Terroraschläge wie in Paris, Istanbul oder Hurghada verunsichern deutsche Urlauber. Viele fragen sich, wo sie noch gefahrlos hinreisen können. Die diesjährige Reisemesse ITB reagiert darauf mit Podiumsdiskussionen und Gesprächsrunden.  Denn „Sicherheit ist für die Tourismus-Branche von allerhöhster Priorität“, versichert der Präsident des Deutchen Reiseverbands Norbert  Fiebig. Der Verband befindet sich rund um die Uhr in engem Austausch mit dem Auswärtigen Amt, um im Zweifelsfall schnell reagieren zu können. Der DRV ist sogar überzeugt, dass kaum eine Branche so ein gutes Krisen- und Sicherheitsmanagement hat wie die Reisebranche.

Die Deutschen sind weiterhin unangefochten Reiseweltmeister. Durchschnittlich 20 Tage verbringen sie pro Jahr auf Reisen. Doch Terror, politische Krisen oder Naturkatastrophen beeinflussen die Wahl des Urlaubsziels und verändern das Ranking der bisher beliebtesten Reiseländer. Aktuell bekommen das vor allem die Türkei, Ägypten und Tunesien zu spüren, die teilweise einen Buchungsrückgang von bis zu 40% verzeichnen. Die Türkei, letztes Jahr noch auf dem dritten Platz der Lieblingsurlaubsländer der Deutschen mit mehr als fünf Millionen deutschen Touristen, wurde zum Jahresanfang nur von wenigen Touristen gebucht. Ein herber Schlag für die Türkei. Die Toursimusbranche ist mit einem Anteil von etwa 10% am Bruttoinlandsprodukt ein wichtiges Standbein der türkischen Wirtschaft. Veranstalter erhoffen sich trotz der Einbrüche eine starke Spätbucherphase in diesem Jahr. Ähnlich sehen dies die Reiseveranstalter in Ägypten und Tunesien, die stets behaupten, ihre Länder seien sicher. Das Auswärtige Amt sieht das anders und hat beispielsweise für Ägypten eine Teilreisewarnung ausgesprochen. Doch die Reisebranche konnte schon oft beobachten, wie nach Anschlägen oder anderen Katastrophen die Buchungen schlagartig zurückgingen, sich aber auch relativ schnell wieder erholten, sobald sich die Situation beruhigte. So haben sich nach Angaben des DRV beispielweise die Paris-Buchungen bereits wieder stabilisiert.

Doch auch in unruhigen Zeiten lassen sich die Deutschen ihren Urlaub nicht nehmen. Deshalb gibt es neben den Verlierern auch aktuelle Gewinner. Zu diesen zählen vor allem Spanien, Italien, Portugal aber auch Bulgarien, da Urlauber auf diese Reiseziele ausweichen. So sei es bespielsweise jetzt schon kaum noch möglich in den Sommerferien Zimmer am Gardasee zu bekommen, so der DRV. Auch Deutschland, traditionell das liebste Reiseland der Deutschen, profitiert und konnte einen deutlichen Anstieg der Buchungen zum Jahresanfang verzeichnen.

Auch die vielen Flüchtlinge, die sich aktuell in oder auf dem Weg nach Europa befinden, haben Auswirkungen auf die Reisebranche. Vor allem das Urlaubsziel Griechenland ist direkt betroffen. Auf den griechischen Inseln kommen täglich viele Menschen an und wollen weiter nach Europa. Zwar gehört Griechenland nicht zu den aktuellen Verlierern der Branche und konnte im Vergleich zum Vorjahr fast konstante Buchungen für den Jahresanfang verzeichnen, doch die griechischen Reiseveranstalter bemerken bereits eine leichte Verschiebung der Urlaubsbuchungen. So erfreuen sich vor allem die ionischen Inseln an der griechischen Westküste großer Beliebtheit, da diese nicht auf der Route der Flüchtlinge liegen. Trotzdem würden viele Touristen, vor allem Stammgäste, dennoch auch auf andere griechische Inseln wie zum Beispiel Lesbos fahren, „um die dortlebenden Griechen und ihren Tourismus vor Ort zu unterstützen“, so schätzt es eine griechische Reiseveranstalterin ein.

Eine große Sorge des Deutschen Reiseverbands ist die poltische Lage in Europa und die zunehmenden Grenzschließungen. „Wir sollten uns das hohe Gut der Reisefreiheit nicht nehmen lassen“, warnt der Präsident des Deutschen Reiseverbands Norbert Fiebig eindringlich.

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