Gut gebaut, braungebrannt, intelligent: Ben 27 hat alles, was er braucht.

Gut gebaut, braungebrannt, intelligent: Ben 27 hat alles, was er braucht.

Reisen für Lesben und Schwule boomen, das liegt nicht zuletzt an Aushängeschildern wie Ben.

Da steht Ben. Ein muskulöser junger Mann in weißem Tanktop und mit Silberkettchen. Er geht auf einem grell pinken Teppich vor einer Fotowand auf und ab und hält zwei Zeitschriften hoch. Erst beim zweiten Blick sieht man, dass es sein Gesicht ist, das nicht nur riesig auf der Leinwand hinter ihm abgedruckt ist, sondern auch auf den Magazinen, die er in der Hand hält. Er wird ständig fotografiert. Vier Bens in einem Bild.

Ben steht am Stand von Spartacus World, einem Portal für Reisen für homosexuelle Männer. Immer wieder kommen Besucher der Messe zum Stand, stellen sich neben ihn und posieren mit ihm, bis ein Foto ihren Ansprüchen genügt. Ben ist dabei gelassen, obwohl er heute noch einen anstrengenden Tag vor sich hat. Nicht nur, dass er zehn Stunden gut aussehen muss, er fliegt am Abend auch noch wieder zurück nach Zürich, wo er seit Kurzem lebt.

Man würde es nicht vermuten, aber das Selfmade-Model mit über 42000 Instagram-Followern und dem Lieblings-Hashtag #absmuskel läuft nicht immer im engen Tanktop herum. In seinem wahren Leben ist er Anzugträger und arbeitet als Sales- und Marketing-Manager bei einer Fluggesellschaft. Seine Homosexualität, die gerade durch Jobs wie diesen, als Standmodel auf der Reisemesse ITB sehr an die Öffentlichkeit getragen wird, hat ihm bei seinem Beruf noch nie Probleme bereitet. „Wenn mein Arbeitgeber mir Probleme wegen meiner sexuellen Orientierung machen würde, dann wäre es einfach nicht das Richtige für mich.“

Als Mitarbeiter einer Fluggesellschaft kennt sich Ben in der Tourismusbranche aus, trotzdem ist es sein erstes Mal auf der ITB und, unerwarteterweise, auch sein erstes Mal als angestelltes Model. Beruflich möchte er sich nicht weiter in diese Richtung entwickeln. „Ich mache das Modeln für die Schwulenbranche wirklich nur zum Spaß, mein eigentlicher Job ist und bleibt ein anderer.“

Seit 2010 ist das Segment der „Gay and Lesbian Travels“ auf der ITB vertreten und die Nachfrage wächst stetig an. Ben selbst hat noch nie an einer organisierten Reise für Schwule und Lesben teilgenommen, er plant lieber auf eigene Faust. Am liebsten reist der Marketing-Manager nach Spanien, denn dort gibt es eine große Schwulenszene und die besten Partys. Allgemein sind Schwulen-Partys besser als normale, findet Ben. „Wir feiern einfach besser als die Heten“. Zuletzt war er auf Mykonos beim „XLsior-Festival“, einem in der Szene bekannten Schwulen-Festival, auf dem er nicht nur seinen Exfreund, sondern auch seinen jetzigen Freund kennengelernt hat. Dieser ist Fitness-Model und auf Instagram posiert das sehr anschauliche Pärchen gerne in der Abendsonne von Zürich. Private Informationen teilt Ben offen mit Fremden, und auch, dass sein Freund genervt von seiner Ungeduld ist. „Man Ben, das hat doch noch Zeit, das kann man doch noch morgen machen“, äfft Ben seinen Freund in einem sehr weiblich klingenden Tonfall nach und blickt dabei hinab auf den pinken Teppich. Ein glatzköpfiger Mann im Anzug betritt den Stand und möchte ein Foto mit Ben. Ben lächelt in die Kamera, der Mann lächelt in die Kamera, und der pinke Teppich spiegelt sich nicht nur auf dem polierten Kopf des Mannes, sondern auch auf den schneeweißen Zähnen von Ben. caw

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