Wenn Jugendliche ohne ihre Eltern auf Reisen gehen, dann geht es ihnen nicht immer nur um Sommer, Sonne, Strand und Meer. Der Trend im Jugendreisetourismus zeigt, dass immer mehr Jugendliche Wert auf kulturelle und unvergessliche Erfahrungen legen.

„Kinder- und Jugendreisen gab es schon immer. Aber die Intention hat sich gewandelt“, sagt Ralf Olk vom Vorstand des Fachverbandes „Reisenetz“. Wollten die Jugendlichen in der Vergangenheit vorrangig einfach ohne ihre Eltern verreisen und neue Leute kennenlernen, so ist es jetzt Trend, auch einen Mehrwert von ihrer Reise mitzunehmen. Diese Reisen mit Mehrwert können dann beispielsweise Sprach- oder Gesundheitsreisen sein. Oft geht es aber auch darum, fremde Kulturen kennenzulernen und Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Nicht um sonst gehört „eine fremde Kultur erleben“ mit 35 Prozent zu den beliebtesten Aktivitäten der Reisenden zwischen drei und 26 Jahren – an gleicher Stelle mit Schwimmen, Baden und Tauchen. Das belegt auch eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie aus dem Jahr 2014. Sie zeigt außerdem, dass durch Kinder- und Jugendreisen in Deutschland brutto jährlich 28,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht werden.

Jugendreisen müssen aber nicht nur vermehrt einen gewissen Lernzuwachs bieten. Ralf Olk: „Erlebnisse müssen immer authentischer, spannender und aufregender werden, gleichzeitig aber auch hohen Sicherheitsstandards entsprechen – Ein Spagat, der kaum zu schaffen ist.“ Olk ist sich sicher, dass es nie Perfektion geben wird. Reiseveranstalter können sich lediglich an ihre Sicherheitsstandards halten und dann entscheiden, welche Erlebnisse anhand dieser realisierbar sind. So wäre eine Bergwanderung an Steilklippen ohne jede Sicherung für die Jugendlichen zum Beispiel ein riesen Nervenkitzel, aber in den Augen der Eltern unverantwortlich. Seifenkisten bauen und ein anschließendes Rennen oder in einem selbstgebauten Steinofen Brot zu backen, sind dagegen Erlebnisse, die authentisch sind und dabei alle Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Aber nicht nur der Inhalt der Reisen ist für die Jugendlichen und ihre Eltern wichtig. Auch wie die Reisen durchgeführt werden, wird immer stärker nachgefragt. Der Geschäftsführer von „young austria“ und ebenfalls Mitglied des Reisenetzes Bernd Seidl würde sich aber sogar noch mehr Fragen von Eltern wünschen. „Wir als Fachverband wollen uns von ,schwarzen Schafen‘ in der Branche abgrenzen und deshalb das Nachfragen propagieren“, sagt Seidl. Wer sich, bevor er sein Kind auf Reisen schickt, informieren will, kann unter anderem auf Qualitätssiegel zurückgreifen. Da es davon aber unendlich viele gibt, und die Eltern nicht genau wissen, nach welchen Kriterien diese Siegel vergeben werden, versucht das Reisenetz in seinem Heft „Qualität im Kinder- und Jugendreisen“ im Bezug auf einige Qualitätssiegel eine Transparenz herzustellen, indem sie die einzelnen Siegel genau erklären.

Der wichtigste Wandel bei Jugendreisen hat sich aber im Kopf der Reiseveranstalter vollzogen. „Die Jugendlichen sind nicht nur die Gäste von morgen, wie es gern gesagt wird. Sie sind vielmehr die Gäste von heute“, fasst Bernd Seidl zusammen. Die Reiseveranstalter nehmen die Jugendlichen heute als Kunden ernst. Zumal sie feststellen, dass die Jugendlichen zuhause heute auch mitbestimmen dürfen und nicht mehr die Eltern alleine für ihre Kinder buchen. Das Angebot wird auf Kinder- und Jugendliche abgestimmt und optimiert. „Die Kunden sind die Kids“, sagt Ralf Olk, „sie entscheiden, wo es langgeht und bewerten das Angebot.“ (dik)

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