Mit der Blechbox durchs Ruhrgebiet

Foto: Die Grand Tour Box. Quelle: RUHR.2010

Als Grand Tour bezeichnete man seit der Renaissance Kunst- und Kulturreisen des Bildungsbürgertums vor allem zu antiken Stätten in Italien. Grand Tour 2010 verbindet im Kulturhauptstadtjahr die Projekte und Veranstaltungen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 mit den Höhepunkten Bildender Kunst – nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch in ganz Nordrhein-Westfalen.

Alles passt in eine Blechkiste. Diese enthält Broschüren, Gutscheine für Hotelübernachtungen sowie Eintrittskarten für Museen und Kulturereignisse. Nur planen muss der Kulturliebhaber noch selbst. Vier Tourenbroschüren mit den Titeln Bau- und Wohnkultur, Lichtkunst, KunstRäume und Grand Tour Highlights sowie das Kulturhauptstadtprogramm RUHR.2010 helfen dabei; aber auch Insidertipps, wo man gut Essen und Trinken kann und Empfehlungen für interessante Sehenswürdigkeiten. Partner sind bisher mehr als 50 Kulturinstitutionen, darunter 30 Museen, sowie acht Hotels.

Die Grand Tour 2010 Box gibt es in drei Varianten: Die S-Box für einen Tag kostet 49 Euro und beinhaltet vier Eintrittsgutscheine. Die L-Box für zwei Tage ist für 149 Euro für zwei Personen erhältlich und umfasst eine Übernachtung im Doppelzimmer im Vier-Sterne-Hotel sowie zwei Eintrittsgutscheine. Die XL-Box für drei Tage kostet 298 Euro für zwei Personen inklusive zweier Übernachtungen im Doppelzimmer im Vier-Sterne-Hotel und sechs Eintrittsgutscheinen. Besucher müssen lediglich in einem der Partnerhotels anrufen und ein Zimmer reservieren. Als Zahlungsmittel vor Ort dient der Hotelgutschein.

Also auf zur Grand Tour ins Ruhrgebiet!

Weitere Informationen sowie Bestellung unter http://www.grand-tour-2010.de/.

Allgemein ITB 2010

Kapitän spielen

Fotos: Julia Gutwein

Der Vulkan ist aktiv, Rauch steigt empor und die Anlage setzt sich in Bewegung. Die perfekte Welle beim Vulkan-Surfen reiten, während der Fahrradfahrt ein Videospiel spielen oder einfach mal im Flugsimulator starten und landen. Wer sich jetzt noch langweilt ist selber schuld. Es gibt viel zu entdecken und auszuprobieren auf der ITB Berlin 2010, die heute, 12.03.10 ihre Türen für Privatbesucher geöffnet hat.

In Halle 4.1 Trends & Events können sich Messebesucher ein wenig austoben. Hier beherbergt einer der größten Aussteller dieser Halle, Globetrotter Ausrüstung, eine Kletterwand, eine Vulkan-Surf- Anlage und das Spiel Lavasteine werfen. Wer seine Kraft, Geschicklichkeit oder Wurftechnik testen will, ist hier genau richtig. Die Surfanlage besteht aus einem weichen Teppich, der auf eine Art Laufband gelegt wurde. Nach einer kleinen Einweisung kann man sich schließlich auf das Surfbrett stellen und die Lavawelle reiten. Für Schwindelfreie geht es an die Kletterwand daneben. Wer dann noch mit Lavasteinen Kegel umwerfen möchte, kann sich bei Erfolg einen kleinen Preis verdienen.

Ein paar Meter weiter hat die Firma DaPhi ein etwas anderes Fahrrad aufgebaut. Zum sechsten Mal auf der ITB Berlin mit einem öffentlichen Internetcafé dabei, präsentiert sie sich dieses Jahr mit einer besonderen Idee. Ein Fahrrad, das durch den Betrieb der Pedale Strom erzeugt. Die Lampe auf dem Gepäckträger beginnt zu leuchten und der Fernseher vor einem zeigt ein Videospiel. Jetzt noch den Controller in die Hand nehmen und ja nicht aufhören zu treten, denn sonst geht der Fernseher wieder aus und das Spiel ist vorbei. Geschicklichkeit und Ausdauer sind gefragt.

Gleich nebenan präsentiert sich das Jugenddorf am Ruppiner See, ein Veranstalter von Fußballcamps für Nachwuchskicker. Hier können kleine und große Fußballfans die Bälle eine Rampe hochschießen, um sie in einen Korb zu platzieren.

