv.

In Italien wird für Jugendliche oft ein „gemischter“ Urlaub angeboten. Nicht nur Erholung, sondern auch neue Kenntnisse werden ihnen dabei vermittelt. Go Jugendreisen bietet Englischkurse in Vada in der Toskana für Kinder und Jugendliche schon ab zehn Jahren an, natürlich in Strandnähe. Auch in der oben genannten Riva di Tarquinia besuchen die Teilnehmer einen Englischkurs. Obwohl Englisch nicht die Nationalsprache Italiens ist, kombinieren junge Leute die aktuell wichtigste Sprache der Welt gerne mit der Sonne Italiens. Ähnlich ist die Idee von Strand Mathe. Diese Initiative von ruf reisen besteht aus einer Kombination von Mathematiktraining für Jugendliche und Urlaub an einem italienischen Strand.

Aber nicht nur Sprachurlaub, auch Sportfreizeiten sind in Italien beliebt. Der weltberühmte Fußballverband Bayern München organisiert seine Sommerfußballcamps für kleine Fans zum Beispiel in San Martino di Castrozza. Dieses Mal handelt es sich nicht um einen Ort am Strand. Denn San Martino liegt im Primierotal in Trentino, mitten in den Bergen.

Der Jugendtourismus außerhalb der klassischen Schulausflüge und Schüleraustausche stellt also eine bedeutende wirtschaftliche Ressource für Italien dar. Durch verschiedene Projekte ersucht insbesondere die Region Trentino, das Interesse der jungen Deutschen für die Region zu wecken. Ein Beispiel dafür ist die Initiative Sport & School. Seit 2007 bietet dieses Sport- und Urlaubscamp in Canzanei Campitello eine große Anzahl an Sportaktivitäten für Jugendliche. Bisher hat es sich hauptsächlich um italienische Jugendliche gehandelt. Ziel des Koordinators Dr. Andrea Borlotti und seiner deutschen Kollegin Sabine Sonder ist, auch deutschsprachige Jugendliche für das Camp zu gewinnen.

Links:

http://www.ruf.de/jugendreise/italien/tarquinia/ruf-friendsclub.aspx

http://www.go-jugendreisen.de/italien/vada/kids-teens-sprach-camp/englisch.html

http://www.ruf.de/sprachurlaub/italien/tarquinia/ruf-friendsclub.aspx

http://www.strandmathe.de/

http://fcb-kidsclub.de/de/news/news/2015/fu-ballcamp-anmeldung-san-martino.php

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015
photo

Die Zukunft der Reiseberichterstattung

Wie verdienen Reisejournalisten und Blogger in Zukunft ihr Geld? Diese Frage stellten sich die Podiumsgäste der Diskussionsrunde „Innovationen in der Reiseberichterstattung“ auf der ITB. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Reiseblogger-Kollektiv, einem Zusammenschluss ambitionierter deutscher Reiseblogger.

„Der Tageszeitungsmarkt, seit jeher ein wichtiges Betätigungsfeld für freie Journalisten, entwickelt sich seit Jahren negativ“, sagt Fabian von Poser, der seit mehr als zwei Jahrzenten erfolgreich im Reisejournalismus tätig ist. Klassische Medien wie Tageszeitungen werden als Standbein für hauptberufliche Journalisten zunehmend unbedeutender. In dem von ihm herausgegebenen Pressehandbuch Touristik und Medien waren vor zehn Jahren noch 110 eigenständige Reiseredaktionen gelistet, 2015 hingegen nur noch 75.

Das ist vor allem vielen Redaktionszusammenlegungen geschuldet, weiß von Poser. So produziert die Reiseredaktion der Verlagsgruppe Madsack in Hannover neuerdings zum Beispiel die Reiseteile für acht Tageszeitungen im Norden und Osten Deutschlands. „Dadurch gehen den Journalisten potentielle Kunden verloren, da sie früher ein und denselben Artikel an mehrere einzelne Redaktionen verkaufen konnten, jetzt nur noch einmal an die Verlagsgruppe.“ In fünf bis zehn Jahren, prognostiziert von Poser, könnten alle Reiseteile in Deutschland von sechs bis acht zentralen Redaktionen produziert werden.

