Wie verdienen Reisejournalisten und Blogger in Zukunft ihr Geld? Diese Frage stellten sich die Podiumsgäste der Diskussionsrunde „Innovationen in der Reiseberichterstattung“ auf der ITB. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Reiseblogger-Kollektiv, einem Zusammenschluss ambitionierter deutscher Reiseblogger.

„Der Tageszeitungsmarkt, seit jeher ein wichtiges Betätigungsfeld für freie Journalisten, entwickelt sich seit Jahren negativ“, sagt Fabian von Poser, der seit mehr als zwei Jahrzenten erfolgreich im Reisejournalismus tätig ist. Klassische Medien wie Tageszeitungen werden als Standbein für hauptberufliche Journalisten zunehmend unbedeutender. In dem von ihm herausgegebenen Pressehandbuch Touristik und Medien waren vor zehn Jahren noch 110 eigenständige Reiseredaktionen gelistet, 2015 hingegen nur noch 75.

Das ist vor allem vielen Redaktionszusammenlegungen geschuldet, weiß von Poser. So produziert die Reiseredaktion der Verlagsgruppe Madsack in Hannover neuerdings zum Beispiel die Reiseteile für acht Tageszeitungen im Norden und Osten Deutschlands. „Dadurch gehen den Journalisten potentielle Kunden verloren, da sie früher ein und denselben Artikel an mehrere einzelne Redaktionen verkaufen konnten, jetzt nur noch einmal an die Verlagsgruppe.“ In fünf bis zehn Jahren, prognostiziert von Poser, könnten alle Reiseteile in Deutschland von sechs bis acht zentralen Redaktionen produziert werden.

Dies wirft die Frage auf, womit Reiseautoren in Zukunft ihr Geld verdienen werden. Den Fortbestand der Branche sehen trotz aller Widrigkeiten viele online. Inbesondere Reiseblogger erfreuten sich in den vergangenen Jahren immer größer werdender Beliebtheit und rücken mehr in den Fokus der Reiseindustrie. Sie zeigen auf, dass eine digitale Ausrichtung unweigerlich notwendig ist und die Reiseautoren der Zukunft sowohl Innovations- als auch Anpassungsfähigkeit mitbringen müssen, um auf dem Markt bestehen zu können.

„Geschichten müssen gut erzählt werden“, gibt Yvonne Zagermann (Justtravelous.com) zu bedenken, immerhin stehen diese im Zentrum der journalistischen Arbeit. Geschichten wollen (und sollen) aber auch gelesen werden. Deshalb sieht Norman Röhling (I-ref.de) einen Kernaspekt der zukünftigen Gestaltung des digitalen Arbeitsumfeldes darin, „content partner“ zu finden, Blogs verschiedener Themenrichtungen mit Interesse an Verpartnerung, um gemeinsam Attraktivität und Reichweite zu erhöhen.

Blogger wie Johannes Klaus (Reisedepeschen.de), ausgezeichnet mit dem Grimme Online Award,  und Christoph Karrasch (Vonunterwegs.com) haben bereits erfolgreich in der Branche Fuß gefasst und blicken daher zukünftigen Veränderungen entspannt entgegen. Dass es allerdings mehr Blogger gibt als Honorartöpfe, ist ein Problem, das von etablierten Größen jedoch gerne übersehen wird. Wie wird die Zukunft von Reiseautoren aussehen? Wie kann das Internet für immer mehr Menschen die Einkommensquelle darstellen? Wird man in Zukunft mit Reiseberichterstattung überhaupt noch Geld verdienen können? Darauf wissen alle Teilnehmer der Diskussion heute noch keine Antwort. (her)

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