Bild_RoboterAuf der ITB-Website ist ChihiraKanae bereits unter „Referenten“ aufgeführt und auch während ihrer Präsentation ist ihre Rolle klar: Die humanoide Roboterfrau ist kein Produkt, das vorgestellt wird, sondern auch ein Interviewgast, der sich selbst vorstellt. Das Problem: Die Antworten sind vorprogrammiert, der Roboter reagiert also nicht spontan auf die Fragen. In zehn Jahren könne dies jedoch möglich sein, wirft Hitoshi Tokuda, Chef-Spezialist der Herstellerfirma Toshiba, einen Blick in die Zukunft.

Als Uncanny Valley-Effekt, wörtlich übersetzt „Unheimliches Tal-Effekt“, bezeichnet man das Phänomen, dass wir uns vor Robotern fürchten, die fast, aber eben nicht ganz menschengleich sind. ChihiraKanae hat dieses Problem nicht, weil sie eindeutig als Roboter zu erkennen ist. Zwar bewegt sie beim sprechen ihren Mund, verbeugt sich, blinzelt ab und zu mit den Augen und hebt gestikulierend die Hände. Doch all das macht sie in einer Regelmäßigkeit und Monotonie, die eher an eine Kaffeemaschine als an menschliches Verhalten erinnert. Die Frage auf der Präsentation lautete daher: Was kann die Roboterfrau und wofür ist sie schlicht ungeeignet.

Das größte Problem für Hersteller von Robotern ist nach Einschätzung von Tokuda, dass sie zwar eine Attraktion seien, aber für Services im Tourismus noch nicht besonders nützlich. Besonders in einem Dienstleistungssektor wie der Tourismusindustrie seien sie noch kein „must have“. Zudem übernehmen Roboter manche Nachteile von Computern, wie Hacking und Virenanfälligkeit, und Maschinen, wie Schmutzentwicklung und mechanische Fehler. Tokuda erklärt zwar, ChihiraKanae werde beim Händeschütteln niemandem die Hand zerquetschen, aber dafür „wird sie nach zehn Jahren sehr schmutzig sein, denn sie wäscht sich nicht. Also sollten Sie ihr nach zehn Jahren lieber nicht mehr die Hand geben.“ Ein Blick auf die Produktionskosten zeigt, dass humanoide Roboter von Prototypen abgesehen von einer Marktreife noch weit entfernt sind: „Sie sind sehr teuer und entsprechen ungefähr dem Preis eines Autos, aber das Auto ist ein Lamborghini oder Ferrari“, so Tokuda.

Für eine Massen-Nutzung ist auch die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht groß genug: Nach einer weltweiten Umfrage des Medienunternehmens Travelzoo glaubt 77 Prozent der Befragten zwar, dass Roboter in wenigen Jahren eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen werden, aber 92 Prozent sagen, dass sie an der Hotelrezeption lieber von einem Menschen bedient würden. Dabei wird deutlich, dass die Einsatzmöglichkeiten für Roboter in Serviceberufen stark von deren Aufgabe abhängt: Während Kunden bei Problemen nicht auf die Möglichkeit verzichten wollen, sich an menschliche Ansprechpartner zu wenden, würde ein Roboter zum Beispiel als Hotelportier, der das Gepäck aufs Zimmer befördert, akzeptiert. Entsprechend erklärt auch Hitoshi Tokuda, dass Roboter am besten arbeiten, wenn sie sich in einem klar abgesteckten Gebiet bewegen. Dann hat ihre Arbeit einige Vorteile: Sie können Fragen von Touristen mehrsprachig beantworten und zu jeder Tages- und Nachtzeit auch unangenehme oder monotone Arbeiten erledigen, ohne müde zu werden. Außerdem „können Sie ihr dumme Fragen stellen, ohne sich schämen zu müssen“, erklärt Tokuda. fep

 

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