Fair reisen, Nachhaltigkeit im Tourismus – gefühlt wirbt jeder zweite Stand auf der ITB Berlin 2015 damit, grün zu sein. Damit die Reiseveranstalter und Hotels das auch beweisen können, verweisen sie auf ihre Zertifikate. Inzwischen gibt es mehr als 140 solcher Gütesiegel, die die Nachhaltigkeit der Unternehmen belegen sollen. Aber wer überprüft eigentlich deren Glaubwürdigkeit?

Der „Globale Rat für Nachhaltigen Tourismus“ (Global Sustainable Tourism Council – GSCT) bewertet die Gütesiegel mit selbst entwickelten internationalen Standards. Dabei werden nur die anerkannt, die die Bereiche Wirtschaft, Soziales, Umwelt und Kultur abdecken. Die Zertifizierer können drei Anerkennungsformen erreichen. Für die erste Stufe „recognized“ vergleicht GSTC die eigenen Kriterien mit denen, die das Gütesiegel an die Reiseveranstalter stellt. Stimmen diese ausreichend überein, wird das Unternehmen Mitglied. GSTC-Anerkennung ist aber nicht gleich GSTC-Anerkennung. In der zweiten Stufe „approved“ prüft GSTC, ob die Reiseveranstalter und Hotels, denen ein Siegel aufgeklebt wurde, diese Kriterien auch tatsächlich erfüllen. Stimmen GSTC’s Anforderungen auch mit der Arbeitsweise der Unternehmen überein, das heißt wenn Dokumentation und Organisation in Ordnung sind, ist die dritte Stufe „accreditation“ erreicht.

Ein gutes Beispiel ist der Gütesiegel-Anbieter „TourCert“. Er vergibt Corporate Social Responsibility (CSR)-Siegel an Reiseveranstalter, die nachhaltiger arbeiten, als sie rechtlich verpflichtet sind und einen fairen ökologischen Fußabdruck hinterlassen wollen. „Wir sind bisher auf der ersten GSTC-Stufe und ich habe keine Zweifel, dass wir die anderen Stufen auch erreichen könnten.“, sagt Florian Tögel, Leiter der TourCert-Zertifizierungsstelle. „Das ist allerdings einfach ein Kostenpunkt.“ Allein die Bewerbungsgebühr kann bis zu 7300 Euro betragen, dazu kommen gegebenenfalls noch knapp 1800 Euro Reisekosten für den Gutachter.

TourCert schaut sich an, wie hoch die Löhne sind, die die Reiseveranstalter ihren Mitarbeitern in Heimat- und Reiseland zahlen und überprüft Umweltaspekte, wie den Umgang mit Müll in Hotelanlagen. Darüber hinaus bietet TourCert Workshops an, um die sozialverantwortliche Arbeit des Reiseveranstalters zu unterstützen.

Wer nicht von GSTC anerkannt ist, muss aber nicht unglaubwürdig sein. Gütesiegel wie „Green Key“ kontrollieren ihre Kunden mit dem Fokus auf Umwelt und lassen die anderen Bereiche außen vor. Da „Green Key“ reine Umweltzertifikate vergibt und nicht den Anspruch hat, ein Label für Soziales, Kultur und Wirtschaft zu sein, funktioniert die Überprüfung durch GSTC nicht. (pyb)

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