Quelle: Isabel Schoelen.

Als die Veranstaltung „Haiti ein Jahr nach dem Erdbeben“ in Halle 4.1. beginnt, nimmt die Messe wie gewohnt ihren Lauf: Am Stand von Burundi wird getanzt und getrommelt, Fachbesucher informieren sich in den Hallen, man verhandelt und trinkt Kaffee. Dabei wird in diesem Moment Japan von einer Naturkatastrophe heimgesucht. Haiti wurde durch das Erdbeben am 12. Januar 2010 zurück in die Steinzeit katapultiert.

Die genauen Ausmaße des bisher schwersten Erdbebens in der Geschichte Japans mit der Stärke 8.9 sind noch nicht bekannt, doch es bringt Japan, ein Land des Fortschritts und der Strebsamkeit zum Stillstand. Nichts geht mehr an den Flughäfen im Norden, das Telefonnetz ist zusammengebrochen und auch der Strom ist ausgefallen. Die Rede ist von bis zu zehn Meter hohen Wellen, die die Gegend rund um die Stadt Sendai verwüsten.

Ein Wunder, dass die Vertreter am japanischen Stand in Halle 26 dabei so gelassen und ruhig bleiben. Professionell und routiniert lächelt und scherzt man – und geht seinem Business nach. Das Mitgefühl des Teams für ihre Landsleute ist minimal. Man entschuldigt sich stattdessen: „What can we do?“ „We are very sorry, but”, der freundliche Japaner druckst ein wenig herum, „it is our duty promoting Japan“.  Viel wissen die japanischen Repräsentanten noch nicht über die Katastrophe in ihrer Heimat, tausende Kilometer  entfernt vom geschäftigen Messestand auf der ITB Berlin 2011.

Die zurückhaltende Dame vom Infocounter der Region Mie lässt sich wenig Emotionen entlocken, sie komme ja eh aus dem Süden und veranschaulicht die Distanz zum betroffenen Gebiet auf einer Landkarte. Weitere  Auskünfte möchte sie nicht erteilen, da dies ja ein negatives Licht auf Japan werfen könnte. Keiner vom Messestand beklagt offenbar Angehörige unter den Opfern. Die Repräsentanten geben sich erstaunlich optimistisch in dieser Situation. Japan, ein Land mit 127 Millionen Einwohnern habe die Erfahrung und das Wissen, die Folgen der Naturkatastrophe zu meistern. Nur aus der guten Idee, den Vulkantourismus weiter auszubauen, werde wohl vorerst nichts, sagt die scheinbar einzige Betroffene: Mie Schneider-Yamato.  Sie aber hat gut reden: Sie lebt in der Schweiz.

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