Mirjam und Nina auf Entdeckungsreise – Asiatische Traditionen auf der ITB

Ein Bericht von Nina Kownacki und Mirjam Ratmann

Einmal nach Asien: Japan, Korea und China – alles Länder, die so fern liegen, aber doch so nah sein können. Auf der ITB bietet sich die einmalige Möglichkeit in diese fremde Kulturen einzutauchen und Traditionen kennenzulernen. Ohne teure Flugkosten, Packstress und Jetlag. Mirjam und Nina gehen zu Halle 26, um Neues zu entdecken und um etwas auszuprobieren. 

Station Nummer 1: Korea

Anprobe von traditioneller koreanischen Tracht

Hanbok: Traditionelle koreanische Tracht. Diese wird vor allem von der älteren Generation auf Festen getragen, wie dem koreanischen Erntedankfest oder Hochzeiten. Die ledigen Frauen tragen dazu einem geflochtenen Zopf, während verheiratete Frauen ihre Haare zu einer Hochsteckfrisur binden. Ebenso die Farben der Trachten unterscheiden sich mit dem Alter. Je älter, desto dunkler die Farben. Frauen-Hanboks bestehen aus einem langen Rock, der am Brustansatz mit einer Schleife gebunden wird. Darüber trägt man eine kurze Jacke. Angezogen fühlt sich die Kleidung leicht an und der Stoff rau und steif. Zudem ist der Rock sehr lang, sodass kleinere Frauen wie Mirjam diesen beim Laufen hochziehen müssen. Eine Koreanerin, die ihr bei der Anprobe hilft, sagt: „Sie sehen wunderschön aus“.

 

Mirjam trägt eine koreanische Tracht

Mirjam trägt eine koreanische Tracht

 

und Nina auch nochmal...

und Nina auch nochmal…

 

Koreanische Tracht der Erwachsenen

Koreanische Tracht der Erwachsenen

 

Koreanische Tracht der Kinder und Jugendlichen

Koreanische Tracht der Kinder und Jugendlichen

 

Lotusblüte basteln

Ein Mönch faltet Lotusblüten aus Papier. Diese werden auf einen Becher geklebt, sodass sich eine schöne Blüte bildet. Die Lotusblüte ist ein Symbol des Buddhismus und steht für Reinheit. Auf der Messe kann das jeder selbst ausprobieren. Die Blätter sind vorgeschnitten und bemalt. Jeder der mitmacht, muss diese nur noch in Form bringen und aufkleben. Dazu setzt man sich traditionell auf ein Kissen am Boden. Nach einiger Zeit ist das unbequem. Trotzdem vergessen wir die Zeit, obwohl unsere Füße einschlafen.

Wir basteln koreanische Lotusblüten aus Papier

Wir basteln koreanische Lotusblüten aus Papier

 

Die fertigen Lotusblüten. Schön, oder?

Die fertigen Lotusblüten. Schön, oder?

 

Station Nummer 2: Japan

Teeverkostung:

Frau Yoku Kozuma-Chlosta bereitet grünen Tee der Sorte Matcha zu. Dieser ist gemahlen und sieht wie feiner Puder aus. Sie nimmt eine Art Schneebesen aus Bambus und eine Schüssel in die Hand und verrührt die Masse mit heißem Wasser. Vorsichtig hält sie ihren Kimono mit einem Tuch zurück, damit sie diesen nicht in den Tee tunkt. Ihre Haltung ist stets gerade. Sie erklärt uns: „Man nimmt zuerst ein süßes Bonbon aus Reis und Zucker in den Mund. Danach kann man den Tee trinken. Vorsicht, sehr heiß“. Der grüne Tee schmeckt wegen des Bonbons sehr süßlich, aber auch der herbe Geschmack kommt durch.

Frau Yoku Kozuma-Chlosta bereitet grünen Tee zu.

Frau Yoku Kozuma-Chlosta bereitet grünen Tee zu.

 

Grüner Tee und das Bonbon.

Grüner Tee und das Bonbon.

 

Lecker!

Lecker!

 

Eisa-Tanz:

Die Ryukyu Koko Matsuri Daiko Tänzer aus Okinawa führen einen traditionellen japanischen Tanz vor. Die Gruppe wurde vor 30 Jahren gegründet und ist eine von 34 Tanzgruppen aus ganz Japan. Bei diesem Tanz namens Eisa handelt sich um eine traditionelle Volkskunst, bei dem die Geister verstorbener Ahnen geehrt werden. Es ist ein fröhlicher Tanz, mit vielen Trommelschlägen, freudigem Gesang und lauten Rufen: „Eisa, Eisa“. Der Eisa-Tanz wird sowohl auf großen Veranstaltungen, als auch in privaten Haushalten aufgeführt. Dieses findet während der Bon-Zeit statt, also im Sommer, vorwiegend im August.

