Schwule und Lesben in Reiselaune

Heiraten in Japan, feiern am Wörthersee: Der schwul-lesbische Tourismus boomt – auch auf der ITB. Das Angebot ist so groß wie nie.

In der Geschichte Japans gab es eine Zeit, da wurde Homosexualität zwischen zwei Männern als die reinste Form der Liebe betrachtet. Inzwischen ist Homosexualität in Japan zwar legal, die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen jedoch nicht erlaubt.

Ein japanischer Anbieter sticht auf der ITB Berlin dieses Jahr besonders hervor. Neben zahlreichen Ständen und dem „Vienna Gay Café“, findet sich im „Gay and Lesbian Travel“-Bereich der ITB, auch das Angebot des Hotels Granvia Kyoto. Es bietet in der Millionenmetropole Kyoto homosexuellen Paaren die Möglichkeit, ihre Ehe auf traditionell japanische Art zu schließen. „Die Kunden kommen aus der ganzen Welt, besonders jedoch aus Nordamerika und Europa“, sagt Shiho Ikeuchi vom Granvia Kyoto Hotel.
Und nicht nur dieses Hotel kann Erfolge verbuchen, wie sich auf der ITB zeigt.

Doch was zeichnet „Gay and Lesbian Travel“ – das Reiseangebot für Schwule und Lesben – aus? „Gay and Lesbian Travel“, bedeuet die Suche nach Hotels und gemeinsamen Unternehmungen für Homosexuelle. Sie suchen Ihresgleichen wohin auch immer die Reise geht. Manche reisen alleine, andere lieber in einer Gruppe“, erklärt Rajat Singla, von Pink Vibgyor, einem Schwulen-Reiseunternehmen für Indien. Würde man einem Heterosexuellen die Frage nach dem idealen Urlaub stellen, erhielte man vermutlich die gleiche Antwort.

Auch die Destinationen, die „Spartacus Traveler“ in seinem schwulen Reisemagazin anbietet, könnten in jedem anderen Reiseführer stehen. Dort wird mit Aktivitäten, wie Freilichtkino und Partymeilen an den Stränden von Rio geworben. Berlin etwa schätzt das Magazin für seine Toleranz, Neuseeland als Ziel für Naturliebhaber. Die Wünsche und Bedürfnisse der Reisenden, egal welcher Orientierung, unterscheiden sich in den wesentlichen Dingen offenbar kaum. Länder wie Russland kommen aufgrund ihrer anti-homosexuellen Haltung für den Großteil der Schwulen und Lesben als Reiseziel dagegen so gut wie nicht in Frage.

Dass der Schwulen- und Lesben-Tourismus trotzdem boomt, zeigen die nüchternen Zahlen auf der Messe: Gay and Lesbian Travel-Anbieter sind seit 2010 auf der ITB präsent. Alleine in diesem Jahr stellen 18 Anbieter ihre Reisen in alle Welt vor. (luk)

ITB 2014 Tag 1 | 5. März 2014

Klimaschutz – ja, bitte. Dafür zahlen – eher nein!

Wie funktioniert Atmosfair?

Klimaschutz finden viele Pauschalreisende gut, dafür zahlen wollen bislang aber nur die Wenigsten

Ein kurzer Flug nach London: Dabei verursacht ein Reisender durchschnittlich 500 Kilogramm CO2-Emissionen. Eine ganze Menge – und vor allem sehr umweltschädlich. Die Klimaschutzorganisation Atmosfair bietet seit geraumer Zeit an, CO2-Emissionen bei Reisen mit dem Flugzeug zu kompensieren.

Laut Kompensationsrechner der Klimaschutzorganisation kostet es allein zwölf Euro den kurzen Flug nach London zu kompensieren. Die eingenommenen Gelder fließen in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern, wo die identische Menge der ausgestoßenen Emissionen eingespart wird.

Das Konzept ist gut, finden auch viele Reisende, aber wenn es dann darauf ankommt den Beitrag zu zahlen, zögern sie offenbar. Als erster Reiseveranstalter übernimmt seit Neuestem der Südamerika-Spezialist Viventura die Kosten der CO2-Kompensationen für die Transatlantikflüge seiner bestverkauften Reisen.

Laut Anbieter können die Gäste zu insgesamt zehn Terminen mit Atmosfair-Beitrag reisen – ohne Aufpreis. Rund 120 weitere Veranstalter im Forum Anders Reisen hoffen, dass die Kunden freiwillig den Atmosfair-Beitrag bezahlen.