Wessen Interesse eher bei der Fliegerei liegt, der geht in die Halle 3.2 der Türkei und nimmt an einem Gewinnspiel der Turkish Airlines teil. Mit ein wenig Glück gewinnt man das, wovon viele träumen: Einmal in der originalgetreuen Nachbildung eines Boeing 777-Cockpits am Steuer sitzen und unter Anleitung über den Wolken fliegen. Danach kann man sich zum Entspannen in einen der bequemen First Class Sitze setzen. Einen ähnlichen Flugsimulator gibt es am Stand von Smartbox Experience in Halle 25.

Seefahrer begeben sich am Besten an den Stand der BMW Erlebniswelt in Halle 6.2 und lassen sich herausfordern den Rekord beim Aufbau des Segels an einem Simulator zu brechen (ca. 7 Sekunden).

Auch in Halle 6.2 gibt es dann noch einen Fahrsimulator auszuprobieren. Dieser von dem IPEK des Karlsruher Instituts für für Technologie (KIT) soll ein zukünftiges Fahrzeugmodell simulieren.

Allgemein ITB 2010

Bewusster Reisen mit dem Köfferchen im Fair Trade T-Shirt

Foto: Christine Plüss, Geschäftsführerin vom Arbeitskreis für Tourismus und Entwicklung (AKTE). Quelle: Jasmin Siebert

Die geschälte Banane auf dem Plakat entpuppt sich erst auf den zweiten Blick als T-Shirt. „Fragen Sie auch bei T-Shirts nach Fair Trade“ steht darunter. Christine Plüss, Geschäftsführerin vom Arbeitskreis für Tourismus und Entwicklung (AKTE) in Basel hat schon einen Schritt weiter gedacht: „Wir brauchen nicht nur die fair gehandelte Banane mit Fair Trade T-Shirt, sondern auch das Köfferchen mit T-Shirt“, fordert die Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins.

Die Schweiz ist Pionierland im fairen Handel, sechs Prozent der weltweit fair gehandelten Produkte wurden im Jahr 2008 in der Schweiz verkauft. Während die Deutschen in diesem Jahr nur 1,60 Euro pro Kopf für fair gehandelte Produkte ausgaben, waren es in der Schweiz 21,90 Euro. Lebensmittel, die bio und fair sind, gibt es dort in jedem Supermarkt.

Doch faire Bedingungen sollten nicht nur bei Lebensmitteln und Kleidern, sondern auch für die Urlaubsreise gelten. Das Internetportal www.fairunterwegs.org von AKTE will Reisende für das richtige Verhalten unterwegs sensibilisieren. Das größte unabhängige Reiseportal im deutschsprachigen Raum beantwortet Fragen, die auf anderen Reiseportalen fehlen: Wie groß ist der ökologische Fußbabdruck des Landes? Wie steht es mit den Menschenrechten im Urlaubsland? Wer sind eigentlich diese Menschen, die am Strand Mangos verkaufen?

Doch nicht nur der andere, tiefere Blick aufs Reisen unterscheidet www.fairunterwegs.org von anderen Internetseiten. „Bei uns gibt es keine Werbung und Buchungen sind nicht möglich“, erklärt Plüss. Stattdessen gibt es Tipps dazu, was einen seriösen Reiseveranstalter ausmacht. Der bewusste Reisende soll sich selbst fragen: Werden faire Arbeitsbedingungen eingehalten? Strapaziert mein Urlaub die Umwelt übermäßig? Wie viel Prozent des Reisepreises kommen sickern bis zur ärmeren Bevölkerung im Zielland durch? Reiseveranstalter, bei denen sich der Urlauber sicher sein kann, dass sie ihre soziale und ökologische Verantwortung wahrnehmen, sind am CSR-Siegel der unabhängigen Gesellschaft für Zertifizierung im Tourismus TourCert erkennbar.

Wo TourCert aufhört, setzt Fair Trade Tourism in South Africa (FTTSA) an. Es ist das einzige weltweit anerkannte Siegel, dass Fairness in Hotels und Restaurants im Urlaubsland garantiert. Seit neun Jahren wird im Land der diesjährigen FIFA FussballWeltmeisterschaft Südafrika 2010 auf Fair Play im Tourismus geachtet. Bisher sind nur in Südafrika touristische Einrichtungen zertifiziert, weitere Länder sollen in den nächsten Jahren hinzukommen. „In jedem Land gibt es andere Probleme. Das Label kann nicht einfach von Südafrika auf Indien übertragen werden“, erklärt Katarina Mancama, Research Managerin von FTTSA.