Beim letzten Tanzteil werden die Zuschauer mit eingebunden. Der Meister der Gruppe verteilt Samba-Schlagzeuge. Das sind kleine Holzinstrumente mit drei Blättern, die sich die Auserwählten zwischen Zeige – und Mittelfinger klemmen sollen. Und dann geht es los: Während der Tanzvorführung muss Nina ihre Finger aufeinander zubewegen, um dadurch der Musik das gewisse Etwas zu verleihen. Es fällt ganz schön schwer, im Takt mitzuschlagen.

httpv://youtu.be/rYF5e7mM5Zk

Eisa-Tanz der Ryukyu Koko Matsuri Daiko Tanzgruppe
Nina mit dem Samba-Schlagzeug

Nina mit dem Samba-Schlagzeug

 

Station Nummer 3: China 

 Kung-Fu Tanztheater

Ein junger Mann tanzt durch die Halle. Dabei muss man mehrmals hinschauen, um das, was er da tut als „Tanz“ zu definieren. Er bewegt sich ganz geschmeidig, geradezu fliessend. Dabei trägt er eine rote Robe und schwarze Schuhe. Die Musik ist laut und energisch, ebenso bewegt sich der junge Chinese dazu. Steigt der Musikpegel an springt er in die Luft, landet danach aber ebenso saft wieder auf dem Boden. Dem Mann folgen zwei Frauen, eine Chinesin und eine Europäerin. Beide bewegen sich rythmisch und synchron zu der Musik. In ihren Händen halten sie Fächer, die sie immer wieder ausbreiten und wieder einfahren. Was folgt lässt sich am besten als „Kung – Fu Tanztheater“ beschreiben. Mit einer Mischung aus Kampf, Tanz und Comedy kommt ein Mann in einer gelben Robe daher.  Mit einem Schwert in der Hand springt und tanzt er über den Boden. Er schwankt, parodiert offenbar einen Betrunkenen. Die Chinesen verstehen Humor. Und dennoch sind die sinnliche Musik und Bewegungen der Vortragenden dadurch nicht weniger eindrucksvoll. Hier müssen wir mal nicht mitmachen.

httpv://youtu.be/3WyMmuZWWqY

Kung-Fu Tanztheater

 

 

Asien ITB 2013

Wo Kinder Könige werden können – Tipps für den Familienurlaub in Schweden

Pippi Langstrumpf auf der ITB. Was hat Schweden außer ihr noch zu bieten? Foto: Marcel Weyrich

 

Dass Schweden ein familienfreundliches Land ist überrascht nicht. Drei Millionen Gäste zog es im Jahr 2012 nach Südschweden ins östliche Smaland und Öland, zwei Drittel davon waren Familien. Fast eine Million Deutsche reisen jedes Jahr nach Schweden. Bietet Südschweden aber mehr als Pipi Langstrumpfs Villa Kunterbunt? Laut Hanna Svensson von Smaland Touismus schon. Ganz anders als in Deutschland gehören Kinder hier viel selbstverständlicher zum Alltag dazu. Denn: „Wenn die Kinder glücklich sind, sind die Eltern glücklich und dann ist es ein gelungener Urlaub.“ Ganz nach dieser Maxime verrieten Svensson und ihre Kollegin Karin Ekjejbär aus der Region Kalmar youngpress ein paar Angebote, die aus den Prospekten so nicht herauszulesen sind:

 

Zum Ritter werden à la Fort Boyard

Von der Astrid Lindgren-Welt in Smaland, in der Pipi Langstrumpf „wohnt“ liegt das „Schloss Kalmar“ nur zwei Autostunden entfernt. Wie in der TV-Serie Fort Boyard können hier Kinder kniffelige Aufgaben lösen, in denen geklettert und gefrickelt werden muss, um zu gewinnen. In der TV-Serie kommen Schlangen und Tiere zum Einsatz. Während der zwei Stunden, die das Spiel in Kalmar dauert, natürlich nicht. In erster Linie dominiert Holz und erzeugt eine Burgatmosphäre ohne exotische Tiere. Am Ende gibt es kein Geld, aber einen Preis: Der oder die Gewinnerin werden offiziell per Schwert zum Ritter geschlagen. www.kalmarslott.se (Seite in Englisch)

