Wird der junge Reisende immer älter? Dass sich immer mehr Menschen der älteren Generation auf Reisen begeben, spiegelt sich auch in der Kundschaft von Hostels wieder. Die ursprünglich einmal definierte preisgünstige Herberge für Jugendliche und junge Erwachsene wird immer mehr auch eine regelmäßige Übernachtungsmöglichkeit für Reiselustige in der Altersklasse 30 plus.

Auch mit 35 ist man heute noch „jung“

David Chapman, General Director der World Youth Student and Educational Travel Confederation (WYSE), sieht dennoch die jungen Leute in der Vorwärtsbewegung : „Wir schätzen, dass es weltweit weit über 30 Millionen „youth travelers“ gibt“. Jedoch habe sich in den letzten Jahren die Definition des „youth traveler“ stark gewandelt, ebenso wie die Kundschaft in den Hostels. Obwohl auch hier die Hauptzielgruppe zwischen 20 und 25 Jahren liege, so Richards, seien doch inzwischen auch 14 Prozent der Kunden aus geschäftlichen Gründen unterwegs. Somit sind Hostels nicht mehr ausschliesslich eine Absteige für Rucksackreisende. Der „youth traveler“ sei heutzutage nicht mehr genau auf eine Altersgruppe zu beschränken. Die Altersgrenze steige in den meisten Fällen auf 30, wenn nicht sogar auf 35 Jahre.

Der Preis muss auch für die Älteren  noch stimmen

Warum gehen immer mehr ältere Menschen in Hostels? „Sie werden abenteuerlustiger“, meint Richards. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters wollen die Reisenden das erfahren und erleben, was die Jugend tue. „Menschen in ihren Dreissigern wollen das „backpacking“ nicht so einfach aufgeben“, sagt zudem Carl Michel, Executive Chairman von Generator Hostels. Entscheidungsgrund Nummer eins, wenn es darum geht, für welches Hostel oder welches Hotel sich entschieden wird, ist nach wie vor der Preis. Auch wenn nach WYSE-Studien die Location ebenfalls eine wichtige Rolle spiele, sei letztlich die Location nichts wert, wenn der Preis nicht stimme. Auch Chapman ist der Meinung, dass der „Preis der Hauptfaktor“ für die Reisenden ist.

Die Hostelszene passt sich an: Internet und Komfort

Reisen sei ausserdem sozialer geworden, meint Dirk Föste, Marketing und Pressechef des Reiseveranstalters ruf. Soziale Plattformen seien zudem ein immer wichtig werdender Faktor für die Hotelindustrie. „Schon bevor überhaupt gereist wird, wollen sich die Menschen austauschen“, so Föste. Auf Hostelplattformen unterhalten sich Jugendlichen bereits vor ihren Reisen über die Qualität und den „Entertainmentfaktor“ von Hostels. Jungen aber auch älteren Reisenden sei es wichtig, einen Ort zu finden, der „nett, bezahlbar und angenehm“ ist, sagt Carl Michel. Was ein gutes Hostel ausmacht, hat sich im Laufe der Zeit gewandelt: „Heute kommt es viel mehr darauf an, was für ein Angebot an Events ein Hostel bietet. Und auch das Design nimmt immer mehr Bedeutung an“, erklärt Michel die Veränderung.

Doch ob 18 oder 35 Jahre alt – es sei das soziale Miteinander, das Zusammenkommen und Kennenlernen, das Reisen sowohl für alt als auch für jung ausmacht. Und wie Carl Michel zum Ende der Veranstaltung recht treffend feststellte : „Du lernst mehr auf einer Reise durch die Menschen, die du triffst, als durch Reiseführer“.