Die politische Lage zwischen Deutschland und der Türkei ist angespannt. Die Reise des türkischen Außenministers sorgt dementsprechend für Aufruhr. Konfliktgeladene, internationale Politik und buntes Messetreiben – wie passt das zusammen? Unsere Young-Press Journalistin Freya Mohr hat sich auf den Weg gemacht, den Besuch des türkischen Außenministerns auf der ITB Berlin zu begleiten.

Journalistenmassen beim Besuch des türkischen Außenminister auf der ITB Berlin

„Test, Test, Test“, der Tontechniker nimmt noch die letzten Einstellungen für den perfekten Klang vor. Kurze Film-Clips im Hintergrund der Bühne zeigen die Schönheit der Türkei. Ein Dutzend deutsche und türkische Kamerateams stehen schon Spalier vor dem Rednerpult. Etwas Abseits beobachten zwei Polizisten das Geschehen. Aufregung und Spannung liegen in der Luft der Halle 3.2. „Ist er denn schon da“, raunt es durch die Reihen. Ungewissheit mischt sich zu der anfänglichen Nervosität. Wird er denn wirklich kommen? Alle warten auf die Ankunft des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu.

Journalisten rangeln um das beste Foto vom türkischen Außenminister

Für 10:00 Uhr hat er seinen Besuch angekündigt. Es ist schon viertel nach. Die Anspannung in der Halle wächst. Und dann plötzlich – wie hungrige Haie stürzen die Fotografen und Kamerateams in eine Richtung. Umringen einen ältere Herren mit weißen Haaren. Aber der Außenminister ist das nicht, nur der Tourismusminister Nabi Avci. Und während die einen noch den Tourismusminister ablichten, sprinten die anderen schon voraus. 10:30 Uhr, der Außenminister ist da. Gefolgt von seinen Sicherheitsmännern betritt er die Halle. Fotografen drängen sich aneinander, Ellbogen werden ausgefahren, Smartphone-Kameras in die Höhe gereckt – jeder will das beste Foto.

Zusammen bahnen sich der Tourismusminister und der Außenminister den Weg in Richtung Bühne. Als die beiden Minister ihre kurze Ansprache auf Türkisch halten, rangeln die Kameramänner um die beste Position, schubsen herum, verdecken sich gegenseitig die Sicht. „Es ist chaotisch und unkoordiniert, ich bin froh wenn ich hier wieder weg bin“, flucht Oliver Baecker, Kameramann von N24. Sicherheitsmänner versuchen in dem Gewirr den Überblick zu behalten. Zwei Leibwächter weichen dem Außenminister nicht von der Seite, etwa weitere zehn Sicherheitsmänner verteilen sich mit einigen Abstand in der Menschenmasse. Immer zu erkennen an den spiralförmige Headsets, über die sie miteinander in Kontakt bleiben. Einer der Wachmänner flüstert von der Seite: „In der Menge ist die Bewachung echt schwierig.“ Dann zeigt er Richtung Halle 3.1 und 4.2 gleich nebenan: „Dazu kommt, dass die Länder USA und Israel auch ganz nah vor Ort vertreten sind. Das macht es besonders brisant.“

Die Eröffnungsrede: die Journalisten stehen bis in die fünfte Reihe

Nur 15 Minuten dauern die beiden Reden. Direkt im Anschluss starten sie ihre Besuchsrunde zu den einzelnen türkischen Messeständen. Der riesige Pulk aus Kammermännern, Fotografen und Journalisten drängt dem türkischen Außenminister hinterher. Männer im Business-Anzug jagen nach dem besten Selfie mit dem Außenminister im Hintergrund. Einzig eine Frau mit Kopftuch sticht aus dieser reinen Männerrunde heraus. Rund 40 Minuten Zeit nehmen sich die beiden Minister für ihre Tour durch die Halle. Ein kurzer Austausch von handgeschnitzten Schmuck aus Meerschaum am Stand für traditionelles Kunsthandwerk. Ein schneller Händedruck. Als nächstes posiert Mevlüt Cavusoglu vor typisch türkischen Süßigkeiten. Nascht ein bisschen von ihnen, während die Standbetreiber immer mehr Tabletts mit süßen Naschereien auffahren: Baklava, türkischer Honig, klebrige Walnüsse. Mit tropfenden Eis in der Hand, versucht er weiterhin seine professionelle Haltung zu bewahren. „Es ist ein gutes Gefühl, dass er hier ist“, strahlt der Standmitarbeiter Ömercan. Am Stand der Turkish Airlines stehen die Hostessen während seines Besuches besonders gerade; „und schön lächeln sollen wir heute, aber lächeln tun wir eh immer“, erklärt eine der Hostessen.

Der türkische Außenminister probiert typische Süßigkeiten aus seinem Land

Am Ende des Rundgangs steht nochmal eine Rede des türkischen Außenministers. Wieder betritt er die kleine Bühne vor der Leinwand mit den Türkei-Logos. Wieder auf spricht er auf türkisch. „Das Treffen mit Sigmar Gabriel verlief gut“, übersetzt Herr Özgültekin vom Türkeistand. „Gabriel hat versichert, er werde seinen Sommerurlaub in der Türkei verbringen.“ Die ganze Aufruhr zum diesjährigen Besuch des türkischen Außenministers versteht Özgültekin nicht, „eigentlich kommen die beiden fast jedes Jahr an die Messe. Nur dieses Mal ist es ein bisschen besonders, wegen der politischen Situation.“ Plötzlich gibt es doch laute Rufe auf türkisch aus dem Publikum. Auch ein deutscher Journalist stellt jetzt eine Frage über die Sicherheit deutscher Urlauber in der Türkei. Der Außenminister reagiert, als habe er die Frage nicht verstanden. Hartnäckig wiederholt der Journalist seine Frage zur Reisesicherheit und der Angst vor türkischen Gefängnissen. Knapp entgegnet der Außenminister: „Die Reisesicherheit ist gewährt“ und verlässt kurze Zeit später die Bühne und verschwindet nach 90 Minuten Besuch genauso plötzlich, wie er gekommen ist. fmo

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