Die Vereinten Nationen haben dieses Jahr zum „International Year of Sustainable Tourism for Development“ erklärt. Damit soll sie das Bewusstsein für einen umweltbewussteren Tourismus schaffen. Auf der ITB 2017 ein ganzer Tag dem Thema der „Corporate Social Responsibility“ gewidmet und viele Aussteller werben mit ihren nachhaltigen Angeboten. Besucher bekommen den Eindruck einer verantwortungsbewussten Branche, die sich für eine grünere Zukunft einsetzt. Doch bleibt trotz dieser ganzen Initiativen eine grundlegende Frage ungeklärt: Was genau ist überhaupt „Nachhaltigkeit“?

Eines der Unternehmen, die sich vollkommen für einen umweltverträglichen Tourismus einsetzen ist das Startup „Fairaway“, das Nachhaltigkeit bei Fernreisen fördert. Als Organisation unterstützen sie  lokale Projekte und Unternehmen in insgesamt siebzehn Ländern. Eines ihrer wichtigsten Aktivitäten liegt in der Reduktion von Abgasen. Mit einem CO2-Rechner berechnen sie den Ausstoß an Treibhausgasen bei jeder gebuchten Reise, um die entsprechende Menge durch die Unterstützung des Projektes „Gold Standard“ in Ghana auszugleichen. Durch Förderung der Nutzung von energiesparenden Öfen in Ghana werden bis zu 25 Prozent der CO2-Emissionen vermieden.

Dies ist aber nicht der einzige Aspekt, den „Fairaway“ beachtet. „Wir wollen weitergehen, als nur die Natur zu erhalten. Der Kontakt mit der lokalen Bevölkerung und die Förderung von Projekten, die mit den Gemeinschaften zusammen arbeiten, sind für uns zentral“, verdeutlicht Guido van Es, Gründungsdirektor der Plattform „Responsible Travel Peru“ – eines der Unternehmen, die von Fairaway unterstützt werden. Gemeinsam mit gemeinnützigen Organisationen sollen Projekte, die von der heimischen Bevölkerung initiiert wurden, geregelt und unterstützt werden, um die Entwicklung auf lokaler Ebene zu stärken. „Dies ist nicht immer ganz leicht“, sagt van Es. „Häufig fehlt es an Motivation. Zu Beginn werden die Projekte noch mit Eifer durchgeführt, aber wenn nicht sofort Ergebnisse sichtbar werden, dann lässt die Motivation nach. Wir müssen konstant dranbleiben und das Gespräch mit den Gemeinden suchen, damit die Reisen ohne Probleme stattfinden.“  Trotz dieser Herausforderungen bleibt van Es zuversichtlich: Er wirbt für einen verantwortlichen Tourismus in Peru und der Welt.

Claudia Mitteneder von dem Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. findet das Interesse einiger Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit fragwürdig. Sie betont dabei, dass sich die Kunden immer gut informieren und „hinter die Kulissen“ der Reiseanbieter schauen sollten, denn große wie kleine Unternehmen würden versuchen sich das Label „Nachhaltigkeit“ zuzuschreiben. „Große Unternehmen haben manche gute Ansätze. Die Auswahl ist schon da. Trotzdem muss der Nutzen immer hinterfragt werden: Ist es wirklich nachhaltig?“, meint Mitteneder.

Der geschäftsführender Gesellschafter Marco Giraldo vertritt die Organisation „TourCert“, die mit einem eigenen Zertifikat umweltbewusste Unternehmen in der Reisebranche auszeichnen. In seinem Unternehmen wird der Begriff mit drei Dimensionen beschrieben: Ökologie, Ökonomie und Soziales. „Wir versuchen ein Gleichgewicht zwischen diesen drei Kriterien zu schaffen. Wie ein Dreieck müssen alle Aspekte gleichmäßig berücksichtigt werden“, erzählt er. Mit Eifer stellt er die Ziele seines Unternehmens vor, das sich für das „komplette Paket“ Nachhaltigkeit einsetzen möchte. Jedoch wird Giraldo auch bei genaueren Nachfragen nicht spezifischer. Obwohl er die Seriösität seines Unternehmens bekräftigt, bleiben konkrete Erklärungen aus. So wird deutlich, wie undurchsichtig die Branche für den Laien sein kann.

Hilfreich für Touristen, die sich für Nachhaltigkeit beim Reisen interessieren, wird in der Reisebranche alljährlich der „TO DO Preis“ des Studienkreis für Tourismus und Entwicklung vergeben. Dieses Jahr wurden zwei Projekte aus Myanmar und Uganda ausgezeichnet, die beide einen alternativen, zukunftsorientierten Ansatz vertreten. Erstmals wird auch in Kooperation mit dem Roundtable Human Rights in Tourism und Studiosus Reisen München zusätzlich der TO DO Award Human Rights in Tourism vergeben. So konnte sich bei dieser Verleihung Kevin Curran von der Gewerkschaft „UNITE – the Union“ aus Großbritannien freuen. Die Gewerkschaft kämpft gegen die Ausbeutung in der Hotellerie und Gastronomie, um somit die Menschenrechte im Tourismus zu gewährleisten – ein wichtiger Aspekt, der die soziale Komponente des Begriffs „Nachhaltigkeit“ betont. Beim Gang durch die Messe wird somit klar: der Begriff ist weiterhin schwer durchschaubar, trotz des von der UN ausgerufenen Jahres. amr

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