Dies wirft die Frage auf, womit Reiseautoren in Zukunft ihr Geld verdienen werden. Den Fortbestand der Branche sehen trotz aller Widrigkeiten viele online. Inbesondere Reiseblogger erfreuten sich in den vergangenen Jahren immer größer werdender Beliebtheit und rücken mehr in den Fokus der Reiseindustrie. Sie zeigen auf, dass eine digitale Ausrichtung unweigerlich notwendig ist und die Reiseautoren der Zukunft sowohl Innovations- als auch Anpassungsfähigkeit mitbringen müssen, um auf dem Markt bestehen zu können.

„Geschichten müssen gut erzählt werden“, gibt Yvonne Zagermann (Justtravelous.com) zu bedenken, immerhin stehen diese im Zentrum der journalistischen Arbeit. Geschichten wollen (und sollen) aber auch gelesen werden. Deshalb sieht Norman Röhling (I-ref.de) einen Kernaspekt der zukünftigen Gestaltung des digitalen Arbeitsumfeldes darin, „content partner“ zu finden, Blogs verschiedener Themenrichtungen mit Interesse an Verpartnerung, um gemeinsam Attraktivität und Reichweite zu erhöhen.

Blogger wie Johannes Klaus (Reisedepeschen.de), ausgezeichnet mit dem Grimme Online Award,  und Christoph Karrasch (Vonunterwegs.com) haben bereits erfolgreich in der Branche Fuß gefasst und blicken daher zukünftigen Veränderungen entspannt entgegen. Dass es allerdings mehr Blogger gibt als Honorartöpfe, ist ein Problem, das von etablierten Größen jedoch gerne übersehen wird. Wie wird die Zukunft von Reiseautoren aussehen? Wie kann das Internet für immer mehr Menschen die Einkommensquelle darstellen? Wird man in Zukunft mit Reiseberichterstattung überhaupt noch Geld verdienen können? Darauf wissen alle Teilnehmer der Diskussion heute noch keine Antwort. (her)

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015
Dharavi overview

Slum-Besuche in Indien – ein preisgekröntes Tourismuskonzept

Hunger, Elend, und vor allem Kriminalität – so stellt sich ein Großteil der Welt die Slums in Entwicklungsländern vor. Solche Bilder treiben die Bewohner noch mehr in die Isolation. Diese Stereotype will der Slumtouren-Veranstalter Reality Tours & Travel mit Führungen durch die unterprivilegierten Stadtteile Mumbais beseitigen. Der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. hat deshalb das Projekt auf der ITB Berlin im März 2015 als Vorbild für „sozialverantwortlichen Tourismus“ ausgezeichnet.

Asim Shaikh, der selbst im Slum aufgewachsen ist, hat als Lehrer bei Reality Tours & Travel angefangen, inzwischen organisiert er die Touren. Eine Erfolgsstory, die er durch seine Arbeit auch anderen Slumbewohnern ermöglichen will. „Die Idee war der Slum-Gemeinschaft etwas zurückzugeben.“, erzählt Shaikh. „80 Prozent der Einnahmen fließen mittlerweile in Programme, von denen die Bewohner direkt profitieren.“ Dabei geht es vor allem um Bildung. Reality hat eine Schule eröffnet, in der zur Zeit etwa 380 Schüler von Lehrern unterrichtet werden, die selbst aus den Slums kommen. Schon im kommenden Jahr sollen mindestens doppelt so viele Jungen und Mädchen dort zur Schule gehen. Denn nur wer Englisch spricht und zumindest Computergrundkenntnisse aufweisen kann, hat in Indien die Chance auf einen guten Job.

Doch bevor die Touristen durch Dharavi, den größten Slum Mumbais geführt werden, gibt es wichtige Regeln zu beachten. Von dem Veranstalter werden sie darauf aufmerksam gemacht, weder Kamera noch nackte Haut zu zeigen. „Es ist wichtig, dass die Kunden keine Fotos machen, damit sich die Menschen nicht wie im Zoo fühlen.“, erklärt Shaikh. „Mit Kleidung bedeckte Arme und Beine sind Pflicht.“

Ist Slum-Tourismus ethisch vertretbar?

