Young Press Journalistin Freya hat es beim Blogger Speed Dating herausgefunden

Ein dumpfer Gong unterbricht das konstante Murmeln im Saal. Etwa 60 runde Hochtische stehen in City Cube Berlin in der riesigen Halle auf Level B. Es ist hektisch, laut und große Erwartungen liegen in der Luft. Hier, beim Blogger Speed Dating, treffen etwa 120 Blogger und Aussteller der ITB Berlin auseinander. Der Grund: Sie möchten sich kennenlernen und gemeinsame Kooperationen eingehen. Auch ich mische mich darunter und führe mit den Bloggern siebenminütige Speed Interviews. Die Bloggerin Laura-Lee von „The Travellette“ ist eine der Teilnehmer. Sie bloggt seit 2013, letztes Jahr entschied sie sich, ihren Job zu kündigen. Jetzt ist ihre Arbeitsbezeichnung offiziell „Reisebloggerin“. Nur durchs Bloggen alleine kann sie jedoch noch nicht überleben. Wie viele andere Blogger auch ist sie ebenfalls als Social Media Beraterin tätig. Ganz anders sieht es bei Marianna Hilmer von „Weltenbummlermag“ aus. Sie hat das geschafft, was sich viele Reiseblogger erträumen: Marianna lebt von ihrem Blog. Aber wie genau geht das, Geld verdienen mit dem eigenen Reiseblog?

Wenn Marianna ihr Model der Teilfinanzierung erklärt, hört sich das ganz einfach an. Seit etwa drei Jahren können Sponsoren auf ihrem Blog werben. „Der Sponsor bekommt eine monatliche Präsenz auf meinem Blog, um sich dort in einem Blogpost zu präsentieren“ erörtert Marianna. Dazu kommt ihr indirekter Verdienst durch den Blog; Unternehmen kommen auf sie zu und engagieren sie für Reiseberichte, Fotos oder Videos. Der Blog ist ihr Portfolio, ihre Visitenkarte. Das ist natürlich nicht der einzige Weg, um mit seinem Blog Geld zu verdienen. Eine weit verbreitete Methode ist das sogenannte Affiliate-Marketing. Das bedeutet, ein Blogger empfiehlt ein Produkt auf seinem Blog und verdient eine Provision, wenn der Leser auf den beigefügten Link klickt und das Produkt kauft. Juliet und Janice von „Cruise Sisters“ halten davon jedoch wenig. Sie möchten mit ihrer Meinung unabhängig bleiben und keine Werbung betreiben. Deswegen raten sie jedem Neueinsteiger „nicht direkt mit Werbung einzusteigen. Das kann vieles gleich am Anfang verbauen und es kann passieren, dass andere Firmen dann nicht mehr mit einem zusammenarbeiten möchten.“

Zum Glück ist Affiliate-Marketing nicht die einzige Lösung. Johannes Klaus von den Reisedepeschen sagt, dass Publizieren in eigener Produktion eine weitere gute Geldquelle ist. Ebooks lassen sich einfach erstellen und über Amazon und den eigenen Blog verkaufen. Genau das macht Elke vom „Meerblog“. Abgesehen von gesponserten Beiträgen, finanziert sie ihr Leben auch als Buchautorin im Selbstverlag. Und neuerdings arbeitetet sie sogar mit bekannten Verlagen zusammen; „Ich bin noch zum Stillschweigen verdonnert, aber im Herbst diesen Jahres kommt mein erstes gemeinsames Buch mit weiteren Reisebloggern raus“, berichtet sie ganz aufgeregt. Elke muss also nicht mehr zum Blogger Speed Dating auf der ITB Berlin und um die Gunst der Aussteller werben. Elke ist schon einen Schritt weiter: Ihr „Meerblog“ gehört zu den besten deutschen Reiseblogs. Auf der diesjährigen ITB Berlin gewann sie den ersten Platz in der Kategorie Reiseblog des Jahres 2017.

