Bild: Die ECPAT setzt sich für Kinderschutz ein. Quelle: Claudia Kovaricek

Soziale Verantwortung im Tourismus zu übernehmen: Diesem Thema widmet sich die ITB Berlin in diesem Jahr besonders intensiv. Und zu dieser Verantwortung bekennt sich die Messe jetzt auch ganz offiziell: Mit der Unterzeichnung des Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus.

Für die Organisation ECPAT Deutschland e.V. (End Child Prostitution, Pornography and Trafficking of Children), ist das absolutes Neuland: Bisher haben rund 1.000 Reiseunternehmen, Touristikverbände und Hotelketten – hauptsächlich als Mitglieder des Deutschen Reiseverbandes (DRV) – den Verhaltenskodex unterzeichnet. Die Teilnahme der größten Tourismusmesse der Welt bietet dem Thema jetzt eine viel größere Öffentlichkeit. „ Die deutsche Reisebranche hat erkannt, wie wichtig es ist, soziale Verantwortung zu zeigen gegenüber den Menschen, die nicht selber sprechen können“, erklärt der DRV-Beauftragte Hans-Gustav Koch.

Die Arbeitsgruppe, zu der neben der ITB Berlin unter anderem auch der DRV, die REWE Touristik, Studiosus und die Thomas Cook AG gehören, ist sich einig: Untenehmen die mitmachen wollen, müssen eine Firmenphilosophie entwickeln, die sich mit der Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern auseinandersetzt, die Sensibilisierung und Schulung der Beschäftigten und Kunden sowie ein jährlicher Fortschrittsbericht gehören ebenso dazu. Damit sowohl Reisende, als auch Angestellte in Touristikunternehmen auf das Thema Kinderschutz vorbereitet werden, hat die ECPAT sogar ein spezielles E-Learning- Programm entwickelt: Der kostenlose Kurs ermöglicht es, sich Schritt für Schritt in der Umsetzung des Verhaltenskodex zu schulen.

Aber was geschieht jenseits des gesprochenen und geschriebenen Wortes? „Man muss gewisse Tabuzonen betreten“, sagt Dr. Martin Buck, Direktor des KompetenzCenters Travel und Logistics der Messe Berlin, „dabei besteht die Gefahr, dass man es sich mit kommerziellen Partnern nicht gerade leichter macht“. Schließlich verfolgt eine Region, die sich als Aussteller auf der ITB Berlin präsentieren will, eine andere Marketingstrategie und wird ungern über Widersprüche reden, die dieses positive Bild trüben könnten. Zudem ist es schwierig, Erfolge im Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern zu messen: „Es gilt, Bewusstsein zu wecken, Informationen zu geben und nachzuhalten, was daraus geworden ist“, erklärt Buck. Die strafrechtliche Verfolgung der Täter liegt schließlich in der Hand der einzelnen Länder und diese handhaben das bekanntlich ganz unterschiedlich. Dass sich eine Reisemesse, trotz dieser offensichtlichen Schwierigkeiten zu der Unterzeichnung des Kinderschutzkodex entschlossen hat, nennt Matthias Leisinger, Vorsitzender der Organisation TheCode und CSR Beauftragter von Kuoni, einen „mutigen Schritt“. Für ihn stellt die Pionierrolle der ITB Berlin eine große Chance dar, um ein Thema – welches in vielen Ländern nach wie vor tabu ist – wirksam einer breiten Masse zu vermitteln.

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