Dieser Respekt vor den Slumbewohnern ist eine der Voraussetzungen, die vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. im Rahmen des „TO DO! Wettbewerbs 2014“ von den Bewerbern gefordert wurde. Deshalb ist Dr. Dietmar Quist als Gutachter nach Mumbai gereist, um den Slumtouren-Veranstalter Reality eigens zu überprüfen. Allerdings hat er sich dennoch die Frage gestellt, die vermutlich vielen in den Sinn kommt, wenn es um Slum-Tourismus geht: Ist ein solcher Tourismus überhaupt ethisch vertretbar? Doch die Sensibilität des Reiseführers hat den Gutachter überzeugt und ihn dazu bewogen den Preis für Shaikhs Team zu befürworten.

Zwar sind keine Gespräche zwischen den Slum-Bewohnern und den Touristen möglich, weil die wenigsten Inder dort Englisch sprechen. „Aber es gibt ja auch so etwas wie Augenkontakt, sich kurz zuzwinkern oder zunicken.“, schmunzelt Quist. Jedenfalls hat sich bei ihm nicht das Gefühl entwickelt, nicht willkommen zu sein.

Nicht nur ausländische Touristen, immer häufiger sind es auch Inder und indische Schulklassen, die die unterprivilegierten Stadtviertel in Mumbai besuchen. „Jeder, egal ob Ausländer oder Inder, hat ein falsches Bild von den Slums.“, ist sich Shaikh sicher. „Sie glauben, dass nur schlechte, kriminelle Menschen dort wohnen.“ Doch in Dharavi zeigt sich, dass das nicht immer der Fall sein muss. Die Menschen sind mangelernährt, aber vergleichsweise wenige sind arbeitslos.

Slum-Tourismus für mehr Selbstbewusstsein

Die Bewohner der Slums kennen Shaikh und wissen, dass er und sein Team den ganzen Slum unterstützen. Bei einer Hausbesichtigung erleben sie auf welch engem Raum sich das Leben einer Slum-Familie abspielt. Sie gehen durch Gässchen, die nur schulterbreit sind und in deren Mitte das Abwasser die Straße runter läuft. Dass Shaikh und sein Team in Deutschland den Preis für „sozialverantwortlichen Tourismus“ bekommen haben, ehrt den Inder ganz besonders. Auch in der Heimat selbst: Über 60 Familienmitglieder haben ihn zum Flughafen begleitet.

Seit 20 Jahren zeichnet der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung besonders sozialverantwortliche Projekte aus. Auf der ITB Berlin 2015 wurde im März deshalb nicht nur Reality Tours & Travel geehrt, auch die Projekte ACTUAR aus Costa Rica und „Mitan Responsible Tourims“ gehören zu den Preisträgern. Das Hauptkriterium der Jury für die Vergabe des Preises ist die Partizipation der Einheimnischen. Sie sollen sich mit den Projekten wohl fühlen und die Chance bekommen mitzureden und auch mitzubestimmen. Jährlich gibt es mehrere hundert Bewerber, die meisten davon aus Entwicklungs- oder Schwellenländern. Die Jury wählt lediglich drei bis vier von ihnen aus, die dann alle von einem Gutachter vor Ort besucht werden. (pyb)

Mehr Informationen zu den Preisträgern 2014:

http://realitytoursandtravel.com/about.php

https://www.actuarcostarica.com/

http://en.silkroaddestinations.com/

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015
Titelbild_Sierra_Leone

Ein Land kämpft sich zurück

Sierra Leone will nach Ebola wieder voll durchstarten

Weiße Strände, Nationalparks, tropische Regenwälder – Sierra Leone hat viel zu bieten und überzeugt mit seinen Landschaften. Doch viele Menschen lassen sich von den schlechten Nachrichten abschrecken dorthin zu reisen. Die Folgen der negativen Berichterstattung zeigten sich vor allem in der Touristenbranche. So fiel die Besucherzahl durch die Ebola-Epidemie im Jahr 2014 auf etwa 43.000. 2013 waren es noch 81.000 Reisende.

Ein Masterplan, um die touristische Infrastruktur des westafrikanischen Landes auszubauen und vor allem neu aufzubauen, wurde entwickelt, um einen Weg aus der Krise zu finden. Entworfen wurde dieser von Kadija O. Seisay, Ministerin für Tourismus und Kultur, umgesetzt vom National Tourist Board. Am ersten Messetag sind der Geschäftsführer Yassin Kargbo und die Tourismusministerin selbst vor Ort, um ihre Bemühungen vorzustellen. Der Plan beinhaltet vor allem den Neubau von Straßen, damit touristisch interessante Orte besser bereist werden können.

