Action, Spaß und Spannung

Foto: Halle Trends und Events. Quelle: Myriel Camp.

Die ITB Berlin 2011 kann eine sportliche Herausforderung sein. Zumindest in der Halle 4.1. des Messegeländes.

Der Gurt wird angelegt und rauf geht es den etwa 10 Meter hohen Kletterfelsen. Oder versucht man sich doch lieber auf einem Surfboard beim Wellenreiten? Definitiv eines der Favoriten, zumindest die lange Schlange der geduldig wartenden Menschen davor deutet darauf hin.

Geschick und Balance sind gefragt, wagt man sich auf die Slag Line, ein gespanntes, elastisches Seil über dem Boden. Die reinste Wackelpartie – und auch für Zuschauer sehr amüsant. Ziemlich komisch sieht das aus, wenn die Wagemutigen um kostbare Sekunden auf dem Seil kämpfen.

Wer nicht mit ganzem Körpereinsatz dabei sein möchte, der kann Sport im „kleinen Rahmen“ machen: Minigolf und Skateboarding als Fingerakrobatik. Und mit etwas Glück lässt sich beim Glücksrad auch noch ein kleiner Gewinn abstauben. Für die Ruhepause zwischendurch bieten sich einzelne Konzerte und Vorführungen aus verschiedenen Kulturen an. Halle 4.1: Definitiv eine aktionsgeladene Halle, ein großer Spielplatz für groß und klein.

Wer sich darüber hinaus noch über spannende Reiseangebote insbesondere für junge Leute informieren möchte, der kann sich von den zahlreichen Hostel- und Abenteuerveranstalter schon mal gedanklich mitnehmen lassen auf die große Reise.

Allgemein ITB 2011

Sonne, Strand und neue Hüfte: Medizintourismus in Thailand

Foto: Das Bangkok Hospital. Quelle: geographyteachingtoday.org.uk

Inmitten der Stände von Airlines, Reiseanbietern und Ländern Südostasiens steht ein Stand, der auf der ersten Blick gar nicht in das exotische Ambiente traumhafter Urlaubsorte zu passen scheint. Keine lächelnden Thais, keine bunten Panoramen, keine Bildschirme, keine Musik. Es ist der Stand eines Krankenhauses. Hinter dem Infostand sitzt ein Deutscher – und wartet.

Ralf Krewer ist eigentlich Sinologe. Als ihm das Chinesischlernen in Berlin nicht mehr ausreichte, zog es ihn nach Asien. Heute ist er Direktor des Bangkok Hospital. Dazwischen liegt der rasante Aufstieg Thailands zum Mekka im internationalen Medizintourismus.

Medizintourimus, das sind Reisen zwecks ärztlicher Behandlung im Ausland, und eigentlich so alt wie die Zivilisation, meint Krewer. Früher mussten Menschen manchmal weite Reisen auf sich nehmen, um bestimmte Behandlungen oder Arzneien zu bekommen. Alte Kurorte etwa zehren noch heute von ihrem Ruf als Pilgerziel der Kranken. Als globales Phänomen, mit erdumspannender Logistik und technologisch hochspezialisierten Kliniken, boomt diese moderne Form des Tourismus derzeit. Der Mittelstand hat in weiten Teilen der Welt mehr Geld zur Verfügung, außerdem werden die globalen Transportmöglichkeiten immer erschwinglicher. Und damit steigt auch die Nachfrage nach medizinischen Leistungen im Ausland. Wer das Geld hat, kauft sich und seiner Familie die bestmögliche Behandlung.

In Deutschland dürfen Krankenhäuser seit 1998 Gewinne aus der Behandlung von Patienten aus dem Ausland behalten. Aber Kunden aus Afrika, dem Nahen Osten, Asien und Europa machen sich inzwischen auf in ganz unterschiedliche Regionen: nach Polen oder Ungarn; nach Brasilien, das Land des Skalpells; nach  Singapur, Indien, Malaysia und Thailand. Grund genug für Bangkok Hospital, sich auf der ITB Berlin 2011 zu präsentieren.

Bangkok Hospital ist eines von 27 Krankenhäusern der Dusit Medical Services (DMS). Neben der thailändischen Hauptstadt hat das Unternehmen auch Filialen in anderen Ländern, etwa in Äthiopien. Bangkok Hospital ist eine Kette von Krankenhäusern – eine sehr erfolgreiche. Das Forbes Magazine listete es 2006 als eines der besten Unternehmen der Asien-Pazifik-Region. Weltweit arbeiten 4200 Ärzte für die Unternehmensgruppe. Im letzten Jahr wurden stolze 52 Prozent des Umsatzes durch Medizintouristen generiert.

