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Nachhaltiger Tourismus: Ein Gespräch mit Marco Giraldo, Geschäftsführer von TourCert

Der Ruf nach nachhaltigem Tourismus wird immer lauter. Fast jedem dritten Deutschen ist die ökologische Verträglichkeit seiner Urlaubsreisen wichtig, wie eine Studie für das Bundesumweltministerium kürzlich herausfand. Knapp die Hälfte der Deutschen hält es für wichtig, dass sich Reiseveranstalter für Nachhaltigkeit engagieren. Doch zwischen dem Wunsch nach nachhaltigen Reisen und ihrer Umsetzung gibt es eine große Diskrepanz. Dies ist unter anderen mit dem Fehlen von Informationen und klaren Zertifizerungen begründet, weiß auch Marco Giraldo, Geschäftsführer der Tourismus-Beratungsgesellschaft TourCert. Seit rund sieben Jahren berät und zertifiziert er Reiseveranstalter, Reisebüros, Unterkünfte und Urlaubsregionen im Bereich Coporate Social Responsibility und nachhaltiger Tourismus.  

Ein weiteres Problem sei zudem die fehlende Klarheit, was genau Nachhaltigkeit bedeutet. Die meisten Deutschen brächten Nachhaltigkeit in Verbindung mit Umweltschutz, doch Nachhaltigkeit bedeutet der Einklang von Ökologie, Sozialem und Ökonomie. Neben dem Umweltschutz zählen also soziale Aspekte wie die Einhaltung der Menschenrechte und auch ökonomische Faktoren dazu. Tourismus muss sich bei allen guten Vorgaben auch rentieren.

Doch obwohl viele Touristen nachhaltiges Reisen für wichtig empfänden, treten sie in den Augen von Giraldo zu wenig dafür ein. „Die Reisenden selbst müssen es verstärkt einfordern.“ Denn je öfter Reiseveranstalter oder Hotels von ihren Kunden auf Nachhaltigkeit angesprochen würden, desto höher wäre die Chance, dass sie beginnen sich zu engagieren. Zudem sei es ein großes Problem, dass viele Unternehmen nur kurzfristig dächten und schnelle Erfolge erzielen wollten. Daher werden viele Initiativen nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Doch Nachhaltigkeit funktioniere nur langfristig und viele Erfolge von nachhaltigem Wirtschaften zeigten sich erst auf lange Sicht und nicht schon nach wenigen Jahren.

Zudem sei der Gesetzgeber gefragt, denn bisher müssen Reiseveranstalter und Hotels nachhaltige Standards nur freiwillig einhalten. „Der Gesetzgeber muss klare Vorgaben machen“, fordert Giraldo. Die Zahlen geben ihm recht. Nur etwa fünf Prozent der Anbieter im Beherbungsbereich sind als nachhaltig zertifiziert, bei Reiseveranstaltern und Reisebüros liegt der Wert noch deutlich darunter.  

Dabei kann Nachhhaltigkeit schon im Kleinen anfangen. Der Kellner im Restaurant in Baden-Württemberg beispielsweise könnte statt einem kalifornischen Wein, einen Wein aus der lokalen Umgebung empfehlen. Auf den Shampooflaschen im Hotel könnte freundlich bemerkt sein, dass das Wasser beim Einseifen ausgeschaltet werden sollte. „Das ist wie mit einem tollen Schuh. Der braucht auch hin und wieder Pflege, damit man lange was von ihm hat“, erklärt Giraldo. So benötigt auch der Tourismus ein nachhaltiges Konzept und Pflege, damit Strände auf der ganzen Welt schön und müllfrei bleiben, damit die Menschen in den Urlaubsdestinationen auch vom Tourismus in ihrer Region profitieren und damit die Tier- und Naturwelt erhalten bleibt.

mlp

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