 

Glas machen statt zerbrechen

Welcher Elternteil hat sich nicht schon einmal geärgert, dass die Kinder ausgerechnet das Lieblingsglas der Eltern zerstört haben? Im „Kingdom of Glass“ in Växjo, Südschweden, können die Kinder sich einmal bei ihren Eltern revangieren. Glasbläser helfen Kindern, selber ein Glas zu blasen. Die können, wenn alles abgekühlt ist, immer noch entscheiden, ob sie es zur Wiedergutmachung ihren Eltern geben oder es lieber doch selbst behalten und stolz ihren Freunden zeigen. www.glasriket.se (Seite in Englisch und Deutsch)

 

Strandurlaub auf Schwedens „Mallorca“

Sonne ist zwar nicht das erste, woran Deutsche bei Schweden denken. Und doch gibt es einen Ort, der mit seinen Sonnentagen Millionen Schweden anlockt. „Öland ist für Schweden so etwas wie Mallorca für die Deutschen, jeder fährt dort gerne hin“, so Tourismusexpertin Ekjebär. Der Ort liegt mit 437 Sonnenstunden pro Jahr in den Top 5 der schwedischen Messpunkte. www.olandsturist.se (Seite auch in Englisch und Deutsch)

Auf der Messe in Berlin tanzen und backen Pipi Langstrumpf und Co. am 10.03. von 12 – 16 Uhr stündlich am Schweden-Stand in Halle 18.

Allgemein ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen

Video: Urlaubsziele der Kids

Urlaubswünsche der kleinen ITB-Besucher. Foto: Julia Harig

 

Kinder entwickeln immer früher den Wunsch, bei der Urlaubsplanung mit zu entscheiden. In welches Land sie als nächstes Reisen würden und was es dort unbedingt geben muss, das haben uns 12 kleine ITB-Besucher verraten:

httpv://youtu.be/nHrtCQgPiPc

 

Allgemein ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Topstories Trends Video

Authentizität – die Motivation für Kubareisen

 Kubanischer Stand auf der ITB Foto: Julia Harig

 

„Cuba auténtica“ mit diesem Slogan lockt Kuba auf der ITB die Reiselustigen an den Messestand der kommunistischen Karibikinsel. Kuba öffnet sich der Welt, auch die Ausreisebedingungen für die einheimische Bevölkerung haben sich Anfang 2013 gelockert. Was für den Kubaner Freiheit bedeutet wirft die Frage auf, wie lange die Insel sich ihre karibische Immunität gegen westliche Einflüsse noch bewahren kann.

Die Gunst der frühen Stunde

Ob Kuba noch lange mit Authentizität werben kann, wird auch von einer erfahrenen Reiseleiterin und Standbesucherin bezweifelt. Sie weiß um „die Gunst der frühen Stunde“. Bereits 142 Länder bereist, ist sie sicher, dass auch auf Kuba die arrangierten Tourismusangebote in Zukunft die Sicht auf das wahre Leben vor Ort verschleiern werden. „Wer authentisch reisen will, bucht nicht pauschal und sucht sich seine eigenen Wege durch das Land“ so die Rentnerin.

Die Reisegewohnheiten der Kuba-Urlauber bestätigen das. Sie machen sich am liebsten auf eine individuelle Rundreise quer über die Insel, um möglichst viel von Land und Leuten Kubas aufzunehmen.

In Urlaubserinnerungen schwelgend berichtet ein Ehepaar von der Kubareise im letzten Jahr. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass noch lange nicht die ganze Insel auf die Bedürfnisse europäischer Touristen eingestellt ist. Auch für sie geht Reisen mit Charakter vor künstlich errichteten Urlaubsdomizilen. Auch wenn die Karibikseite Kubas laut ihren Angaben bei Hotelkomfort und Freizeitabgebot noch einiges nachholen könnte, sind es am Ende auch ein unbequemes Hotelbett und charismatischer Service, der den Charme einer Kubareise bestimmen. „Schnell nach Kuba bevor der Amerikaner einfällt und die Insel unerschwinglich wird“, rät Kuba-Fan Katharina Jander.

Für den Tourismus ist Kuba bereits seit Anfang der 90er Jahre geöffnet. Vor 20 Jahren verschlug es jährlich rund 300.000 Reisende nach Kuba. Ziel für 2013 ist es, die drei Millionen Marke zu knacken. Vor Ort bedeutet das Investitionen in Hotelanlagen und Angebote.