Die größte Teilgruppe darunter stellen Burmesen, vom Umsatz her aber bestimmen Qataris, Emiratis, Äthiopier und Deutsche das Bild, so Krewer. Das große Plus der DMS Kliniken ist modernste Technik: „Ich habe viel mit europäischen Netzwerken wie den Maltesern zu tun. Wenn deutsche Kollegen zu uns nach Thailand kommen und unsere Technologien sehen, sind die immer ganz erschlagen und sagen, so etwas hätten sie nicht mal in Deutschland.“ Die Emirate beispielsweise haben zwar eine gute ärztliche Versorgung, doch viele reiche Araber wollen sich daheim nicht gern von ihren libanesischen oder pakistanischen Ärzten und Krankenschwestern behandeln lassen. Und wieder andere kommen schlicht wegen der Ersparnis an Zeit und Geld. Und warum sollte man sich nach stressigen Untersuchungen oder einer Operation nicht gleich einen Urlaub gönnen? Die DMS-Krankenhäuser liegen bereits in Urlaubsregionen – Samui, Krabi, Phuket. Medizinische Leistungen sind mit einem Erholungsurlaub kombinierbar, gern auch mit Kind und Kegel.

Die Kosten für das alles? „Sie können sich den Urlaub allein durch die Ersparnis bei den Behandlungen leisten“, sagt Krewer. Für einen Rundum-Check, der in Deutschland locker 2.800 Euro und mindestens zwei Tage Zeit koste, zahle man in seinem Unternehmen gerade mal umgerechnet 860 Euro. Alles inklusive. Auch kosmetische Chirurgie, eine Spezialität der klinischen Medizin in Thailand, ist im Angebot, etwa das Face Lift Package für rund 2.800 Euro. Am Service lässt man es im Bangkok Hospital mit der bunt gemischten Kundschaft nicht fehlen: Dolmetscher in 26 Sprachen, Zimmerservice, vier Moscheen, Halal-Küche, tägliche Jazz- oder Klassikkonzerte. „So ein Krankenhaus ist vergleichbar mit einem Fünf-Sterne-Hotel“ erklärt Krewer, „das macht seinen Profit auch nicht mit den Zimmerpreisen, sondern an der Bar, mit Dienstleistungen und im Restaurant.“

Das Geschäft geht gut, und obwohl sich auch in anderen Ländern seit einiger Zeit Reiseunternehmen auf Medizintouristen spezialisieren, wundert sich Krämer, dass sein Stand immer noch der einzige seiner Art auf der ITB Berlin ist. Der Grund: Das ganze von Deutschland aus als Komplettpaket inklusive Transport zu vertreiben, ist aus haftungsrechtlichen Gründen noch nicht möglich. Krewer kann deshalb bisher nur Werbung machen, doch er ist optimistisch: „Auf der nächsten ITB Berlin finden Sie vielleicht schon ganze Reisepakete bei uns.“

Allgemein Fernreisen ITB 2011

Inspiration für Ägyptens Zukunft

Bild: Ägypten mit Kampagne 2.0. Quelle: Jennifer Schwanenberg

Ägypten hat es geschafft, die Revolution vom 25. Januar 2011 auf die ITB Berlin 2011 zu holen. Der ursprünglich vom ehemaligen Präsidenten Husni Mubarak angestoßenen Kampagne, wurde der Stempel der Revolution aufgedrückt. Das ursprüngliche Motto „Wo alles begann“ wurde zu „Wo alles beginnt“, und es wurden weitere Slogans  entwickelt, die direkten Bezug auf die Revolution nehmen. „Frieden, Aufbruch & Energie schreiben Geschichte“, „25. Januar 2011: Eine neue Ära der Gastfreundschaft“, „Die Online-Revolution – made in Egypt“. Neue  Botschaften auf alten Plakaten.

Die Revolution wird zum Verkaufsargument. Ägyptens neuer Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour lud auf der Pressekonferenz sogar dazu ein, jetzt in Kairo den Tahrir-Platz zu besuchen: „Es ist eine Erfahrung wert.“ „Tahrir – ein Platz rockt die Welt“, heißt der passende Slogan dazu.

Eine Meinung, die nicht alle Ägypter teilen.

