6:00 Uhr

Meine Füße schmerzen und ich habe Muskelkater. Ich krame mich aus dem Hostel-Bett und durchwühle meinen Koffer nach passenden Anziehsachen. Schick muss es sein. Leider besitze ich nur einen schicken Blazer zu Hause und der muss für die ganze Woche reichen. Anziehen und raus. Ich denke an gestern und ein Wort fällt mir direkt ein: anstrengend. Der Tag bestand aus laufen, Treppen steigen und Hunger leiden. Außerdem Leute befragen, Informationen suchen und zwei Artikel schreiben. Fast wie eine richtige Journalistin.

 

Unser netter Eingang, der zur young press führt.

Unser netter Eingang, der zum young press-Büro führt.

9:10 Uhr

Die Tagesbesprechung hat begonnen und ich bin 10 Minuten zu spät. Ich habe die falsche S-Bahn-Station zur ITB gewählt: Ausstieg Nord/ICC. Der Weg ist doppelt so lang, wie von der Station Messe-Süd. Ich gehe hinein und folge jedem, der aussieht, als würde er für die Presse tätig sein. Und tatsächlich finde ich den Weg zum Media Center in Halle 6.3, sogar ohne weitere Umwege. Auf diesem Wege: Danke an die große Masse an Presseleuten vor mir.

Young press sucht während der Redaktionskonferenz nach Ideen und diese fallen sehr unterschiedlich aus. Es soll über das Essen an der Messe, über Jugendreisen oder zu kritischen politischen Themen berichtet werden. Einige überlegen sich Leute zu interviewen, andere machen Videos oder wollen an Messeständen zu ihrem Thema recherchieren. Wie ich gestern bereits festgestellt habe, ist das nicht so einfach. Die meisten Personen hinter den Ständen wollen ihre Produkte verkaufen und lassen sich nicht in die Karten gucken. Ich habe noch keine genaue Vorstellung, worüber ich heute schreiben will. Um Inspirationen einzuholen, will ich eine Veranstaltung zum Thema Jugendreisen besuchen.

10:30 Uhr

Ende der Besprechung. Auf geht’s, die Zeit ist knapp, denn Abgabe ist um 17:00 Uhr. Noch sehen viele schläfrig aus, andere sind hochmotiviert. Ich bin eine Mischung aus beiden: Todmüde aber willensstark. Ich folge zwei Mädels aus meiner Gruppe, denn sie scheinen einen Plan zu haben, wohin sie wollen. Die Messehallen sind jetzt schon doppelt so voll wie gestern. Heute kann ich nirgends stehenbleiben und nach den Wegweisern gucken, sonst bildet sich entweder eine lange Schlange hinter mir oder sie umgehen mich im Reißverschlussprinzip. Im schlimmsten Fall rennen sie in mich hinein. Ich suche mir die ruhigste Ecke und packe einen von meinen fünf Messeplänen aus. Ich kann nicht vorsichtig genug sein. Ich könnte mich jederzeit verlieren. Egal wie ich den Plan drehe oder wie lange ich drauf gucke, ich werde nicht schlauer.

 

Messeplan - verwirrend

Messeplan – verwirrend

11:00 Uhr

Mittlerweile habe ich mich von den Mädels getrennt und suche nach Fotos, die zeigen, wie viele Leute auf der Messe unterwegs sind. Dabei werde ich von einer Frau abgelenkt, die eine Umfrage zu Deutschlands Ruf im Vergleich zu der Schweiz führen möchte. Auch wenn ich nicht verstehe worum es hierbei geht: ich kann nicht nein sagen, denn die Frau hat so nett gefragt. Wieder habe ich einige Minuten meiner Arbeitszeit vergeudet.

 

Überall so viele Menschen!

Überall so viele Menschen!

