In der Halle 4.1 der ITB-Berlin, in der „Trends und Events“ vorgestellt werden, findet sich ein besonderer Stand, an dem sich der palästinensische Ort Jenin und der israelische Landkreis Gilboa gemeinsam präsentieren. Ihr Motto heißt: „Tourismus für den Frieden“. Damit erfüllt das palästinensisch-israelische Joint-Venture den Satz des israelischen Tourismusministers Stas Misezhnikov mit Leben. Er hatte auf der Pressekonferenz zur Eröffnung des israelischen Standes davon gesprochen, dass Tourismus eine Brücke zum Frieden schaffen könne.

Dass in der Grenzregion zwischen Jenin und Gilboa heute eine friedliche Atmosphäre und reger Austausch herrschen, ist vor allem zwei Männern zu verdanken, die schon vor Jahren begonnen haben miteinander zusammen zu arbeiten und die sich heute als Freunde bezeichnen: Der Palästinenser Kadoura Mousa, Gouverneur von Jenin, und der Israeli Dani Atar, Landrat von Gilboa. Noch vor kurzem galt Jenin als „Hauptstadt des Terrors“ und deshalb war es auch in Gilboa nicht mehr sicher. Aber schon 2005 nahm Dani Atar Kontakt zu Kadoura Mousa in Jenin auf, überzeugt davon, dass nur die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit langfristige Sicherheit für beide Seiten verleihen könne.

 Atar erreichte 2007 eine eingeschränkte Öffnung des Grenzüberganges, so dass heute ein reger Austausch an der Grenze stattfindet. Vor allem Palästinenser überqueren die Grenze um in Gilboa einzukaufen. In Zukunft sollen auch Touristen den Weg in beide Richtungen nehmen.Denn Jenin und Gilboa haben ein grenzüberschreitendes Tourismusprogramm entwickelt: Orte biblischer Ereignisse sollen auf beiden Seiten Besucher anziehen. Eine besondere Attraktion ist die byzantinische Kirche St. Georg im Dorf Burkin nahe Jenin, die fünftälteste der Welt. Hier soll Jesus zehn Leprakranke geheilt haben. Auf israelischer Seite lädt das Gilboa-Gebirge zu Wanderungen ein, wo der biblische König Saul seine letzte Schlacht gegen die Philister kämpfte, in dem er und sein Sohn ums Leben kamen. Im Winter kann man hier sogar Skifahren und auf Einladung von Atar sollen sich dort in Zukunft auch palästinensische Kinder vergnügen dürfen. Außerdem sind in Jenin und Gilboa zwei Zentren für Kultur und Sprache geplant, in denen palästinensische Lehrer Israelis arabisch und umgekehrt israelische Lehrer Palästinensern hebräisch beibringen sollen. Schließlich soll in den kommenden Jahren ein gemeinsamer Industriepark auf palästinensischem wie auf israelischem Gebiet aufgebaut werden und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Denn der Friede hänge auch davon ab, ob in Jenin neue Arbeitsplätze entstehen, so Mousa.

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