Die Idee zu den neuen Slogans hatte Amr El-Ezaby, der Chef der ägyptischen Tourismusbehörde. Umgesetzt hat das Ganze eine deutsche PR-Agentur – in nur einer Stunde, wie die Chefin erklärt. El-Ezaby ist der Meinung: „Wir konnten die Revolution doch nicht einfach ignorieren.“

Das Feedback auf diese neuen Botschaften ist groß. Die Medien interessieren sich dafür ebenso wie die Besucher. Und zu  was Ägypten sie und Reiseveranstalter genau inspiriert wird man auf der ITB Berlin 2012 erfahren – wenn Ägypten Partnerland ist.

ITB 2011

Die Jagdsaison ist eröffnet: Privatbesucher stürmen die ITB Berlin 2011

Foto: Give-Away Ausbeute. Quelle: Claudia Kovaricek

Seit heute Morgen können sich Privatbesucher auf der größten Tourismusmesse der Welt, der ITB Berlin 2011, über aktuelle Reisetrends und Angebote informieren. Bereits vor neun Uhr sitzen schon viele vor den verschlossenen Messeingängen und warten darauf, endlich hineingelassen zu werden.

Kaum sind die Tore der Messe geöffnet, beginnt die Jagd auf die Werbegeschenke der Aussteller. Sammler kommen ganz auf ihre Kosten: Give-Aways fließen en Masse. An jeder Ecke gibt es etwas – Kugelschreiber, Schlüsselbänder oder Taschen liegen wie jedes Jahr hoch im Kurs. Auch kleine Urlaubshelfer werden in den Messehallen ausgegeben. Praktisches wie einen Asienknigge mit Verhaltenstipps oder Hinweise für unbeschwerte Ferien werden verteilt. Klar wird: Beim Messebummel tauchen inzwischen immer häufiger auch ausgefallene Ideen auf. Zum Teil sind diese hilfreich, manchmal sehen sie aber auch nur nett aus. Quietscheentchen mit lila Federboa, ein traditioneller Strohhut oder eine kostümierte Plastikpuppe in Uniform sind nur einige Beispiele für nichtssagende Werbegeschenke.

Originell wird es dagegen schon beim Anti-Stress-Flugzeug in Knautschoptik, das bestimmt einen angenehm-entspannten Flug verspricht: Durch leichtes Zusammendrücken in der Handinnenfläche werden die Handmuskeln gelockert. Gesundes findet sich auch auf der ITB Berlin 2011: Äpfel mit Laser-Slogan, die neben Fast-Food-Snacks am Rand der Messehallen für vitaminreiche Abwechslung sorgen. Die kreativste Idee: Ein Strandtuch weist mit großen Buchstaben darauf hin, dass es bereits „belegt“ ist. Damit lassen sich die besten Poolliegen im Urlaubsort reservieren. Die Kuriosität des Tages: Ein Light Board,  dessen Zusammenhang mit dem Aussteller sich dem Besucher nicht richtig erschließt. Dass zeitnah auf politische Situationen im Land reagiert wird und Werbegeschenke zum Nachdenken anregen sollen, zeigt sich beispielsweise an einem Poster mit Hinweis auf die friedliche Revolution und den Umbruch in Ägypten.  Imagekampagnen müssen flexibel sein.

Für Beobachter des Messegeschehens am Wochenende wird schnell klar, dass das Interesse der Besucher am Materiellen oft größer ist, als am Aussteller. Scheinbar haben sie gut gefrühstückt, denn die Taschen sind schon am Mittag randvoll, das schwere Gewicht nicht zu übersehen. Zurückhaltung ist für viele ein Fremdwort: Es wird gedrängelt und gegrabscht, um Ausreden sind einige nicht verlegen. Wer sich heimlich bedient und dabei ertappt wird, hat plötzlich einen Bruder, der auch ganz dringend einen Kugelschreiber braucht. Es wird rücksichtslos zugelangt, sodass kurz nach Mittag bereits die ersten Aussteller keine Give-Aways mehr anbieten können. Aber zum Glück gibt’s ja noch den nächsten Stand, an dem man es nochmal versuchen könnte.

Allgemein ITB 2011

Was macht glücklicher, die Partnerschaft oder eine Reise?

Quelle: www.flickr.com/KiralyMikos-Keralka

„Glück ist das Freisein von Unlust“, sprach der weise Epikur vor mehr als 2.000 Jahren. Glück, das kann ein Lächeln sein, beruflicher Erfolg oder das Blättern im Fotoalbum des letzten Urlaubs. Das Gefühl von Glück ist schwer zu definieren und für jeden einzigartig. Wahrscheinlich gerade deshalb fühlt Professor Dr. Karlheinz Zwerenz von der Hochschule für angewandte Wissenschaften München diesem  Phänomen auf den Zahn. In einer Umfrage zum Thema „Wie glücklich macht das Reisen?“ befragte er 211 Teilnehmer im Alter zwischen 20 bis 60 Jahren.