Die Möglichkeiten, seine CO2-Emissionen zu kompensieren, sind groß. Auf dem Markt tummeln sich weitere Anbieter wie GoClimate und die Schweizer Klimaschutzorganisation MyClimate. Nur die Nachfrage der Kunden ist noch gering. In Branchenkreise spricht man von nur einem geringen einstelligen Prozentsatz aller Pauschalreisenden. (vea)

 

ITB 2014 Tag 1 | 5. März 2014

Mexiko – Erlebe es um es zu glauben!

Bienvenido en México! Die ganze Welt ist während der größten Tourismusmesse der Welt, der ITB, zu Gast in Berlin. Doch Mexiko ist das offizielle Partnerland der Messe und so leuchten die sechs Buchstaben in den bunten Farben des Landes von Plakatwänden in der Stadt, über der Fassade des Haupteingangs bis hin zur Werbung auf dem gesamten Messegelände. Auf dem Stand Mexikos in Halle eins wirbt das Land mit seiner mehr als 3000 Jahre langen Geschichte. Neben den Stränden an der Pazifik- und Karibikküste, präsentiert Mexiko darüber hinaus jede Menge kulturelle Stätten, wie die Pyramiden der Mayas, Kolonialstädte oder auch traditionelle Märkte mit landestypischen Speisen, handgewobenen Stoffen und den typisch bunt bestickten weißen Blusen. Mit einer digitalen Animation können Besucher zusätzlich in einem Kurztripp über das gesamte Land fliegen. Die mexikanischen Aussteller sind offenbar stolz auf ihre Kultur und das ist auch auf der Messe in Berlin zu spüren.

Die Entscheidung für Mexiko als Partnerland fiel Ende November vergangenen Jahres. Eine weitreichende Entscheidung, denn schließlich steht das Partnerland während der ganzen fünf Tage der ITB im Rampenlicht. Von dem Partnerland wird verlangt, dass es neben viel Werbung und kleineren Veranstaltungen die Eröffnungsfeier der Messe gestaltet. Dabei wird klar, die Verpflichtungen, die ein Partnerland eingehen muss, sind an dessen finanziellen Möglichkeiten gebunden. Eine richtige Chance Partnerland der ITB zu werden haben dabei jedoch nur Länder, die bereits hohe Umsätze vor der Messe verbuchen können. „Mexiko hat eine neue Imagekampagne und versucht nun auch den Touristen vorher eher unbekannte Regionen vorzustellen. Dafür hat das lateinamerikanische Land einen internationalen Partner gesucht, um das neue Konzept bekannt zu machen“ sagt Astrid Zand, Pressereferentin der ITB.

Image ist für alle Länder ein wichtiges Thema. Und Mexiko hat in letzter Zeit nicht nur gute Presse gehabt. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wird von Reisen in Regionen wie im Norden Mexikos, zum Beispiel der Tierra Caliente, Zacatecas oder San Luís Potosí abgeraten. Auch die dort gelegenen Großstädten wie Tijuana, Monterrey und Torreon sind für Reisende derzeit nicht sicher.

„Mexiko gilt als gefährlich. Durch lückenhafte Kenntnisse über das Land entsteht ein schlechtes Image“, erklärt Clarissa Benecke, PR- Referentin am mexikanischen Stand. „Dabei vergessen viele, dass Mexiko ein wahnsinnig großes Land ist und es somit auch nur in bestimmten einzelnen Gebieten gefährlich werden kann. Deswegen versucht Mexiko bestehende Berührungsängste mit einer großen Präsenz auf der Messe zu verkleinern.“

Auch Mauricio Reyna, Geschäftsführer der touristischen Standorte in Mexiko-Stadt, sagt: „Der Anstieg des Tourismus ist in Mexiko von nationalem Interesse und 20 Prozent der Touristen kommen aus Europa. Als Partnerland auf der Messe erhoffen wir uns eine Investition für die Zukunft getätigt zu haben und damit die Wirtschaft anzukurbeln.“

Das hat auch Indonesien bemerkt, das im vergangenen Jahr das Partnerland der ITB war. Augustini Rahayou, die stellvertretende Leiterin der internationalen Tourismusförderung in Europa, spricht von einem Anstieg der Tourismus-Einnahmen für das asiatische Reiseland im vergangenen Jahr um fast 15 Prozent. Durch die Messe und die dazugehörige Presse stieg das Interesse an Indonesien deutlich. „Zwar musste das Tourismusministerium tief in die Tasche greifen, aber die Ausgaben haben sich gelohnt: Ein Vierfaches an Gewinn konnte das Land im Folgejahr verbuchen.“

Auch ein Jahr später wirkt sich die Messe für Indonesien noch positiv aus. Mexiko erhofft sich einen ähnlich guten Effekt durch die Präsenz auf der ITB 2014. (leu)

