Audio: Die Probe aufs Exempel – Wie viel wissen die Promoter wirklich?

Bunt und vielfältig zeigte sich die ITB Berlin in diesem Jahr. Viele Länder, Kulturen und Regionen wurden vorgestellt. Am Samstag, dem vorletzten Tag der ITB Berlin, wurde die Messe für Privatkunden geöffnet. Viele der fachkundigen Aussteller sind aber bereits auf dem Heimweg. Wir fragen diejenigen, die heute an den Ständen stehen, ob sie denn auch über Land und Leute Bescheid wissen, die sie auf der Messe repräsentieren: Philip Ziche hat bei Vertretern von Indonesien, Frankreich, den USA nd Portugal mal gefragt. (pyz)

ITB 2015 Tag 4 | 7. März 2015 young press 2015

Bier ist nicht nur Männersache

Auf der ITB wird ganz versteckt der Weltfrauentag gefeiert.

Auf der ITB Berlin sucht man lange nach Ständen, die auf den Weltfrauentag aufmerksam machen. „Viele Kolleginnen vergessen durch den Trubel auf der ITB Berlin einfach, dass es heute um uns Frauen geht“, sagt Pilar Wolff-Olloqui vom spanischen Fremdenverkehrsamt. Sie habe heute morgen allen gratuliert, da sie es wichtig findet, auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. „Besser wäre es natürlich, nicht nur einmal im Jahr daran zu denken, dass Frauen immer noch Schwierigkeiten haben, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen.“ Sie spricht aus eigener Erfahrung, denn in der spanischen Tourismusbranche sind sehr viele Frauen beschäftigt.

Auch VisitFlanders, der Tourismusstand der Region Flandern, erinnert an den Tag der Frau und bietet heute zur Feier des Tages jede Stunde ein Bier-Tasting der besonderen Art an. Passend zu ihrem Themenschwerpunkt in diesem Jahr, die Bierkultur in Flandern, dürfen Frauen vier verschiedene Biersorten aus Flandern probieren. Sylvia Kopp leitet die Bierproben und weißt darauf hin, dass es mittlerweile immer mehr weibliche Brauereimeisterinnen gibt.

Die Überraschung unter den Zuschauern ist groß. „Und trotzdem ist Bier gerade durch die Werbung immer noch Männersache“, fügt Kopp hinzu, „dabei könnten auch wir Frauen sicher auf den Geschmack kommen, würden wir uns mehr mit den unterschiedlichen Sorten an Bier beschäftigen.“ Deshalb werden während dem Bier-Tasting besonders exotische Biersorten getestet, wie das spontan vergorene Bier aus der Region um Brüssel. Alle anwesenden Frauen sind von der Idee einer Bierprobe anlässlich des Weltfrauentages begeistert. Für die Männer gibt es während dieser Zeit auch ein Glas Bier. Auf die Frage, was er vom Weltfrauentag hält, antwortet Peters: „Schade, dass er überhaupt nötig ist.“ (haw)

ITB 2015 Tag 4 | 7. März 2015 young press 2015

¡Vámonos! – Flamenco auf der ITB Berlin

Um Besucher an den Stand von Andalusia auf der ITB Berlin zu kriegen, wurde dort für das Besucherwochenende ein Flamenco-Show organisiert. Das Show findet jeweils drei Mal am Tag statt. Auf der Bühne tanzen ein Tänzer und eine Tänzerin für 20 Minuten. Die Musik wird live mit einer Gitarre gespielt und ein Mann singt mit einer leicht rauen Stimme. Auf der Bühne rechts steht ein sonderbarer grüner Stuhl, der mit Blumen dekoriert ist. Das soll eine spanische Atmosphäre schaffen.

Der Tänzer und die Tänzerin tragen sehr klassische Kostüme: ein weißes Hemd, eine schwarze Stoffgürtel und ein Paar sehr enge Hosen für den Mann, eine lange, bunte Kleidung mit Volant und Fransen und natürlich eine Blume in den Haaren für die Frau.

Das Show ist in zwei Teile mit einem musikalischen Intermezzo unterteilt. Während die Tänzer sich umziehen, spielen der Gitarrist und der Sänger für das Publikum. Die Tänzer tanzen am Anfang zusammen. Ihre Bewegungen sind ganz langsam sind und dann werden sie plötzlich unglaublich schnell. Jeder tanzt danach alleine. Zum Schluss des zweiten Teils tanzen die Tänzer mit einem paar Kastagnetten getanzt. Anschließend gibt es einen kleinen Workshop für das Publikum, um Kastagnette spielen zu lernen und werden spanischen Wein und Schinken probiert.

Das Show ist ein großer Erfolg. Das Publikum ist von der Geschichtlichkeit der Tänzer, des Musikers und des Sängers begeistert und die Schlange für die Kostprobe von Schinken und Wein war sehr lang. Niemand hat allerdings gewagt, mitzutanzen, obwohl einige Flamenco-Fans im Publikum anwesend waren. Flamenco ist schwierig zu tanzen und auch die Basis-Schritte sind anspruchsvoll. Schade: man sagt, Flamenco sei ein Tanz, der immer viele Emotionen mitbringen soll. Aber niemand wollte diese Emotionen auch für wenige Sekunden spüren.

Josè Galvañ, professioneller Flamenco-Tänzer aus Malaga, der für das Publikum der ITB Berlin tanzt, beschreibt so seine Gefühle beim Tanzen: „Flamenco bewegt mich immer stark. Es ist nicht nur ein Job, es ist nicht nur ein Tanz. Es ist ein Schauder, der meinen Körper und meinen Kopf nimmt und mich tanzen lässt. Ich tanze und fühle die Anstrengung nicht. Nur das Tanzen und die Musik existieren in diesen Momenten.“ Flamenco ist ein intensiver Tanz, der man jahrelang üben muss, um ihn wirklich zu lernen. Flamenco ist ein besonderer Tanz. Im Gegensatz zu vielen anderen Tänzen aus spanischsprachigen Länder wie Salsa wirkt er nicht wie ein Flirt-Tanz. Flamenco kann man auch allein tanzen und seine Schritte sind nicht so sexy wie zum Beispiel die von Tango. Dem Zuschauer soll Flamenco vor allem die Idee eines Lebens wiedergeben, das intensiv bis zu letzten Sekunden gelebt wird. (mam)

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