Häufig werden die unbewussten Motive des Reisens außer Acht gelassen. Nicht von  Zwerenz.  Erst sei es die Vorfreude, die uns in einen besonders euphorischen Zustand versetzt, nach dem Urlaub sei es das Erinnern. Der Professor spricht von einem Drang zur Dokumentation und vom Menschen als Jäger und Sammler von Erinnerungen. Glücklich mache neben der Reise an sich daher besonders der Rückblick auf den Urlaub. Im Nachhinein wird „das negative Bild umgedichtet“, Probleme und Ärgernisse werden dramatisiert und zu heldenhaft gemeisterten Abenteuern stilisiert.

Bei der Frage „Geben sie drei Dinge an, die Sie glücklich machen“, nennen die meisten an erster Stelle den beruflichen Erfolg (37 Prozent), das Reisen (36 Prozent) steht an zweiter Stelle. Weniger relevant sind zum Beispiel Partnerschaft und Gesundheit, die nur 7.6 Prozent angeben. Die Umfrage zeigt, dass vor allem das Auswählen der Reise Freude bereitet. Die Reise in die Tat umzusetzen – sich informieren und buchen – macht hingegen wenig Spaß. Professor Dr. Karlheinz Zwerenz, der für die Veranstalter forscht, will dafür ein neues Handwerkzeug entwickeln. Seine Studie soll den Reiseveranstaltern helfen, diese Momente glücklicher zu gestalten.

Allgemein ITB 2011

Irak – Kriegsgebiet oder Reiseparadies?

Quelle: Maria Langhammer.

Blühende Landschaften, einmalige Architektur und wertvolle Überbleibsel längst vergangener Zeiten. Der Irak, der in den europäischen Medien sehr kritisch dargestellt wird, scheint auch eine andere Seite zu besitzen. Davon möchte zumindest der irakische Reiseveranstalter Al-Rafidian Co. Ltd. auf der ITB Berlin 2011 überzeugen. Ich denke mir, das klingt interessant: Ein Land zwischen Krieg und Tourismus. Ich suche den Stand auf und bin fest entschlossen die Frage zu klären, ob der Irak denn wirklich schon als Tourismusdestination in Frage kommen kann. Ich treffe Fadhil Al-Saaegh, Geschäftsführer der Al-Rafidian Co. Ltd.

Al-Saaegh sitzt hinter dem Informationsstand an einem kleinen weißen Tisch auf seinem Stuhl. Gastfreundschaft wird anscheinend groß geschrieben, der gesamte Tisch ist mit Datteln und Schweineohren bestückt. Halt, Schweineohren an einem irakischen Stand? Na, vielleicht hat es mit dem Vorbild Deutschland zu tun, von dem ich später hören werde. Al Saaegh sitzt lässig da, begrüßt mich freundlich. Auf seiner linken Jacketseite steckt ein Pin der irakischen Flagge: nah am Herzen. Die Arme auf den Tisch aufgestützt wartet er auf die erste Frage. Da er kein englisch oder deutsch spricht, vermittelt Haneen E., die nette Empfangsdame aus den Arabischen Emiraten mit irakischen Eltern und fast perfektem Deutsch.

„Erzählen Sie mir etwas über Ihr Land“, frage ich, damit wir miteinander warm werden. Er lächelt und spricht mit fester, selbstbewusster Stimme über sein Land. „Da ich Iraker bin, liebe ich mein Land über alles und möchte es dem Rest der Welt präsentieren. Der Irak hat viel zu bieten. Von Architektur, über Philosophie, Sehenswürdigkeiten, bis hin zur Natur. Außerdem unterscheidet sich unsere Kultur ganz stark von anderen Ländern,“ übersetzt mir Haneen. Er möchte unbedingt, dass auch mehr Touristen europäischer Herkunft in das Land kämen, erzählt sie weiter. Und nun wendet sich das Blatt. Die dunklen Kapitel des Iraks werden aufgeschlagen und kommen ins Gespräch. 

