Der 5. Tag des barrierefreien Tourismus auf der ITB

„Barrierefreiheit ist keine Frage einer einzelnen Zielgruppe, sondern betrifft jeden.“

„Inklusion bedeutet: Alles für alle.“

„Wenn man vor Jahren gesagt hätte, wir machen eine Kunstausstellung für Blinde, für Sehbehinderte, hätte man zu hören bekommen ‚Was soll das?‘“ – „Das kriegst du heute auch noch zu hören.“

(Stimmen körperlich eingeschränkter Besucher auf der ITB.)

Die Veranstaltungen vom Tag des barrierefreien Tourismus findet in einem großen Raum statt, eine Rampe führt im flachen Winkel auf die Bühne. Es gibt freie Flächen für Rollstühle. Zwei Gebärdendolmetscher übersetzen abwechselnd die Begrüßungsworte von Iris Gleicke, der Beauftragten der Bundesregierung für Mittelstand und Tourismus. Zeitgleich erscheinen die Worte in vereinfachter Form auf einer zwei mal zwei Meter großen Leinwand. In einer Kabine am Eingang des Saals übersetzen zwei junge Damen über Headsets jedes Wort. Wohin man sieht: Barrierefreiheit. 

2002 trat das Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft. Seitdem ist viel passiert. Ein solider Anfang sei gemacht, darin sind sich die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion Im City Cube einig. Der barrierefreie Tourismus bietet inzwischen rund 900.000 Arbeitsplätze und erwirtschaftet momentan über fünf Millionen Euro. Argumente, die „selbst das größte Brett vorm Kopf lösen sollten“, so Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Sie ist selbst blind. In nur zwanzig Jahren sei ein Drittel der Bevölkerung voraussichtlich auf Barrierefreiheit angewiesen. Davon dreißig Prozent durch eine Behinderung, ganze siebzig Prozent aus Altersgründen. Die barrierefreien Angebote für Touristen seien deshalb vielfältiger geworden. In Soest, einer nordrheinwestfälischen Kleinstadt, die aufgrund von ihren Pflastersteinen bisher schwer zugänglich war, gibt es jetzt zum Beispiel eine Navigationshilfe für Sehbehinderte. Mit einer kostenfreien App können diese Busse in der Stadt identifizieren und schon auf dem Handy ihren Haltewunsch angeben, der an den Bordcomputer des Busses weitergegeben wird. Daneben gibt es barrierefreie Websites, auf denen Sehbehinderte sich den Text vorlesen lassen können, Kunst zum Tasten und Hebebühnen oder Fahrstühle an touristisch wichtigen Orten.

Wie das Ganze in der Praxis aussieht, lässt sich auch gut vor Ort auf der ITB beobachten. Auf der Messewebsite findet man bei „Anreise“ einen Link zur barrierefreien Verkehrsmöglichkeiten und auch auf dem Messegelände gibt es Fahrstühle mit Blindenschrift, Rolltreppen und stufenfreie Gänge. Die Messe bietet zudem einen speziellen Lageplan für Rollstuhlfahrer mit Fahrstühlen oder Wegen ohne Ebenenwechsel. An allen Infoständen bekommen körperlich eingeschränkte Messebesucher Informationen zu ihren Möglichkeiten. Die einzelnen Stände jedoch sind teilweise noch nicht auf Barrierefreiheit ausgerichtet. Viele Stände haben immer noch Hochtische oder Theken für die Beratung. „Gerade im Messebereich wäre es wichtig, eine individuellere Betreuung zu bekommen, um Barrierefreiheit zu garantieren“, erklärt Verena Bentele, die Bundesbehindertenbeauftragte. Zum Thema Barrierefreiheit im Tourismus sei noch viel Luft nach oben, die es auszuschöpfen gelte. Denn „der demografische Wandel wird uns einholen“, weiß auch Carolin Ruh, Geschäftsführerin vom Tourismusmarketing Niedersachsen.

alb

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