Quelle: Isabel Schoelen.

„Am 24. Dezember 2010 ging das Licht an“ berichtet Jürgen Stein, Gründer der Selva Bananito Lodge in Costa Rica. Er meint hiermit nicht etwa die Geburt Jesu, sondern die Solartechnik, die den Strom in sein kleines Dschungelcamp gebracht hat. Wer einen braungebrannten Ranger im sportlichen Outdoor- oder gar Ökooutfit erwartet, liegt falsch. Der engagierte Großgrundbesitzer mit heller Haut und leicht igelartigen, dunkelbloden Haaren spricht ein perfektes Englisch, Deutsch und selbstverständlich das für Costa Rica typische, akzentfreie Spanisch. Wer ihn anspricht, wird erst einmal herzlich umarmt.

Jürgen Stein wuchs in Kolumbien auf, sein Großvater wanderte bereits 1926 aus Deutschland aus und widmete sich der Landwirtschaft. Die Mutter unterrichtete Jürgen Stein und seine zwei Schwestern, denn eine Schule gab es weit und breit nicht. Die Familie zog nach Costa Rica als er acht Jahre alt war. Hier ging Stein auf die Deutsche Schule in San José. Studiert hat Jürgen Stein Kunstgeschichte in den USA und Tourismusmanagement in Österreich. Sein Vater kaufte 15 Hektar Land in der Nähe der Hafenstadt Limón an der Karibikküste. Von der Hauptstadt dorthin, mitten ins Nirgendwo, dauerte es damals fünf Stunden mit dem Auto, dann weiter mit dem Zug und nochmal drei Stunden auf einem Pferd. Heute erreicht man die Lodge und das dazugehörige inzwischen 850 Hektar große Steinsche Privatreservat innerhalb von  vier Stunden. 

Die Idee, das Land des Vaters für den Ökotourismus zu nutzen, entwickelten seine Schwester und er schon früh. „Wir sind umweltbewusst aufgewachsen, und es ist so schön dort“, so Stein. Im Dezember 1995 kommen die ersten Gäste ins Hotel, das damals aus sieben Zimmern besteht. Die Häuser sind alle aus Abfallholz gebaut und mit Öllampen ausgestattet. Strom gibt es anfangs nicht. Das Wasser wird durch Solarenergie erhitzt. Stein legt großen Wert auf Recycling und die verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen. Die Seife des Hotels zum Beispiel ist komplett ökologisch abbaubar und selbst die Visitenkarten und Flyer bestehen zu 90 Prozent aus Bananenfasern. Gebadet wird nicht im Pool sondern in Flüssen oder  Wasserfällen.

Costa Rica, so sollte man meinen, ist das ideale Land für Ökourlauber: rund 20 Prozent der Fläche des Landes, das die Größe Niedersachsens hat, stehen unter Naturschutz. Insgesamt kann sich Costa Rica mit vier Prozent der Artenvielfalt der Erde brüsten. Doch so stolz ein jeder Costarikaner darauf auch sein mag: die Realität offenbart sich außerhalb der Schutzgebiete. Müll liegt überall am Straßenrand und die Flüsse sind stark verschmutzt. Dass ihr Trinkwasser nicht aus dem Hahn, sondern aus eben diesen Flüssen kommt, ist den Wenigsten bewusst.

In der der Selva Bananito Logde kämen die überwiegend europäischen Touristen zurück zu ihrer Ursprünglichkeit, so Jürgen Stein. Wer nicht an Wanderungen, Canopy- oder Reittouren teilnehmen möchte, den fordert er auf, stattdessen den Geist zu entspannen, die Hängematte zu genießen und ein Buch zu lesen oder Vögel zu beobachten. Was der Regenwald ihm persönlich bedeute? „Der Regenwald“, sagt er ohne zu zögern, „das ist der Ursprung des Lebens“.

Wenn man den fixen Manager reden hört, so glaubt man, es gebe keine Rückschläge und Misserfolge in seinem Leben. Kaum vorstellbar, in einem Land, in dem es keine Straßennamen gibt und in dem kleinere Erdbeben zum Alltag gehören. Doch selbst bei Überschwemmungen ist die Lodge zu Pferd erreichen. Und im Notfall kann man sich immer noch an einem Drahtseil vorbei an Faultieren und Affen von Baumkrone zu Baumkrone hangeln. Jürgen Stein selbst saust nur noch selten zwischen den Wipfeln hin- und her. Er sitzt im Büro in der Hauptstadt, von wo aus er die Natururlauber koordiniert und alles weitere delegiert. Der nachhaltige Tourismus auf seiner Lodge ist trotz aller Regenwaldromantik ein Geschäft und Stein versteht es, dies überzeugend zu verkaufen. Ein flotter Satz hier, ein Lachen dort, für jeden hat Stein den passenden Spruch auf Lager.

Die Selva Bananito Lodge funktioniert als Familienunternehmen. Sein Cousin Benny Stein betreut mit ihm gemeinsam den Stand auf der ITB Berlin 2011, seine Schwester organisiert Schildkrötentouren in Costa Rica. „Die Finanzierung kommt aus reiner Leidenschaft und  Verantwortung“, so sagt er in seinem Vortrag, und klingt dabei ein bisschen wie sein eigener Pressesprecher. Mehr über den ökonomischen Hintergrund einer der ökologischsten Lodge Costa Ricas erfährt niemand etwas.

Auf die Frage nach seiner Heimat antwortet Stein: „Ich glaub, der Urwald!“ Für die Zukunft plant er weitere vier Zimmer. Und auch das wird dem zielstrebigen, selbstbewussten Mann mit Brille vermutlich mühelos gelingen.

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