200 qm in Halle 2.1 stehen ganz im Zeichen des Regenbogens. Seit 2010 ist Gay and Lesbian Travel als eigenständiges Segment auf der ITB. Eine Zielgruppe mit großem Potential für die Reisebranche, denn gerade Schwule und Lesben investieren ihr Haushaltsgeld mit Vorliebe ins Reisen.

Die ITB tritt auf internationalem Parkett für die Akzeptanz von Gay und Lesbian Travel ein. Als Mitglied im Board of Directors der International Gay und Lesbian Travel Association (IGLTA) arbeitet sie engagiert daran mit, gay and lesbian travel aus der Nische zu holen.

Pionierarbeit hat Thomas Bömkes geleistet, der in seiner Position als Lesbian, Gay, Bisexual und Trans (LGBT) Consulant der ITB Berlin seit 1997 der Tourismusbranche die Augen öffnet.

Thomas Bömkes. LGBT Cosulant ITB Berlin

Thomas Bömkes. LGBT Cosulant ITB Berlin

Schwule und Lesben setzen bei der Auswahl ihrer Destinationen besonders auf eine zielgruppenspezifische Infrastruktur am Urlaubsort. Gay Events und Locations vor Ort sind es, mit denen man die Zielgruppe binden kann.Wo sich die Szene bereits etabliert hat, profitiert die Region von den schwulen und lesbischen Touristen. Die in der Regel kinderlosen Paare lassen es sich im Urlaub gut gehen, bekräftigt Bömkes und charakterisiert die Zielgruppe als erstrebenswertes Reisepublikum für Reiseveranstalter und Hotels. Er verfolgt 2013 verstärkt das Ziel, das Angebot zu erweitern und neue Reiseziele dazuzugewinnen. Um Schwule und Lesben wirbt in diesem Jahr auch die Stadt Wien, die im Pink Pavillion die Besucher zu einer gratis Kaffeepause mit Wiener Melange einlädt. Auch Länder wie  Tschechien, Thailand und Indien buhlen jetzt um das homo- und bisexuelle Reisepublikum, sie sind erstmals mit einem Stand im Gay and Lesbian Travel Sektor vertreten.

Wer sich für die Szene interessant machen will, muss nach dem Top-Down Prozess handeln: die lokale Tourismusbranche muss sich den Vorlieben der Schwulen und Lesben widmen, vorhandenes Potenzial in Szene setzen und „Gay Events“ etablieren. Globaler Tourismus entsteht gerade im Schwulen- und Lesben-Umfeld mehrfach über Events. So setzen sich beispielsweise am Christopher Street Day jährlich tausende Schwule und Lesben in Bewegung um an den verschiedensten Orten der Welt für Toleranz einzutreten.

Angetrieben von ökonomischen Interessen können in diesem Sektor auch politische Prozesse angeleitet werden. Weltweite Toleranz für Schwule und Lesben ist noch lange nicht erreicht,  kann aber, so Bömkes, auch dadurch vorangetrieben werden, dass man ihnen einen wirtschaftlichen Mehrwert erkennbar macht. Toleranz kann auch ein zweiter Schritt sein.

Der ITB als globaler Leitmesse schreibt Bömkes die Aufgabe zu, gay and lesbian travel weltweit als Segment zu positionieren.

Auf welchen Widerstand die Szene regelmäßig trifft, kann Bömkes am Beispiel eines ITB Akademie-Workshops in Goa aufzeigen. Dort setzte sich im letzten Jahr der Erzbischof Goas mit Erfolg dafür ein, die Veranstaltung zu unterbinden. Aufgrund des großen Medieninteresses wurde diese Tatsache dann im Nachhinein zu einer politischen Diskussion erhoben.

Fragt man Bömkes nach seinem Tagesgefühl, kann er entschlossen sagen, dass sich die Szene auf der Messe angekommen fühlt. Die ITB bietet die weltgrößte Präsenz an Veranstaltern im Segment „Gay and Lesbian Travel“ und führt ihren Titel als Leitmesse im Hinblick auf den Support des homo- und bisexuellen Reisepublikums zu Recht.