„Wir wissen, dass die Menschen sehr große Angst davor haben in den Irak zu reisen, da sie befürchten dort ihr Leben verlieren zu können. Die Medien präsentieren den Irak immer als zerstörtes und angegriffenes Land. Genau aus diesem Grund sind wir hier: Wir möchten ein schöneres Bild vom Irak vermitteln. Wir möchten zeigen, dass wir eine neue Regierung haben, dass wir eine Demokratie haben und, dass das diktatorische Regime abgeschafft wurde. Bei uns gibt es Meinungsfreiheit, wir können uns frei entfalten. Und die ganzen Geschichten, wie der Verschleierung der Frauen in unserem Land, die das Bild der Menschen über den Irak bestimmen, existieren gar nicht. Das stört uns ein bißchen. Wenn es dort nicht sicher wäre, würden wir hier als Privatsektor gar nicht auftreten und so viel Geld für die Messebeteiligung ausgeben.“

Irgendwie widerspricht dieses Bild den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes, denke ich und hake nach. Sie übersetzt meine Frage und er schmunzelt. Das Handy klingelt. Es ist wichtig – der Minister ist am Hörer und wir müssen das Interview kurz unterbrechen. Ich kann jedoch nicht warten und frage unsere nette Dolmetscherin ein wenig aus. Ich finde heraus, dass es keine offizielle Tourismusvertretung der Regierung gibt. Die privaten Unternehmen übernehmen für den Irak also sowohl ihre eigene Firmenpräsentation, als auch die Vermarktung des Landes. Die Regierung sei etwas zurückhaltend aus finanziellen Gründen, berichtet sie mir.

Das Telefonat ist beendet und er wendet sich uns wieder zu – wieder mit festem Blick, leicht vor sich verschränkten Armen und in lässiger Pose. „Noch weitere Fragen?“ Aber ja, die Stellungnahme zur Reisewarnung des Auswärtigen Amtes fehle doch noch, erinnere ich Haneen. Scheinbar findet Fadhil Al-Saaegh die Frage etwas lächerlich – oder unangenehm? Er lacht, das Gesicht leicht gerötet. „Wenn die Lage nicht stabil wäre und wir für die Sicherheit nicht garantieren könnten, würden wir nicht so viel Geld in die Hand nehmen und hier auf der ITB Berlin auftreten“, wiederholt er sich. Haneen erzählt mir weiter, dass sie Versicherungsverträge mit den deutschen Unternehmen abschließen würden, um die Sicherheit der Reisenden zu garantieren. Täglich würden 5.000 Touristen in das Land einreisen und auch ohne gefährliche Zwischenfälle wieder heimkehren.

„Das bedeutet, Sie garantieren die Sicherheit durch Versicherungsverträge …“, hake ich nach. Reicht das denn aus? Gibt es Personenschutz? Polizei? Bodyguards oder ähnliches? Al-Saaegh stehe mit seinem Namen für die Reisen. Und dann wird es konkreter: Sie reisen mit uns überwiegend in kurdische Gebiete. In den Regionen, in denen viele Sehenswürdigkeiten und die beeindruckenden Tempel stehen, bestünde gar kein Grund zur Sorge, hier sei es vollkommen sicher. „Dort wurde vor dem Krieg nicht bombardiert, nach dem Krieg nicht und hier war es schon immer sicher. Der Irak an sich ist ein Traum, ist wie ein Zauber“, vermittelt die Dolmetscherin. Ich will aber wissen, ob es auch Regionen gibt, die bewusst gemieden werden. Baghdad zum Beispiel? Er schmunzelt wieder. „Von Baghdad haben die Leute ein vollkommen falsches Bild. Dort leben ca. sechs Millionen Menschen. In Sicherheit. Natürlich, eine Hauptstadt ist immer gefährdeter, Opfer von Terroranschlägen zu werden. Aber ich möchte betonen, dass ständig tausende von Menschen jeden Tag raus- und reinfahren. Und die sind auch in Sicherheit und sterben nicht.“ Na gut. Dabei belasse ich es. Und dann folgt doch noch ein Zusatz von ihm: „Trotz der sicheren Lage, bieten wir als Reiseveranstalter keine Unterkünfte, Führungen oder Reisen in Baghdad an. Wir weichen ein wenig ab und gehen in die Gebiete in Kurdistan, wo wir 100 Prozent Sicherheit gewährleisten können.“

Die Frage bleibt, ob das Land überhaupt schon reif für den Tourismus ist. Gibt es touristische Infrastruktur? Können sich die Touristen dort mit den Einheimischen verständigen? Ich erfahre, dass ein Dolmetscher immer dabei sein sollte. Viele Iraker beherrschten wohl die englische Sprache gut. Doch natürlich könne man nie davon ausgehen, dass dies für alle gilt. Das leuchtet mir nicht ganz ein, wenn nicht einmal der Chef des Reiseveranstalters Englisch spricht.

