Hunderte Restaurants und Cafés auf der ITB Berlin. Eine junge Journalistin der Young Press auf der Suche nach einem Mittagsessen.

Es ist Punkt zwölf Uhr und so langsam bekomme ich Hunger. Ich weiß, ich bin anspruchsvoll, aber bei dieser Auswahl werde ich ein leckeres und günstiges Mittagessen finden, da bin ich mir sicher und mache mich auf den Weg. Es stellt sich schnell heraus: der nächste Food-Corner ist nicht weit. Ich stehe zwischen Pizza, belgischen Pralinen, Smoothies und Waffeln und meine Nase weiß nicht genau, was sie zuerst riechen soll. Überforderung pur, also ziehe ich weiter. Geschäftig rauschen telefonierende Geschäftsleute und interessierte Besucher an mir vorbei. Viele versuchen einen Platz im zentralen Messe-Café zu ergattern. Denn seine Tische und Stühle, möglichst Platz sparend unter dem Baldachin platziert, sind alle belegt. Es riecht nach frischem Kaffee und lecker gebratenen Würstchen. Die Schlange am Tresen ist allerdings nicht besonders lang, sodass ich meinen Cappuccino schnell in der Hand habe. 3,70 Euro für einen Koffein-Schock. Mein Mittagessen finde ich sicher woanders etwas günstiger. Jetzt einen Platz an einem Tisch zu bekommen, um meinen Cappuccino in Ruhe zu genießen, scheint ziemlich aussichtslos. Als ich einen kleinen freigewordenen Platz an der Theke erobere, meine ich mindestens einen Preis verdient zu haben.

Plötzlich schaut mir ein großer Mann mit Locken über die Schulter und schaut hinter den Tresen. „Kann ich Ihnen helfen?“, frage ich. „Ich suche nach Strom“, ist seine Antwort und er lacht. Die Energie, die die ganze Messe am Laufen hält. „Was würden wir alle nur ohne Steckdosen machen?“, geht mir durch den Kopf. Er hat eine Steckdose gefunden, aber die Bedienung ist am anderen Ende des Raumes gerade mit Bier zapfen beschäftigt. „Ich bin Stuart aus Australien“, stellt er sich vor. Da er ein Reiseunternehmen leitet, lädt er mich gleich ein, nach Australien zu kommen. So sind auf der ITB alle immer auf der Suche nach neuen Kontakten und Kunden. Inzwischen hat Stuart festgestellt, dass er kein Aufladekabel für den Laptop dabei hat. Er zieht wieder von dannen und ich sitze über meinem mittlerweile kalten Cappuccino.

Das Pärchen rechts von mir unterhält sich in einer Sprache, die ich auf Anhieb nicht erkenne. Da wendet sich mir die Frau plötzlich auf Deutsch zu. Sie waren auf der Suche nach eine warmen Mahlzeit, fanden aber nichts Richtiges. „Nur Pizza und Hotdogs auf die Hand. So hatten wir uns das nicht vorgestellt“, sagt sie und hält ein belegtes Brötchen in der Hand, mit dem sie offenbar trotzdem einigermaßen zufrieden ist. Aber ein Brötchen ist nicht wirklich das, was ich suche. Mit einem erschrockenen Blick auf die Uhr, stelle ich fest, dass ich schon seit einer halben Stunde an der Theke sitze. Langsam wird es wirklich Zeit, dass ich etwas finde. Sonst muss ich wohl noch bis zum Abend warten.

Ich begebe mich auf die Suche und lasse mich von der Rolltreppe zum nächsten Stockwerk in die Höhe tragen. Ich bin erstaunt wie ruhig es auf einmal ist. Eine Wohltat für meine Ohren. Ich realisiere, dass ich gar nicht wahrgenommen habe, wie laut es um mich war. Oben angekommen stehe ich bereits mitten in der mongolischen Kantine. Hier vermute ich ganz besondere Köstlichkeiten, weil die Mongolei in diesem Jahr das Gastland der ITB Berlin ist. Ein weiter und heller Raum, der viel mehr Ruhe ausstrahlt als das Café im Erdgeschoss. Ich mache mich auf den Weg zum Buffet. Die Fotos der angebotenen Speisen über der Theke zeigen saftige Salate und knusprig gebratenes Rindfleisch. Ich treffe Tsolmon und Zulaa an der Kasse. Obwohl beide auf der Messe in Berlin jeden Tag bis zu zwölf Stunden arbeiten müssen, machen sie einen zufriedenen Eindruck. Ungefähr 20 Mitarbeiter arbeiten in der Küche und im Service und die meisten stammen aus der Mongolei. „Auch wenn viele von uns in Deutschland aufgewachsen sind“, schmunzelt Tsolmon. Beide tragen sie rote traditionelle Kleidung. „Bei uns kann man viele unterschiedliche mongolische Speisen probieren. Zum Beispiel die Nudelpfanne mit Rindfleisch“, erklärt mir Tsolmon, „und die Teigtaschen, die entweder vegetarisch oder mit Fleisch gefüllt sind.“ Diese sind deutlich größer als in anderen Ländern und werden in der Mongolei hauptsächlich als Hauptspeise gegessen. Das klingt gut, denke ich mir. Es ist viertel vor eins. Aber bevor ich meinen mittlerweile knurrenden Magen besänftigen kann, hole ich mir lieber noch ein paar Meinungen der Gäste ein.

Ich verabschiede mich von beiden und gehe an einen Tisch, an dem zwei Deutsche sitzen, die das Essen als zu fad beschreiben. „Kantinenessen eben“, fügen sie hinzu. Am Tisch daneben sitzen zwei Frauen und ein Mann. Die Geschäftsleute aus London sind gerade mit ihrer Mahlzeit fertig geworden. „Wie hat ihnen das Essen geschmeckt?“, frage ich und bin erstaunt über die schonungslose Antwort. „Widerlich“, rutscht der Frau mit den blonden Haaren heraus und sie schlägt sich gleich darauf lachend die Hand vor den Mund. „Zu kalt und wirklich geschmeckt hat es mir auch nicht.“ Ihr Begleiter kritisiert, dass das Essen viel zu teuer sei. Fast zwanzig Euro habe er für sein Gericht bezahlt. Versöhnlich fügt sie allerdings hinzu, dass das mongolische Essen in der Regel sehr lecker, und die Atmosphäre hier oben auch sehr entspannt sei. „Ein hervorragender Ort, um ein Meeting abzuhalten“. Aber auf der Suche nach einem Meeting war ich nicht. Mein Magen rebelliert und muss jetzt wohl doch bis zum Abend warten. (haw)

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