100_7442Popcorn-Duft liegt in der Luft, Kinder halten gelbe und blaue Luftballons in den Händen und Eltern entspannen auf orangenen Liegestühlen. Es ist Mittagszeit auf der ITB und dieses Wochenende öffnen sich erstmals die Tore für Privatbesucher. In der Kinder- und Jugendhalle gibt es für die kleinen Besucher viel zu entdecken. Direkt neben dem Eingang befindet sich der Stand von Radio Teddy. Hier werden sie mit einer Mischung aus Kinderliedern und der besten Musik von heute beschallt. Auf bunten Puzzleteppichen stehen kleine blaue Stühle und Tische. Auf den Tischen befinden sich Buntstifte und Papier zum Malen. Die ersten Plätze sind bereits besetzt.

Der größere Andrang herrscht jedoch gegenüber. Eine professionelle Theater-Maskenbildnerin bemalt die Gesichter der Besucher. „Die Jungen wollen alle Löwen oder Spiderman sein, den Mädchen ist es egal, Hauptsache Glitzer“, sagt Inge Holzmann vom Österreichischen Jugendherbergswerk. Innerhalb von drei Stunden wurden schon mehr als 20 Kinder geschminkt. Darunter sind auch einige Wiederholungstäter, die jedes Jahr an den Stand zurückkehren. Sie haben genaue Vorstellungen, nach denen das Fotobuch durchgeblättert und eine Vorlage ausgewählt wird. Annika und Sophie, beide 11 Jahre alt: „Das halbe Gesicht bemalen reicht, am liebsten mit Blumen!“ Doch nicht alle sind zufrieden. Caio, 8 Jahre alt, wäre am liebsten ein Gepard gewesen, doch den gab es nicht. Eine Notlösung musste her und es sollte ein Tier sein, das weit springen kann. „Jetzt bin ich halt ein Tiger“, sagt er mit gesenktem Blick. Nicht nur die Jüngeren sind vom Schminken angetan. Viele Jugendliche warten ungeduldig in der Schlange.

Sport und Action gibt es bei Globetrotter. Auf einer schmalen, orange bemalten Kletterwand klettern jeweils zwei Kinder um die Wette. Die Wand reicht bis unter die Hallendecke. Am Ende gibt es zur Belohnung Gummibärchen oder Bonbons. Daneben können die Jugendlichen zeigen, was in ihnen steckt. Ein riesiger quadratischer Hochseilgarten auf einer grünen Fläche, umgeben von Pflanzen, Zelten und Lagerfeuer fordert die Kräfte der jungen Erwachsenen. In der Höhe müssen sie über frei schwingende Stufen, Seile und Hängebrücken auf die gegenüberliegende Seite gelangen. Immer wieder hört man Freuden- und Verzweiflungsrufe der jungen Besucher, je nachdem wo sie sich befinden. Freunde und Familien feuern sie mit Motivationssprüchen an. Neben dem Hochseilgarten bietet Globetrotter weitere Angebote, wie Flaschenwerfen und in einem kleinen runden Sandkasten nach verborgenen Schätzen suchen.

Der Gleichgewichtssinn wird bei Camp Adventure auf die Probe gestellt. Ein Vater und sein Sohn Micha stellen sich der Herausforderung auf einem Seil zu balancieren. Der Papa schafft es ohne Probleme, Micha schaut voller Stolz zu ihm auf. „Das will ich auch schaffen!“ Irgendwie will es nicht so klappen, bis der Papa den fünfjährigen Micha an die Hand nimmt. Am Ende steigt Micha vom Seil und lässt sich erschöpft auf der Liege nebenan nieder. Dort finden zu jeder vollen Stunde Zaubershows statt, die in einer kleinen Holzhütte für maximal 20 Personen vorgeführt werden. Die Hütte ist mit wärmenden Tierfellen ausgelegt.

Ein Haus füllt sich mit Rauch, nebenan steht eine große Figur in Feuerwehruniform. Die Familien bleiben stehen und gucken interessiert, schicken ihre Kinder zu den Ausstellern von „KiEZ Frauensee“. Das Haus ist ein wenig größer als ein Puppenhaus und zeigt den Kindern, wie sie sich im Brandfall verhalten müssen. Tom, 10 Jahre: „Wenn es brennt, dann würde ich die Tür zu machen!“. Richtig, deshalb darf Tom an der Seitenhauswand an einem Draht ziehen. Die Tür schließt sich. Neben dem Haus steht eine Kerze. Die kleine Sarah hantiert dort mit einem Streichholz in der Hand, während der Papa mit Adleraugen daneben steht und alles genau beobachtet. Ein Feuerwehrmann erklärt ihr den richtigen Umgang mit Kerzen und Streichhölzern. Sie hört aufmerksam zu, stellt Fragen. „Zuhause habe ich immer Kerzen angezündet, wenn ich alleine war. Der Papa hat das dann gerochen und geschimpft“, sagt der kleine Feuerteufel. Jetzt kennt sie die Risiken.

Im hinteren Bereich der Kinder- und Jugendhalle befindet sich eine große Bühne mit etwa 70 Plätzen. Das Programm besteht aus viel Musik, Tanz und Vorträgen von Fachleuten, die sich mit Reisen und Projekten im Ausland beschäftigen. Indische Frauen und Männer tanzen zu lauter Musik, die in der ganzen Halle hörbar ist. Die Erwachsenen folgen aufmerksam dem Geschehen, die Kinder schauen sehnsüchtig zu den Spielen und Aktivitäten an den Ständen. Viele fotografieren die Aufritte mit ihren Kameras. An den Ständen, die sich mit ernsten Themen, wie Hungersnot beschäftigen, warten die Aussteller vergeblich auf interessierte Besucher. Ab und zu sieht man einzelne Personen dort stehen. „Ich will unbedingt helfen, egal wie und wo. Deshalb informiere ich mich darüber, was ich tun kann. Aber der Spaß steht bei mir heute im Vordergrund“, sagt die 18-jährige Sandra aus Polen. Das spiegelt sich auch an den Ständen, die nur Informationsflyer ausgelegt haben, wieder. Die Besucher gehen vorbei, lassen einmal kurz den Blick schweifen, doch kaum einer bleibt stehen. Mit gelangweilten Gesichtern stützen sich die Aussteller auf den Theken ab oder laufen im Kreis um ihren Stand herum. Die Tage der Fachbesucher sind vorbei, am Wochenende steht der Spaß im Vordergrund.

(kig)

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