Island -im Spannungsfeld von Tourismusboom und Nachhaltigkeit

In den Sommermonaten erreicht der Parkplatz am Seljalandsfoss häufig seine Kapazitätsgrenzen

Der Kampf um die unberührte Natur in Island

Bis vor Kurzem war Island ein Ort, der nur wenige Touristen angezogen hat, doch in den letzten zehn Jahren haben sich die jährlichen Besucherzahlen beinahe verdreifacht. Immer mehr Menschen reisen nach Island – und über 70 Prozent von ihnen kommen, um die isländische Natur zu genießen. Doch der willkommene Touristenstrom wird immer mehr zur Herausforderung für das Land am Polarkreis.

Mit jedem ankommenden Touristen steigt die Notwendigkeit in die Nachhaltigkeit des isländischen Tourismussektors zu investieren und somit einer Zerstörung der Natur vorzubeugen. „Unsere Ware ist die Natur, die unzerstörte Natur. Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht kaputtmachen“, sagt Helmut Lugmayr, Manager des Reiseanbieters Terra Nova Iceland.

„Wir kommen an die Grenzen der Infrastruktur“, so Lugmayr. Während Island als „Europas letzte Wildnis“ beworben wird, ist die Insel an vielen Orten schon lange nicht mehr so, wie die Werbung sie darstellt. „Wann kommt man oder sind wir schon an diesen Punkt gekommen, an dem der Tourismus eine negative Wirkung hat?“, fragt Sævar Skaptason, der seit 20 Jahren im isländischen Tourismussektor tätig ist. Als Teil des Vorstands des isländischen Tourismusarbeitgeberverbandes begrüßt er die steigende Nachfrage, spürt aber auch den Druck der Verantwortung, der dadurch entsteht.

„Der Großteil der Branche ist sich bewusst, dass Nachhaltigkeit relevant ist“, stimmt auch Helmut Lugmayr zu. Daher gehört nicht nur der Ausbau der Infrastruktur, sondern auch Forschung zu nachhaltiger Tourismusentwicklung zur Zukunftsstrategie, die das Icelandic Tourist Board 2011 erstellt hat. Aktuell und zukünftig wird nun versucht, den Besucherstrom besser zu verteilen – sowohl räumlich durch die Erschließung neuer Attraktionen und Gegenden, als auch zeitlich durch eine stärkere Vermarktung der Wintermonate. Des Weiteren soll mit einem sogenannten „Nature Pass“ eine Abgabe eingeführt werden, die wiederum in die Erhaltung Islands Natur fließen soll.

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Island auf der ITB Berlin

Sigriður Ragnarsdóttir, die für die offizielle Marketingagentur “Promote Iceland” arbeitet, sieht auf jeden Fall noch viel Kapazität nach oben, um den Tourismus in Island weiter auszubauen. Dabei hat sie konkrete Vorstellungen, welche Touristen Island besuchen sollten: „Wir wollen keinen Massentourismus. Wir wollen Touristen, die die Natur respektieren.“ Deswegen werden Marketingkampagnen speziell für diese Zielgruppe entworfen.

Viele Ansätze. Welche Massnahmen greifen, das ist selbst für die Verantwortlichen noch eine spannende Frage, die auch das grundeigene Selbstverständnis der isländischen Gesellschaft berührt. wird sich zeigen. “Wo wollen wir Island in 20, 25 Jahren sehen?”, fragt Sævar Skaptason und kann selbst noch keine konkrete Antwort darauf geben. (her)

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