Während in Südafrika Schwarze diskriminiert werden, sind es in Indien die Kastenlosen. Ihr Traum ist es dennoch, dass es eines Tages für alle Länder und Reiseveranstalter ein internationales Gütesiegel gibt. Dass irgendwann globale Standards durch ein Siegel, dass Reiseveranstalter und die touristischen Einrichtungen im Zielland gleichermaßen umfasst, garantiert werden, ist auch das Ziel von Plüss.

Bis es soweit ist, kann sich der bewusste Reisende unter www.fairunterwegs.org selbst aufklären.

Allgemein ITB 2010

Zukunft des Jugendcampings nicht hoffnungslos

Die Zeiten in denen Jugendliche gerne mit Campingzelt über Stock und Stein durch die Walde ziehen sind vorbei. Das zeigt die erste Studie der Bundesregierung „Campingmarkt in Deutschland“ : Nur etwa vier Prozent der 14 bis 19-Jährigen machen Campingurlaub.

Woran liegt das? Erwin Pfeiffer vom Automobilclub ADAC ist der Ansicht, es sei ein Hemmnis, dass Führerscheinneulinge keine größeren Fahrzeuge wie Caravans mehr fahren dürften. Feste Unterkünfte würden immer beliebter, Campingplätze sollten sich darauf ausrichten.

„Camping ist sehr ausrüstungsintensiv“, beschreibt Eicke Schüürmann, Geschäftsführer der Leading Campings GmbH, und Jugendliche wollen flexibel sein. Mit einer teuren Campingausrüstung ist das schwer. Im Vergleich mit Campingplätzen käme man in Städten wie Lloret de Mar auch günstig in Hotels unter, in denen Essen und Trinken umsonst seien.

Dennoch: Camping ist im Rahmen von „Jugendgruppenreisen, Abenteuer und Sport unter Jugendlichen immer noch beliebt“, so Schüürmann. „Jugendliche wollen freier sein, sich nicht an Essenszeiten binden“, und das biete Camping.

Mehr generelle Infos über die Studie in der aktuellen Pressemitteilung des Deutschen Tourismusverbandes e.V. :http://www.presseportal.de/pm/43910/1575629/dtv_deutscher_tourismusverband_e_v

Allgemein ITB 2010

Komplizierter als ein Kühlschrank

Zwei junge Urlauber im Reisebüro: „Wir haben da mal etwas von CO2-Ausgleich bei Flugreisen gehört. Können Sie uns dazu etwas sagen?“ Die Reiseverkehrsfrau schüttelt den Kopf. „Nein, da kann ich nichts zu sagen.“

Dieser Videoeinspieler während der Diskussionsrunde „Is CSR a rip-off?“ erregte die Gemüter am Corporate Social Responsibility Day auf der ITB Berlin. Dass CSR ein „schwieriges Thema in schweren Zeiten“ und noch nicht jedem bekannt sein kann, sind sich die Experten einig. Doch dass eine Mitarbeiterin im Reisebüro noch nichts von CO2-Kompensation gehört hat, schockiert die anwesenden Touristiker dann doch. „Wir sind am Anfang eines Prozesses“, meint Jens Hulvershorn, der Futouris und Gebeco vertritt. „Die Kunden werden immer wacher“, pflichtet ihm Johannes Reißland, Geschäftsführer vom forum anders reisen bei. Die Bedeutung der ökologischen und sozialen Kriterien, die der Dachverband für nachhaltiges Reisen, schon vor 30 Jahren festgelegt hat, kommt langsam auch bei den großen Reiseveranstaltern an. Thomas Bösl, Geschäftsführer von Raiffeisen-Tours, und Harald Zeiss, verantwortlich für Qualitäts- und Umweltmanagement bei der TUI, sind sich der zunehmenden Bedeutung von CSR bewusst. Doch der Informationsfluss zu den Mitarbeitern nach unten ist langsam. Die Sensibilisierung der Mitarbeiter für CSR-Themen braucht Zeit. Schließlich ist das CSR-Siegel komplizierter als ein Siegel für umweltschonende Haushaltsgeräte. Und wenn sich noch nicht einmal die Experten einig sind, was denn unter CSR zu verstehen sei, wie sollen es dann die einfachen Mitarbeiter wissen?

