Malaysia Airline – Derzeitig würde wohl kaum jemand diese Airline als Lieblingsfluglinie nennen. Fällt dieser Name, wird man direkt an die beiden tragischen Ereignisse des letzten Jahres rund um die Flüge MH370 und MH17 erinnert. Die eine Maschine spurlos verschwunden und die andere über der Ukraine abgeschossen. So geht es auch mir.

Ich mache mich auf zu dem Stand der Airline auf der ITB Berlin. Mitten in der Asienhalle liegt er, neben anderen Ferien-Anbietern aus Malaysia. Der in blau-weiß gehaltene Stand ist klein, besteht aus einer Theke, ein paar wenigen Postern und einer kleinen Sitzgruppe. Anders als bei anderen Fluganbietern stehen hier keine Stewardessen, sondern nur ein Mann und eine Frau in Businesskleidung. Alles in allem ein eher unauffälliger Stand.

Im Sommer letzten Jahres trat ich meinen Flug von Frankfurt über Singapur nach Perth an, wo ich fünf Monate studieren sollte. Nach einiger Zeit schaute ich mir auf meinem kleinen Fernseher an wie weit wir schon waren. Auf der Karte sah ich, dass wir uns gerade über Donetsk befanden. Mir fuhr durch den Kopf, dass hier erst vor kurzer Zeit ein Militärflugzeug abgeschossen wurde. Das machte mir ein wenig Angst, aber ich dachte mir, dass wohl kaum ein Passagierflugzeug abgeschossen werden würde.

Für Fragen zum Unglück gibt es in diesem Jahr einen extra Ansprechpartner. Dieser ist so gefragt, dass er keine Termine für ein Gespräch mehr frei hat. Die PR-Assistentin der beauftragten deutschen PR Agentur versucht die übrigen Fragen zu beantworten, ist aber nicht befugt, ins Detail zu gehen. Sie sagt, dass es eine große Herausforderung sei, das Vertrauen der Kunden wieder aufzubauen. Malaysia Airline habe viele Jahre als sichere Airline gegolten und nach nur einen Jahr mit zwei katastrophalen Vorfällen sei dieser Ruf zerstört. Trotz alledem gäbe es noch immer Kunden, die in die Sicherheit der Airline vertrauen.

Groß war der Schock am Morgen nach meiner Ankunft in Perth. Die Nachrichten zeigten Trümmer eines abgestürzten Flugzeugs, Rauch und Feuer, weinende Menschen und Menschen auf der Suche nach Leichen. An diesem 17. Juli 2014 wurde über der Ostukraine das Passagierflugzeug MH17 der Malaysia Airline abgeschossen. Ich hatte unglaubliches Glück gehabt, diesem Unglück nur um wenige Stunden zu entkommen. An diesem Tag denke ich: Der vermeintliche Unfall hätte auch mein Flugzeug treffen können. Es hat aber ausgerechnet die Airline getroffen, die nur vier Monate zuvor mit dem vermissten Flug MH370 bereits einen katastrophalen Schicksalsschlag erlitten hat.

Ein weiteres Beispiel für Malaysia Airlines Krisenbewältigung findet man auf Facebook. Passend zum ersten Jahrestag des MH370 Vorfalls änderte die Airline vor ein paar Tagen das Titelbild ihrer Facebookseite. Dort heißt es nun ganz schlicht „We love you. We miss you” und „#alwaysinmyheart”. Malaysian Airlines stellt sich der Realität, nicht mit großem Marketing – eher mit passivem Reagieren auf Anfrage. Einen Preis für innovative Krisen PR kann man so nicht gewinnen, aber für Malaysia Airline immerhin ist das der sichere Weg. (may)

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