 

Preisverleihung für den besten Blog des Jahres 2017: erster Platz „Meerblog“ von Elke Weiler

Für viele andere Reiseblogger ist es bis dahin jedoch noch ein weiter Weg. Und die Konkurrenz ist groß. Über 1.200 aktive, deutschsprachige Reiseblogs listet die „Reiseblog Top 50 Lesercharts“ vom „Flocblog“ in 2017. Das sollte einen jedoch nicht entmutigen und nicht zum Aufhören veranlassen. Auch wenn es nicht sofort mit dem Geldverdienen klappt, findet „Travelette“ Laura-Lee. „Die Motivation sollte immer der Spaß an der Sache sein“, ergänzt sie. So sehen es auch Marianna und Johannes: Ein Blog muss immer die große Leidenschaft sein. So banal fing es auch bei Elke an. „Ich schreibe einfach gerne“ sagt sie strahlend. Am Anfang fuhr sie noch zweigleisig und schrieb ihren Blog neben dem Beruf als Journalistin. Sie erzählt, dass sich ihr Reiseblog erst in den letzten Jahren so rasant entwickelt hat und sie mittlerweile nur noch von und für ihren Blog lebt. „Ohne zu große Ansprüche zu haben, lässt es sich gut vom Bloggen leben“ sagt Elke. „Allerdings“, fügt sie hinzu, „ist es nicht wie bei Instagramern und Youtubern – die verdienen wesentlich mehr mit nur einem einzigen Post.“

Die Reisebloggerin Laura-Lee von „The Travellette“ (rechts)

Nicht ans Geldverdienen denken“, das ist Elkes Rat für jeden Blogger, der noch am Anfang seiner Karriere steht. Sie ist der Meinung, dass die Persönlichkeit des Bloggers im Vordergrund stehen sollte. Daraus entwickelt sich dann eine Leserschaft. So ähnlich sehen es auch die „Cruise Sisters“ Juliet und Janice: „Wer anfängt zu bloggen, muss sich überlegen, was er darstellen möchte. Also zum Beispiel Backpacking, Luxus oder Reisen in Südeuropa“, erklären die beiden. Die Leserschaft braucht eine klare Linie, mit der sie sich identifizieren kann. Eine eigene – vielleicht auch ungewöhnliche – Nische finden, das ist also das Eingangstor in die Reisebloggerwelt. Nicht zu unterschätzen ist jedoch der Zeitaufwand, der mit dem Bloggen verbunden ist. Um ein erfolgreicher Reiseblogger zu sein, gehört nämlich nicht nur das Schreiben. „Es ist die Social Media Aktivität, die viel Zeit in Anspruch nimmt“, verrät Elke. Sie erklärt, wer eine große Leserschaft für seinen Blog aufbauen möchte, braucht für jeden Social Media Kanal ein eigenes Konzept.

Die Blogger-Schwestern Janice und Juliet vom Blog „Cruise Sisters“ (von links)

Leserschaft, unter Bloggern auch gerne Follower genannt, das ist das große Zauberwort, um überhaupt von Sponsoren wahrgenommen zu werden. Oder nicht? Marianna und Johannes finden, dass eine gewisse Leserschaft und Bekanntheit des Blogs natürlich von Vorteil ist. Oft machen Firmen eine Ausschreibung, bei der Blogger ihre Follower dazu bringen müssen ihnen den Job zu verschaffen. Viel wichtiger ist jedoch die eigene Persönlichkeit und die Ausrichtung des Blogs. „Das persönliche Profil muss in das Markenprofil der Firma passen“, konkretisieren Marianna und Johannes. Für Laura-Lee sind Follower und die Reichweite des Blogs wichtig, um von den Unternehmen und Sponsoren wahrgenommen zu werden. Sie spricht jetzt immer schneller. „Jedoch ist auch immer Qualität wichtiger als Quantität“, ergänzt sie noch zu ihrer Aussage. Und dann ertönt wieder der Gong. Laura-Lee flitzt zu ihrem nächsten Speed Dating Treffen.

Folgende Blogger habe ich befragt:

Laura-Lee von http://www.thetravellette.com /facebook.com/TheTraveLLette

Marianna von  http://www.weltenbummlermag.de / facebook.com/weltenbummlermag

Johannes von http://www.reisedepeschen.de /facebook.com/reisedepeschen

Juliet und Janice von http://cruise-sisters.de / facebook.com/cruisesisters.de

Elke von http://www.meerblog.de / facebook.com/meerblog

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