Kugelschreiber sagen, abgesehen von einem aufgedruckten Logo, wenig über ein Land aus. Aber wer ein bisschen die Augen offen hält, der findet auch auf einer Kugelschreiber-lastigen Messe wie der ITB Giveaways, die eine Geschichte erzählen.

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Malaysia: Nutmeg-Sweets

Ein süßlich beißender Geruch liegt in der Luft, am Stand von Malaysia. Er kommt von den kleinen gelben Streifen in den Plastikdöschen, die einem beim Vorbeigehen in die Hand gedrückt werden. Sie sehen aus wie gezuckerter Ingwer, doch es ist Nutmeg. Jeder, der nicht weiß, was Nutmeg ist, weiß es spätestens nach dem ersten Probieren. Dieser Geschmack ist unverkennbar: Muskatnuss! Sehr süß und sehr gewöhnungsbedürftig. In Malaysia wird Muskat in allen Variationen gegessen: Muskat-Bonbons, Muskat-Tee, Muskat-Saft, Muskat-Wasimmermanwill. Man sollte allerdings nicht zu viel wollen und auch nicht den ganzen Becher alleine essen, denn Muskat enthält halluzinogene Wirkstoffe. Bei zu hohem Konsum wirken diese wie Ecstasy. Vielleicht sind die Malayen am Stand ja deswegen immer so super drauf.

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Kasachstan: Filz-Blume

Ein Haus, das man beim Umzug einfach einpackt und auf dem Pferd transportiert. Für Aigul aus Kasachstan ist das nichts besonderes. Sie stammt von den Nomaden ab, die wegen ihrer Tiere ständig weiterwandern. Filz ist für die Nomaden ein Produkt, das ihnen nicht ausgeht, deshalb stellen sie auch fast alles daraus her. Nicht nur ihre Inneneinrichtung, sondern auch ihre Häuser. Sie wickeln den Filz um Holzstangen und spannen ihn als Dach von einer Seite zur anderen. Ziehen sie weiter, falten sie den Filzteppich einfach zusammen und ziehen ihn am nächsten Ort wieder hoch. Der Stoff wirkt wie eine Thermoflasche – bei Kälte wärmt er, bei Hitze kühlt er. Am Stand für Kasachstan filzt Aigul ausnahmsweise mal kein Haus, aber dafür eine schöne Blume, die man sich als Andenken an die Nomaden mitnehmen darf.

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Südkorea: Gaksi-Maske

Es war einmal ein kleines Mädchen im Hahoe-Dorf in Südkorea. Als sie 17 war, starb ihr Mann und kurz darauf auch das Mädchen selbst. Ihr Geist jedoch ist bis heute am Leben und beschützt seit jeher das Dorf und all seine Bewohner. Zu Ehren des kleinen Mädchens hängt an jeder Haustür in Hahoe eine Maske, die böse Geister vertreibt. Die Gaksi-Maske.“ Die Südkoreanerin Cho-Rong erzählt diese Legende gerne, während Besucher kleine Holzmasken, die auf dem Tisch liegen, selber anmalen dürfen. In echt sind die Masken größer, aus robustem Holz und werden von Hand geschnitzt. Die Künstler achten darauf, dass jede Gaksi-Maske kleine, zugekniffene Augen und einen schmalen Mund bekommt. Diese Gesichtszüge stehen sinnbildlich für den Charakter des Mädchens: Zurückhaltend und ruhig. Attribute, die in Südkorea sehr geschätzt werden.

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Indien: Mehendi-Tattoo

Goldene Armreifen, gemustertes Gewand, schwarzer Kayal und eine kleine Tube mit brauner Paste in der Hand. So sitzt die Inderin Nimisha am Stand von Indien und begrüßt ein Mädchen nach dem anderen, die sich Henna-Tattoos von ihr machen lassen wollen. Kunstvoll lässt Nimisha innerhalb von Sekunden ein Mehendi, wie die Tattoos ursprünglich genannt wurden, auf den Händen der Mädchen entstehen. In Indien tragen Frauen diese zu wichtigen Anlässen wie Hochzeit oder Geburt auf beiden Händen und Füßen. Es ist eine Tradition, die Glück bringen soll. Bei Hochzeiten ist das Henna-Tattoo der Bräute besonders groß, denn jede Form und jedes Muster hat eine Bedeutung, und das alles muss auf den Körpern untergebracht werden. Blumen zum Beispiel stehen für Glück und das „V“ für Schönheit. In manchen Städten in Indien bekommen auch Männer zu Hochzeiten Mehendis aufgemalt, aber das ist eher selten. Die Muster sind für sie zu feminin. „Meine zwei kleinen Söhne wollen oft auch Henna-Tattoos, aber nicht sowas mädchenhaftes. Deshalb male ich ihnen ab und zu eine Henna-Rakete auf die Arme, dann sind sie zufrieden.“, erzählt Nimisha, bevor sie sich wieder ganz ihren Mehendis widmet.

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Zypern: Halloumi-Korb

Wenn man es weiß, erscheint es ganz logisch, wenn nicht, rätselt man sehr lange herum. So lange, bis Kemal aus Zypern im gebrochenen Englisch erklärt, wozu die grünen Körbchen, die er den ganzen Tag flechtet, gut sind. Sie sehen zwar schön aus, sind aber keine Deko, sondern eine Kochutensilie. Aus langen, festen Grashalmen, die wörtlich übersetzt „Spagetthi-Gras“ heißen, werden sie zusammengebunden. Nudeln stellt man mit den Körben allerdings nicht her – sondern Käse. Milch und Joghurt werden in einen solchen Korb gekippt, die Flüssigkeit fließt durch die Lücken heraus und das, was in dem Korb übrig bleibt, ist Halloumi. Die besondere Würze des Grillkäses entsteht auch dadurch, dass der Geschmack des „Spagetthi-Gras“ vom Käse angenommen wird. Die Körbe sind also ein natürlicher Filter, geben Würze und sind ganz typisch für Zypern und sein kulinarisches Angebot. caw

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