Bild: Polen präsentiert sich neu als Partnerland auf der ITB 2011. Quelle: Jennifer Schwanenberg.

Polen präsentiert sich auf der ITB Berlin 2011 mit einer neuen Imagekampagne. Fünf Monster, die „Vinyl Toys“, gestaltet von Tomasz Baginski, einem polnischen Trickfilmregisseur, werben für ein modernes und kreatives Polen. Schon eine Woche vor der Messe warb Jan Wawrzyniak, der polnische Fremdenverkehrsdirektor, in der Wochenzeitung DIE ZEIT für „junge Kartoffeln mit Dill und dazu ein Glas Sauermilch“, statt für die Wurst- und Fleischportionen für die Polen bislang bekannt war.

Generell solle jeder kommen, verkündet Wawrzyniak, mit der Kampagne spreche man aber eher junge Reisende an. Auf der ITB Berlin 2011 bemerken die zahlreichen Besucher am Wochenende das kaum. Eine junge Besucherin mutmaßt, dass die Kampagne für Integration wirbt, ihr Freund findet die Kampagne passe nicht zu Polen. Er war oft dort und empfand das Land als religiös, konservativ, verknöchert. Ein anderer Besucher reist jedes Jahr nach Polen. Der Messestand kommt ihm so vor wie jedes Jahr auf der ITB Berlin. Der Stand sei zwar schick, konkrete Informationen wie Reisekarten seien aber schwierig zu bekommen.

In keiner Halle ist es am Samstag Vormittag so voll, wie in der Polen-Halle. Die Besucher drängen sich durch die Gänge und stehen dicht gedrängt vor der Bühne. Dort tanzen leicht bekleidete Frauen und Männer in schicken Lederjacken zu polnischer und internationaler Pop-Musik moderne Choreografien, während zehn Meter weiter ein traditionelles gekleidetes Trio Volksmusik spielt. Einige Mitarbeiter auf dem Polen-Stand finden das gar nicht toll: „Die Tänze passen nicht zu Polen – sie könnten ebenso gut für jedes andere Land stehen.“

Die meisten Mitarbeiter auf dem Stand möchten nichts zur Kampagne sagen und lehnen lächelnd ab. „Wir wissen nicht, was die Kampagne bedeutet, es fehlt das Traditionelle“, sagt dann doch eine Mitarbeiterin.

Doch es gibt auch Mitarbeiter, die die Kampagne gut finden. Monika Rajczak ist Dolmetscherin für den Kurort Busko-Zdrój. sie sieht die Kampagne positiv: „Die Tradition kommt nicht zu kurz – wir müssen sie nur mitbringen“, erklärt sie und weist auf ihre traditionell gekleidete Kollegin. „Hier in der Halle ist immer was los – nicht wie in den anderen Hallen, hier passiert richtig was.“

Ähnlich sieht das auch Alex Lubawinski, Bürgermeister a.D. von Berlin-Pankow. Er pflegt die Städtepartnerschaft zwischen Pankow und Kotobrzeg und sieht die Kampagne als mutigen Schritt: „Polen hat hier einen starken Bruch vorgenommen, wie erfolgreich es sein wird, wird sich noch zeigen.“ Er sieht bei Polen einen Trend, dem die gesamte Messe folgt. „Früher konnte man sich von der Atmosphäre der Länder auf der Messe inspirieren lassen. Heute geht das nicht mehr.“ Seinem Empfinden nach haben die Fachbesucher der letzten Tage das gut angenommen. Für die Verbraucher ist die Kampagne schwieriger zu verstehen, aber für die hat Polen eine Menge Geschenke mitgebracht. Die sind immer gut für neue Freundschaften.

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