Auch CSR-Experte Michael Hoppkins konnte in seinem Vortrag „CSR – Was ist das?“ nur Ideen davon vermitteln, was CSR bedeutet. Problematisch sind die zahlreichen verschiedenen Gewänder, in die sich die Nachhaltigkeit kleidet: Ecotourism, Sustainable oder Responsible Tourism. Es geht darum, dass mit dem Urlaub weder der Natur noch den Bevölkerung im Reiseland geschadet wird.

Firmen werben oft mit einzelnen Hilfsprojekten, die sie – manchmal auch nur einmalig – unterstützen und die ihr Kerngeschäft nicht unmittelbar berühren. CSR dagegen bedeutet Transparenz und Nachhaltigkeit entlang der eigenen Wertschöpfungskette. Die Maßnahmen fangen im deutschen Reisebüro an, begleiten die Anreise und enden bestenfalls in einer Kooperation im ärmeren Zielland.

Ganzheitliches Denken im Tourismus. Das klingt für viele neu und doch kann nur auf diesem Weg die vielgelobte Nachhaltigkeit erreicht werden. Dass ein Umdenken auf breiter Basis nicht reibungsfrei verlaufen kann, zeigte sich auch in der Expertenrunde Is CSR a rip-off? „Sollten wir dem kleinen Arbeiter verbieten, in seinem hart erarbeiteten Jahresurlaub wegzufliegen?“, provoziert Zeiss von der TUI. „Können wir den Klimawandel stoppen, wenn wir jeden für 20 Euro nach Barcelona fliegen lassen?“, kontert Reißmann vom forum anders reisen und erntet lautstarken Beifall aus den vollbesetzten Zuschauerreihen.

Wie ein Bewusstsein für CSR auch in den Massentourismus transportiert werden kann, blieb die große offene Frage beim CSR-Tag.

Allgemein ITB 2010

Urlaub zwischen zwei Buchdeckeln

Abschalten in Bettenburgen, relaxen neben dem Kinderplanschbecken: Wer wirkliche Erholung und Einsamkeit sucht, kann im Atlas der abgelegenen Inseln fündig werden. Auf dem ITB BuchAward 2010 wurden in den Kategorien das Besondere und das literarische Reisebuch Reisebücher abseits von standardisierten Reiseführen geehrt. Tipps für 100 unvergessliche Abenteuer, oder ein Reiselesebuch über die Sahara versprechen müßige Lesestunden abseits der Reisebuchnorm. So schickte der mareverlag gleich zwei Preisträger ins Rennen: Der Atlas der abgelegenen Inseln schrieb und gestaltete die Grafikerin Judith Schalansky. Wobei nicht nur der Atlas besonders ist, sondern auch die Autorin: Sie reist nicht gerne. Sondern verbringt ihre Freizeit lieber über Atlanten. So stellt sie fünfzig abgelegene Inseln vor, auf denen zum Teil nur zehn Einwohner leben. Und auch auf diesen entlegenen Inseln kann man Urlaub machen, vorausgesetzt es kommt einmal ein Schiff vorbei.

In der Kategorie das literarische Reisebuch gewannen Die wundersamen Irrfahrten des William Lithgow, herausgegeben von Roger Willemsem. Ungewöhnlich für den Gewinner dieser relativ neuen Kategorie ist der Umstand, dass dieser Reisebericht vor über vierhundert Jahren geschrieben wurde. Nachdem dem jungen William Lithgow von den Brüdern seiner Liebsten beide Ohren abgeschnitten wurden, entschloss er sich in den Orient zu reisen, da ihm ein Turban als einziger Ausweg erscheint, um seinen Makel zu verdecken.

Der Fokus lag auch hier auf dem Gastland Türkei, dem der Hauptpreis gewidmet war. Scheinbar jeder Reiseführer von, mit und über Istanbul und die Türkei bekam hier einen Preis. Auch das 2010 obligatorische Thema Südafrika wurde in einer eigenen Sparte geehrt. Wobei Laudator Peter Hinze sogleich betonte: „Bei Südafrika wird’s beim Gruppenbild nicht so kuschelig, da gibt’s nicht so viele.“

Die Masse an Reisebüchern, ob nun Bildband oder Sachbuch zeigt: Man kann auch zwischen zwei Buchdeckeln Urlaub machen. Und einfach abschalten.

