Joana Buchwald am Infostand;  Foto: Pia-Maria Schäfer

„Ich mache hier die Halleninfo“, sagt Joana Buchwald und zeigt auf den runden Buchentisch, der sie umgibt. Viele bunte Infobroschüren und Kataloge mit großen Bildern von fernen Ländern liegen aufgestapelt darauf.  Joana lächelt, als eine Frau mit großem Rucksack und Lageplan auf sie zukommt. „Bin ich hier richtig für Halle 2?“, fragt sie die schmale Joana, die fast hinter dem Tisch verloren geht. Sie ist nicht sehr groß und muss sich über den Tisch beugen, um auf den Plan der Frau zu gucken. Nach kurzem Schauen nickt Joana. Sie streicht eine blonde Strähne aus ihrem Gesicht und sagt: „Sie müssen nur noch links durch die große Tür.“ Die Frau folgt der Handbewegung und verschwindet.

Der Wecker von Joana klingelte heute Morgen um halb acht. „Ne Stulle mit Wurst und Salat“ gab es zum Frühstück, sagt Joana. Beim Sprechen berlinert sie leicht. Im ostdeutschen Slang erzählt sie, dass sie um „dreiviertel zehn“, am Stand war und sich erst einmal einrichten musste. Für Joana ist es wichtig, dass die Karten griffbereit liegen. Es gibt 26 Hallen in denen mehr als 10.000 Aussteller ihr Land vorstellen. Wo das Partnerland zu finden ist oder wo die Shows stattfinden, das alles musste sie während der Messe selbst auswendig lernen. Eine Vorbereitung gibt es nicht. „Ich kann nicht zwei Stunden suchen, wenn jemand was fragt“. Es ist etwas leichter, da es die zweite ITB-Messe für Joana ist. Da ist nicht mehr alles neu. Wenn nicht gerade Messe ist, arbeitet sie Teilzeit beim Bundesforum für Kinder- und Jugendreisen und als Softwaretesterin. Die Menschen in der Halle sind ständig in Bewegung. Joana blickt ihnen nach. Die Besucher laufen zwischen den Ständen hin und her. Die Musik dröhnt aus den großen Lautsprechern in der Nähe des Infostandes. Joana dreht den Kopf um die Fragen besser zu verstehen. „Es wird sehr oft nach Spanien und der Karibik gefragt. Aber auch die Halle 25 ist gefragt. Dort sind die ganzen Reiseveranstalter.“ Dieses Jahr können Interessierte zum ersten Mal auf der ITB-Berlin direkt an die Stände gehen und Reisen buchen. Die Menschen sind neugierig ob es Schnäppchen gibt.  Sie lächelt. „Aber auch die Fachbesucher haben in den letzten Tagen danach gefragt.“ Heute am Samstag und Sonntag ist die Messe für jeden offen.

Abschalten kann die 25-Jährige erst abends und eine richtige Pause gibt es auch nicht. Möchte sie kurz weg, muss sie einen Kollegen anrufen, der sie in der Zeit vertritt. Aber Joana geht nicht oft weg. Den Tag über verpflegt sie sich selbst. „Ist viel zu teuer hier“, sagt sie über das Essen auf der Messe und zeigt ihre Dose mit Essen: Cornflakes und Weintrauben. Denn das Essen muss praktisch und schnell zu kauen sein. Wenn die nächste Frage kommt, will der Besucher schnell die Antwort und weiter. Ein voller Mund ist da nicht „angezeigt“.

Die meisten, die an den Stand kommen sind freundlich. Nur selten ist jemand griesgrämig und raunt „Halle 12“. Joana lacht, als sie den Besucher nachahmt. Stillstand gibt es bei der Arbeit am Infostand nicht. In der Halle 4.1., die mehrere Hallen miteinander verbindet, gibt es viele Besucher, die kurz die Orientierung verlieren und die Hilfe von Joana in Anspruch nehmen. Die Besucher sind reichlich mit Taschen und Tüten von den Ständen bepackt. „Der typische Messebesucher trägt mindestens vier Taschen oder hat sogar einen Rolltrolley dabei. Da tun sich die Fachbesucher und die Privatbesucher nichts“, berichtet Joana über ihre Kunden. Das lange Stehen und die vielen Besucher fordern Joana. Und manche Fragen sind überflüssig. „Einmal hat man mich nach dem Globetrotter-Stand gefragt. Der direkt vor diesem Counter ist. Ich hab den Plan geholt, drauf getippt und er hat sich dann umgedreht und entschuldigt.“

Wenn sie um „dreiviertel“ acht zu Hause ist, wird nur was gegessen und dann kuschelt sie sich auf dem Sofa an ihren Freund. Denn am nächsten Tag geht es wieder weiter.

Wenn morgen die Messe endet ist, freut sich Joana auf ihr Bett. Das Schlafen kam in den letzten Tagen zu kurz. Am Montag ist wieder der Alltag da. Joana muss ins Büro. „Deswegen habe ich alle Partys sausen lassen“, denn „Messe ist anstrengend“.