Foto: Dolmetscherin Vivi Bentin bei der Arbeit auf der ITB Berlin 2012. Quelle: Katharina Klöber

Wie im Bienenstock geht es zu auf der ITB, es herrscht ein Kommen und Gehen. Vivi Bentin ist mittendrin im hektischen Treiben. Um sie herum ist alles still. Die 36-Jährige ist konzentriert. Aufmerksam schaut sie durch die Glasscheibe, die sie von den Zuhörern trennt, auf den Redner auf der Bühne. Auf dem blonden Haar ein Kopfhörer, vor dem Mund ein Mikrofon. Vivi Bentin ist Dolmetscherin. Der Redner ist Niederländer. Er spricht Englisch. Was er sagt, übersetzt Bentin simultan ins Deutsche. Der Geschäftsmann präsentiert die Idee seines Unternehmens: Schwimmende Inseln sollen die Malediven vor dem Ertrinken retten.

Als ein anderer Redner die Bühne betritt, übergibt Vivi Bentin an ihren Kollegen Bernd Saure. Der 47-Jährige setzt seine Kopfhörer auf, Bentin ihre ab. Zeit für eine Lakritzschnecke und ein paar Fragen.

„In meinem Job werde ich immer wieder mit neuen Themen konfrontiert“, sagt Bentin. „Das mag ich an meinem Job, das macht die Arbeit so spannend.“ Dabei war Dolmetschen nicht von Anfang an ihr Berufswunsch. Ein Psychologiestudium brach sie ab, der Journalismus war Bentin zu hektisch. „Englisch und Französisch zu sprechen, ist mir schon immer leicht gefallen“, sagt sie. Seit 2001 ist die 36-Jährige Diplom-Dolmetscherin. In Berlin arbeitet sie seit sieben Jahren. Vier war sie im Büro des Regierenden Bürgermeisters, seit drei Jahren ist sie Freiberuflerin. „Die Arbeit für Klaus Wowereit war zwar interessant“, erzählt sie, „aber mir gefällt das projektgebundene Arbeiten besser. Es ist vielfältiger.“

Vor der Fensterscheibe der Dolmetscher-Box laufen plötzlich Messebesucher entlang. Sie haben den Anfang des Vortrags verpasst und suchen nach einem freien Platz im Saal. Die Sicht auf den Redner ist verdeckt. Vivi Bentin verscheucht die Besucher mit einer Handbewegung.

Die größte Herausforderung, sagt sie, sei das ständige Konzentrieren. „Man muss die ganze Zeit hellwach sein.“ Aber die geistige Aufmerksamkeit allein reiche nicht. „Ich muss verstehen, wie mein Gegenüber tickt, seine Botschaft rüberbringen.“ Manche Redner sprechen sehr schnell, andere lesen ihren Vortrag ab. „Mal übersetze ich einen vergeistigten Professor, mal einen abgedrehten Künstler.“ Am liebsten seien ihr Redner, die frei sprechen, gut verständlich und anschaulich.

Auf einmal drückt Bernd Saure auf den Knopf „Micro“ vor ihm. Für eine Sekunde ist die Übersetzung unterbrochen. Er schaut zu Vivi Bentin. Ihm fehlt ein Wort. Bentin hat den Vortrag mitverfolgt. „Ölplattform“, sagt sie. Saure drückt wieder auf „Micro“ und beendet seinen Satz.

Weil die Arbeit so anstrengend ist, arbeiten Dolmetscher im Team. „Ich übersetze nicht länger als eine halbe Stunde“, sagt Bentin, „dann übernimmt ein Kollege.“ In der Branche kennt man sich. „Wir leiten untereinander auch Aufträge weiter, wenn wir an einem bestimmten Termin ausgebucht sind.“ 80 bis 90 Konferenztage arbeitet ein etablierter Dolmetscher im Jahr, schätzt Bentin. Dann sitzt sie in Kabinen, mit Kopfhörern auf und übersetzt bei internationalen Veranstaltungen- so wie jetzt auf der ITB.

30 Minuten sind um. Bernd Saure setzt die Kopfhörer ab, Bentin ihre auf. Konzentriert blickt sie auf den Redner auf der Bühne. Weiter geht’s.

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