Allgemein ITB 2010

Wandern macht glücklich

Quelle: Marian Wilhelm

Wandern ist Volkssport. Das Wort Sport fiel bei den zahlreichen Veranstaltungen zum Thema auf der ITB Berlin 2010 allerdings eher selten. Es gehe um eine „Neudefinition des Begriffs Wandern“ aus dem Selbstverständnis der Wanderer heraus, meinte Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des deutschen Wanderverbandes. Deshalb wird das Wandern als „Gehen in der Landschaft“ unter bestimmten Vorzeichen definiert und etwa von der Österreich-Werbung unter dem Motto Magie des Gehens vermarktet. Aspekte wie körperliche und seelische Gesundheit und Natur-Erleben treten in den Vordergrund.

Doch „Wo hört Spazierengehen auf, wo fängt Wandern an?“, fragte Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack, Geschäftsführer des Europäischen Tourismus Instituts (ETI) und Organisator der ersten nationalen Wanderstudie, die der deutsche Wanderveband zusammen mit Wirtschafts-Staatssekretär Ernst Burgbacher vorstellte. Bundesweit wurden in der Hauptstudie 4.500 Wanderer vor Ort beim Wandern befragt, wobei der Endbericht erst im Sommer 2010 präsentiert wird, da die Detailergebnisse zum Winter-Wandern noch erhoben werden.

Die wichtigsten Ergebnisse in Zahlen:

  • 56% der Deutschen wandern mehr oder weniger oft.
  • Das sind ca. 40 Millionen Menschen, also jeder zweite Deutsche über 16 Jahren.
  • Dabei werden 3,6 Milliarden Kilometer zurückgelegt und
  • 7,5 Milliarden Euro ausgegeben.
  • Das entspricht laut Wirtschafts-StaatsSekretär Ernst Burgbacher 144.000 Arbeitsplätzen.
  • Davon allein knapp 100,00 € für Ausrüstung pro Jahr.
  • Der durchschnittliche Wanderer ist dabei 2 Stunden und 39 Minuten unterwegs.

Grund für diese enorme Beliebtheit ist einerseits der niederschwellige Zugang, d.h. es sind wenig Voraussetzungen notwendig. Andererseits sorgt ein erhöhtes Bedürfnis nach Naturerlebnissen seit etwa zehn bis 15 Jahren für eine „Renaissance des Wanderns“, wie Prof. Quack feststellt. Die Motive Ruhe, Gesundheit und Bezug zur Natur sind dominant.

Das Spektrum reicht von Pilgerreisen und spirituellem Wandern bis zu Trekking in den Hochalpen oder im Himalaya. In Deutschland sind das Mittelgebirge sowie Österreich und Nord-Italien die beliebtesten Wanderziele. Für die Zukunft zeigt sich neben marktwirtschaftlichen Potentialen, vor allem bei der Generation der best agers, eine leichte Technologisierung. Hier vor allem bei der Planung der Wanderungen, die zunehmend übers Internet erfolgt und in beschränktem Rahmen auch über mobile Technik bei den jüngeren Wanderfreunden.

Die Herausforderung bei der Vermarktung liegt laut Sieghard Preis von den Österreichischen Wanderdörfern in dem was er „Simulacration“ nennt, also der emotionalen Vermittlung des genius loci von Naturlandschaften. Denn Landschaft ist für ihn „eine Metapher, die im Kopf des Betrachters entsteht.“ Dementsprechend ist das Marketing des Naturraums die Verankerung von „Sehnsuchts-Bildern“ bevor der Gast überhaupt anreist. Das in Szene setzen von Natur erfolge primär auf der visuellen Ebene. Das gilt im Übrigen natürlich nicht nur in diesem Segment, sondern für den Tourismus im Gesamten, wie man an der Beliebtheit der Urlaubsfotografie feststellen kann. Darüber hinaus werden aber auch gezielt andere Sinne angesprochen, zum Beispiel über die Vermarktung der Kulinarik oder Sinneswanderungen in der Natur. Thorsten Hilber von Alpstein Tourismus, einer bayerischen Firma, die sich auf Realisierung von Vermarktungskonzepten für ganze Regionen spezialisiert hat, nennt das dann „aus der Landschaft Produkte schnitzen“. Man sieht: Es braucht viel Arbeit um die Magie des Gehens erlebbar zu machen.

Allgemein ITB 2010