Quelle: ITB Berlin.

„Fragt man Bewerber im Vorstellungsgespräch, warum sie in die Tourismusbranche wollen, sagen viele, dass sie Fremdsprachen beherrschen und gerne reisen“, sagt Katrin Hörner, Leiterin der Abteilung Nachwuchsentwicklung beim Tourismus-Konzern Thomas Cook. Bei Neueinstellungen achte das Unternehmen jedoch stattdessen vor allem auf solide mathematische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Bewerber müssten sich mit wirtschaftlichen Kennzahlen auskennen und diese schnell richtig interpretieren können.

Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin raten deshalb Praktiker aus der Tourismusbranche Berufseinsteigern zu einer Kombination aus praktischer Berufsausbildung und Studium.

Denn Auszubildende lernen genau kennen, wie Unternehmen funktionieren und welche Aufgaben in der Praxis wichtig sind. „Es ist ein großer Vorteil, wenn man in der Lage ist, auch Buchungen durchzuführen“, sagt Hans-Gustav Koch, Geschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes. Einzelne Praktika während eines Touristikstudiums könnten eine Ausbildung nicht ausgleichen. „Auch Abiturienten brauchen dafür 24 Monate, das kann kein Betrieb in wenigen Wochen leisten“, meint Katrin Hörner. Besser seien zudem einzelne längere Praktika statt vieler kurzer.

Dass eine Berufserfahrung praktische Kenntnisse vermittelt, die vielen Studenten fehlen, kann Johanna Breit bestätigen. Die 23-jährige ist Auszubildende bei FTI in München. Kürzlich musste sie eine Praktikantin einarbeiten, die seit vier Semestern studiert. „Die fängt quasi bei null an“, sagt Breit – und erklärt ihr jetzt unter anderem, dass die Abkürzung „HP“ in Preisvergleichen für „Halbpension“ steht.

Doch andererseits lernen Studenten an Universität oder Fachhochschule Abstraktionsfähigkeit und das Denken in Konzepten. „Wir brauchen auch Absolventen, die über den Tellerrand hinaus blicken, die innovativ sind und Ideen mitbringen“, sagt Katrin Hörner.

Auch Johanna Breit möchte nach ihrer Ausbildung noch studieren. Wie viele andere Berufseinsteiger hat sie allerdings Angst, dann deshalb keine Stelle mehr zu finden, weil sie nach ihrem Studium mit 28 Jahren zu alt sein könnte. Diese Befürchtung sei jedoch unbegründet, meinen viele Praktiker auf der ITB. „Nehmen Sie so viel Ausbildung mit, wie sie bekommen können“, rät Hans-Gustav Koch den Zuhörern. Und Thomas-Cook-Personalerin Hörner erklärt, ihr Unternehmen würde bei der Bewerberauswahl nicht aufs Alter schauen, sondern auf die Qualifikation.

Unerreichbar ist er glücklicherweise nicht, der Traumjob in der Tourismusbranche. Aber auf einen langen Weg dorthin müssen sich Interessierte einstellen.

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