ITB 2014 Tag 1 | 5. März 2014

Wellness ist nicht gleich Wellness – Wie man ein gutes Angebot erkennt

Foto: beauty24.de

Aryuveda, Entgiftungskuren, Rosenbad oder Meditation: Wellness kann viel bedeuten und ist ein nicht geschuetzter Begriff. Bis heute muessen sich Kunden selbst ueber die Qualitaet und Produktpalette der Anbieter umfangreich informieren, wenn die Auszeit in der Wellnessoase ein Erfolg werden soll. „Die wichtigsten Tipps geben dabei Freunde, Hotelbewertungen und Empfehlungen in Internetforen“, sagt Michael Altewischer, Geschaeftsfuehrer Wellness Hotels & Resorts. Denn Unternehmen mit Wellnessangeboten sind nicht verpflichtet, sich zertifizieren zu lassen.

„Das Verständnis des Wellnessbegriffs hat im deutschsprachigen Raum sehr unter seiner unqualifizierten Verbreitung und Umsetzung gelitten. Wellness wird hierzulande häufig nur mit passivem Verwöhntwerden, Sauna und Whirlpool, Sinnesrausch und luxuriösem Ambiente in Verbindung gebracht. Dies wird dem eigentlichen Inhalt dieses Gesundheitskonzeptes in keiner Weise gerecht.“, schreibt auf seiner Webseite der Deutsche Wellnessverband. Denn der Grundgedanke des Wellness ist, Krankheiten erst gar nicht entstehen lassen. Durch eine bewusste Lebensweise soll der Mensch gesund bleiben. Der Qualitaetsanspruch im Wellnessbereich ist demnach gross.

Deswegen vergeben neuerdings veschiedene Reiseveranstalter hauseigene Zertifikate. Kunden werden befragt, Stichproben vorgenommen und regelmaessige Besuche von Produktmanagern sollen die Qualitaet bei Wellnessanbietern sicher stellen. Glaubwuerdigkeit beim Kunden hilft den Unternehmen bei ihren Marketingstrategien. So bietet auch der Deutsche Wellnessverband eigene Qualitaetssiegel an. Unabhängige Sachverständige pruefen den Standard an Qualität und persönlichem Service in anonymen Tests. Hier werden die Gesamtleistungen bewertet, sowohl Einrichtung als auch Mitarbeiter. Das ist zumindest eine erste Orientierungshilfe.

Trotz zahlreicher Bewertungenskanaele heutzutage hat der Kunde bei dem grossen Angebot keine absolute Garantie auf Qualitaet. Dem Reisenden bleibt nach wie vor nur die Eigeninitiative sich vorab gruendlich zu informieren und zu vergleichen. Nicht alles mag Wellness sein, was sich Wellness nennt. (dia)

ITB 2014 Tag 1 | 5. März 2014

Social Media und Onlinebuchungen – Die ITB-Trends 2014

Lee McCabe, Head of Travel, Facebook. Foto: Presse ITB

Wie können Reiseveranstalter über alle Kanäle in den Social Media ihre Reisen verkaufen? Auf der weltweit größten Reisemesse ITB in der Berlin stellen sich immer mehr Aussteller diese Frage. „Der Bereich boomt“, erklärt Astrid Zand, die Pressesprecherin der Messe Berlin. Erstmals hat die ITB deswegen zum Auftakt den ITB Summit veranstaltet. Auf der Podiumsdiskussion zur Reisewelt in sozialen Medien waren auch Vertreter von Facebook eingeladen. Immer mehr Reiseempfehlungen kommen von Freunden über das Portal Twitter. „Diese und alle anderen Kanäle effizient zu verzahnen, ist aktuell die große Herausforderung für die Reiseindustrie“, betont Pressesprecherin Zand. Wie ein roter Faden ziehe sich das Thema Reisen und soziale Medien auch durch die zahlreichen Vorträge und Workshops der E-Travelworld.

Neues gibt es auf der ITB aber auch in der Halle „Abenteuertourismus und nachhaltiges Reisen“: Erstmals stellen sich Länder wie Armenien, Georgien, Neuseeland und Jordanien vor. Außerdem bieten die asiatischen Länder in diesem Jahr über ein Drittel mehr an Destinationen an als noch im Vorjahr. Gleich stark geblieben ist dagegen die Zahl der arabischen und afrikanischen Aussteller. Länder wie Syrien sind in diesem Jahr aus politischen Gründen nicht vertreten. Gerade deshalb thematisiert der ITB Kongress den Tourismus in Krisenregionen besonders. Denn häufig ist er für diese Länder die einzig wirtschaftlich relevante Einnahmequelle. Über 400 Referenten nehmen auf der ITB inzwischen auch Themen wie die Entwicklungspotenziale für Krisenregionen unter die Lupe. Zahlreiche Unternehmen und auch die Reiseländer selbst verpflichten sich darüber hinaus einem sozial- und naturverträglichen Tourismus. Eigens dafür bietet die ITB am Freitag wieder den „Corporate Social Responsibility Day“ an, an dem die Menschenrechte im Tourismus ebenso zum Thema gemacht werden, wie auch ökologische Entwicklungen.

