IMG_7030Auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin (ITB) repräsentiert ein kleiner Stand das eigentlich große Land, eingekesselt zwischen verschiedenen Religionen und Weltmächten. Dabei wird klar, dass der politische Konflikt im Osten der Ukraine seinen Schatten auf den Tourismus des Landes wirft.

Die Halbinsel Krim, welche das Lieblingsziel der Bevölkerung in der früheren Sowjetunion war, erfreute sich bis vor kurzem immer größerer Beliebtheit. Nun ist sie russisches Gebiet. Auch die ukrainische Fluggesellschaft Ukraine International Airlines (UIA) meidet seit 2014 den Flugraum über dem Krisengebiet und konzentriert sich auf Flüge nach Europa. Nachdem 60% der Einnahmen aus dem Tourismus nun mit dem Osten weggefallen sind, stehen die Anbieter vor einer völlig neuen Situation.

Ein junger Ukrainer der Reisewelt Ukraine auf der ITB trägt ein weißes Hemd, welches mit traditionellem Stickmustern verziert ist und trotz Krisenlage wirbt er voller Elan fürs eigene Land. Er erklärt ohne großes Tamtam was Sache ist: Neuerdings „flüchten“ Ukrainer aus dem Osten in den Westen, doch nicht um unter spartanischen Umständen in Flüchtlingslagern zu hausen, sondern sie nutzen die Gelegenheit für Urlaub und ihr eigenes Land im Westen besser kennenzulernen.

Dabei stehen Städte, die europäisch geprägt und kulturell interessant sind, als Ziele ganz oben auf der Rangliste. Natürlich sind die Zahlen der ausländischen Einreisen zurückgegangen, aber die Ukrainer sparen in ihren Prospekten galant den brenzligen Osten aus und versuchen mit dem Rest Geschäfte zu machen. In klassischem Layout, welches beinahe altmodisch wirkt, werben die freundlichen Vertreter für möglichst viele neue Gäste. Vor allem Jugendliche könnten den westlichen Teil der Ukraine billig genießen, da die Preise eine Talfahrt hinter sich haben.

Es gelingt ihnen den Besuchern neue Facetten dieses Staates zu zeigen, der momentan in den Medien mit problematischen Schlagzeilen so oft präsent ist. Da leuchten satte Kornfelder und Berglandschaften, Bauernkinder sitzen auf Pferderücken. Wilde Bäche laden zu Abenteuern ein und vergangene Städte der k.u.k. Monarchie strahlen mit ihren alten Bauten in neuem Glanz Platz von den Prospektseiten.

Nicht nur Unterhaltung wird angeboten, sondern auch Möglichkeit zu Auseinandersetzung gegeben: Mitten in den Reisetouren steht eine mehrtägige Expedition in die Sperrzone des Atomkraftwerks in Tschernobyl zur Auswahl, wo sich 1986 eine nukleare Katastrophe ereignete. Wer sich für Landwirtschaft interessiert, hat die Möglichkeit ehemalige sowjetische Kolchosen und Agrarholdings zu besuchen und umfassend über die Agrarsituation informiert zu werden. Als Reiseziele der aktuellen Touristen werden vor allem Städte gewählt, wie das vielseitige Lemberg, die Hauptstadt Kiew, gerade Kiew sei eine sicherer Ort so die Vertreter der UIA. Auch das am schwarzen Meer gelegene Odessa und das Donaudelta werden gerne besucht.

Die Vertreter werden in diesem Jahr auf der ITB nicht nur zu Reiseangeboten befragt, sondern oft auch zur politischen und wirtschaftlichen Situation. Das Auswertige Amt in Deutschland rät dringend sich im gesamten Land umsichtig zu verhalten, ratet aber vor einem Besuch grundsätzlich nicht ab. Allein die Regionen Oblaste Donezk und Luhansk im Osten gelten weiterhin für „gefährlich“. Der Vertreter der Reisewelt Ukraine hält die Diagnose des Auswertigen Amtes in Deutschland für schlichtweg übertrieben, außer den genannten Regionen sei die Ukraine ein Land wie jedes andere. Es sei sogar weniger kriminell als Deutschland, so der lächelnde Vertreter. Über genaue Zahlen bezüglich Rückgang der Touristik will er nichts sagen.

Die Krim aber liegt dieses Jahr auf der ITB im Niemandsland, außer Russen verschlägt es nämlich momentan keine Touristen dorthin. (ana)

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