„Die Menschen aus der Stadt wissen gar nicht mehr, wie der Sternenhimmel eigentlich aussieht“, sagt Harald Bardenhagen. Er ist Astronom und Leiter der Astronomie- Werkstatt: „Sterne ohne Grenzen“ in der Eifel. “ 60 Prozent der Europäer können die Milchstraße schon jetzt nicht mehr sehen“, konstatiert er auf der ITB Berlin. Grund dafür ist die Lichtverschmutzung. Was ist denn  an Licht problematisch? Tatsächlich eine ganze Menge, denn die unsichtbare Gefahr hat größere Auswirkungen auf die Ökosysteme als man denkt.

Harald Bardenhagen, Astronom und Leiter der Astronomie- Werkstatt: „Sterne ohne Grenzen“ in der Eifel

Passend zum „Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung“ ist das Segment „Astro-Tourismus“ dieses Jahr zum ersten Mal am Stand auf der ITB Berlin vertreten. Bardenhagen erhofft sich  andere Anbieter dazu anzuregen, diesen Bereich zu ihrem bestehenden Touristenangebot hinzu zufügen. Nicht nur, um mit der Faszination des Sternenhimmels zu werben, sondern auch um auf die Schattenseiten des künstlichen Lichts zu verweisen. Heute gibt es immer weniger Orte in Europa, an denen man einen sternenreichen Nachthimmel beobachten kann. Luftmoleküle streuen das Licht der Städte so, dass sie den Himmel in ein gräuliches Mischmasch tauchen. In dem Verlust der Dunkelheit sieht Bardenhagen Risiken für den Menschen. „Der Körper braucht nachts Dunkelheit für die Regeneration der Zellen“, erklärt er. Die innere Uhr, die den menschlichen Stoffwechsel regelt, gerät durcheinander wenn kein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus eingehalten wird. Zu helle Schlafzimmer oder der Blick aufs Smartphone vor dem Einschlafen verstärken diesen Effekt. Am Meisten betroffen vom Wegfall der natürlichen Nacht sind die Tiere. Zugvögel verlieren auf der Reise gen Süden ihre Orientierung. Manche Fledermausarten meiden jegliche Lichtquellen und schränken sich in ihrem Jagdraum selbst ein. „Es gibt viele Beispiele dafür, dass der Mensch in Bezug auf Lichtverschmutzung stark in die ökologischen Systeme eingreift“. Er kann aber auch etwas dafür tun, um dies zu vermeiden. Verantwortliche Beleuchtung ist hier das Schlüssewort. Einfache Gesten wie kein Licht nach oben richten, Licht nur bei Bedarf einschalten oder auf Leuchtkörper mit geringem Blauanteil umzusteigen, können schon etwas Bewirken. Astro-Tourismus ist so ein wichtiger Aspekt, um nachhaltig Natur und Mensch zu schützen. National, wie auch international.

Mariana McGill, Gründerin von „Latin America World“

Mariana McGill ist Gründerin von „Latin America World“. Sie kommt ursprünglich aus Panama. Sternenwanderungen gehören mittlerweile fest zu ihrem Konzept.  Sie bezeichnet den Astro-Tourismus als „special interest tourism“, der auf den Osterinseln genauso gut funktioniere wie in der heimischen Eifel. „Ich traute meinen Augen kaum, als ich so einen klaren Sternenhimmel auch hier in Deutschland sah“, erzählte sie. In Südamerika sei der Himmel fast immer klar und die Galaxien deutlich zu erkennen. Besonders in Chile und Peru können Touristen einen wunderschönen Nachthimmel beobachten. Eine spezielle Ausrüstung brauchen sie dafür nicht. Das bloße Auge genüge.

Ein Blick nach oben, der sich lohnt: Vor allem wenn man etwas sieht, was sonst im Verborgenen bleibt. jfy

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