Verglichen mit der Dominikanischen Republik, die vier Millionen Besucher jährlich meldet, steht Kubas Tourismusbranche noch am Anfang. Die Infrastruktur wird in Zukunft noch an den wachsenden Tourismus angepasst. Abseits von den Hot Spots des Landes, wie Havanna und Varadero, sollen jedoch in Zukunft auch im Landesinneren touristische Angebote geschaffen werden.

Hotelwüsten werden laut Wilson Cardoso vom „cubanischen Fremdenverkehrsamt“ nicht kommen, man versuche auch im Aufbau der Hotellerie die kubanischen Umgebung einfließen zu lassen. Um eine touristische Infrastruktur zu etablieren müssen Straßen verbessert und neue Verkehrsnetze errichtet werden.

Echtes Kuba

Kuba wirbt mit Authentizität. Für Cardoso liegt diese vor allem im Kubaner selbst verwurzelt, in seiner Mentalität. Sichtbare Authentizität findet man in Form von restaurierten Kolonialbauten in Havanna, es ist aber vor allem das Flair, das aus Kuba ein Erlebnis machen kann.

Tourismus bringt Geld ins Land und auch die Kubaner werden in Zukunft in die Reisebranche investieren. Ob eine Fahrt über die Insel und der Austausch mit den kontaktfreudigen Einheimische an Echtheit verlieren wird, kann man pauschal nicht sagen. Es liegt nicht zuletzt an den Bedürfnissen und Vorlieben der Urlauber, wie sich das Angebot auf der Insel in den nächsten Jahren entwickelt.

Allgemein Cuba Fernreisen ITB 2013 Nachhaltigkeit

Stille, fremde Kultur – Bei einem Reiseunternehmen aus Holland wird Gehörlosigkeit zum Vorteil

Jos Wesemanns ist in einer gehörlosen Familie aufgewachsen. Heute bietet er Reisen für Gehörlose an. Foto: Eva L. López

Nein, sie hört nicht das Wellenrauschen. Ja, sie hat eine neue Kultur kennen gelernt. Dass die Gehörlosigkeit bei Reisen von Vorteil sein kann, zeigt Wesemann Travel. Das Reiseunternehmen bietet einen Einblick in fremde Kulturen, da es aktiv auf die Gehörlosengemeinschaft der Einheimischen setzt.

Angefangen hat das niederländische Reiseunternehmen mit organisierten Reisen für Gehörlose nach Tansania. Um einen tollen Urlaub zu bieten, setzt das Unternehmen auf zweierlei: Erstens sind die Reiseleiter vor Ort auch gehörlos und ausschließlich Einheimische. Daher kennen sie die Bedürfnisse ihrer Kunden. Zweitens gehört in den Mittelpunkt jeder Reise, dass der gehhörlose Reisende auf gehörlose Menschen vor Ort trifft. Dem hörenden „Standardtouristen“ bleibt die Welt der Einheimischen oft verschlossen. Der Gehörlose wird von den Einheimischen zu einer Tasse Tee eingeladen. Das Nichthören wird hier zum Vorteil. Die Reisenden haben nach der Philosophie von Wesemann Travel die Chance, ohne Umwege eine neue Kultur kennenzulernen. Denn die gemeinsame Behinderung baut eine kulturelle Brücke zwischen Touristen und Einheimischen.

Der Geschäftsführer Jos Wesemann ist ein Paradebeispiel für das Leben zwischen beiden Welten. Er und sein Bruder sind seit Generationen die einzigen in der Familie, die hören können. Auf seiner ersten Reise nach Tansania wurde Jos Wesemann überrascht: „Du bist einer von uns!“, erkannte ein tauber Einheimischer sofort. Noch bevor Wesemann sprechen lernte, beherrschte er die Gebärdensprache. In Tansania nahm sein Urlaub dadurch die entscheidende Wendung. Zwar ist die Gebärdensprache nicht universell, doch könne man sich gut miteinander verständigen. Wesemann hatte Glück. Ihm wurde ein ungewöhnlich einfacher Zutritt zur tansanischen Kultur ermöglicht und er ist so auf seine Geschäftsidee gestoßen.

In Deutschland leben rund 80.000 Gehörlose. Der Tourismus mit den Gehörlosen ist hier nur eine Nische. Die wenigen Reisen, die angeboten werden, laufen oft über Verbände, die hauptsächlich Kurztrips und Jugendfahrten anbieten. Es gibt aber auch Reisebüros für Gehörlosenreisen, wie „Deaftravel“ oder „XXL-Travelfordeaf“. Bei „Yat-Reisen“ machen Gehörlose gemeinsam mit anderen körperlich Beeinträchtigten Urlaub. Dass Wesemann Travel einen intensiven Kontakt zwischen den Gehörlosen und Einheimischen herstellt, macht deren Angebot besonders.

