Zum diesjährigen Partnerland der ITB ist es ein weiter Weg: knapp 700km südöstlich der Südspitze Indiens liegt die Republik Malediven, ein Inselstaat aus mehr als 1.100 Inseln auf 26 natürlichen Atollen. 90.000km² misst er und ist damit etwa doppelt so groß wie Niedersachsen. 99% dieser Fläche sind Wasser. Das macht die Malediven besonders gefährdet im Hinblick auf den globalen Klimawandel.

Da der Tourismus in den Malediven immer wichtiger wird und bereits ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, erhoffen sich alle Beteiligten durch den Auftritt auf der Messe, dass der Tourismus auf den Malediven nachhaltig gefördert wird. Als Partnerland der ITB bekommt der Inselstaat auch besondere Aufmerksamkeit: Seine Vertreter waren bei der Eröffnung der weltweit führenden Tourismusmesse anwesend, auf allen Plakaten, Flyern und Internetauftritten der ITB werden die Malediven besonders erwähnt, an den Infoständen liegen die Werbebroschüren der Malediven groß aus. Dadurch werden auch die rund 6.000 Journalisten aufmerksam und nehmen das Partnerland oft in Artikel über die Messe auf. Wie viel sich die Staaten diese Privilegien kosten lassen, erfahren wir nicht. Langfristig gesehen scheint sich diese vermutlich nicht geringe Investition aber auszuzahlen. Der Vizeminister für Tourismus des ehemaligen Partnerlandes Indonesien, Sapta Nirwandar, ist sicher, dass rund zwei Milliarden Dollar des Umsatzes der Tourismuswirtschaft seit 2013 direkt auf den damaligen Auftritt als Partnerland zurückzuführen sind.

Der Prozess, durch den die Malediven das Partnerland der ITB wurden und von diesem Nutzen profitieren konnten, begann schon 2011. Kriterien für die Auswahl sind laut Messeleitung „ein schlüssiges Konzept für die Selbstdarstellung des Landes und eine gelungene langfristige Messestrategie“. Die Bewerbung sei ganz formlos: Wenn Interesse besteht, nimmt der Staat Kontakt mit den Organisatoren der ITB auf und wenig später setzen sich Vertreter beider Seiten zusammen und das Konzept wird vorgelegt. Aktuelle politische und soziale Verhältnisse spielen für die Auswahl keine Rolle. „Wir möchten dafür sorgen, dass unsere Aussteller sich präsentieren, wie sie es für richtige halten, da der Tourismus in allen Ländern eine große Bedeutung spielt“, sagt Astrid Zand, die Pressesprecherin der ITB Berlin. „Neutralität bedeutet dabei, dass wir wirtschaftliche oder politische Vorgänge in unseren Partnerländern nicht kommentieren.“

Denn es gab außerhalb der ITB und ihres Fachrates Kritik an der Wahl, da das Land zum Zeitpunkt der Entscheidung eine als unsicher bezeichnete Regierung hatte. Aber diese Probleme würden sich in absehbarer Zeit lösen, so Moosa Zameer Hassan, stellvertretener Generaldirektor des maledivischen Tourismusministeriums. „Die Malediven können es sich nicht leisten, hinter den weltweiten Standards zu bleiben, ökonomisch wie sozial.“ Der Inselstaat sieht sich sogar als Vorreiter im nachhaltigen Tourismus. Bereits 1987 habe er als erster Staat weltweit die Gefahren des globalen Klimawandels erkannt habe. Ein Problem, das die Malediven besonders trifft, denn der größte Teil der Inseln liegt nur knapp einen Meter über dem Meeresspiegel.

Daher wird hier in erneuerbare Energien und nachhaltigen Tourismus investiert – auch von Ausländern. Eine der Investorinnen und Unternehmerinnen auf den Malediven ist Ruth Franklin. Mit ihrer Agentur fördert die gebürtige Britin vor allem die soziale Nachhaltigkeit auf den Malediven, indem sie Touristen und Einwohner im Alltag zusammenbringt. So sehen Touristen nicht nur die Resorts, sondern können auch die Kultur und Tradition der Inselbewohner kennenlernen. Traditionen wie die Tanzaufführung mit lautem Geschrei und Trommeln oder die Kluften und Kostüme, die rund um den Stand der Malediven in der Messehalle 4.2 an den fünf Messetagen zu finden sind. alb

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