12:30 Uhr

Ich bin unterwegs zur Halle 4.1, die ungefähr sechs Hallen und zwei Etagen von meinem jetzigen Standpunkt entfernt liegt. Der Vortag beginnt um 13:00 Uhr. Der Weg ist lang und ich bin spät dran. Unter anderem, weil ich regelmäßig vor einer Rolltreppe stehe und überlege, ob diese nach unten oder oben fährt. Trotzdem entscheide ich mich dennoch jedes Mal für die falsche Etage. Ansonsten suche ich nach meinem Stift, meinem Smartphone, meinem Portmonee, meinem Notizblock. Ich höre eine Frau von der Presse: „Wo sind Sie? Ich stehe vor Halle 5.3. Ich muss zur Halle 7. Nein, tut mit Leid, ich stehe vor Halle 6.2  und muss zur Halle 6.3. Ich muss mich noch einmal korrigieren. Ich stehe doch vor dem richtigen Eingang.“ Anscheinend bin ich mit meinen Sorgen nicht alleine. Kurz darauf laufe ich ins Männerklo. Mist!

 

Ganz viele Rolltreppen.

Ganz viele Rolltreppen.

13:00 Uhr

Ich bin bei der Veranstaltung. Viele Leute, wenig Sitzplätze und es zieht sehr stark von draußen. Alle sprechen verschiedene Sprachen und ich versuche zu erraten, welche das sind. Russisch? Türkisch? Chinesisch? Die Veranstaltung erweist sich als Marketing-Konzept, um neue Kunden davon zu überzeugen, Jugendreisen in ihr Reiseprogramm zu nehmen. Viele Zahlen, wenig Inhalt. Für eine Reportage nicht brauchbar, aber man kann gut eine kurze Mitteilung darüber machen. Trotzdem bin ich froh, denn ich habe ein konkretes Thema gefunden.

 

Veranstaltung über Jugendreisen - langweilig

Veranstaltung über Jugendreisen – langweilig

15:00 Uhr

Endlich bin ich wieder in unserem Arbeitsraum. Leider schaffe ich es nicht, etwas Warmes zu mir zu nehmen, denn ich muss meinen Artikel schnell fertig schreiben. Wir haben nur noch zwei Stunden bis zur Abgabe. Ich brauche was Schnelles zu Essen auf die Hand. Gut, dass im Arbeitsraum so viele Snacks rum liegen. Esse ich also einen Apfel oder lieber einen Keks? Mit der gesünderen Variante in der Hand versuche ich meinen Artikel zu beginnen. Leider fehlen mir wieder einige Informationen über die Person die vorgetragen hat, aber jetzt ist es zu spät. Ich versuche mich mit Google zu retten. Auch alle anderen schreiben an ihren Artikeln und haben Zeitdruck. Mal gucken, ob alle ihr „Tagesziel“ von zwei Artikeln erreichen.

 17: 30 Uhr

Bald ist Abgabe und ich bin immer noch nicht fertig. Ich brauche eine Pause und dringend einen Kaffee. Meine Augen sind übermüdet und die Konzentration lässt nach. Leider ist die Kaffeemaschine im Medienzentrum kaputt und ich laufe wieder zurück. Cola ist die Alternative.

 

Young press, ganz fleißig.

young press, ganz fleißig.

18:30 Uhr

Endlich fertig. In unserem Arbeitsraum herrscht Chaos. Überall liegen leere Pfandflaschen und Prospekte. Zudem wollen alle zur gleichen Zeit ihren Artikel zum redigieren geben. Es herrscht Unzufriedenheit, denn viele haben ihr „Tagesziel“ nicht erreicht.

 

Unser Arbeitsraum, wenn alle unterwegs sind.

Unser Arbeitsraum, wenn alle unterwegs sind.

19:30 Uhr

Mein Artikel ist online und ich will zurück ins Hostel. Das war ein langer Tag. Da ich nichts gegessen habe, bis auf einen Apfel, fahre ich mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Hier kenne ich mich wieder aus. Meine Wahl fällt auf eine dicke saftige Pizza. Lecker!