Für Wesemann Travel und den Einheimischen ist die Zusammenarbeit eine win-win-Situation. „Taub sein in Afrika bedeutet Überlebenskampf!“ macht der Geschäftsführer deutlich.  Das Unternehmen schafft vor Ort Arbeitsplätze. Während eines Vortrags auf der ITB wird er nicht müde zu wiederholen, wie wichtig die lokalen Mitarbeiter seien. „Sie haben eine ganz aktive Rolle“. Wesemann Travel unterstützt in Tansania soziale Projekte wie eine Gehörlosenschule. Jos Wesemann gibt aber auch unumwunden zu, dass er durch seine Arbeit leben kann. Seine Reisen sind in erster Linie ein Geschäftsmodell.

Allgemein Behinderungen Fernreisen ITB 2013 Topstories Trends

Print gegen Online – auch Reisemagazine kämpfen ums Überleben

Foto: ITB Berlin

Die  Printmedien befinden sich im Überlebenskampf.  Denn die klassische Zeitung aus Druckerschwärze auf Papier hat schon seit einigen Jahren einen starken Konkurrenten: Das Internet. Genauer gesagt: Online Portale. Doch wie wirkt sich diese Krise auf den Reisejournalismus aus? 

„Ja wir haben eine Printkrise“, sagt Pascal Brückmann, Produktmanager im Bereich Reise bei der WAZ Media Gruppe. Auch Lars Nielsen, Chefredakteuer von Geo Saison, spürt die Probleme des Online-Booms. Das Reisemagazin hat in den letzen vier Jahren ein Minus von 20 Prozent einstecken müssen. „Ich schlafe ruhig, aber nicht zufrieden“, bewertet Nielsen diesen Trend. Geo Saison musste seinen Preis um 20 Prozent erhöhen, hat dadurch bisher jedoch noch keine Leser verloren. „Das Klientel, das durch unser Magazin bedient wird, möchte sich nicht im Internet bedienen“, sieht der Chefredakteur. Deswegen hat Geo Saison bisher noch keine Onlineplattform.

Dennoch glaubt Brückmann von der WAZ Gruppe, dass digitale Medien ein wichtiger Umsatzmarkt seien, jedoch habe man im Printbereich auch noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Romanus Otte, Leiter von Welt Digital beim Axel Springer Verlag, findet es wichtig, zukünftig ein Online-Geschäftsmodell zu etablieren, das Qualitätsjournalismus garantiert. Deshalb hat der Verlag im Dezember vergangenen Jahres auf seiner Plattform Welt Online eine Bezahlschranke für Besucher eingerichtet. Nutzer der Seite können seitdem 20 Artikel pro Monat kostenlos ansehen, ab dem 21. angeklickten Beitrag greift ein Bezahlsystem, ähnlich eines Abonnements.  „Ziel dabei ist, ein reichweitenstarkes Massenmedium zu erstellen und gleichzeitig an bezahlbare Modelle zu koppeln“, so Otte.  Auch Nielsen ist trotz seiner allgemeinen Online – Skepsis für eine Bezahlschranke: „Was man produziert, soll dann auch bezahlt werden“, meint er.

Wird es die klassische Printzeitung in Zukunft schaffen, mit den Online Angeboten zu konkurrieren? An Internetausgaben werden wohl weder Zeitungen noch Magazine dauerhaft vorbeikommen. Denn egal wie hoch die Skepsis gegenüber „social media“ und Online auch sein mag: „Auch wenn man Online nicht will, muss man sich doch darauf einstellen“, resümiert Romanus Otte.

Allgemein ITB 2013 Print vrs. online Trends

Ägypten – Hat sich der Tourismus nach dem arabischen Frühling erholt?

Mohamed Gamal, der Generaldirektor der Tourismusabteilung Ägyptens, informiert über die touristische Situation in Ägypten. Foto: Sara Bagladi

Schon zwei Jahre liegt der Sturz von Hosni Mubarak, ehemaliger Staatspräsident Ägyptens, zurück, doch die Lage hat sich noch nicht beruhigt in Ägypten. Gerade heute ist es in Kairo und Port Said, nachdem das Urteil über die tödlichen Fussballkrawalle bekannt gegeben wurde, wieder zu Aufständen gekommen. Welche Wirkung diese Tumulte auf den Tourismus haben, gibt der Generaldirektor der Tourismusabteilung Ägyptens, Mohamed Gamal, bekannt.

young press: Sie waren letztes Jahr Partnerland der ITB – brachte dies einen Aufschwung im Tourismus?

