Asa El-Dishoni (35), traditionell in langer, schwarzer Abaya, aber ohne Kopftuch, gekleidet, ist umringt von sechs, jungen europäischen Mädchen im Alter von 21 bis 29 Jahren. Asa ist Hennakünstlerin und zeigt dieses alte Handwerk seit zehn Jahren auf der ITB am Stand des Emirates Abu Dhabi. Ihre Eltern kommen aus dem Sudan. Sie selbst ist in Deutschland aufgewachsen, mit einem Deutschen verheiratet und lebt in Berlin. „Hennamalerei kann man in Salons lernen oder es wird von einer Generation auf die nächste unter den Frauen der Familie weitergegeben. Ich habe mir diese traditionelle Kunst selbst beigebracht, da ich gerne male“, sagt Asa. Während sie erzählt, fängt sie bereits an, die braune Hennapaste auf dem Handrücken einer der ersten wartenden Messebesucherinnen aufzutragen. Nach einer gewissen Einwirkzeit bekommt die getrocknete Paste eine eher orangefarbene Schattierung. „In meinem Heimatland habe ich Henna immer bewundert und eines Tages die Malerei einfach ausprobiert“, fährt sie fort. Fein säuberlich trägt sie Strich für Strich auf die Hand der jungen Damen auf, mit Leidenschaft.
Vor ihr sitzt Denise (29) aus Essen. Sie ist extra für einen Tag nach Berlin geflogen, um sich über die neuesten Reisetrends zu informieren und sich mit Henna für eine Kostümparty am nächsten Tag in ihrer Heimatstadt schmücken zu lassen. Ein kurzer, aber lohnenswerter Besuch für die Lufthansa-Reiseverkehrskauffrau. „Ich liebe die orientalischen Länder und habe sie viel bereist, von den Emiraten über den Oman bis hin zu Nordafrika. Die schönsten Hennamalereien habe ich in Marrakesch und Muscat aufgemalt bekommen. Abu Dhabi habe ich bislang noch nicht ausprobiert, deshalb bin ich hier“, sagt Denise. Denise hat extra eine Vorlage aus dem Oman mitgebracht, die wunderschöne Hennaverzierung einer omanischen Braut. Asa versucht konzentriert die von Denise gewünschte Abbildung aufzuzeichnen. „Henna bedeutet Glück“, erklärt sie. „Es wird in fast jedem arabischen Land bei Hochzeiten aufgetragen. Die Braut wird an Händen und Füßen regelrecht verziert, was ihre Schönheit unterstreichen soll.“ Die Motive variierten dabei nach Region und Mode. Aber auch die Körperstelle kann variieren. Obwohl Henna üblicher Weise an Händen und Füßen aufgetragen wird, lägen heutzutage Bauchnabel oder Oberarm im Trend.
Persönlich bevorzugt Asa dezente, eher weniger sichtbare Bemalungen zum Beispiel am Handgelenk. „Je nach Hauttyp und Pflege hält Henna ein gute Woche. Da die Paste nur in die oberste Hautschicht einzieht, hilft natürliches Öl, um die Bemalung nicht allzu schnell verblassen zu lassen und die Haut zu pflegen“, empfiehlt sie.
Stück für Stück bildet sich nun eine wunderschönen Verzweigung floraler Figuren auf Denise Hand. Zwei Tuben Henna verbraucht Asa an einem Messetag. „Henna wird aus den Blättern eines Strauches gewonnen, der sich „Lawsonia Intermis“ nennt und kommt bevorzugt in den heißen Klimazonen in Arabien, Sri Lanka, Indien, Ägypten und Sudan vor, aber auch in China und Indonesien“, erklärt die Hennakünstlerin. Die Blätter würden getrocknet und zu Pulver zermahlen. Mit verschiedenen Ölen angereichert, wird es zu einem Brei vermischt. Die Paste wird dann aufgetragen und muss einziehen. Es spannt ein wenig auf der Haut und nach kurzer Zeit bröselt der Rest von alleine ab. Die Sudanesin greift nun zu einer neuen Tube. Deutlich ist die Farbmischung des selbst hergestellten Hennas zu erkennen. „Wichtig ist, dass die Farbe der Paste hell ist, rot-braun, fast orange. Sie entfaltet sich nach erst 24 Stunden“, sagt sie. Die Farbe des Hennas ist ein deutliches Merkmal für die Qualität des Produktes. Ist die Farbe dunkel, fast schwarz, sind in der Regel chemische Zusätze im Spiel, die in Deutschland verboten sind und allergische Reaktionen auslösen können.
„Henna ist eine sehr alte Tradition. Schon die Pharaonen haben sie gepflegt und sich mit Henna die Nägel gefärbt. Die Farbe verschwand erst, wenn der Nagel herausgewachsen war“, ergänzt sie. So wurde aus der Tradition im Laufe der Jahrtausende ein Modetrend mit modernen Henna-Tattoos. Auf die Frage, warum verwendet man bis heute Henna, antwortet Asa selbstbewusst: “Weil es mit Schönheit zu tun hat, mit Schmuck und dies ist immer ein Thema für Frauen, gestern wie heute.“ (dia)

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