„Jeder hat das Recht zu reisen, also beseitigt die Barrieren!“, fordert Taleb Rifai, Generalsekretär der World Tourism Organization (UNWTO) am heutigen Tag des barrierefreien Tourismus auf der ITB. Tatsächlich wurde 2006 die UN Behindertenrechtskonvention verabschiedet, die besagt, dass Städte und Kommunen dazu verpflichtet sind, bei Sanierungen und Neubauten barrierefrei zu bauen. Doch das Reisen, besonders in Städten mit historischem Stadtkern oder Sehenswürdigkeiten, erweist sich immer noch als große Hürde für Menschen mit Behinderung.

Um über das Thema diskutieren zu können, muss erst einmal klar gestellt werden, was barrierefrei bedeutet. Allgemein steht barrierefrei für behindertengerechte Angebote, damit sind von Rollstuhlfahrern über Blinde und Taubstumme sogar bis hin zu Allergikern alle gemeint. Unter dem Motto „Reisen für Alle“ arbeiten einige Organisationen wie die ‚NatKO‘ oder ‚Barrierefreie Reiseziele in Deutschland‘ an Angeboten innerhalb Deutschlands. Eine Zusammenarbeit in Europa gibt es noch nicht. Aber in Deutschland ist man zumindest um die Entwicklung eines einheitlichen Kennzeichnungssystems bemüht. Auch die Sprecherin von der AG Barrierefreie Reiseziele in Deutschland erklärt, dass die Information über die vorherrschenden Gegebenheiten für die Betroffen essentiell sei, um sich im Vorfeld optimal auf die Reise vorbereiten zu können und das perfekte Reiseziel zu finden. Viel zu oft scheitert eine Urlaubsreise wegen fehlender Ausstattung oder weil die Einrichtungen, ob nun Hotel oder Sehenswürdigkeit, einfach nicht begehbar für behinderte Menschen sind.

Auch immer mehr alte Leute sind auf barrierefreie Infrastruktur auch beim Reisen angewiesen. „Dies birgt jedoch auch einige Probleme“, sagt Raul Krauthausen, der Gründer von Sozialhelden e.V. und wheelmap.org. Er sitzt selbst im Rollstuhl und weiß, dass sich die Reiseangebote vor allem an älteren Menschen orientieren, die jungen Behinderten auf der Strecke bleiben. „Wer möchte von den Jugendlichen schon in ein Kneip oder Thermal Bad, die wollen genauso interessante Städte besichtigen oder einmal in eine Disko, wie alle anderen in ihrem Alter auch.“

Oft ist die Barriere auch in den Köpfen der Leute. Die meisten wissen vielleicht nicht, was bei einem Umbau ihres Hotels zu einem barrierefreien auf sie zukommen würde, oder was dafür gemacht werden müsste. An der Technik kann es nämlich nicht liegen, die ist bei uns, wie man täglich beobachten kann, sehr fortschrittlich. Krauthausen bemerkte auch, dass er in Berlin beispielsweise nicht Taxi fahren könne, da es keine Autos gibt, in denen er mit seinem Elektro Rollstuhl Platz findet.

Es ist derzeit vieles im Wandel, doch besonders der Denkmalschutz sowie das Kopfsteinpflaster können zu Problemen bei der Umstellung zur Barrierefreiheit werden. Komplette Barrierefreiheit kann nicht einmal in der Musterstadt Erfurt geleistet werden, obwohl die Landeshauptstadt von Thüringen durchaus eine Vorbildfunktion auf diesem Gebiet übernimmt. Frau Dr. Carmen Hildebrandt, die Geschäftsführerin des Tourismus von Erfurt, verrät warum. „ Ganz wichtig ist es das Vertrauen der beeinträchtigten Personen zu bekommen und das erreicht man nur über umfassende Informationen.“ Um die Stadt behindertenfreundlich zu machen, wurde ein Arbeitskreis mit Betroffenen gegründet. Man setzt hier auf kontinuierliche und verlässliche Angebote und Einrichtungen. So wurden zum Beispiel alle Stadtführer auch für Behindertentouren ausgebildet und es fahren ununterbrochen kleine Busse, ausgestattet mit Hub Lift, in denen 3 Rollis Platz haben, durch die Stadt. „Wir müssen in unseren Broschüren auch ganz klar formulieren“, erklärt Frau Hildebrandt. „was geht und was eben nicht.“ Für Behinderte ist es besser, darüber informiert zu sein, wenn etwas für sie nicht zugänglich ist. Das ist besser, als es vor den Türen erst schmerzlich erfahren zu müssen.“ Deshalb werden konkrete Maße von Hotelzimmern oder Türen in dem speziell barrierefreien Katalogs für Erfurt angegeben, um den Touristen bestmöglichen Service zu bieten. Auch bei Kulturelleneinrichtungen, sowie Restaurants und Cafés wird angegeben, welche für wen geeignet sind.

So gut ausgestattet mit Einrichtungen und Infobroschüren wie Erfurt sind leider noch nicht alle deutschen Großstädte, es lässt sich also sagen, dass nicht nur ein großes Bedürfnis nach barrierefreien Reisen gibt, sondern auch viele Möglichkeiten für deren Umsetzung existieren. (caf)

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