Wir haben gute Ergebnisse nach der ITB 2012 erzielt. Zum ersten Mal steht Deutschland auf Platz 2 der wichtigsten Gewinnmärkte für Ägypten. Im Vergleich zu den Jahren davor war Deutschland auf Platz 3. Im Jahr 2012 kamen 1,2 Millionen deutsche Urlauber zu uns und haben 15,5 Millionen touristische Übernachtungen gebucht.

young press: Im Sommer 2012 sind die Zahlen also wieder gestiegen. Sind nach den kürzlichen Unruhen die Touristenzahlen wieder zurückgegangen?

Ehrlich gesagt gibt es negative Auswirkungen. Aber nicht was den Badeurlaub betrifft, sondern die Nilkreuzfahrten. Hier sinken die Besucherzahlen. Damit sind auch die kulturellen Städte wie Luxor und Assuan verbunden, die am östlichen Ufer des Nils liegen. Aber das ist ganz normal – überall gibt es Positives und Negatives. Die Revolution ist ein zweijähriges Baby und für den Wandel zum demokratischen Leben benötigt man eine Generation und nicht zwei Jahre.

young press: Wie werden Touristen nach Ägypten gelockt, dass sie trotz der Risiken die Reise auf sich nehmen?

Wir machen hier an der Messe Liveübertragungen von den Stränden in Ägypten auf grossen Bildschirmen. So können die Menschen Ägypten kennen lernen. Diese Aktion möchten wir gerne erweitern und in grossen deutschen Städten Bildschirme an öffentlichen Plätzen installieren.

young press: Auch die Preise sind gesunken. Ist dies eine weitere Massnahme den Reisenden entgegen zu kommen?

Für den Massentourismus an den Stränden sind die Preise gesunken. Der Besucher bekommt mehr, als er bezahlt. Aber in Bezug auf den Kultururlaub und andere touristische Möglichkeiten sind die Preise erhalten geblieben.

young press: Werden diese Angebote gebucht?

Wenn die Medien nicht berichten, steigen die Buchungen. Es hängt also alles von den Medien ab. Doch diese schildern nur von isolierten Inseln und nicht von ganz Ägypten. Sie legen den Fokus nur auf Kairo und zwei, drei weitere grosse Städte. Aber die anderen Urlaubsziele sind stabil und ruhig. Wie die Lage dort aussieht, ist an den Livescreens zu erkennen.

young press: Gibt es  besondere Sicherheitsmodelle? Auf was sollte man achten, wenn man das Hotelareal verlässt?

Fünf Millionen Menschen arbeiten im Tourismusbereich. Der Tourismus ist ihre Existenz und sie bemühen sich die Sicherheit zu wahren. In Kairo hingegen leben die Leute nicht vom Tourismus. Sie demonstrieren und fordern bessere Arbeitschancen und Demokratie.

young press: Das Auswärtige Amt rät insbesondere dringend ab, in den Sinai (mit Ausnahme der Touristenorte am Roten Meer im Küstenstreifen zwischen Sharm-El-Sheikh und Nuweiba) sowie ins ägyptisch-libysche Grenzgebiet zu reisen. Teilen Sie diese Meinung?

Allein sollte man in diese Regionen nicht gehen, doch in grösseren Gruppen ist das möglich.

young press: Muss man mit der neuen Regierung mit Einschränkungen im Tourismus rechnen? Gibt es beispielsweise Kleidungsvorschriften?

Auf den Livescreens sieht man Badeurlauber im Bikini. Die Regierung hat bekannt gegeben, dass sie nichts gegen Badeurlauber haben. Wenn ich schwimmen gehen möchte, gehe ich ja auch nicht im Anzug. Wir respektieren andere Traditionen und Kulturen.

young press: In der Türkei gibt es auch schöne Strände. Weshalb sollten Touristen genau ans rote Meer in Ägypten kommen?

Ägypten ist eine unersetzliche Destination im Winter. Auch die Unterwasserwelt ist  einzigartig. Natürlich haben andere Länder auch andere Möglichkeiten – aber Ägypten ist unvergleichlich.

Ägypten Fernreisen Interview ITB 2013 Topstories