„Was wünschen Sie sich für den Irak mit Blick auf die Zukunft?“, frage ich.

Fadhil Al Saaegh wünscht, „dass sich die Lage im Irak verbessert und sich genau wie Deutschland entwickelt. Das irakische Volk hat wirklich sehr gelitten und will wieder leben.“ Warum Deutschland das Vorbild sei? Er lacht, gestikuliert selbstbewusst und ändert seine Sitzposition. „Allein schon die Autoindustrie, Mercedes Benz, BMW und so weiter“, sagt er mit einem breiten Lächeln und leuchtenden Augen. „Deutschland hat im Irak einen sehr guten Ruf. „Made in Germany“ ist für uns Iraker eine große Marke.“

„Also ist es der Wunsch, dass ,Made in Iraq‘ auch zu einem Label wird?“, frage ich mit einem Lächeln? „Ja genau, dass ,Made in Iraq‘ auch zu einer Marke wird“, fügt Haneen hinzu. Wir lachen beide, verabschieden uns voneinander. Ich mache mich wieder auf den Weg in das Redaktionsbüro und frage mich, ob Al Saaeghs beruhigenden Worte berechtigt sind.

ITB 2011

Sorgenkinder der Tourismusentwicklung: Eritrea und Haiti

Quelle: flickr / Siri B.L.

Asmara lautet der Name der Hauptstadt Eritreas. Für die 601.000 Einwohner Stadt im Süden des Landes ist eines charakteristisch: die weltweit größte Ansammlung von Gebäuden im Stil der 30er Jahre. Asmara gilt als eine der schönsten Hauptstädte Afrikas. Wussten Sie das?

Vermutlich nicht, und genauso wenig weiß man wohl über das schmale Land im Nordosten Afrikas und dessen Tourismuspotenzial. Urlaub in Eritrea? Das klingt nach bitterer Armut, Hitze und Gefahr, nicht aber nach Architektur, Gebirge, Wüsten- und Vulkanlandschaften, Höhlenmalereien, Steppe und Tieren. Dennoch konnte sich nach der Unabhängigkeit 1993 ein Hauch von Tourismus für „speziell Interessierte“ so Prof. Dr. Rainer Hartmann von der Hochschule Bremen, entwickeln. Ein Tourismus, an den viele Hoffnungen geknüpft seien. Alle Zukunftsvisionen brachen abrupt ab, als es 1998 zum Grenzkrieg mit Äthiopien kam.

Eritrea hat Tourismuspotenzial. Das alleine reicht aber nicht, um das Land für Touristen attraktiv zu machen. Eritrea belegt den letzten Platz bei Reporter ohne Grenzen und die politischen Beziehungen zu Äthiopien sind instabil. Touristen aber suchen nach Stabilität und Sicherheit. Negative Schlagzeilen über Menschenrechtsverletzungen schrecken sie nur.

Schreck und Unsicherheit prägen auch das Image von Haiti, dem anderen kleinen Entwicklungsland, das am touristischen Kuchen teilhaben möchte. Zwar wurde dieses Jahr wieder Karneval gefeiert, und Haiti vergaß für einen Moment das Trauma, dass das Erdbeben am 12.1.2010 ausgelöst hat und „das Land in die Steinzeit katapultierte“. Doch Haiti „is still alive“, so die Moderatorin der Veranstaltung Haiti ein Jahr nach dem Erdbeben. Auch wenn die Koordination der Projekte und Hilfsorganisationen noch immer schwierig ist, „Haiti wird teilhaben an der Zukunft“, versichert der haitianische Botschafter Patrick Saint-Hilaire optimistisch.

Haiti hofft dringend auf die Tourismuswirtschaft. Schon jetzt sind zwei internationale Flughäfen in Planung, die in zwei bis drei Jahren Touristen empfangen sollen. 50.000 km karibische Küstenlinie warten nur darauf, von Urlaubern besucht zu werden. „Wir suchen Investoren, wir brauchen Hotels“, betont der Botschafter. Haiti habe nicht viel Geld, da die Natur kein Gold hergebe, dafür aber eine interessante Kultur und Geschichte. Haiti richtet sich auf, so scheint es, und geht selbstbewusst und entschlossen der Zukunft entgegen.

Allgemein ITB 2011