Ein leidenschaftlicher Reisender erzählt, was ihn antreibt und wohin er noch einmal möchte

Wolfgang Stoephasius war schon in 281 Ländern – er gilt damit für die Plattform Most Travelled People (MTP) als „der meist gereiste Deutsche“. Im Gespräch plaudert er über seine Leidenschaft

Lässig übereinandergeschlagene Beine, freundlich-abwartend, so sitzt Wolfgang Stoephasius (75), der meist gereiste Deutschen, an einem Tisch im Pressezentrum der ITB. Der Weltenbummler macht einen fitten und dynamischen Eindruck.

Woher denn dieser „Bewegungsdrang“ kommt?, frage ich. Im breiten bayrischen Dialekt erzählt Stoephasius aus seiner Kindheit: „Wie ich schon ein Bub war mit zwei Jahren, wo ich gerade laufen konnte, bin ich ständig davon gelaufen. Die mussten immer hinter mir her.“ Dabei schmunzelt er und berichtet von seiner Sammelleidenschaft als kleines Kind, von „kleinen Sammelbildchen“, auf denen Kamele zu sehen waren: Die hatten es ihm angetan. Timbuktu war ein Traum für ihn – fremd und exotisch. Später als Schüler über seinen Schulatlas gebeugt, hat er oft die besten Wege nach Afrika gesucht. Per Anhalter oder mit dem Fahrrad. Als Berufstätiger verreiste er sehr oft und machte beispielsweise Kurztrips an Brückentagen.

Doch erst als er mit 60 Jahren pensioniert wurde, konnte er seinen Traum „Timbuktu“ umsetzen. Obwohl, werden eigentlich Träume jemals wahr? Nachdenklich lehnt sich Stoephasius in seinem Stuhl zurück und sagt, das Ziel sei immer da, „aber in Wirklichkeit war der Weg das Ziel, das Unterwegssein“. Das ist das, was ihn am meisten interessiert, auch wenn man irgendwo und irgendwann ankommen will.

Für viele gibt es auf Reisen einen gefürchteten Begleiter, das Heimweh. Stoephasius findet, dass er das im eigentlichen Sinne nicht kenne. Doch auf einmal lacht er verschmitzt und ihm fällt doch noch etwas ein: das berühmte bayrische Pfister-Brot habe er in Amerika oder Südafrika sehr vermisst.

Ein Leben ohne Reisen kann sich der ehemalige Kriminalhauptkommissar nicht vorstellen. Schon im Dienst war er an Brückentagen immer wieder unterwegs. Lange Reisen dauerten damals etwa sechs Wochen. Da schreckten ihn auch keine Warnhinweise vor Bürgerkriegen ab. Er hat sie erst gar nicht gelesen.

Am liebsten ist Stoephasius mit seiner Frau unterwegs. Auf Reisen schätzt er vor allem den unmittelbaren Austausch mit ihr über das, was sie gemeinsam sehen und erleben. Allerdings, plaudert er aus dem Nähkästchen, ist seine Frau weniger stressstabil: „Die wäre bei mehreren Indien-Reisen fast verzweifelt wegen dieser Armut und des Drecks.“ Auf weiteren Reisen hat er darauf Rücksicht genommen und für etwas mehr Komfort für seine Frau gesorgt.

Die Reisen finanziert sich das Ehepaar von der Pension. Kostengünstig übernachten sie auch schon einmal in Hostels oder Pensionen. Die Eigentumswohnung in München ist bereits abbezahlt, das Auto hat das Ehepaar abgeschafft – das spart zusätzlich Geld.

Früher war Stoephasius acht Monate im Jahr auf Reisen, heute sind es noch fünf bis sechs. Etwas wehmütig stellt er fest, dass es „früher viel schöner war“. In den Hostels kamen die Reisenden noch ins Gespräch, tauschten sich aus und gaben einander Tipps. Heute, weiß Stoephasius, ist das oft anders: „Alle wissen alles aus dem Internet, die brauchen nicht mehr deine Erfahrung“, stellt er bedauernd fest. Viel Kommunikation und der Kontakt unter Reisenden geht dabei verloren. „Ich hoffe, dass man wieder einmal ein bisschen dahin zurückkommt“, sagt Stoephasius.

Selbst ein leidenschaftlicher Reisender wie Stoephasius, der 18 oder 19 Jahre seines Lebens unterwegs war, kennt nur einen winzigen Bruchteil des Planeten Erde – der Menschen, der Natur. Noch dazu verändert sich alles ständig. Die Erde ist auch für Stoephasius immer noch ein weißer Fleck.

Was ihn immer wieder drängt aufzubrechen, das ist „in erster Linie die Neugierde auf Menschen und wie Menschen in der Welt ticken.“ Stoephasius richtet sich auf und stützt sich auf dem Tisch ab. Trotz aller kulturellen Unterschiede bestätigt sich für ihn auf Reisen immer wieder neu, dass die Menschen im Prinzip alle gleich sind.

Das Gespräch kann nicht enden ohne diese eine Frage: „Wohin soll Ihre letzte Reise gehen?“ Vielleicht hat Stoephasius sie erwartet, er ist belustigt und antwortet prompt: „Wenn ich unbegrenzt Geld hätte, dann zum Mond. Das ist mein Traum.“ tbs

Seine Reiseerlebnisse hält Wolfgang Stoephasius in seinem Buch „In 70 Jahren um die Welt“ fest. Zusätzlich betreibt der Autor auch noch zwei Blogs:

https://laendersammler.com/

https://insiebzigjahrenumdiewelt.com/

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