Der Masterplan beinhaltet auch ökotouristische Aspekte. So sollen auf der flachen Oberfläche des Bintumani, des höchsten Berges in Sierra Leone, fünf Öko-Lodges entstehen. „Insgesamt 250 Menschen können dort in Zukunft ihren Urlaub verbringen, frisches Obst und Gemüse aus der Umgebung genießen und mit frischem Wasser versorgt werden“, sagt Kargbo. Die gesamte Anlage wird mit Solarenergie betrieben. Anders sieht es da am beliebten Tokeh Strand aus. Hier findet sich bereits das „The Place“, ein Fünf-Sterne-Hotel, das kurz vor Ausbruch der Ebola-Epidemie eröffnet wurde. Die Gegend soll sich zukünftig noch mehr zu einem bekannten Touristenmagnet entwickeln. Am selben Ort findet sich auch das Drei-Sterne-Hotel „Tokeh Beach Resort“, das vor dem Bürgerkrieg Zuhause vieler Reisender war und heute noch existiert.

Kadija O. Seisay und Yassin Kargbo sehen im Tourismus einen wichtigen Erfolgsfaktor für Sierra Leone und wollen deshalb in diesen Bereich mehr investieren. Aus diesem Grund präsentieren sie sich auf der ITB, um Menschen zu informieren und ihre Ziele vorzustellen. Sie gehen davon aus, dass die Krise Ende März überwunden ist. Im aktuellen Gesundheitsbericht der WHO soll dies sogar schon am 15. März erreicht sein. In den vergangenen zwei Jahren wurden auch schon wieder Pressereisen nach Sierra Leone organisiert. Der Geschäftsführer von National Tourist Board blickt positiv in die Zukunft: „Wir sehen das Licht am Ende des Tunnels. Sobald Ebola Geschichte ist, wollen wir vorbereitet sein, um touristisch sofort wieder durchzustarten!“ (kig)

Am 05.03.2015 findet um 17 Uhr eine Pressekonferenz zu diesem Thema unter dem Motto „Entwicklung des Tourismus nach Ebola in Sierra Leone“ in Halle 5.3 statt.

 

Weitere Informationen gibt es zu diesem Thema unter:

National Tourist Board of Sierra Leone

Agnès Kah
Kölner Landstraße 429
D-40589 Düsseldorf

Telefon: +49.211.13060102
Mobil: +49.172.5363580
info@loewentouristik.de

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015
11004353_942620355772729_471614145_n

ITB Partnerland Mongolei – ein Geheimtipp stellt sich vor

Das Partnerland hat heute seine Zelte auf der ITB Berlin aufgeschlagen und das ist wortwörtlich gemeint. Der Stand ist ein hölzernes Zeltgebilde vor einer Bergkulisse. Es zeigt sich aber trotzdem schnell, dass die Mongolei mehr als Steppe, Sanddüne und Jurte ist. Dieses erst seit kurzer Zeit von Touristen erkundete Gebiet ist ein lebendiges Museum. Die Ruinen und Höhlen im Land sind noch unberührt. Die Touristenzahl mit ca. 400. 000 aus dem Jahr 2014 ist sehr klein, wenn man sie mit die Zahl der Reisenden auf die Insel Mallorca vergleicht. Diese beträgt über 10 Millionen.

Für die Touristen der Mongolei sind besonders die historischen Überreste interessant, denn die Kultur der Nomaden ist dann leichter verständlich. Durch die Naturverbundenheit der Mongolen erwartet die Besucher eine ursprüngliche Landschaft. Eine weitere Besonderheit sind die roten Korallen, die zur Verzierung von Schmuck und Kopfbedeckungen verwendet werden. Die getrockneten Nesseltiere stammen aus der Wüste Gobi und sind dort durch das frühere Schelfmeer entstanden. Michael Kohn, Autor von „Lonely Planet Mongolia“ beschreibt seine Erfahrungen so:

„Die Mongolei ist ein ursprüngliches Wunder, ein Land, in dem die Sanddünen singen. Pferde weiden frei und Nomaden begrüßen die Reisenden mit offenen Türen.“

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts kommen schon Mongolen zum Studium nach Leipzig oder Berlin. Heute spricht jeder sechzigste Mongole Deutsch. Eine deutschsprachige Kontaktaufnahme zu den Einheimischen ist also gar nicht so unwahrscheinlich. (ela)

Tag 1 | 4. März 2015 young press 2015