Gebräunte Haut, sonnengebleichte Haare und salzige Lippen. Im Hintergund weißer Sand und hohe Wellen. Hier könnte das perfekte Instagram-Selfie entstehen. Vielleicht auch ein Grund, weshalb Jugendreisen zum Surfen rund um die Welt gerade so beliebt sind.

Das Wort Jugendreise lässt bei vielen Eltern und Kindern die Alarmglocken läuten. „Sind die Reiseleiter dazu da, um aufzupassen, oder um Alkohol auszuschenken?“ fragen sich Mütter und „Bin ich wirklich so pubertär, dass ich in ein Erziehungscamp muss?“ fragen sich Töchter. Und die elterlichen Sorgen sind berechtigt, denn viele Feriencamps sind überlastet. Zu große Camps und zu wenig Arbeitskräfte. „Die Betreuer sitzen dann im Büro und haben keine Zeit mehr, sich um die Jugendlichen zu kümmern.“ sagt Helge Maul aus dem Vorstand des Reisenetz E.V.

Ob die eskalative oder die pädagogische – beide Seiten des Reisens für Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren sind nicht besonders attraktiv. Aber da gibt es auch etwas dazwischen.

Aktiv-Reisen nennt sich die Sparte, die auf der Reisemesse ITB von fast jedem Aussteller für Jugendreisen empfohlen wird. Für eine Woche soll durch gemeinsame sportliche Aktivitäten ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt herrschen. Es werden Abenteuer prophezeit. Und das nicht nur in einer Jugendherberge in Brandenburg, sondern auch am Strand, unter Palmen. Wenn Preis und Verpflegung stimmen, kommt das Kriterium „Strand“ als drittwichtigstes, bei der Entscheidung der Jugendlichen, wohin es gehen soll (Ruf Young Traveler Kompass 2016).

Aktiv-Reisen zielen auf ein Erlebnis ab, denn Jugendliche wollen mehr als nur Sightseeing und Sex-on-the-Beach. „Solche Reisen sind für die Jugendlichen Erinnerungswerte“, sagt Jessica Quander von Herolé Reisen, einem Anbieter für besondere Klassenfahrten. Erinnerungswerte, mit denen man in der heutigen Zeit gerne prahlt, besonders auf dem Netzwerk Instagram. Inzwischen nutzen 68 Prozent der Jugendlichen auf Reisen das Foto-Portal täglich, vor zwei Jahren waren es nur halb so viele. Besonders der Hashtag #surfing mit über vier Millionen Beiträgen hat es der Community angetan. Das haben nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Reiseveranstalter mitbekommen und ihr Angebot angepasst.

RUF Reisen bietet seit Anfang des Jahres eine Fernreise nach Sri-Lanka an. Dort können die Jugendlichen mit Begleitung zweier Reiseleiter nicht nur Elefanten-, sondern auch Wellenreiten. Sie lernen eine ferne Kultur und kulinarische Spezialitäten kennen und sind endlich einmal wirklich weit weg von Zuhause. Obwohl die klassischen Party-Touren nach Spanien immer noch sehr gefragt sind, sind die Reisen nach Sri Lanka schon jetzt fast ausgebucht. Die RUF Angebote der „USA Traumreise“ von der West- bis zur Ostküste und die Fernreise nach Japan in eine Welt voller Mangas sind, neben den zahlreichen Angeboten der Städtetrips innerhalb von Europa, auch sehr gefragt. Ein breites Spektrum an Aktiv-Reisen bietet auch GO Jugendreisen an, wie Kajaking in Italien, Klettern in den Pyrenäen und Schnorcheln in Kroatien. Besonders beliebt ist die Atlantik Küste, dort gibt es ein großes Angebot an Surfcamps. „Es reicht allerdings nicht mehr, nur ein Zelt hinzustellen und eine Isomatte auszurollen. Es muss Komfort da sein und Abwechslung geboten werden.“ sagt Jörg Daase am Stand von GOJugendreisen.

Aber auch die deutschen Jugendherbergen sind wieder im Trend, so Helge Maul. Der Standard steigt und inzwischen gibt es kaum noch Mehrbettzimmer oder Bäder auf dem Gang. Außerdem ist eine Jugendherberge schon lange nicht mehr nur bloße Übernachtungsmöglichkeit. Es wird dort mit Erlebnis- und Tourguides zusammegearbeitet, so dass einem nicht nur die weiche Bettdecke, sondern auch das Reiseerlebnis in bester Erinnerung bleibt. Die Jugendherberge Breisach im Elsass zum Beispiel bietet eine sieben-tägige Radtour rund um den Schwarzwald an, bei der man ganz nebenbei auch noch seine Muskeln trainieren kann. Deutsche Jugendherbergen sind also nicht nur wieder sexy, sondern machen auch wieder sexy.

Reichlich Abwechslung, genug Komfort, strahlende Sonne, blaues Meer, ein ausgefallener Sport, gutes Essen. Die Generation ist anspruchsvoll. Sie weiß, dass „cool sein“ nicht mehr bedeutet Party bis ins Morgengrauen zu machen, sondern das Morgengrauen zu fotografieren und einen Instagram-Filter rüberzulegen. Davon profitieren dann nicht nur die Jugendlichen, sondern auch ihre Eltern, die durch Instagram ganz sicher sein können, dass ihre Schützlinge gut aufgehoben sind. caw

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