ITB 2014 Tag 1 | 5. März 2014

Jugendlichen den Sommer ihres Lebens ermöglichen

v.l. Alexis Quantel, Patricia Slunjski

Berlin, 5. März. Wenn es für Jugendliche zum ersten Mal ohne ihre Eltern in den Urlaub geht, dann meistens über eine Jugendreise. Es ist der erste Urlaub mit Freunden, fremde Menschen und um sich in einer unbekannten Stadt zu Recht zu finden. Interessante Erfahrungen, aber auch neue Herausforderungen warten dort auf sie. Häufig geht der erste Urlaub in einen Partyort wie Calella oder Lloret de Mar in Spanien. Die Jugendlichen werden auf diesen Touren von so genannten Teamern betreut, die oft nur wenige Jahre älter sind und zum Beispiel Partyexzesse begrenzen müssen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Alexis Quantel ist 25 Jahre alt und einer dieser Teamer bei  Ruf Reisen. Seit sieben Jahren arbeitet er für die Organisation, die Jugendreisen für unterschiedliche Altersklassen veranstaltet. Vor Ort unterstützen ihn zusätzlich so genannte Langzeit- Teamer. Sie sind älter, haben jahrelange Erfahrung und sind den gesamten Sommer über in den Reisezielen vor Ort.

Voraussetzungen für eine Anstellung als Betreuer
Vor seinem ersten Einsatz für Ruf Reisen hat Alexis Jugendgruppen auf Kirchenfahrten betreut. Diese Vorkenntnisse haben ihm bei der Einladung zum Seminar geholfen. Auch Sprachkenntnisse sind Auswahlkriterien für die Einladung als Teamer. Es gibt entweder ein fünftägiges Seminar oder ein dreitägiges Intensivseminar. Dort werden Konflikte simuliert und das Sprechen vor Gruppen trainiert. Der Veranstalter Ruf Reisen empfiehlt zwar, das längere Seminar zu besuchen, viele Bewerber haben aber keine fünf Tage Zeit und besuchen den Intensivkurs, erklärt Inga Hörttrich von Ruf Reisen. Alle Mitarbeiter der Organisation, sogar das Küchenpersonal, müssen das pädagogische Seminar besuchen, aber nicht jeder werde danach eingestellt.

Schwierige Gratwanderung
Viele Studenten wie Alexis arbeiten in ihrer vorlesungsfreien Zeit für Veranstalter von Jugendreisen.  Die Arbeit für Ruf Reisen sei für ihn auch Urlaub und überfordert hat er sich trotz der geringen Altersunterschiede zu den Mitreisenden bisher nie gefühlt. „Es ist schwierig streng und gleichzeitig nicht zu streng mit den Jugendlichen zu sein, ich versuche ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen aufzubauen“, beschreibt Alexis seine Beziehung zu seinen Teilnehmern. Seit Jahren stehen seine Pläne für den Sommer fest: „Den Jugendlichen den Sommer ihres Lebens ermöglichen.“ (ani)

ITB 2014 Kinder- und Jugendreisen Tag 1 | 5. März 2014

Hotelbetten durch die Brille

Mit einer Brille ist es bald möglich sein Urlaubsziel in einer 360-Grad-Simulation zu erleben

Vor mir steht das gemachte Bett, hinter mir knistert das Kaminfeuer der Suite. Ich stehe mitten auf der ITB und blicke durch eine Brille direkt in ein Hotelzimmer. Ein Scherz? Nein, die Zukunft. Das Hannoveraner Unternehmen Digital Media Group präsentiert auf der Messe das Brillenmodell Oculus Rift. Die Brille ermöglicht es, in einer 360-Grad-Computer-Simulation beispielsweise in Hotels oder Landschaften der Wunschdestination hineinzuschauen. Anwendung findet das Gerät mit matt-schwarzen Visier bis jetzt nur im Bereich der Computerspiele. Das Gerät ist kaum größer als eine Ski-Brille. Die Idee dahinter: „Die Brille ist zum Beispiel für Reisebüros interessant“, heißt es beim Hersteller. „Kunden könnten sich in Zukunft zu Hause ihr Wunschhotel oder ihre Traumdestination ansehen.“ Die Kosten für das Gerät liegen bei umgerechnet 218,40 Euro. (pac)

 

Allgemein ITB 2014 Tag 1 | 5. März 2014